Interview mit Dian the Saint vom 14.08.2003

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Durch unsere Internetpräsenz wollen wir die Menschen dazu anregen, verstärkt Dinge zu hinterfragen und sich nicht von den Medien oder der Obrigkeit manipulieren zu lassen. Darüberhinaus wollen wir all jenen kritischen Geistern, die sich aufgrund ihrer Einstellung einsam und unverstanden fühlen, einen Ort geben, an dem sie sich miteinander austauschen und Kontakte knüpfen sowie Freundschaften schließen können.

Die Unity ist eine Gruppe von Leuten, denen gemeinsam ist, dass sie mit der Welt, in der sie leben, unzufrieden sind.
Sie suchen eine Möglichkeit gemeinsame Ideale und Ziele zu verfolgen:
„Den Traum von einer Welt, in der Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit und Menschlichkeit das Maß aller Dinge sind... in der die Menschen miteinander statt gegeneinander leben... und in der sich niemand über seine Mitmenschen stellt.“

Das behaupten viele von sich, mag man einwenden. Doch finden gerade Jugendliche sich oft in den Angeboten politischer Parteien und Gruppen nicht wieder. Für einige von Ihnen ist die Seite der Unity ein Treffpunkt geworden.
The Unity ist keine Partei, keine Gang und keine Sekte. Auf der Internetpräsenz der Unity findet man das Manifest der Gruppe, ein Forum, in dem rege diskutiert wird und einige Texte von Dian the Saint, dem Gründer der Gruppe.
Dian lebt in Schorndorf bei Stuttgart und ist Schriftsteller.

„Wenn man nun also fragt, was wir sind, so sage ich: Menschen, die eigene Entscheidungen fällen und den Weg, den sie beschreiten, selber bestimmen...
Das, was in uns ist... nicht das, was wir uns im Laufe der Zeit angeeignet haben...
DAS SIND WIR !!!!!!.
Keine Nummer, keine Buchstaben, keine Noten und kein einschränkender Körper.
WIR SIND UNSERE TRÄUME.
Wir sind für uns nur das, was wir sein wollen... und sobald ein anderer uns erblickt und uns für das liebt, was wir sind, sind wir es auch für die Welt da draußen.“
(Dian the Saint: Es ist unser Leben)

www.TheUnity.de

sagmal.de:
Dian, kannst du dich und dein Internetprojekt kurz vorstellen? Wer ist Dian the Saint? Was ist „The Unity“ und wer steckt dahinter?

Dian the Saint:
Die Unity ist ein Projekt, das einen Gegenpol zu der zunehmenden Gedankenlosigkeit in der Gesellschaft setzen will. Durch unsere Internetpräsenz wollen wir die Menschen dazu anregen, verstärkt Dinge zu hinterfragen und sich nicht von den Medien oder der Obrigkeit manipulieren zu lassen. Darüberhinaus wollen wir all jenen kritischen Geistern, die sich aufgrund ihrer Einstellung einsam und unverstanden fühlen, einen Ort geben, an dem sie sich miteinander austauschen und Kontakte knüpfen sowie Freundschaften schließen können. Unsere Ziele sind also zum einen Aufklärung/Information, zum anderen bieten wir Usern, die von einer freieren, gerechteren Welt träumen die Möglichkeit, hier bei uns Gleichgesinnte und Leidensgenossen zu finden. "Dian the Saint" ist im übrigen nix anderes als der Künstlername von meiner Wenigkeit, der dieses Projekt damals vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat.

sagmal.de:
Wie bist du / seid ihr auf die Idee gekommen die Homepage zu machen?

Dian the Saint:
Nun, das Internet bietet einem eine großartige Möglichkeit, auch ohne hohen finanziellen Aufwand eine breite Schicht an Menschen anzusprechen. In früheren Zeiten gab es diese Möglichkeit nicht. Wir hätten zum Beispiel Flugblätter drucken oder ein teures Magazin herausgeben müssen. So gesehen haben wir heute diese wunderbare Chance, und wir dachten, es wäre sträflich, diese dann nicht auch zu nutzen. Zumal es ja schon virtuelle Treffpunkte für alle mögliche Arten von Menschen gibt... für Christen, für Homosexuelle, für Barfußfetischisten, für Kleintierzüchter... da war es meiner Meinung nach überfällig, dass es endlich auch einen Treffpunkt für junge, "unbequeme" Weltverbesserer und Träumer gibt.

sagmal.de:
Es heißt auf deiner persönlichen Homepage, Unity sei ins Leben gerufen worden, um „in unserer heutigen normierten, unkritischen Gesellschaft eine neue idealistische Jugendbewegung auszulösen“. Das bringt mich im wesentlichen auf drei Fragen: Seid ihr Jugendliche?

Dian the Saint:
Ich denke, im Geiste auf jeden Fall. Wenn man sich anschaut, was die Erwachsenen so alles angerichtet haben... Atombomben, Kriege, Gewalt, Unterdrückung... da will ich echt keiner von denen sein! Jugendliche dagegen schmeißen höchstens mal eine Fensterscheibe ein und pissen in den Stadtpark... das ist mir doch wesentlich sympathischer. ;-) Aber auch rein physisch gesehen sind die meisten von uns wohl als "Jugendliche" zu bezeichnen. Ich würde mal schätzen, das Durchschnittsalter der User liegt zwischen 17 und 23. Natürlich mit einigen Abweichungen nach oben und unten. Wir diskriminieren aber selbstverständlich auch keine älteren Menschen, die sich einen freien Geist bewahrt haben.

sagmal.de:
Kann man eine Jugendbewegung auslösen?

Dian the Saint:
Man kann zumindest einen Teil dazu beitragen, dass sie ausgelöst wird. So, wie etwa Nirvana viel dazu beigetragen haben, dass Anfang der 90er der Grunge-boom ausgelöst wurde, oder die amerikanischen Plattenfirmen, dass heute so viele jungen Leute R&B hören. (um das Ganze mal auf eine musikalische Ebene zu bringen.) Ich denke, alles, was wir tun, verändert auch ein Stück weit die Welt, in der wir leben. Auch wenn es natürlich schwer überschaubar ist, in welcher Richtung sich das dann alles weiterentwickelt. Ich fände es jedenfalls wünschenswert, wenn die jungen Leute von heute etwas mehr über sich und die Gesellschaft, in der sie leben, nachdenken würden, anstatt den ganzen Tag nur totes Wissen in sich hineinzuschaufeln oder (was in etwa das gegenteilige Extrem davon wäre) MTV-Jackass nachzuspielen.

sagmal.de:
Besteht bei einer solchen Bewegung nicht die Gefahr, das gerade die unkritischen Menschen mitmachen und alte Normen nur durch neue ersetzt werden?

Dian the Saint:
Unser Credo lautet ja gerade, dass man die Dinge hinterfragen soll, anstatt ihnen blind hinterherzulaufen. Ich denke, unkritische Menschen werden beim Lesen unserer Texte schnell zu einem Punkt kommen, an dem es sie entweder langweilt oder ihr Kopf explodiert.

sagmal.de:
Die Werte, bzw. Ideale der Unity werden auf der Homepage benannt: Freundschaft, Freiheit, Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit und Ritterlichkeit. Was verstehst du unter Ritterlichkeit? Gehört die nicht ins Mittelalter?

Dian the Saint:
Eine sehr gute Frage. Ich hoffe, dass ich sie so auf die Schnelle korrekt beantworten kann. Ich verbinde mit "Ritterlichkeit" gewisse Tugenden... wie zum Beispiel, dass man zu seinem Wort steht, wenn man es einmal gegeben hat (was bei vielen Leuten heutzutage ja längst nicht mehr üblich ist... ich habe da ne Menge schlechter Erfahrungen am eigenen Leib machen müssen), oder dass man sich nicht an Schwächeren und Außenseitern vergreift, um sein Mütchen zu kühlen. Dass man einfach über ein gewisses Maß an Fairness und auch an Selbstbeherrschung verfügt. Ursprünglich wollten wir mal statt Ritterlichkeit den Begriff der "Ehre" verwenden... aber da dieser Begriff durch die rechte Szene und manche machohaft auftretenden ausländischen Mitbürger einen sehr negativen Beigeschmack bekommen hat, haben wir an dieser Stelle die Ritterlichkeit gesetzt. Mit Ritterlichkeit meinen wir aber ausdrücklich NICHT, dass man einem König folgen oder blindwütig mit einem Schwert um sich schlagen soll. Ich persönlich sage gerne, dass ich einen "heiligen Gral" suche... aber dieser Gral ist nicht der aus der christlichen Mythologie... er steht für mich viel eher für die Suche nach dem Sinn meiner Existenz, für eine gewisse Mission, die ich auf dieser Welt vollbringen möchte. Den Sinn dieser Mission kann ich aber nur tief in mir drin finden, nicht in den Worten irgendwelcher Pfaffen oder Politiker. Dennoch halte ich auch dieses Streben nach Erkenntnis und Weiterentwicklung für eine durchaus "ritterliche" Eigenschaft.

sagmal.de:
theunity.de will Anregungen geben, die Welt positiv zu verändern. Hast du mit der Homepage erreicht, was du wolltest?

Dian the Saint:
Ich habe dadurch schon einige interessante Menschen kennengelernt, und ich habe das Gefühl, nicht mehr ganz so alleine und unverstanden zu sein wie zuvor. Größere, spektakulärere Veränderungen hat die Homepage bisher nicht bewirkt. Aber ich denke, solche Veränderungen kommen auch nicht über Nacht. Wir wollen ja auch niemanden überrumpeln, sondern eine Art "sanfte" Revolution von unten heraus auslösen... und zwar vor allem in den Köpfen der Menschen, nicht durch rohe Gewalt.

sagmal.de:
Welche Ziele hat die Unity für die Zukunft?

Dian the Saint:
Ich sag mal, jeder unserer User hat seine ganz eigenen Ziele. Das übergeordnete Ziel der Unity ist meines Erachtens erst mal, bekannter zu werden, zu wachsen, mehr Menschen anzusprechen. Ein Traum wäre es, einmal den Bekanntheitsgrad zu erreichen, den heute zum Beispiel die Kirchen innehaben. Ich denke, die Message, die wir haben, hätte schon einen Stellenwert verdient, wie ihn heute etwa die Message der Bibel besitzt. (denn ich denke nicht, dass das, was wir zu sagen haben, schlechter oder dümmer ist. Eher im Gegenteil...)

sagmal.de:
Welche Bedeutung hat das Internet für dich persönlich?

Dian the Saint:
Ein seltener Ort der Freiheit in einer immer enger werdenden Welt. Die letzte Bastion, in der Zensur und staatliche Kontrolle (zum Glück) noch nicht in dem Maße fortgeschritten ist wie anderswo. Ich hoffe nur, dass das auch in Zukunft so sein wird, und dass der Menschheit das Internet als unzensierte, alternative Informationsquelle erhalten bleibt.

sagmal.de:
Wie nutzt du das Netz?

Dian the Saint:
Eigentlich nur zum Kontakte knüpfen und verbreiten meiner Texte. Hin und wieder bestelle ich aber auch online eine CD oder schaue mir ein paar erotische Bilder an *g*.

sagmal.de:
Gibt es eine Seite, die dir besonders am Herzen lieg?

Dian the Saint:
Natürlich. www.dianthesaint.de Mein zweites Projekt. Da gibt es mehr Infos über mich, und vor allem eine Möglichkeit, meine berüchtigten Bücher zu bestellen.

sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

Dian the Saint:
Nein. Ich habe den Eindruck, sie waren überraschend intelligent gestellt. :-)

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Dian the Saint:
Lasst euch nicht von Politikern oder Wirtschaftsbossen verarschen!
Lebt euer eigenes Leben, und nicht das, das euch andere vorzusetzen versuchen!

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Das Interview wurde am 14.08.2003 per Mail geführt. Die Fragen stellte Anke Stursberg, freie Mitarbeiterin von sagmal.de.
Wir danken Dian the Saint für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen

 

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