Interview mit Philipp Winterberg vom 8.6.2002
Philipp Winterberg

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Das Internet verlässt die PCs und wir alle können per "Augmented Reality" bestimmen, was wir wo, wann, wie sehen und mit wem wir kommunizieren. Das ist die Zukunft. Darauf freue ich mich jetzt schon. :-)

Gute Taten

Philipp Winterberg
Geboren am 07.11.1978 in Münster. Nach Abitur und Zivildienst Studium der Medieninformatik in Tübingen. Dann Wechsel des Studiengangs zu Kommunikationswissenschaft, Psychologie und Öffentlichem Recht in Münster.

Philipp Winterberg ist Mitglied der Shareware Autoren Vereinigung SAVE und hat seit 1992 über 50 Share- und Freewareprogramme entwickelt, darunter ShutDownKönig, BootScroller, Blödtris, BSE-Cursor, Moorhühner bei Nacht, Turnbeutelvergesser etc. Diese Programme wurden bereits über eine Million Mal aus dem Internet heruntergeladen und auf den CD-ROMs/DVDs zahlreicher Zeitschriften veröffentlicht, z.B. c't, PC Welt und Chip. Seit 1995 erstellt Philipp Winterberg Websites, darunter gutetaten.de/ boesetaten.de, shutdownking.de, reflex.muenster.org etc.
Weitere Aktivitäten, vom Anti-Nikotin-Vertrag über Gedichtbände bis hin zum Dance-Projekt, sind auf der Website www.winterbergs.de näher beschrieben.

sagmal.de:
Philipp, Webdesigner, Buchautor, Softwareentwickler, Journalist, Radiomoderator. Hab ich etwas vergessen? Ach so, Student fehlt noch. Wer oder was ist denn Philipp Winterberg?

Philipp Winterberg :
Glücklich. :-)

sagmal.de:
Und auf welche Deiner vielen Talente willst du Dich irgendwann spezialisieren?

Philipp Winterberg :
Die Teilnahme an der nächsten JtoJ Weltmeisterschaft ist mein Ziel, vielleicht werde ich Profi. Aber ich möchte auf jeden Fall flexibel bleiben: Bei neuen Projekten in völlig unbekannte Welten eintauchen.

sagmal.de:
Auf Bösetaten.de kann man Menschen, die man nicht mag, virtuell etwas "Böses" antun. Auf Gutetaten.de ist es umgekehrt, da geht es mehr um Streicheleinheiten für Menschen, die man liebt. Warum die unterschiedlichen Angebote?

Philipp Winterberg :
Alle Leser, die nicht wissen, was eine "Virtuelle Schlägerei" ist, sollten an dieser Stelle erst einmal einen kleinen Abstecher auf http://www.boesetaten.de machen. Die unterschiedlichen Angebote gibt es natürlich deshalb, weil nicht alle immer nur böse sind. Oder nur gut. Das Süße kann ohne das Saure nicht existieren, die Figur nicht ohne Grund. Nur durch Kontrast werden die Dinge wahrnehmbar. Seltsame Frage. Seltsame Antwort?

sagmal.de:
Was wird denn öfter von Deinen Besuchern genutzt? Das Gute oder das Böse?

Philipp Winterberg :
Das Ringen zwischen Gut und Böse ist hart und scheinbar endlos. Heute z.B. hat das Gute mit knappem Vorsprung gewonnen. Auf Dauer könnte sich dies stabilisieren, da - Gott sei Dank - fast alle Menschen mehr Freunde als Feinde haben. :-)

sagmal.de:
Und was von den beiden war zuerst da?

Virtuelle Schlägerei Philipp Winterberg :
Das Böse. Im Februar 1999. Sauer auf einen Freund, der gerade in einer anderen Stadt war, hatte ich die Idee, das Problem über das Internet zu lösen. Mit einer "Virtuellen Schlägerei". Schnell war ein Formular mit 20 Taten erstellt und die Schlägerei konnte beginnen. Das machte so viel Spaß, dass ich mich mehr darum kümmerte. Plötzlich kamen tausende Besucher pro Tag und prügelten sich...

Das Gute kam 12/2000 - passend zu Weihnachten - hinzu. Auch hier fand sich sofort ein begeistertes Stammpublikum. Ich selbst benutze die guten Taten sehr gerne, da man in wenigen Sekunden Freunden eine kleine Nachricht schicken kann, die zeigt: "Hey, ich denke an Dich."

sagmal.de:
Was mich immer wieder interessiert, ist der Hintergrund bei solch werbefreien Seiten. Alles versucht, im Internet Geld zu machen, nur einige, wie zum Beispiel Deine Projekte. gibt es ohne Werbebanner, ohne lästige Pop-ups. Wie erklärst Du mir das? Brauchen denn Studenten kein Geld?

Philipp Winterberg :
Der Werbemarkt ist seit einigen Jahren tot. Pop-ups und lästige Banner, die wertvolle Bandbreite verschwenden, aber keinen Gewinn bringen, sind mehr als störend.
Studenten brauchen Geld. Dringend. Deshalb streiken wir auch momentan. Die Pläne der Regierung in NRW, Studiengebühren einzuführen, müssen unbedingt gestoppt werden. Ohne Bildung ist keine Gesellschaft überlebensfähig.

sagmal.de:
Wie und wann hast Du eigentlich mit dem Erstellen von Software angefangen?

Philipp Winterberg :
Schon auf dem Weg zur Eizelle verwirrte ich die anderen Spermien mit wilden Programmideen - Nicht. Alles begann ganz unspektakulär in der Schule. 1992. In der Turbo-Pascal-AG. Sofort war ich fasziniert von Prozeduren, Schleifen und der Möglichkeit, blitzschnell Ideen umzusetzen. Parallel zur AG begann ich, meine eigenen Programme zu entwickeln und habe damit nicht wieder aufgehört.

sagmal.de:
Planst Du auch grössere Programme zu erstellen? Vielleicht in Zusammenarbeit mit anderen Autoren?

Philipp Winterberg :
Bei einem komplexen Produkt ist es fast unmöglich, alles selbst zu erstellen. Man braucht z.B. erfahrene Betatester, Übersetzer, Models, Synchronsprecher oder einen begabten Zeichner. Es gab bereits viele erfolgreiche Kooperationen mit kompetenten Freunden: Peter Asemann, Julia Holtkötter, Sebastian Donath u.a.

sagmal.de:
Was fällt Dir zum Internet ein, wenn Du nach positiven oder negativen Aspekten gefragt wirst? Oder besser, was sind im Internet die bösen, was die guten Taten?

Philipp Winterberg :
Das Internet an sich ist so wenig gut oder böse wie eine Telefonleitung oder ein Blatt Papier. Es sind eher die Inhalte, die Taten, aber das ist dann reine Geschmackssache:

Böse sind für mich der Abmahnwahn, die 0190-Dialer, die Pop-ups, die Viren und natürlich der IE. Gut dagegen Indymedia, E-Mail, Freeware und Mozilla. ;-)

sagmal.de:
Und wie wird, Deiner Meinung nach, das Internet der Zukunft aussehen?

Philipp Winterberg :
Meinen größten Respekt an Tim Berners Lee, der das WWW erfunden hat. Schön wäre, wenn seine Visionen wahr würden. Oder meine: Das Internet verlässt die PCs und wir alle können per "Augmented Reality" bestimmen, was wir wo, wann, wie sehen und mit wem wir kommunizieren. Das ist die Zukunft. Darauf freue ich mich jetzt schon. :-)

sagmal.de:
Gibt es eine oder mehrere Seiten, ausser Deinen eigenen, die Dir am Herzen liegen?

Philipp Winterberg :
Wirklich sehr gut gefällt mir das Design von Pixelfalle und das Online Magazin Dr. Web, für das ich gelegentlich schreibe. Auch ist da natürlich noch die Website des JtoJ Weltverbandes. Wie bereits erwähnt trainiere ich für die Weltmeisterschaft. ;-) Ferner der Heise Newsticker, Telepolis, Indymedia, SAVE etc.

sagmal.de:
Hast Du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

Philipp Winterberg :
Ja.

Philipp, die frühen Jahre sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Philipp Winterberg :
Release is peace.

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Das Interview wurde am 8.6.2002 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Philipp Winterberg für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen

 

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