Augustus
Hofmann
Verleger, Autor, Fernsehkritiker
Alter: Zeitlos
Seit über 11 Jahren präsentiert er auf der Frankfurter-Buchmesse sein
medienkritisches Standardwerk "Der Profizuschauer, Chronik eines
unvollendeten
Aufstandes" und verleiht den Fernsehpreis "Preis der beleidigten Zuschauer"
Sein Happening "Aufbruch" fand 1993 weltweite Beachtung. In einer
Performance lotete er die Zukunft der "Buchstadt" Leipzig aus. Auf dem
Marktplatz von Leipzig wurde
unter zahlreicher Beteiligung und Mitwirkung der Bevölkerung ein Buch
vergraben.1995 gründete er das erste Fernsehzuschauerparlament in der
Bundesrepubkik Deutschland. Hinzugekommen ist Ende 1999 das Online-Magazin
"telekwatsch.de"
*** Fernsehen ist eine "Angriffswaffe auf die Seele", die der Atombombe gleichkommt .
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sagmal.de:
Augustus, wie erklärst du jemandem, der keinen
Online Zugang hat, telekwatsch in einigen Worten? |
Augustus Hofmann:
telekwatsch verschafft Genugtuung für jeden, der sich mit der monströsen
Banalität unseres Fernsehens nicht abfinden mag, an dem jede Kritik
scheitert und deshalb geärgert werden muss.
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sagmal.de:
Was bezweckt telekwatsch? |
Augustus Hofmann:
Mit telekwatsch organisiert sich erstmals in der Bundesrepublik Deutschland
eine TV - Zuschauer Bewegung ausschließlich über das Internet. telekwatsch
wird sich konsequent für eine aufrichtige, faire und ausgewogene
Berichterstattung in Hörfunk und Fernsehen einsetzen, das traditionelle
Verständnis von Öffentlichkeit im Rundfunkrecht hinterfragen, den Mißbrauch
bekämpfen, Scharlatane entlarven, das Wissen der Bürgerinnen und Bürger im
Umgang mit Rundfunk und Fernsehen fördern, Ängste gegenüber der
kommunikativen Umwelt abbauen, sowie den Medienkonsumenten eine kollektive
Stimme und damit mehr Gewicht geben. Nicht öffentlicher Auftrag, sondern
persönliches Interesse bestimmt unser Angebot. Im Gegensatz zu den
öffentlich- rechtlichen Medien repräsentiert telekwatsch nicht bestehende
Machtverhältnisse. Wir geben vielmehr der demokratischen Vielfalt Ausdruck,
indem wir jedem der es möchte- eine Stimme verleihen.
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sagmal.de:
Wie fing das Ganze an?
Hast du dich nur mal so über das Fernsehprogramm geärgert? |
Augustus Hofmann:
Mit einer Kriegserklärung an das Fernsehen 1987 Ich bin nicht in der Lage
und Willens in heutiger Sprache Euch die Entwicklung zu schildern. Wenn es
Euch interessiert- lest es nach im schrägsten und individuellen Buch über
das Fernsehen weit und breit "Der Profizuschauer". Das Buch ist
erschwinglich und von bleibendem Wert. Ein Zitat eines Berner Radiodirektors
daß mir in all den vielen Jahren nicht abhanden gekommen ist, will ich Euch
gerne mitteilen und Eurer Beurteilung unterstellen. Fernsehen ist eine
"Angriffswaffe auf die Seele", die der Atombombe gleichkommt . |
sagmal.de:
Welche Sender erregen euer Missfallen am meisten?
Die öffentlich-rechtlichen? Oder die Privaten? |
Augustus Hofmann:
Wenn Ihr Euch die Mühe machen wollt, könnt Ihr dies besonders an den von
uns veröffentlichten Abschaltquoten und in unserer Sünderkartei auch in
unserem Fälscherarchiv ablesen. Bei den öffentlich -rechtlichen Anstalten
(was für ein Wort) vermisse ich eine klare Definition ihrer zukünftigen
Rolle im Wettbewerb mit dem privaten Fernsehen. 2. Ein Programmprofil, das
den Interessen der Zuschauer entspricht und schließlich 3. Ein Rückzug der
Politik. Erst wenn machthungrige Politiker sich daran erinnern, daß sie nur
stellvertretend für uns beim Öffentlich Rechtlichen Rundfunk etwas zu melden
haben, kann sich etwas zum Besseren wenden. |
sagmal.de:
Wenn du Forderungen an die Fernsehoberen stellen könntest,
wie würden die aussehen? |
Augustus Hofmann:
Forderung an die Zwangsgebühren Sender: Freigewählte Seher-und
Hörerparlamente. Die Privaten, sind mir egal. Hier müssen wir an die
Werbung ran, denen müssen wir klarmachen, daß wir deren Produkte nicht mehr
kaufen, wenn sie Werbung im Umfeld von Volksverblödungssendungen schalten.
Man könnte aber auch für die "Lindenstraße" einen Friedhof fordern und für
das Sandmännchen des ORB eine Sandfrau.
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sagmal.de:
Die Medien werden doch aber kontrolliert.
Da kann es doch eigentlich nicht zu Missbrauch kommen, oder? |
Augustus Hofmann:
Alles was an Kontrollgremien vorhanden ist- versagt oder reicht nicht aus..
Die Europäische Politik hat schon seit Jahren Rundfunk und Fernsehen als
Wirtschaftsgut.festgeschrieben. Folglich brauchen wir einen wirksamen
Verbraucherschutz. Ich fordere diesen schon seit Jahren. Nichts tut sich.
Missbrauch! Darüber reden wir lieber nicht, Wahrheit ist in den Medien nicht
von Interesse. Sie ist ein seltener Gast in den Redaktionen. Wer die
Fernsehzuschauer am besten für dumm verkauft, gilt nicht als Lügenbaron
sondern als König. "Der Zuschauer hat ein Recht auf Wahrheit, aber dafür
gibt es keine Gesetze" verkündete der Richter im Fälscher- Prozeß gegen
Michael Born. "Wo sind die Gefängnisse, die all die Medienleute aufnehmen,
die uns in den letzen Monaten belogen haben?" frug dann auch Thomas Frickel
in Dox, Frühjahr 1996. Auch jetzt im Jahre 2001 unterstreiche ich noch diesen
Satz. |
sagmal.de:
Das Internet und das Fernsehen sind ja zwei völlig verschiedene Medien.
Ist denn das Internet die richtige Plattform, gegen diese Missstände zu
kämpfen? |
Augustus Hofmann:
Absolut. Tausende die bei uns mitmachen, suchen nach anderen Formen der
Erkenntnis und setzen sie ein. Bedenket. Kampagnen können im Internet
Sekunden schnell verabredet werden. Zum Beispiel ein "Fernsehfreies
Deutschland" für einen Tag. Fernsehmacher werden sich noch wundern. Das
Politikverständnis durch das Internet wird sich wandeln. Wir werden direkt
über alle politischen Themen abstimmen und das politische Geschehen steuern.
Das Fernsehen wird dank Internet seine Einstellung zum bewegten Bild radikal
ändern müssen. Durch Eingriffe in Bilder des Fernsehens im Internet, können
wir zeigen was real nie existierte. |
sagmal.de:
Wird die Konvergenz der Medien irgendwann Wirklichkeit?
Und wenn ja, wie lange wird es noch dauern? |
Augustus Hofmann:
Was heisst das? Sich einander nähern, demselben Ziele anstreben.? Dabei ist
mir nicht wohl. Ich möchte mich nicht Systemen annähern, die eigentlich
abgewirtschaftet haben.
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sagmal.de:
Wäre es nicht besser, die Leute würden in Zukunft das Fernsehen ganz meiden
und nur noch ins Internet gehen? |
Augustus Hofmann:
Fernsehzuschauer sind mehrheitlich brüskiert von der schlechten Qualität des
Fernsehens, nutzen aber jene Sender kaum, die um die höhere Qualität ringen.
Die Empörung des Zuschauers ist in der Regel eine unaufrichtige Form der
Selbstkritik: er will sich unter seinem Niveau amüsieren, es aber nicht
getan haben.
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sagmal.de:
Wird es irgendwann eine Seite namens Internetkwatsch geben? |
Augustus Hofmann:
Alles ist möglich.
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sagmal.de:
Hast du durch die Recherche im Fernsehn überhaupt Zeit und Muße, im Internet
zu surfen? Und wenn ja, wo treibt es dich hin? |
Augustus Hofmann:
Geduldige Beschäftigung mit dem Menschen und seinen Eigenheiten, wie sie die
dramatische Weltliteratur von den alten Griechen bis heute leistet tut immer
not. Deshalb ist es mir egal wohin ich treibe. Hauptsache, ich finde solche
Menschen.
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sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst? |
Augustus Hofmann:
Glauben sie alles, was sie sehen? |
sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz? |
Augustus Hofmann:
"Ich würde mich anständiger ausdrücken", erwiderte Don Quite, "wenn ich in
Eurer Stelle wäre. Spricht man hierzulande so mit irrenden Ritter, Ihr
Lümmel?" Manchmal träume ich, dieser Satz wäre von mir. Ist er aber nicht.
Geistiger Urheber ist, CERVANTES, DON QUIXOTE VON LA MANCHA.
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Das Interview wurde am 11.3.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Ritter Augustus Hofmann für die Beantwortung unserer Fragen.
Die Grafiken wurden nur für dieses Interview von der obengenannten Webseite genommen und unterliegen dem Copyright |
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