Patrick Boos geb am 9. März 1967 in Hamburg, studierte von 1988 bis 1994 Betriebs- wirtschaftslehre an den Universitäten Bonn und Trier. Während seines Studiums widmete er sich Beratungsprojekten in Deutschland und den USA. Von 1994 bis 1999 war er bei SAT.1 Satelliten Fernsehen GmbH beschäftigt, zunächst als Assistent der Geschäftsführung, später als Projektleiter für den Aufbau von Werbefenstern in Österreich und der Schweiz und zuletzt als Manager Business Development. Patrik Boos ist im Vorstand der webmiles AG für die Bereiche Marketing, Sales und Ausland verantwortlich.
*** Es hat sich als Trugschluss herausgestellt, dass die simple Übertragung von Geschäftsprozessen aus der realen auf die virtuelle Welt automatisch ein Erfolg werden muss.
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sagmal.de:
Dr. Loretta Würtenberger, Dominik von Ribbentrop und Sie haben die webmiles AG
gegründet. Ist es wirklich so einfach? Man trinkt zusammen ein Glas Wein und
schon hat man einen Start-up der New Economy? |
Patrick Boos:
Die einfachsten Ideen sind meist die besten. Gute, beständige Ideen mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell fallen jedoch nicht einfach vom Himmel, deswegen müssen schon einige Faktoren zusammen kommen. Darüber hinaus gründet man auch in der New Economy nicht mal "so eben" ein Unternehmen, vor allem dann nicht, wenn man langfristige Ziele verfolgt. Wir hatten Glück, dass bei uns die richtige Idee zur richtigen Zeit kam und wir uns als das richtige Team herausgestellt haben, um das Konzept zum Erfolg zu führen.
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sagmal.de:
Was muss ein guter Start-up haben? Reicht heute eine Idee, um das grosse Geld zu
machen? |
Patrick Boos:
Die Idee, Kühlschränke über das Internet zu verkaufen eignet sich sicherlich nicht zur Realisierung nachhaltiger Unternehmenswerte. Es hat sich als Trugschluss herausgestellt, dass die simple Übertragung von Geschäftsprozessen aus der realen auf die virtuelle Welt automatisch ein Erfolg werden muss. Dies zeigt die Enttäuschung in bezug auf die Entwicklung im elektronischen Handel. Ein Geschäftskonzept muss zeigen können, dass der Einsatz des Internets nachweislich zur Optimierung von Prozessen führt. Auch wenn dies nachgewiesen wird, heißt das noch lange nicht, dass dann gleich "das große Geld gemacht werden kann". Auch in der New Economy orientiert sich die Bewertung von Unternehmen heute an Umsatz und Gewinnaussichten.
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sagmal.de:
Wie wichtig sind gute Mitarbeiter und wie findet man die Besten? |
Patrick Boos:
Mitarbeiter sind das Herz eines Unternehmens. Insbesondere in der start up Phase können sich junge Unternehmen nur durchsetzen, wenn die Mitarbeiter mit außergewöhnlichem Enthusiasmus und Engagement ausgestattet sind. Der hohe Einsatz kann nur erbracht werden, wenn er von einem gemeinsamen spirit getragen wird. Deswegen ist die Stimmung im start up sehr kollegial, meist sogar freundschaftlich. Die Herausforderung an Mitarbeiter ändert sich jedoch im Verlauf. Je länger das Unternehmen am Markt ist, desto mehr sind Eigenschaften und Erfahrungen gefragt, die nicht ausschließlich auf schnelles Wachstum, sondern zunehmend auf Konsolidierung, die Einführung klarer Strukturen und Kostenbewusstsein abzielen. |
sagmal.de:
Bertelsmann hat sich mit 70% Beteiligung einen grossen Teil des webmilesKuchens
einverleibt. Sind Sie eigentlich noch Herr im eigenen Haus, oder müssen Sie
jedesmal bei Bertelsmann vorsprechen, wenn Sie Entscheidungen zu treffen haben? |
Patrick Boos:
Nein, die Entscheidungen werden nach wie vor vom Vorstand allein getroffen. Dieser setzt sich zusammen aus den beiden webmiles-Gründern Dominik von Ribbentrop und Patrick Boos sowie Mario Schwegler von der Bertelsmann Services Group. Die webmiles Gründer bleiben auch in der neuen Struktur "echte Unternehmer". Und genau das entspricht der Bertelsmann Philosophie. |
sagmal.de:
Hat Bertelsmann neue Ideen mitgebracht, die bei webmiles umgesetzt werden?
Schliesslich hatte man sich ja mit dem Konzept EMIL bereits Gedanken über ein
eigenes Prämiensystem gemacht, bevor man bei webmiles einstieg. |
Patrick Boos:
Ja, dies war genau die Idee des Mergers von webmiles und EMIL. Es ging nicht nur um die weitere Finanzierung der Firma sondern um eine strategische Erweiterung unseres Geschäftskonzeptes. Hier sind einerseits konkrete Ansätze des EMIL Konzeptes zu nennen, andererseits die langjährige Erfahrung der Bertelsmann Service Group beim Aufbau und Betrieb von Kundenbindungssystemen. Diese Assets haben sich schon wenige Wochen nach der Transaktion bemerkbar gemacht und uns in dieser Entscheidung 100&ig bestätigt. |
sagmal.de:
Seit Ihrer Kooperation mit VOBIS kann man webmiles auch offline erwerben.
Wird dieser Offlinebereich weiter ausgebaut? |
Patrick Boos:
Im November 2000 hat webmiles zusammen mit der Berliner Bank die webmiles Kreditkarte gelauncht. Kunden haben die Auswahl zwischen drei verschiedenen Produkten: den webmiles TwinCards (VISA Card und EUROCARD/MasterCard), der webmiles VISA Card oder der webmiles EUROCARD. Die webmiles Kreditkarten ermöglichen die Zahlung bei allen Unternehmen - online und offline -, die VISA Card und EUROCARD akzeptieren. webmiles User sind damit nicht an einen bestimmten Partner gebunden, sondern können ihre Kreditkarte universell einsetzen und überall webmiles sammeln, an allen Tankstellen, beim Shoppen, auf Reisen im In- und Ausland sowie im Internet. In den ersten 4 Monate hat sich dieses Produkt bereits als überaus erfolgreich bewiesen.
Natürlich arbeiten wir fortwährend an der Optimierung dieser Produkte. Die webmiles´ Strategie folgt dem Prinzip "One Economy". Diese umfasst on- wie offline-Kunden. Neben der Optimierung bereits bestehender Produkte entwickeln wir natürlich auch neue. Ein gutes Beispiel dafür ist auch die vor 2 Wochen verlautbarte Partnerschaft zwischen webmiles und der debitel AG, der größten deutschen netzunabhängigen Telefongesellschaft. Damit ist es webmiles gelungen, ihr Partnerportfolio auf einen Telekommunikationsanbieter auszuweiten. Die detaillierten Incentivierungsmöglichkeiten werden zur Zeit definiert. Es werden verschiedene Aktivitäten rund um das debitel Angebot, z.B Umsätze der Mobilfunkkunden, mit webmiles belohnt werden. Diese Kooperation eröffnet eine weitere Möglichkeit, webmiles auch offline zu sammeln. Dies sind nur zwei Beispiele aus einem breiten Angebot, das wir zukünftig noch weiter ergänzen und ausbauen wollen. Weitere Partnerschaften dieser Art und Größe werden folgen.
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sagmal.de:
Die Idee mit webmiles erinnert mich ein wenig an die alte Rabattmarkentradition.
Im Internet überwiegen jedoch die jüngeren Generationen.
War es schwierig, diese Idee weiter zu geben? |
Patrick Boos:
Nein, überhaupt nicht. Die Idee beruhte schon damals auf dem Jäger- und Sammlerinstinkt, und der hat sich bis heute nicht geändert. Außerdem ist das Konzept sehr viel breiter angelegt. Gerade die jungen Zielgruppen schätzen bei webmiles den Ansatz der Community und der Entertainment Ansätze, die der Wettbewerb nicht zu bieten hat. |
sagmal.de:
Wird es nach Abschaffung des Rabattgesetzes bei Ihren Partnerfirmen eine starke
Anhebung der webmilespunkte geben, oder ist die Schmerzgrenze bei der
Rabattierung schon erreicht? |
Patrick Boos:
Es eröffnen sich mit dem Fall des Rabattgesetzes für unsere Partner verschiedene Möglichkeiten, Kunden noch stärker zu belohnen. So wird es sicherlich Weihnachts- oder Osterspecials zu besonderen Konditionen geben. Die Teilnehmer am Prämienprogramm dürfen gespannt sein, was wir uns einfallen lassen werden. |
sagmal.de:
Hat man als Vorstand für Marketing, PR und Sales noch Zeit und Muße, privat im
Internet zu surfen?
Wenn ja, auf welchen Seiten findet man Sie? |
Patrick Boos:
Leider verbleibt oft viel zu wenig Zeit. Andererseits schärft das Surfen auf anderen websites auch das Auge für den eigenen Auftritt und ist deshalb unerlässlich. Ich bemühe mich allerdings, jeden Tag 1 Stunde im Netz zu sein.
Meine liebsten Seiten sind:
www.kress.de: Der neueste Branchenklatsch
www.cnn.com: Die aktuellsten Nachrichten
www.onvista.de: Hervorragende Finanzseite |
sagmal.de:
Was ist für Sie grundsätzlich positiv am Medium Internet, was negativ? |
Patrick Boos: Das Positive ist auch oft das Negative: Die Grenzenlosigkeit, die jederzeitige Verfügbarkeit, die Unkontrollierbarkeit. Mein Leben hat das Internet ausschließlich positiv beeinflusst. Ich kann mich besser und schneller informieren und diese Informationen mit anderen auf der ganzen Welt teilen. Ich kaufe schnell und günstig ein, kann selbst Aktienorders plazieren, und vieles mehr. Andererseits ist vielfach ein verantwortungsloser Umgang mit diesem Medium zu beobachten. Die Anonymität führt dazu, dass rassistische und sonstige, juristische und moralische Gesetze verletzende Inhalte jedem zugänglich gemacht werden können und die Verfolgung der Verantwortlichen sich als überaus schwierig gestaltet. |
sagmal.de:
Haben Sie bei meinen Fragen eine Frage vermisst? |
Patrick Boos:
Ja, ich habe die Frage vermisst, ob ich mir diesen großen Stress noch einmal antun würde. Klare Antwort: Ja! Es waren die spannendsten, lehrreichsten, motivierendsten Jahre meines Lebens. Nirgendwo anders hätte ich eine auch nur annähernd steile Lernkurve gehabt. |
sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz? |
Patrick Boos:
Trotz der geprügelten New Economy sind die Chancen für junge Unternehmensgründer immer noch excellent. Ich kann nur jedem, der mit dieser Option liebäugelt, raten, diesen Schritt zu gehen. |
Das Interview wurde am 15.4.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Patrick Boos für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen |
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