Interview mit Ossi Urchs vom 18.12.2001
Ossi Urchs
Ossi Urchs
geb. 1954 in Köln
1973 - 1979 Studium der Philosophie, Theaterwissen- schaft und Politikwissen- schaft in Köln und München. Abschluss als M. A. in München. Seit 1980 selbständiger Autor und Regisseur im Bereich Unter-haltung, Feature/Reportage, Kinder/ Jugendprogramme. Seit 1992 Entwicklung und Konzeption im Bereich interaktiver Kommunikation und Internet-Anwendungen.
Seine Seiten:
F.F.T urchs.de
3W4U

F.F.T. MedienAgentur Seit 1982 betreibt er gemeinsam mit Sigi Höhle die F.F.T. MedienAgentur , die seit Anfang der 90er Jahre Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Kommunikationsstrategie in interaktiven Medien berät, sowie Konzepte und Anwendungen für das Internet entwickelt.

3W4U NetzAgentur 1998 gründet er mit Beate Scheufele (SKA, Frankfurt) und Marcus A. Harzem (CMC, Bonn) die NetzAgentur 3W4U GmbH, die Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung und Herstellung interaktiver Kommunikationsangebote im Internet unterstützt. Zu den Kunden zählen: UUNET Deutschland GmbH (Internet Provider), Invesco Central Europe (Fond Management), GfK, Nürnberg, Reuters, Frankfurt, Tele Columbus, Berlin und die Kirch Gruppe, München.

REPORTAGEN 1997/98 entwickelte Ossi Urchs für den Nachrichtensender n-tv das Magazin "NetNews", das erste businessorientierte Internet-Magazin im deutschen Fernsehen. seit 1986 zahlreiche Beiträge für PLAYBOY (u.a. 11/91: CYBER-SPACE - Reportage aus der kalifornischen VR Scene), VIDEO, VIDEOaktiv, CONNECT, w v, Horizont und diverse Fachzeitschriften. Seit Januar 1995 Kolumne im "Internet Report"; seit März 1996 Internet-Kolumne in "COM!"; seit August 1997 Kolumne im "NetInvestor".

PRINTMEDIEN: Consulting, Seminare und Vorträge u. a. für UUNET Deutschland GmbH, Tele Columbus Berlin, Invesco Continental Europe, Unilever Hamburg, Reemtsmaa Hamburg, Cisco Systems München, iPlanet München sowie für Agenturen und Unterneh-men des Medienbereichs. Seit dem Wintersemester 94/95 Lehrauftrag am FB Industrie-Design (Prof. Hans Roerich) der Hochschule der Künste, Berlin (Veranstaltungen zu Virtual Reality, Human Interface Design, Internet - Leben im Netz). Seit Sommersemester 2000 Lehrauftrag an der Bayerischen Akademie für Werbung (BAW), München. Seit 1998 Mitglied im Beirat der Internet World, Berlin und Sprecher der Jury beim "Mecon New Talent Award", Köln

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Business ohne Visionen hat kein Ziel - allerdings haben Visionen ohne Business auch keine Basis.

Ossi Urchs, geborener Kölner, ist ein Internet Guru der ersten Stunde. 1989 erster Kontakt mit dem Netz, das die Welt bedeutet, bekanntgeworden für die breite Öffentlichkeit durch den Titel "Minister for Tomorrow", den ihm der Philip Morris Konzern verlieh. Ossi ist vielgebuchter und gerngesehener Gast auf Tagungen und Veranstaltungen, auf denen er seine Kenntnisse über das Web an den Mann bringt. Er ist gemeinsam mit Sigi Höhle Betreiber der F.F.T. MedienAgentur, die seit Anfang der 90er Jahre Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Kommunikationsstrategie berät.
Die oben gezeigte "Figur" ist eine indische bzw. bengalische Glücksgöttin (das Dreieck ist nach unten gerichtet, nach indischer Ikonografie also eindeutig weiblich besetzt), die Ossi in Puri (Orissa) immer wieder an die Holztürrahmen der Fischerhütten gemalt sah. Da sie ihm so gut gefiel, hat er sie abgezeichnet und verwendet sie seither als Logo.

sagmal.de:
Ossi, man nennt dich einen/den Internetguru. In einem Bericht über dich las ich, du seist einer der "Priester der Zukunft". Wie wird man sowas und was muss man tun, um es zu bleiben?

Ossi Urchs:
Also mit Priestern habe ich gar nichts am Hut, bei denen geht es um Glauben, mir geht es um Wissen. "Guru" heisst auf Sanskrit soviel wie "Lehrer". Wenn ich den Menschen etwas vom Internet beibringen kann, freut mich das. Und um Menschen etwas beibringen zu können,muss man einfach versuchen, ihnen immer einen kleinen Schritt voraus zu sein, was den Inhalt der Lehre angeht.

sagmal.de:
Seit wann genau beschäftigst du dich mit dem Internet und wie kamst du überhaupt dazu?

Ossi Urchs:
Als Nutzer habe ich Ende der 80er Jahre damit begonnen, als ich den Austausch mit Wissenschaftlern in den USA zu Themen von Virtual Reality und Virtual Studio suchte. Ich habe damals noch für das Fernsehen gearbeitet und diese Themen haben mich sehr interessiert. Da mir in Deutschland damals niemand etwas vom Internet beibringen konnte, habe ich notgedrungen begonnen, mich als "Nicht-Techie" damit zu beschäftigen. Und was ich dabei entdeckte, hat mich so interessiert, dass ich es zu meinem Beruf machte.

sagmal.de:
Bei der Recherche fand ich von dir den Satz: "If you have no vision today, you'll have no business tomorrow", von 1999. Gibt es heute noch Platz für Visionen im Web? Oder ist nicht alles nur noch Business?

Ossi Urchs:
Business ohne Visionen hat kein Ziel - allerdings haben Visionen ohne Business auch keine Basis. Eben das meint der Satz, der sinngemäss übrigens nicht von mir, sondern von Franz Sprecher, dem Schweizer Marketing-Guru und Erfinder der Swatch stammt. Und das gilt selbstverständlich auch heute noch.Im Web genau wie im richtigen Leben.

sagmal.de:
Was hat sich mit den Jahren ausser der Technik verändert? Die Websiten? Das Surfverhalten? Die Angebote?

Ossi Urchs:
Alles das und noch viel mehr; das Web ist unwiderruflich zu einem selbstverständlichen Teil unseres Alltags geworden. Und das gilt für so gut wie alle Menschen, zumindest in Amerika und Europa. Und daran hat vor 10 Jahren, zu Beginn des Web, wirklich niemand gedacht.

sagmal.de:
Wie macht das Web die Welt der Zukunft besser?

Ossi Urchs:
Gar nicht. Es macht den Austausch über ihren Zustand allerdings leichter.

sagmal.de:
Wird durch das Internet aus unserer Industriegesellschaft langsam eine Wissensgesellschaft?

Ossi Urchs:
Ja. Wissen wird immer mehr zur wesentlichen Produktivkraft und damit zum wesentlichen Wettbewerbsfaktor der Informations- oder wenn Du so willst - der Wissensgesellschaft.

sagmal.de:
Compuserve hat ja nicht, wie von dir vor Jahren prophezeit, das Internet aufgekauft. Wem gehört denn nun das Web?

Ossi Urchs Ossi Urchs:
Das Web gehört glücklicherweise niemandem. Die Infrastruktur gehört (inzwischen) den grossen Telcos von AT&T bis Worldcom usw. Die Inhalte und Dienste gehören meist den großen Medienhäusern von AOL-Time-Warner bis Bertelsmann - aber nicht ausschliesslich. Und entscheidend über den Erfolg ist immer noch der User - und das ist gut so.

sagmal.de:
Die Zeit der dotcomkrise ist weitgehend vorbei. Alle sind wieder in Aufbruchstimmung. Friede, Freude, Eierkuchen. Was hat sich denn eigentlich wirklich im Businessbereich gegenüber der guten, alten Zeit geändert?

Ossi Urchs:
Nichts wesentliches, obwohl ich keineswegs glaube, dass die Krise vorbei ist. Im Gegenteil: überleben werden vor allem die, die begriffen haben, wie sie den brühmten "Netzwerk-Effekt" am besten nutzen.

sagmal.de:
Und wie nutzt man diesen Effekt am besten?

Ossi Urchs: Der Effekt besagt, dass Investitionen in vernetzten Umgebungen exponentiell steigende Gewinne erzielen, weil jeder weitere Ausbau eines Netzwerkes auch den Wert der ursprünglich vernetzten Einheiten erhöht. Davon profitieren Unternehmen wie z. B. eBay, etc.

sagmal.de:
Die sieben fetten Jahre der Werbeeinnahmen gingen vorüber. Kommen nun die sieben mageren Jahre? Wie soll sich denn das Web in Zukunft finanzieren, wenn nicht mehr über blinkende Werbebanner?

Ossi Urchs:
Das Web ist kein klassisches Massenmedium, sondern ein interaktives und personalisiertes Medium, das inzwischen massenhaft verbreitet ist. Deswegen ist es auch mit den klassischen Werbemedien nicht zu vergleichen. Auch die Werbung muss im Web zu einer neuen Form finden, wie das gesamte Medium. Viel wichtiger für die Finanzierung werden allerdings Transaktionen und Dienstleistungen aller Art sein.

sagmal.de:
Hat die New-Economy von der Old-Economy etwas gelernt? Und kann die Old-Economy auch etwas von der New-Economy lernen?

Ossi Urchs:
Ich weiss gar nicht, was "New Economy" eigentlich sein soll, ausser einem wohlklingenden Marketing-Begriff. Die "Network-Economy" dagegen hat sehr viel mehr zu bieten, nämlich den sogenannten "Netzwerk-Effekt", der entsteht, wenn Unternehmen in der Lage sind, die Vorteile der Vernetzung strategisch im Wettbewerb auszunutzen. Wie etwa eBay: Je mehr Menschen an einer Auktion teilnehmen, umso attraktiver wird das Angebot.

sagmal.de:
Bei deinen sicher sehr hohen Qualitätskriterien muss man sich doch fragen, welche Seiten die Ehre haben, regelmässig von dir besucht zu werden und warum?

Ossi Urchs:
Ich gehöre nicht zu den Stammnutzern (die meisten Amerikaner surfen nur 3-4 Sites regelmässig an). Wenn dann sind das News-Sites in den unterschiedlichen Bereichen.

sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

Ossi Urchs:
Nope - es waren mehr, als ich anfangs dachte. Deswegen hattee ich gar keine Zeit mehr, irgendetwas zu vermissen.

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Ossi Urchs:
"The Web brings the working of society closer to the working of our minds" - nicht von mir, sondern von Tim Berners-Lee,
dem Vater des Web.
Ciao

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Das Interview wurde am 18.12.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Ossi Urchs für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen

 

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