Uli Wilkes
Producer (CEO)
geb 1970 in Hattingen
1994 - Mediendesign, Kunsthochschule für Medien, Köln
1997 - Diplom-Abschlussarbeit "No Talk" für den WDR, Nominierung für Grimme Preis
1997 - Freier Grafiker, WDR, Köln (Projekte)
1998 - Freier Autor der Pro-GmbH, Köln (Projekte)
1999 - Autor bei "Zimmer Frei!", WDR, Köln
2000 - Gründung der pro in space gmbh, Köln,
Entwicklung und Realisation der Webauftritte www.alfredissimo.de, www.alfredissimo-shop.de, www.newsquiz.de, www.biosbotschaft.de, sowie der Multiplayer Community www.sinnfurt.tv (Nominierung für den Grimme-Online-Award)
*** Statt das Fernsehen interaktiv machen zu wollen, denke ich lieber darüber nach, wie man im Internet, in dem man normalerweise immer Alles und jederzeit haben kann, durch die Beschränkung der Useroptionen ein Ereignis schaffen kann.
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sagmal.de:
Uli, ich habe meinen Strassenatlas komplett durchsucht, aber keine Stadt gefunden
die Sinnfurt heisst und in der alle Bewohner nackt herumlaufen.
Wo liegt eigentlich Sinnfurt? |
Uli Wilkes:
Oh, Sinnfurt grenzt direkt an Wagenfelde - Auch wenn die beiden Städte ihre Existenz gegenseitig gerne verleugnen. Ein Streit der schon Tradition hat. Sinnfurt hat den Fernsehsender und Wagenfelde hat das einzige Elektrizitätswerk. Eine Machtposition die von Wagenfelde auch gerne schon mal ausnutzt wird... Aber ich schweife ab.
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sagmal.de:
Und warum sind alle Bewohner nackt? |
Uli Wilkes:
Ganz ehrlich gesagt habe ich mir noch nie darüber Gedanken gemacht. Hmmm, vielleicht hat in Sinnfurt die Vertreibung aus dem Paradies noch nicht stattgefunden. Aber es ist ja auch einfach schrecklich bequem.
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sagmal.de:
Wie wird man Bewohner von Sinnfurt? |
Uli Wilkes:
Nichts einfacher als das. Man besucht die Seite www.sinnfurt.tv und lädt sich ein kleines Programm herunter, den Sinnfurt Player. Damit hat man dann seinen heimischen Rechner zu einer Sinnfurt Empfangsstation gemacht. Sekunden später erschafft man sich seinen persönlichen Sinnfurter und taucht ein in unsere bunte Fernsehwelt.
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sagmal.de:
Wer hatte die Idee, solch eine verrückte Stadt zu gründen? |
Uli Wilkes:
Die Idee mit dem Fernsehsender hatten mein Partner Oli Blaum und ich vor etwa 4 Jahren. Er hatte die Online- und ich die Fernseherfahrung. Also beschlossen wir, etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen. Naja und jetzt kann ich es ja sagen: Das alles was wir anfangen würden nackt sein sollte war eben der kleinste gemeinsame Nenner und als erstes klar.
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sagmal.de:
Was haben z. B. Alfred Biolek, Georg Uecker und Dirk Bach mit Sinnfurt zu tun? |
Uli Wilkes:
Es sind zunächst einmal einige der prominenten Sprecherstimmen für unsere Figuren. Aber Bio ist nicht nur der Fernsehpsychologe Dr. Klemme, der nach vier Stunden unseren hartnäckigsten Usern alternative Freizeitvorschläge macht. Und Dirk Bach ist nicht nur der senile Wettermann Fred Frosch, der sich bei seinen Prognosen allein auf seinen Meniskus verlässt. Beide zusammen haben sie auch die Fernsehproduktion Pro GmbH, mit dessen Geschäftsführer Andreas Lichter ich im Herbst 1999 beschloss durch die Gründung der pro in space gmbh auf die Veränderungen in der Medienlandschaft zu reagieren.
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sagmal.de:
Was genau macht "Pro in Space"? |
Uli Wilkes:
Die pro in space ist eine Multimediaproduktion. Im Grunde ist eine genaue Definition fast nicht möglich. Zunächst konzipieren, realisieren und pflegen wir Webangebote. Full Service bedeutet dabei aber auch, dass wir uns z.B. um die Vermarktung kümmern. Im letzten Jahr sind auch verstärkt mobile Anwendungen dazu gekommen.
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sagmal.de:
Euer Kernmotto ist "Online meets Television"? |
Uli Wilkes:
Ja, ein Medium trifft auf ein anderes und wir lassen daraus etwas Neues entstehen . Keines der ursprünglichen Medien verliert dadurch seine Existenzberechtigung. |
sagmal.de:
Wird es bald eine Konvergenz aller Medien geben? |
Uli Wilkes:
Bei einer so absolut gestellten Frage habe ich es natürlich leicht mit einem klaren "Nein!" zu antworten.
Ich glaube aber tatsächlich, das diese Frage überbewertet ist und zu allem Überfluss in den meisten Fällen noch aus der technischen Sicht beantwortet wird.
Ich sammel alte Bücher aus dem 17. Jahrhundert und manchmal, wenn ich darin lese, habe ich Lust auf einen Cognac. Wünsche ich mir deshalb ein Buch mit Cognac-Zapfhahn?
Wir werden uns aber, ganz gleich ob wir eine Fernsehshow, ein Webangebot oder ein neues Fernsehgerät entwickeln, immer wieder aufs Neue fragen müssen wie von anderen Medien gesetzte Impulse darin einfließen sollen und können. Wie weit die Konvergenz geht sollte unser Bauch entscheiden und kein Buisinessplan.
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sagmal.de:
Was kann sich durch das Zusammenspiel der verschiedenen Medien im Web verändern? |
Uli Wilkes:
Ich verfolge z.Z. die Entwicklung im mobilen Bereich sehr interessiert und glaube, dass sich da in nächster Zeit viel tun wird.
Ich bin darüber hinaus auch ein großer Fan der Reduktion. Statt das Fernsehen interaktiv machen zu wollen, denke ich lieber darüber nach, wie man im Internet, in dem man normalerweise immer Alles und jederzeit haben kann, durch die Beschränkung der Useroptionen ein Ereignis schaffen kann. Das Fernsehen beherrscht dies perfekt, davon können wir Internetmacher viel lernen.
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sagmal.de:
Werden wir dann, wie auch beim Fernsehen, mit noch mehr Werbung leben müssen? |
Uli Wilkes:
Ohne das Geld der Werbetreibenden wäre das Internet noch nicht soweit wie es sich heute präsentiert. Auch nach Abflauen der ersten Internet-Euphorie sind die Marketinggelder der Unternehmen einer der Hauptmotoren im www. Man sollte aber keine Angst vor einer Werbeschwemme haben, schlimmer als in den Anfängen der "Bannerkultur" wird es kaum noch werden. Ob sich Webclips in Blöcken zwischen allen Programmen durchsetzen werden wage ich zu bezweifeln. Ich wünsche mir eine Programmverzahnung, wie sie etwa bei den Seifenopern vorgelebt wurde. Ich glaube, dass die Werbung viele Programmimpulse setzen wird.
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sagmal.de:
Ihr setzt bei euren Auftritten z.B. durch Flashanimationen verstärkt auf
Interaktivität. Braucht das eine Webseite heute? Geht es nicht mehr ohne?
Oder ist das nur ein Mittel für eine bestimmte Art von Webauftritten? |
Uli Wilkes:
Flashanimationen sind zunächst einmal natürlich gar nicht interaktiv. Man kann aber mit ihrer Hilfe eine andere Atmosphäre erzeugen und sogar Filmdramaturgien aufbauen. Das sollte man jedoch nicht übertreiben. Atmosphäre interessiert den Nutzer, der etwas ganz Bestimmtes auf der Seite sucht, nur beiläufig.
Wenn du dir z.B. unsere Seite alfredissimo.de anschaust wirst Du sehen, dass wir ganz auf Flash verzichtet haben. Der User soll auf dieser Seite sehr schnell navigieren können und nicht durch zusätzliche Wartezeiten belastet werden. Wir setzen immer auf die Technik, die uns angemessen erscheint.
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sagmal.de:
Was kann das Medium Internet vom Medium Fernsehen übernehmen?
Welche Gemeinsamkeiten gibt es? |
Uli Wilkes:
Wenn das Kommunikationsmedium Internet etwas vom Ereignischarakter des Fernsehens abbekommt ohne statisch zu werden könnten neue Formate entstehen. Die beiden Medien werden sich sicherlich auch was die durchschnittliche Tagesnutzungsdauer angeht stark annähern.
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sagmal.de:
Auf welchen Seiten findet man dich, wenn du im Web unterwegs bist? |
Uli Wilkes:
Die meiste Zeit verliere ich Geld und Nerven in spannenden Bieterduellen bei div. Onlineauktionen. Mittlerweile habe ich auch so viele nette Leute in Sinnfurt kennen gelernt, dass ich auch dort oft zu finden bin.
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sagmal.de:
Angenommen, du wärst in Sinnfurt Kandidat bei der Show "Herzklopfen".
Wie würdest du dich selbst den Zuschauern beschreiben?
Uli Wilkes:
"Ich bin nackt und das ist gut so!"
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sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst? |
Uli Wilkes:
Nun, ich werde oft gefragt: Warum heiratest Du nicht die Nina? Und: Warum ziehst Du nicht nach Köln? Aber eigentlich habe ich die Frage nicht wirklich vermisst.
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz? |
Uli Wilkes:
Mehr als in jedem anderen Gewerbe traue ich es vielen begabten Agenturen zu, die letzten fünf Jahre Entwicklung zu kennen und diese bei jedem neuen Projekt zu evaluieren. Trotzdem lassen sich viele Kunden nicht davon abhalten die Kreativen in Schubladen zu stecken. Ein zu erfolgreiches Projekt ist dann wie ein Fluch. Ich hoffe das sich dieser Trend nicht verstärkt.
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Das Interview wurde am 13.6.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Uli Wilkes für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen |
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