*** Bildung kostet Zeit und Geld, beides wird in unserem Land gegenwärtig ungern investiert. Statt Probleme anzugehen, werden Anschuldigungen ausgetauscht. Ansonsten wird kaum mehr als Kosmetik betrieben. Ich kann meine konkrete Situation und die meiner SchülerInnen und KollegInnen insofern verändern, dass ich mich weiterbilde und an der Vernetzung unserer Schule mitarbeite. Aber auch dem sind Grenzen gesetzt.
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Prolog
Wer in den Weiten des Webs unterwegs ist, um Interviewpartner zu finden, ist in der Regel immer auf der Suche nach Inhalten, weniger nach den Äusserlichkeiten einer Seite.
Viele der hier in den Interviews vorgestellten Personen haben zweifellos Seiten, die als Perlen des grafischen Layouts angesehen werden.
Aber, es gibt auch noch ein paar Perlen im Web, die grafisch und designmässig eher unscheinbar daherkommen und überwiegend Wert auf ihre Inhalte legen.
Der von mir im Jahr 2000 interviewte Ralph Segert hat vor einiger Zeit in seinem Newsletter die Seite von Anke Stursberg unter dem Titel: "Schule macht Spass" angepriesen. Ich habe diesen Link benutzt, weil ich mich auf Ralphs Empfehlungen bisher immer verlassen konnte und weil ich wissen wollte, wie denn eine junge Lehrerin mit dem Medium Internet umgeht.
www.anke-stursberg.de ist eine Seite voller Ideen und Informationen, sowohl für Schüler, als auch für interessierte Lehrer.
Aus diesem Grund ist Anke Stursberg für mich eine "Macherin" des WWW.
Anke Stursberg
- geboren am 22.05.1965 in Hagen, NRW
-1972-1984 Schulbesuch
-1984-1991 Studium: Deutsch, Geschichte für das Lehramt SII und I in Bochum,
zwischendurch auch ein paar Semester Englisch
1983-1992 diverse Jobs in der Industrie und im Handel, insbesondere in einem
Blumenladen
-1991 Heirat mit Joachim
-1992-1996 Studienreferendariat in Hagen, unterbrochen vom Erziehungsurlaub
-20.11.93 Geburt ihres Sohnes Phillip
-seit 1997 Lehrerin an der GHS Bökerhöhe in Remscheid
-seit 2001 Studienkurs Praktische Philosophie in Essen
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sagmal.de:
Anke, warum ist Hagen, laut deiner Seite, eine seltsame Stadt?
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Anke Stursberg:
Das Arbeitsamt ist eines der größten Gebäude, nach 22.00 Uhr ist es
schwierig, ein Eis zu bekommen, die gesamte Innenstadt ist momentan eine
Baustelle, nach 3.00 Uhr ist es nahezu unmöglich, ein Bier zu bekommen, in
der Fußgängerzone fahren Busse und ich findŽes trotzdem irgendwie nett
hier....Noch mehr Gründe?
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sagmal.de:
Aus welchem Grund und zu welchem Zweck hast Du eine eigene Homepage ins Netz gebracht?
Schließlich ist das unter Lehrern nicht gerade die Regel, oder?
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Anke Stursberg:
Es gibt schon so einige, die eine Homepage haben. Und was ist unter
LehrerInnen schon die Regel? Wir sind schließlich auch nur Menschen.
Zu meinen "Motiven":
Zunächst einmal wollte ich einfach wissen, wie man eine Homepage macht. Dann
fand ich es unnütz, nur trocken zu üben und habe angefangen, eine Seite zu
basteln. Das machte mir einfach Spaß. Schließlich habe ich die Seite dann
auch ins Netz gestellt, weil ich hoffte, damit auch in meinem Unterricht
bald einiges anfangen zu können.
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sagmal.de:
Was mich an Deiner Seite so faszinierte, war weniger das grafisch hervorragend
gemachte Layout [:-)], sondern der Umfang des ganzen Angebots. Da findet man
Links zum Thema Lotoseffekt neben Büchervorschlägen von Harry Potter. Ist denn
Deine Seite jetzt eher für Schüler oder eher für Lehrer gemacht?
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Anke Stursberg:
Zunächst bedanke ich mich für das Kompliment. Die Seite ist für LehrerInnen,
SchülerInnen und alle, die sie sonst noch interessant finden. Das kann man
als einen Ausdruck von Konzeptlosigkeit deuten oder als Vielseitigkeit. Für
mich ist das Ganze eben immer noch ein Experimentierfeld, nichts ist fertig
und nichts ist perfekt. Ist ja schließlich auch meine Seite... :-)
Die Vielfältigkeit der Themen ergibt sich auch aus meinem Beruf.
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sagmal.de:
Und wie ist die Resonanz? Sowohl von Lehrern als auch von Schülern?
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Anke Stursberg:
Bislang eher gering. Es sehen sich mehr Leute die Seite an, als ich vermutet
habe. Rückmeldungen gibt es aber nicht sehr viele.
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sagmal.de:
Lehrern haftet ja generell ein etwas verstaubtes Image an, wenn es um das Thema Internet geht. Die Schüler sind, im Bezug auf das Web, die eigentlichen Könner, hört man immer wieder.
Nur ein Vorurteil?
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Anke Stursberg:
Haftet Lehrern und Lehrerinnen nicht generell ein etwas verstaubtes Image
an? Es gibt bestimmt Schülerinnen und Schüler, die in Hinblick auf das Internet
mehr wissen und können als ich. Das kann man doch auch positiv nutzen!
Es gibt auch sehr viele SchülerInnen, die besser Fußball spielen als ich.
Ich kann damit leben, sie auch.
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sagmal.de:
Wie könnte man die Situation verbessern? "Lehrer ans Netz" anstatt der Schulen?
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Anke Stursberg:
Mit dieser Frage machst du klar, dass "verstaubt" für dich mehr als ein
Vorurteil ist. :-)
"Man" könnte die Situation verändern, sicherlich. Bildung kostet Zeit und
Geld, beides wird in unserem Land gegenwärtig ungern investiert. Statt
Probleme anzugehen, werden Anschuldigungen ausgetauscht. Ansonsten wird kaum
mehr als Kosmetik betrieben.
Ich kann meine konkrete Situation und die meiner SchülerInnen und
KollegInnen insofern verändern, dass ich mich weiterbilde und an der
Vernetzung unserer Schule mitarbeite. Aber auch dem sind Grenzen gesetzt.
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sagmal.de:
Sind viele, gerade ältere Lehrer, einfach nicht flexibel genug, um sich mit dem neuen Medium anzufreunden? Sind Lehrer nicht lernfähig oder nicht lernwillig?
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Anke Stursberg:
Lehrer und Lehrerinnen lernen jeden Tag etwas Neues, schließlich haben sie
Umgang mit Menschen, mit jungen Menschen. Außerdem sind wir - entgegen einem
gern gepflegten Vorurteil - Menschen, die in sehr vielen Bereichen sehr viel
arbeiten. Die Anforderungen, die an uns gestellt werden, sind vielfältig und
teilweise einander widersprechend.
Hätte ich mir nicht 2000 das Sprunggelenk gebrochen, hätte ich darum
vermutlich nicht einmal die Zeit gehabt, mir die geringen Kenntnisse über
das Internet anzueignen, über die ich jetzt verfüge. ;-)
Andererseits kann das Internet eine große Arbeitserleichterung sein. Darum
wird es sich auch im Bildungsbereich weiter durchsetzen.
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sagmal.de:
Lehrer zu sein, bedeutet ja seit den Vorkommnissen in Erfurt nicht mehr, einen ruhigen Job an einem ruhigen Arbeitsplatz zu haben. Lehrer werden wohl sagen, dass es das noch nie bedeutet hat.
Aber hat das Ereignis von Erfurt grundsätzliches in der Einstellung zum Beruf geändert?
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Anke Stursberg:
An meiner grundsätzlichen Einstellung zu meinem Beruf hat sich nichts
geändert. Ich bemühe mich, meine Arbeit so gut zu machen, wie ich es kann
und hoffe, dass es gut genug ist.
Wer in der Schule einen ruhigen Job erwartet, sollte lieber nicht LehrerIn
werden. Er/Sie tut sich und anderen einen Gefallen damit.
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sagmal.de:
Welche Konsequenzen ziehst Du persönlich daraus?
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Anke Stursberg:
Die Ereignisse sind nicht spurlos an mir vorübergegangen, ich verfolge, was
und wie darüber berichtet wird, oft mit großer Bestürzung und ich denke
immer noch darüber nach. Aber das gilt auch für andere Ereignisse auf diesem
Planeten. Vielleicht versuche ich noch ein wenig aufmerksamer zu sein als
vorher.
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sagmal.de:
Wie verarbeiten die Schüler die Situation? Gab es Gespräche zwischen Dir und Deinen Schülern?
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Anke Stursberg:
Es gab einige Gespräche, die ich sehr interessant fand. Vor allem deshalb,
weil die meisten SchülerInnen weitaus differenziertere und vernünftigere
Meinungen äußerten, als viele Politiker. Darüber war ich sehr froh.
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sagmal.de:
Bist du auch, wie viele Politiker der Meinung, die Gewaltverherrlichung, zum Beispiel im Web, sei Schuld darn, dass es zu so einem Drama kam?
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Anke Stursberg:
Ich verurteile gewaltverherrlichende Darstellungen, aber sie allein sind
ganz sicherlich nicht die Ursache dafür, dass ein Mensch zum Amokläufer
wird.
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sagmal.de:
Was rätst Du Deinen Schülern, oder Schülern allgemein, wenn es um das Thema Internet geht?
Worauf sollen sie achten, wie sollen sie mit dem "neuen" Medium umgehen?
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Anke Stursberg:
In der Schule können wir zur Zeit noch nicht ausreichend mit dem Internet
arbeiten. Dadurch ist der Stellenwert, den dieses garnicht mehr so neue
Medium im Unterricht hat, zur Zeit noch recht gering. Ein Rat?
Das Internet hat fast so viele unterschiedliche Seiten wie das Leben selbst,
gute und schlechte. Es hat mittlerweile Einfluss auf das Leben sehr vieler
Menschen, aber es ist nur ein Teil der Wirklichkeit.
Man sollte es als ein Werkzeug zur Kommunikation sehen, nicht mehr, nicht
weniger.
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sagmal.de:
Gibt es eine Seite, die Dir besonders am Herzen liegt?
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Anke Stursberg:
Mir liegen die Seiten am Herzen, hinter denen mehr als eine Geschäftsidee
und weniger als eine Weltanschauung steht, denn von diesen lebt das Netz.
Viele davon kann man auf deiner Seite finden.
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sagmal.de:
Hast Du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?
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Anke Stursberg:
Nein.
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
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Anke Stursberg:
Viel Erfolg Robert!
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sagmal.de:
Vielen Dank, Anke.
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Das Interview wurde am 18.5.2002 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Anke Stursberg für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen |
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