Interview mit Anna Jung vom 20.01.2009
Von links nach rechts: Per Schönacher, Anna Jung, Johannes Wörle, Mario Thaler, Florian Steinleitner

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... wir haben bereits ein paar tolle Lesungen im Kasten, die wir wegen der Erscheinungstermine noch nicht online stellen konnten. Zum Beispiel Franzobel, Verena Rossbacher, Benjamin Lebert, Eleonora Hummel ...

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Eine große Auswahl Bücher auf www.zehnSeiten.de

Das Team von ZehnSeiten.deAnna Jung,
aufgewachsen in Salzburg, danach zehn Jahre wien, dazwischen kurz Berlin, dann Umweg über Ingolstadt nach München.
Meistens Buchhändlerin, früher
mal Direktionsassistentin am Theater, lang davor Studentin (Publizistik, Germanistik) beantwortete die Fragen für das Team von zehnSeiten.de
Von links nach rechts:
Per Schönacher (Akustiker)
Anna Jung
Johannes Wörle (Buchwissenschaftsstudent)
Mario Thaler (Produzent)
Florian Steinleitner (Manager von notwist)
Alle zusammen sind seit 2009 Gesellschafter der zehnSeiten-gmbh und zusammen sind sie etwas über 150 Jahre alt.

www.zehnseiten.de

sagmal.de:
Anna, ich habe auf Denic ein paar Recherchen durchgeführt. Eineseite.de ist registriert, sechsseiten.de auch. Als Nächstes kommt Ihr wieder mit zehnseiten.de.
Warum gerade zehn? Warum keine sieben, dreizehn oder einunddreissig? Die sind auch alle noch frei.

Anna Jung:
Lustigerweise kommt diese Frage oft. Die Autoren lesen eben (mehr oder weniger) genau zehn Seiten aus ihrem Buch vor, und zehn sind, finden wir, der richtige Umfang, um in eine Geschichte so weit einzutauchen, dass man unbedingt dranbleiben will und sich dann auch vielleicht das Buch kauft. Und die Lesezeit beträgt zwischen 10 und 25 Minuten, das ist die ideale Zeit, um einer Lesung konzentriert zuhören zu können.

sagmal.de:
Wer kam wann auf die Idee, solch eine Plattform zu erstellen?

Anna Jung:
Mario Thaler, dem das Uphon-Studio gehört, ist unser Filmer und Produzent (eigentlich ist er Musikproduzent von z.b. notwist, console, slut und polarkreis 18) und Per Schönacher, einer unserer Geschäftsführer, sind alte Freunde und kamen in einer langen Nacht auf die Idee - ausgehend von den manchmal grausam dummen Kommentaren auf Amazon die zum Kauf verführen sollen. Sie wollten eine Möglichkeit erfinden, wie man sich über Bücher informieren kann, ohne auf die Meinung Aussenstehender angewiesen zu sein. Es war also mehr oder weniger im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee ... Mario ist einer von denen, der, wenn er eine Idee geboren hat, sich sofort an deren Realisation setzt. Noch in derselben Nacht hat er die Domain www.zehnSeiten.de gesichert ... das war im Spätsommer 2007.

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sagmal.de:
Wie und nach welchen Kriterien sucht Ihr aus, wer als Vorleser auf eure Seite kommt?

Anna Jung:
Inzwischen schlagen uns die Verlage Autoren vor, dennoch entscheiden wir dann noch, ob es auch zum Bisherigen passt. Es ist schwierig, da einen Konsens in Worte zu fassen, aber ich denke, wenn man die Autoren die wir bisher haben durchgeht, weiss man, was wir in etwa wollen. Wir sind aber offen und hoffen auf baldige Lesungen auf englisch von englischsprachigen Autoren, vielleicht kommt bald Lyrik dazu ... wer weiss? Aber der Qualitätsanspruch soll derselbe bleiben, das ist ganz klar.

sagmal.de:
Wie funktioniert das Ganze? Wo und von wem wird aufgenommen? Wie finanziert es sich?

Anna Jung:
Wie gesagt, Mario Thaler filmt in seinem Studio in Murnau. Alle Autoren sitzen also an demselben Tisch ... derzeit ist es noch so, dass die Verlage für die Produktion aufkommen. Allerdings ist der Preis so niedrig, dass wir eigentlich nur unsere Ausgaben decken. Wir hoffen, dass wir bald eine Lösung finden, die uns auch verlagsunabhängig mit Autoren arbeiten lässt, allerdings wollen wir auf jeden Fall werbefrei bleiben. Das ist ein weiterer Grundsatz.

sagmal.de:
Und auf welche Zielgruppe seid Ihr aus? Autoren? Literaturinteressierte? Verlage?

Anna Jung:
All das. Und Leser natürlich, vielleicht sogar bisherige Nichtleser, die so zum lesen angeregt werden. Wir haben bereits ein paar Dankesmails dieser Art bekommen ...

sagmal.de:
Wie soll sich das Ganze weiter entwickeln? Wird es in Zukunft, Newsletter, RSS-Feed und Podcastabos geben? Vielleicht sogar längere Lesungen auf Wunsch in Farbe?

Anna Jung:
Newsletter gibt es bereits. Wir informieren über jede neue Lesung. Alles andere kommt mit der Zeit bestimmt auch ...
Längere Lesungen in Farbe? Nein.

sagmal.de:
Wenn bei den Gründern einer Literaturseite ein Musikproduzent mitmacht, denkt man sofort an Castings, an Verträge, Auftritte und so weiter. Wie kommerziell ist zehnSeiten und wie kommerziell soll sie in Zukunft werden? Welche Rolle spielt Mario Thaler?

Anna Jung:
Mario: Siehe oben. Ohne ihn wäre das alles nichts. Castings: Nein. Auftritte: Als Mitveranstalter bei Lesungen, vielleicht. Verträge: Klar, mit den Verlagen. Kommerziell: Nein. Und lieber ein bestehen bleibender Qualitätsanspruch als Kommerz. Ich denke, das war auch schon immer Marios Arbeitsweise.

sagmal.de:
Ihr kooperiert mit ZEIT online. Wie genau sieht diese Kooperation aus?

Anna Jung:
Bei der ZEIT online geht es derzeit rund, wegen der Übernahme durch die Holtzbrinck-Gruppe. Deshalb steht dort momentan vieles still - in Zukunft werden wir aber wohl eine eigene Rubrik bekommen, die "Videolesungen" heisst, und in der man in etwa wöchentlich ein neues Video sehen kann, das ein vierminütiger Ausschnitt aus unseren Lesungen sein wird.

sagmal.de:
Was erwartest du vom Internet der Zukunft?

Anna Jung:
Die totale Vernetzung. Ich finde das ja ganz lustig ...

sagmal.de:
Gibt es im Web eine Seite, die dir besonders am Herzen liegt, außer zehnSeiten.de?

Anna Jung:
Meine Bank
www.derstandard.at (für nachrichten aus der heimat)
www.babel-verlag.de (toller verlag, tolle texte, wunderschöne bücher)
www.literatur-muenchen.de (klappentext, immer gut!)
www.perlentaucher.de (alles wissenswerte gesammelt)

sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

Anna Jung:
Vielleicht worauf ich mich bei zehnSeiten in Zukunft freue? Auf all die kommenden Lesungen, wir haben bereits ein paar tolle im Kasten, die wir wegen der Erscheinungstermine noch nicht online stellen konnten. Zum Beispiel Franzobel, Verena Roßbacher, Benjamin Lebert, Eleonora Hummel, ...

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Anna Jung:
Lesen! Lesen! Lesen!! Es gibt so viele neue Geschichten, Gedanken, Vorstellungen, Ideen und Ausbrüche aus dem Alltag die man sich sonst vorenthält.

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Das Interview wurde am 20.01.2009 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Anna Jung für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen


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