Willi/Steffen Buchert geb 1966 als Kind seiner Eltern
Seine Jugend war relativ ereignislos. Erster Kontakt mit seiner späteren Droge: Bildung.
Sobald er lesen konnte, begann er unkontrolliert zu konsumieren: ersten Experimenten mit weichen Drogen (Reclamhefte) folgten bald schwere Kaliber (Brockhaus, manchmal mehrere
Bände an einem Tag)
Eine Lehre in einem ehrbaren Beruf (Industriekaufmann) konnte ihn nicht
bremsen. Nach einem kurzen Intermezzo als Landsknecht im Pfälzischen stand
sein Entschluss fest: Er wollte Designer werden.
Die Möglichkeit legalen Umgang zu haben mit den unterschiedlichsten Formen
von Informationen in Schrift und sogar Bild lies ihn diesen
verhängnisvollen Weg einschlagen. Kurz vor Abschluss des Studiums bot sich
ihm eine einzigartige Chance. Er konnte "Info-Dealer" werden, andere an den
Stoff bringen, vielleicht sogar damit Geld verdienen...
1996 gründete er mit ein paar anderen Infomaniacs die BioLinx GmbH eine
Agentur für Wissenschaftskommunikation.
In diesem fruchtbaren Umfeld entstanden 1997 die W-Akten, der Rest ist
Geschichte.,
*** Kommerzieller Pfusch (Design und Inhalt) gehören hoffentlich bald der Verganganheit an. Daneben wird es aber ein Heer von unkommerziellen Angeboten geben, die eine der Urideen des WorldWideWeb - freie Information für alle - am Leben erhalten.
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sagmal.de:
Bei den X-Akten geht es um ungeklärte Kriminalfälle. Bei den W-Akten geht es zum Beispiel um das Fassungsvermögen von Elefantenrüsseln. Warum eigentlich W-Akten? |
Willi/Steffen Buchert
:
Die W-Akten, kurz für "Willis Akten" sind meine Sammlung von "ungestellten
Fragen des Alltags" oder wie der Untertitel sagt "Bildung die keiner
braucht". Der Vergleich mit den "X-Akten", den ungelösten Fällen des FBI
ist dabei natürlich durchaus beabsichtigt.
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sagmal.de:
Wie kam das Ganze zustande und warum? |
Willi/Steffen Buchert:
Begonnen hat alles im letzten Jahrtausend, als ich in die Verlegenheit kam
die ersten Web-Projekte abwickeln zu dürfen. Das Internet bot die
Möglichkeit meine geheime Leidenschaft (das Horten von unnützem Wissen),
meinen Beruf als Designer, und den allen Designern angeborenen anonymen
Exhibitionismus (alle sollen es sehen, aber nicht unbedingt wissen wer's
war) zu kombinieren.
Btw. natürlich spielt auch der Umweltschutz eine große Rolle, die W-Akten
werden z.B. vollständig auf recycelten Altpixeln publiziert.
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sagmal.de:
Und wer genau ist Willi Weisswas? Eine Person? Ein Team? |
Willi/Steffen Buchert:
Willi ist mein Alter Ego, praktisch der ins Web verlagerte dunkle Teil
meiner Existenz. Willi kann sich so besserwisserisch geben wie er will. Er
kann mit Wissen prahlen, das eigentlich keinen interessiert. Allerdings kann
auch ein Willi Weisswas nicht alles wissen (aber ich arbeite dran). So kam
es im Laufe der Zeit zu einem kleinen aber exquisiten Stab von willfährigen
Mittätern, die mir im "Zweifelsfalle" mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Die Infos die in den W-Akten allfreitaglich veröffentlicht werden, wurden
mir anfangs zögerlich von Internet-Nutzern zugeschickt, die oft nicht mehr
wussten, wohin mit all dem Altwissen, das sie selbst nicht mehr brauchten.
Damit diese rege Spendentätigkeit nicht unbelohnt bleibt, gibt es seit ca.
einem Jahr "W-Aktien", pro verwendeter Einsendung bekommt man eine W-Aktie
und erscheint auf meiner "Mitwisser-Liste".
Die Botschaft dabei ist: "Besserwissen ist keine Schande!"
Die W-Aktie ist übrigens eine der wenigen Aktien, die von den Börsencrashs
der letzten Zeit völlig unbeeindruckt blieb.
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sagmal.de:
Bekommt Ihr oft auch Fragen gestellt? |
Willi/Steffen Buchert:
Ja. Von Anfang an war Willi auch eine Anlaufstelle für all die Suchenden,
die Frager, denen nie geantwortet wurde. Solch klassische Wissenslücken wie:
- Wie kommen die Erbsen aus der Schote in die Dose?
- Haben auch männliche Beuteltiere einen Beutel?
- Haben Schlangen Mandeln?
konnten im Laufe der Zeit gestopft werden.
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sagmal.de:
Gab es schon Fragen, die Willi nicht beantworten konnte? |
Willi/Steffen Buchert:
Da rührst du in einer alten Wunden. Aber ich bekenne: Ja es gab Fragen, die
auch Willi nicht beantworten konnte. Dafür gibt es aber eine kleine Rubrik,
in der ich die unbeantworteten Fragen den Besucher meiner Seite vorstelle.
Über kurz oder lang werden die meisten dann doch gelöst. Irgendwann wird
vielleicht auch jemand wissen, seit wann es in Deutschland Fritten gibt.
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sagmal.de:
Gibt es Leute im Netz, denen du auch gerne einmal Fragen stellen würdest? |
Willi/Steffen Buchert:
Fragen ist immer so unbefriedigend, die Antworten, die man bekommt sind
meistens so erschreckend konkret. Die wirklich interessanten Fakten entdeckt
man en passant. Eine meiner Lieblingsinfos ergab sich in einem Gespräch über
die Baßtölpelkolonie in der Stuttgarter Wilhelma, so ganz nebenbei. Man
hatte dort zufällig herausgefunden, dass eines der Vogelpärchen das immer
zusammenlebte aber keine Eier legte, aus zwei Männchen besteht. Es handelt
sich also um das einzig bekannte schwule Baßtölpelpaar. Das ist eine echte
W-Akten Info, oder?
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sagmal.de:
Ich wusste zum Beispiel nicht, dass Pelikane mit offenen Augen tauchen und im Alter daher oft erblinden. Woher habt Ihr solche Sachen? Das findet man doch nicht in normalen Lexika? |
Willi/Steffen Buchert:
Gute Frage. Viele Infos kommen einfach so auf einen zu, man muss sie nur
erkennen. In den blödsinnigsten Inhalten wird oft in einem Nebensatz ein
echter Knaller versteckt.
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sagmal.de:
Eure Seite fällt ja ein wenig aus dem Rahmen, weil Ihr absolut keine Werbung einsetzt. Wie finanziert sich das Ganze? |
Willi/Steffen Buchert:
Um einen alten Spruch aufzuwärmen: "die W-Akten arbeiten ohne Profit, das
war nicht so geplant, hat sich aber so ergeben". Sollte sich ein
finanzstarker Sponsor finden, wäre ich natürlich nicht abgeneigt
W-Enture-Capital anzunehmen. Auch Werbekunden würden natürlich nicht
zurückgewiesen.
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sagmal.de:
Die W-Akten haben ja nichts mit den eigentlichen Arbeiten zu tun, die Biolinx durchführt.
Was macht Biolinx eigentlich genau? |
Willi/Steffen Buchert:
BioLinX betreibt Wissenschafts-Kommunikation. D.h. wir bereiten
wissenschaftliche Inhalte - hauptsächlich aus dem Bereich Life Sciences -
Zielgruppengerecht auf. Dazu gehört neben der Info-Recherche auch das
Texten, die Illustration sowie die komplette Gestaltung von
Kommunikationsmitteln.
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sagmal.de:
Wie ist Willis Meinung zum Internet generell?
Fluch oder Segen für die Menschheit? |
Willi/Steffen Buchert:
Das Internet ist eine neue Kulturtechnik, vergleichbar mit den verschiedenen
früheren Entwicklungen der Kommunikationstechnik. Die Druckkunst
(originalgrafische Techniken wie Radierung, Kupferstich etc.) brachte die
Möglichkeit zur Vervielfältigung von Bildwerken. Auf einmal konnte man z.B
in Nordeuropa die Werke der italienischen Grafiker im Original sehen.
Mit Gutenbergs Revolution konnten Schriften in fast beliebiger Auflage
vervielfältigt werden die Voraussetzung für die meisten weiteren
gesellschaftlichen Umwälzungen. Bücher wurden auch für Normalsterbliche
erschwinglich.
Mit dem Internet hat auf einmal jeder die Möglichkeit zu publizieren. Ohne
Einflussnahme von Verlegern oder den Zwang Unsummen aufzubringen. Damit
gibt es zum ersten mal ein wirklich freies Medium.
Natürlich sind auch hier die großen Publisher eine Macht, aber spannend wird
die Sache erst durch die vielen "kleinen" Webangebote. Jemand wie der Türke
Mahir wird über Nacht zum internationalen Star. Warhols Anspruch "In der
Zukunft wird jeder für 15 Minuten ein Star sein" sind wir damit ein gutes
Stück näher gekommen.
Wie jede Technologie kann natürlich auch das Internet missbraucht werden. Ob
die Publikation von (auch kriminellem) Schwachsinn allerdings eine
dauerhafte Zielgruppe hat, wage ich zu bezweifeln. Die Vergangenheit hat
gezeigt, dass die Verbreitung sinnfreier Inhalte in hohem Maße auf permanent
neue Begleitreize angewiesen ist. Damit geht den meisten Angeboten schon
bald, langeweilebedingt, die Luft aus.
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sagmal.de:
Wohin entwickelt sich deiner Meinung nach das Web der Zukunft?
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Willi/Steffen Buchert:
Es wird wie viele neue Kommunikationsmodelle Alltag werden. Radio,
Fernsehen, Telefon (seit kurzem auch das Handy) sind ja schon lange
Normalität.
Was sich wohl ändern wird sind die Angebote. Professionelle Lösungen werden
professioneller (und damit auch teuerer) werden. Kommerzieller Pfusch
(Design und Inhalt) gehören hoffentlich bald der Verganganheit an.
Daneben wird es aber ein Heer von unkommerziellen Angeboten geben, die eine
der Urideen des WorldWideWeb - freie Information für alle - am Leben
erhalten.
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sagmal.de:
Wo ist Willi so im Internet unterwegs? |
Willi/Steffen Buchert:
Puh, schwierige Frage.
Eine meiner Lieblingsadressen ist muellseite.de.
Bei den Beispielen überlauft mich immer so eine
Gänsehaut.
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sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst? |
Willi/Steffen Buchert:
Vielleicht die nach meinem Honorarvorstellungen... ;-)
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
Willi/Steffen Buchert:
Huch, schon fertig?
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Das Interview wurde am 7.4.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Willi alias Steffen Buchert
für die Beantwortung unserer Fragen. |
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