Chris Zielecki gründete das SETI Team Germany,
das weltweit eines der grössten Teams ist, im Mai 1999.
*** Ich hätte nicht gedacht, daß sich das
Ganze so schnell entwickeln würde. Momentan sind weltweit bereits über
3,7 Millionen User an dem Projekt beteiligt und vor ein paar Tagen
wurde die 500. Millionste Work-Unit berechnet.
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SETI (steht für Search for Extraterrestrial Intelligence) sucht seit Jahren mit Hilfe riesiger Radioteleskope den Weltraum nach außerirdischer Intelligenz, außerirdischem Leben ab.
Die Daten, die die verschiedenen Radioteleskope (allen voran, das Observatorium in Puerto Rico) empfangen, werden nach und nach auf Zeichen von E. T. durchsucht. Das empfangene Datenmaterial ist mittlerweile so enorm gewachsen, daß es SETI, mangels Rechenkapazität, nicht mehr möglich ist, sämtliche Daten bis auf den Grund hin zu überprüfen. Dem ständig wachsenden Datenberg begegnete man Anfang 1996 erstmals mit der Idee für ein Projekt, das helfen soll, besagte Daten zu bewältigen. Nach zahlreichen Test und der immer wieder im Raum stehende Frage nach finanzieller Unterstützung konnte das Projekt, das erstmals hunderttausende von PCs weltweit zu einem Computer mit gigantischer Rechenleistung verknüpfen sollte, im April 1999 an den Start gehen.
Der Name: SETI@home
Ein Interview mit Chris Zielecki, dem Gründer eines der grössten SETI-Teams, dem SETI Team Germany. |
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sagmal.de:
Chris, ist E.T. wirklich da draussen?
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Chris:
Klar (:
In Anbetracht der Größe der Galaxis wär's wirklich naiv zu
glauben, wir wären die Einzigen.
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sagmal.de:
Wie und wo entstand SETI-Home?
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Chris:
Das SETI Institut sammelt über Radioteleskope seit längerer Zeit Daten
aus dem All und wertet diese nach ungewöhnlichen, möglichen, außerirdischen Signalen aus. Irgendwann stand man dabei vor dem Problem, daß zwar immer mehr Daten gesammelt wurden,
die bestehende Kapazität an Computer jedoch bei weitem nicht ausreichte,
die Datenmenge zu bewältigen.
Da das Geld für einen Supercomputer nicht ausreichte (seit einigen
Jahren wird das Projekt nicht mehr von der NASA, sondern
von Sponsoren getragen), war man auf der Suche nach einer anderen Lösung.
Da sich die Audiodaten relativ leicht in kleinere Paket
aufteilen ließen, kam man auf die Idee, einen Bidschirmschoner zu
entwickeln, der in seiner Aktivphase ein kleines Paket dieser Daten
auswerten würde.
So entstand SETI@home.
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sagmal.de:
Mit welchen Mitteln genau, versucht SETI@Home, ET zu finden?
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Chris:
Der Bildschirmschoner wertet Audiodaten aus, die momentan vom
Radioteleskop des Arecibo Observatoriums in Puerto Rico empfangen
werden. Durchsucht werden die Daten auf verschiedenen Frequenzen nach einem
eindeutigen, wiederkehrendem Muster, das so nicht in der Natur
vorkommt. Man denkt dabei an ein, sich monoton wiederholendes Signal,
ähnlich der Gaußschen Kurve.
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sagmal.de:
Wer finanziert das Projekt?
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Chris:
Diverse Sponsoren. Nachdem die NASA SETI vor einiger Zeit den Rücken
gekehrt hat, ist man nun auf das Geld diverser Firmen angewiesen.
Hauptsponsoren sind unter anderem SUN Microsystems, the Planetary
Society, HP FujiFilm, etc. Darunter auch eine Menge Privatpersonen.
Die Firma SUN z.b. stellt einen Großteil der Server, die für die
Verteilung und Splittung der Daten verantwortlich sind.
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sagmal.de:
Und wie kamst du dazu, ein Team zu gründen?
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Chris:
(:
Das war so eine verrückte Idee von mir. Zu Anfangszeiten von SETI@home
waren wir noch eine richtig kleine Gemeinde. Ein paar Tausend weltweit..
Ich hatte dann ziemlich früh die Idee einfach ein gesamtdeutsches Team
aufzumachen. Einfach, um ein paar Gleichgesinnte zu treffen, mit
denen man über ein gemeinsames Hobby reden und Spaß haben kann. So
entstand das SETI Team Germany. Ich hätte nicht gedacht, daß sich das
Ganze so schnell entwickeln würde. Momentan sind weltweit bereits über
3,7 Millionen User an dem Projekt beteiligt und vor ein paar Tagen
wurde die 500. Millionste Work-Unit berechnet. Das übertrifft auch bei
weitem die Erwartungen der SETI@home Crew. Man rechnete am Anfang mit
ca. 20 - 40 Tausend Usern, wurde dann aber schnell vom Anstrum
überrumpelt und hatte dementsprechend anfangs große Problem die entsprechende Infrastruktur für die Menge an Usern bereitzustellen. Bessere Server und mehr Bandbreite garantieren
momentan aber einen ungestörten Betrieb. (:
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sagmal.de:
Der Glaube nach ausserirdischem Leben polarisiert ja die Wissenschaftler.
Wenn es sie wirklich gibt, wie werden sie aussehen? So wie wir?
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Chris:
Das ist nun wirklich eine gute Frage. Und eine schwierige zudem. Ehrlich
gesagt, kann ich sie auch nicht beantworten.
Es gibt verschiedene Theorien, die jetzt nicht nur von menschenähnlichem
Leben ausgehn, sondern auch von Leben generell.
Wie entwickelt sich Leben in dem und dem Umfeld.., welchen Einfluß hat
die Gravitation, die Nähe zur Sonne, etc.
Wie sie aussehen werden? Keine Ahnung. Das ist für uns auch eher
zweitrangig.
Wir wollen erst einmal feststellen, daß es sie überhaupt gibt (:
Darüber dürfen wir nicht vergessen, daß es bereits ein enormer Erfolg
wäre, überhaupt nur ein Bakterium außerirdischem Lebens zu finden (was mit unserem Weg natürlich nicht geht, da wir Signale ausgewachsener Zivilisationen suchen).
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sagmal.de:
Wäre es nicht ratsamer, nicht efektiver, Mitteilungen auszusenden, als
zu versuchen welche zu empfangen?
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Chris:
Das ist bereits geschehen und geschieht auch immer wieder.
Eine der bekanntesten ist die Arecibo Botschaft, die am 16. Nov. 1974 von Puerto Rico in den Weltraum gesendet wurde.
Auch optische Signale via Laser wurden bereits gesendet, nicht zu vergessen die Tafeln an (Voyager-)Sonden, die auf ihrem Weg tief ins All sind.
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sagmal.de:
Wie wahrscheinlich ist denn die Chance, eine Nachricht von ET
aufzufangen?
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Chris:
Das Problem ist, den genauen Ort und Zeitpunkt zu erwischen.
Momentan liegt der von uns abgesuchte Raum bei gut einem Drittel des
Himmels (bedingt durch die Unbeweglichkeit des Arecibo Teleskops).
Man plant in der nächsten Phase des Projekts weitere Teleskope weltweit
einzuspannen, um diesen Ausschnitt noch zu vergrößern.
Wichtig dabei ist vor allem, daß es ein kontinuierliches Signal gibt.
Etwas, daß man im Gegensatz zum legendären "WOW"-Signal ("wow" bezieht
sich dabei auf eine Randnotiz eines Mitarbeites im Ausdruck einer
Frequenzanalyse. Damals empfing man ein so starkes Signal, daß der
Computer die Intensität nicht mehr mit Zahlen darstellen konnte und auf
das Alphabet auswich. Der Mitarbeiter notierte dann bei der Durchsicht
am nächsten Morgen ein "WOW" auf dem Papier.) auch ein zweites Mal
empfangen könnte.
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sagmal.de:
Was genau passiert denn, wenn ein Signal positiv (oder auch negativ,
wie man will ;-) ausfällt.
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Chris:
Die Koordinaten werden intensiv ein zweites Mal überprüft und von
anderen Teleskopen gegen gecheckt. Sollte es sich als "echt" erweisen
gibt es sogar eine Anweisung, wie man sich in diesem Fall verhalten soll... das
entsprechende Dokument findet sich in seiner deutschen Übersetzung hier.
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sagmal.de:
Gab es schon messbare Fehlalarme? Oder Fehlinterpretationen?
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Chris:
Ja die gabs... häufig treten irdische Störquellen auf, Satelliten,
Flugzeuge etc.
Gut ein Dutzend mal mußte man schon etwas genauer hinhören, bisher hat
sich jedoch kein Signal als das Gesuchte erwiesen.
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sagmal.de:
SETI Team Germany ist eines der grössten deutschen Teams. Was muss man denn tun, um bei euch Mitglied zu werden? Welche Kosten verursacht SETI@Home?
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Chris:
Um bei uns Mitglied zu werden, muß man lediglich SETI@home User sein.
Die Anmeldung erfolgt dann über das SETI@home Passwort auf unserer
Teamseite bei SETI. Wer weitere Informationen haben möchte, kann
mich gerne anschreiben: webmaster@seti-team-germany.de
SETI@home kostet nichts. Man benötigt lediglich eine Internetverbindung
und einen Rechner (haha (;).
Das Programm baut jeweils am Anfang und am Ende einer Dateneinheit eine
Verbindung zum SETI-Server auf, um eine Einheit zu holen, bzw.
um das Ergebnis einer bearbeiteten Einheit zu schicken. Das Bearbeiten
der Daten-Einheit erfolgt offline. Man benötigt also keine Flatrate
für das Projekt.
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sagmal.de:
Gibt es eine Seite, ausser Deiner eigenen, die Dir sehr am Herzen
liegt?
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Chris:
Das wechselt von Zeit zu Zeit. Ich bin momentan wieder dabei, eine eigene,
kleine, private Homepage zu erstellen, komme aber sehr selten dazu.
Neulich bin ich über eine Seite gestolpert, die bei mir wieder etwas
Nostalgie aufkommen ließ. Die Seite heißt www.drload.de und beinhaltet eine Menge alter
DOS/Windows und Freeware Spiele. (:
Die pixlige Grafik von "It came from the desert" ließ so manche
Erinnerung wach werden *schnief*
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sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?
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Chris:
Die Frage: Macht es Spaß?
Es macht Spaß, ich habe eine Menge netter Leute (auch einige Idioten
*gg*) kennen gelernt und einige gute Freunde gewonnen.
Deshalb freue ich mich schon tierisch auf Mai und Juli, wo sowohl das 2.
deutsche SETI@home Treffen in Weimar als auch unser 2. SETI Team Germany
Treffen in Schotten stattfinden wird.
Manchmal bekommt man auch Mails von Leuten, die mir schreiben, sie
hätten momentan Kontakt zu Außerirdischen. Das passiert selten, aber
bei mir schon so ca. 3-4 Mal. Das ist dann immer recht amüsant. Auf der
einen Seite muss man über sowas schmunzeln auf der anderen Seite
sucht man ja selbst danach. In Interviews werde ich häufiger gefragt, wie
so ein SETI@home Treffen abläuft. Meist sind die Interviewer dann enttäuscht, wenn
man erzählt, daß man sich hauptsächlich trifft um das Gesicht hinter dem
Namen anderer Teams kennenzulernen, um etwas über die Geschehnisse in der dt.
SETI Community, über PCs & Technik und über Gott und die Welt zu reden.
Viele Interviewer denken, bzw. erwarten einfach, daß sich da ein Haufen
Verrückter trifft, die von ihren UFO-Entführungen berichten.
Das ist aber eben nicht der Fall. Wir machen das Ganze wegen dem kleinen
wissenschaftlichen Beitrag, den wir leisten können, verbunden mit
einer Menge Spaß (:
Wenn man so die Diskussionen zum anstehenden 2. dt. SETI@home Treffen
verfolgt, merkt man auch, was das Wichtigste an diesem Treffen sein
wird:
1) Bekomme ich noch eine Karte für "Star Wars: Episode II" an diesem
Wochenende und
2) ist dann noch etwas von dem Empfangssekt übrig
(:
Ihr seht wir Setianer sind ganz normale Leute, die sich aufs irdische
konzentrieren können.
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
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Chris:
In Anbetracht eines durchzockten "Jedi Knight II" Wochenendes (wo waren
eigentlich Samstag und Sonntag?), der aktuellen Reihe auf
Pro 7 und meiner enormen Vorfreude auf Episode II:
Möge die Macht mit Euch sein. (;
Noch eine Bemerkung in eigener Sache!
Chris ist bekennder Linkshänder und weigert sich strikt, seinen Smiley, (; richtig herum zu machen.
Wer sagt da, Setianer seien verschroben?
(Der Webmaster)
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Das Interview wurde am 4.5.2002 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Chris Zielecki für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken und der erklärende Text unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen. Die Grafiken wurden teilweise bearbeitet. |
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