Interview mit Augustus Hofmann vom 11.3.2001
Augustus Hofmann Augustus
Hofmann

Verleger, Autor, Fernsehkritiker Alter: Zeitlos Seit über 11 Jahren präsentiert er auf der Frankfurter-Buchmesse sein medienkritisches Standardwerk "Der Profizuschauer, Chronik eines unvollendeten Aufstandes" und verleiht den Fernsehpreis "Preis der beleidigten Zuschauer" Sein Happening "Aufbruch" fand 1993 weltweite Beachtung. In einer Performance lotete er die Zukunft der "Buchstadt" Leipzig aus. Auf dem Marktplatz von Leipzig wurde unter zahlreicher Beteiligung und Mitwirkung der Bevölkerung ein Buch vergraben.1995 gründete er das erste Fernsehzuschauerparlament in der Bundesrepubkik Deutschland. Hinzugekommen ist Ende 1999 das Online-Magazin "telekwatsch.de"

***
Fernsehen ist eine "Angriffswaffe auf die Seele", die der Atombombe gleichkommt .

sagmal.de:
Augustus, wie erklärst du jemandem, der keinen Online Zugang hat, telekwatsch in einigen Worten?

telekwatsch Logo Augustus Hofmann:
telekwatsch verschafft Genugtuung für jeden, der sich mit der monströsen Banalität unseres Fernsehens nicht abfinden mag, an dem jede Kritik scheitert und deshalb geärgert werden muss.

sagmal.de:
Was bezweckt telekwatsch?

Augustus Hofmann:
Mit telekwatsch organisiert sich erstmals in der Bundesrepublik Deutschland eine TV - Zuschauer Bewegung ausschließlich über das Internet. telekwatsch wird sich konsequent für eine aufrichtige, faire und ausgewogene Berichterstattung in Hörfunk und Fernsehen einsetzen, das traditionelle Verständnis von Öffentlichkeit im Rundfunkrecht hinterfragen, den Mißbrauch bekämpfen, Scharlatane entlarven, das Wissen der Bürgerinnen und Bürger im Umgang mit Rundfunk und Fernsehen fördern, Ängste gegenüber der kommunikativen Umwelt abbauen, sowie den Medienkonsumenten eine kollektive Stimme und damit mehr Gewicht geben. Nicht öffentlicher Auftrag, sondern persönliches Interesse bestimmt unser Angebot. Im Gegensatz zu den öffentlich- rechtlichen Medien repräsentiert telekwatsch nicht bestehende Machtverhältnisse. Wir geben vielmehr der demokratischen Vielfalt Ausdruck, indem wir jedem der es möchte- eine Stimme verleihen.

sagmal.de:
Wie fing das Ganze an? Hast du dich nur mal so über das Fernsehprogramm geärgert?

Augustus Hofmann:
Mit einer Kriegserklärung an das Fernsehen 1987 Ich bin nicht in der Lage und Willens in heutiger Sprache Euch die Entwicklung zu schildern. Wenn es Euch interessiert- lest es nach im schrägsten und individuellen Buch über das Fernsehen weit und breit "Der Profizuschauer". Das Buch ist erschwinglich und von bleibendem Wert. Ein Zitat eines Berner Radiodirektors daß mir in all den vielen Jahren nicht abhanden gekommen ist, will ich Euch gerne mitteilen und Eurer Beurteilung unterstellen. Fernsehen ist eine "Angriffswaffe auf die Seele", die der Atombombe gleichkommt .

sagmal.de:
Welche Sender erregen euer Missfallen am meisten? Die öffentlich-rechtlichen? Oder die Privaten?

telekwatsch Augustus Hofmann:
Wenn Ihr Euch die Mühe machen wollt, könnt Ihr dies besonders an den von uns veröffentlichten Abschaltquoten und in unserer Sünderkartei auch in unserem Fälscherarchiv ablesen. Bei den öffentlich -rechtlichen Anstalten (was für ein Wort) vermisse ich eine klare Definition ihrer zukünftigen Rolle im Wettbewerb mit dem privaten Fernsehen. 2. Ein Programmprofil, das den Interessen der Zuschauer entspricht und schließlich 3. Ein Rückzug der Politik. Erst wenn machthungrige Politiker sich daran erinnern, daß sie nur stellvertretend für uns beim Öffentlich Rechtlichen Rundfunk etwas zu melden haben, kann sich etwas zum Besseren wenden.

sagmal.de:
Wenn du Forderungen an die Fernsehoberen stellen könntest, wie würden die aussehen?

Augustus Hofmann:
Forderung an die Zwangsgebühren Sender: Freigewählte Seher-und Hörerparlamente. Die Privaten, sind mir egal. Hier müssen wir an die Werbung ran, denen müssen wir klarmachen, daß wir deren Produkte nicht mehr kaufen, wenn sie Werbung im Umfeld von Volksverblödungssendungen schalten. Man könnte aber auch für die "Lindenstraße" einen Friedhof fordern und für das Sandmännchen des ORB eine Sandfrau.

sagmal.de:
Die Medien werden doch aber kontrolliert. Da kann es doch eigentlich nicht zu Missbrauch kommen, oder?

Augustus Hofmann:
Alles was an Kontrollgremien vorhanden ist- versagt oder reicht nicht aus.. Die Europäische Politik hat schon seit Jahren Rundfunk und Fernsehen als Wirtschaftsgut.festgeschrieben. Folglich brauchen wir einen wirksamen Verbraucherschutz. Ich fordere diesen schon seit Jahren. Nichts tut sich. Missbrauch! Darüber reden wir lieber nicht, Wahrheit ist in den Medien nicht von Interesse. Sie ist ein seltener Gast in den Redaktionen. Wer die Fernsehzuschauer am besten für dumm verkauft, gilt nicht als Lügenbaron sondern als König. "Der Zuschauer hat ein Recht auf Wahrheit, aber dafür gibt es keine Gesetze" verkündete der Richter im Fälscher- Prozeß gegen Michael Born. "Wo sind die Gefängnisse, die all die Medienleute aufnehmen, die uns in den letzen Monaten belogen haben?" frug dann auch Thomas Frickel in Dox, Frühjahr 1996. Auch jetzt im Jahre 2001 unterstreiche ich noch diesen Satz.

Zurück zur Übersicht Zur Übersicht Interviews Nach oben

sagmal.de:
Das Internet und das Fernsehen sind ja zwei völlig verschiedene Medien. Ist denn das Internet die richtige Plattform, gegen diese Missstände zu kämpfen?

telekwatsch Augustus Hofmann:
Absolut. Tausende die bei uns mitmachen, suchen nach anderen Formen der Erkenntnis und setzen sie ein. Bedenket. Kampagnen können im Internet Sekunden schnell verabredet werden. Zum Beispiel ein "Fernsehfreies Deutschland" für einen Tag. Fernsehmacher werden sich noch wundern. Das Politikverständnis durch das Internet wird sich wandeln. Wir werden direkt über alle politischen Themen abstimmen und das politische Geschehen steuern. Das Fernsehen wird dank Internet seine Einstellung zum bewegten Bild radikal ändern müssen. Durch Eingriffe in Bilder des Fernsehens im Internet, können wir zeigen was real nie existierte.

sagmal.de:
Wird die Konvergenz der Medien irgendwann Wirklichkeit? Und wenn ja, wie lange wird es noch dauern?

Augustus Hofmann:
Was heisst das? Sich einander nähern, demselben Ziele anstreben.? Dabei ist mir nicht wohl. Ich möchte mich nicht Systemen annähern, die eigentlich abgewirtschaftet haben.

sagmal.de:
Wäre es nicht besser, die Leute würden in Zukunft das Fernsehen ganz meiden und nur noch ins Internet gehen?

Augustus Hofmann:
Fernsehzuschauer sind mehrheitlich brüskiert von der schlechten Qualität des Fernsehens, nutzen aber jene Sender kaum, die um die höhere Qualität ringen. Die Empörung des Zuschauers ist in der Regel eine unaufrichtige Form der Selbstkritik: er will sich unter seinem Niveau amüsieren, es aber nicht getan haben.

sagmal.de:
Wird es irgendwann eine Seite namens Internetkwatsch geben?

Augustus Hofmann:
Alles ist möglich.

sagmal.de:
Hast du durch die Recherche im Fernsehn überhaupt Zeit und Muße, im Internet zu surfen? Und wenn ja, wo treibt es dich hin?

telekwatsch Augustus Hofmann:
Geduldige Beschäftigung mit dem Menschen und seinen Eigenheiten, wie sie die dramatische Weltliteratur von den alten Griechen bis heute leistet tut immer not. Deshalb ist es mir egal wohin ich treibe. Hauptsache, ich finde solche Menschen.

sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

Augustus Hofmann:
Glauben sie alles, was sie sehen?

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Augustus Hofmann:
"Ich würde mich anständiger ausdrücken", erwiderte Don Quite, "wenn ich in Eurer Stelle wäre. Spricht man hierzulande so mit irrenden Ritter, Ihr Lümmel?" Manchmal träume ich, dieser Satz wäre von mir. Ist er aber nicht. Geistiger Urheber ist, CERVANTES, DON QUIXOTE VON LA MANCHA.

Zurück zur Übersicht Zur Übersicht Interviews Nach oben

Das Interview wurde am 11.3.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Ritter Augustus Hofmann für die Beantwortung unserer Fragen.
Die Grafiken wurden nur für dieses Interview von der obengenannten Webseite genommen und unterliegen dem Copyright

 

Sagmal.de ist ein Angebot von
Compuexe.de