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Zufall
ein paar Worte von Ralph Segert.
Ein neues Fenster wird geöffnet.
*** Tausende von Web- und Grafikdesignern bemühen sich vergeblich, interessante und schnelle Webgrafiken zu erstellen
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sagmal.de:
Natürlich muss ich dich dann auch fragen, was du von den
Gestaltungsmöglichkeiten hältst, die zum Beispiel Flash bietet.
Fast jeder, der sich Webdesigner schimpft, glaubt ja,
Flash müsse auf jeder Seite vertreten sein. Auch deine Meinung?
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Ralph:
Ich kann das nicht beurteilen. Es faellt schon auf, dass Flashfilme
rasant zunehmen und dass Anfängerfehler genauso haeufig zu beobachten sind.
Es ist so aehnlich wie damals mit den GIF-Animationen: Überall blinkte es.
Ich habe das mal ganz freundlich in den "Hippen Tips für Homepagedesigner"
auf die Schippe genommen ;-)
Aber es gab auch Perlen der GIF-Animation, genauso wie es seit geraumer
Zeit viele Perlen von Flash-Filmen gibt.
Flashdesign erfordert eine andere Denkweise, die sich nicht im Erschaffen
von möglichst vielen Animationen erschöpfen darf, wenn man gut sein will.
Es geht darum, Ideen in Bewegung umzuwandeln und den Faktor Zeit nicht zu
unterschaetzen. Es geht darum, ein Gefuehl dafuer zu enwickeln, was man dem
Betrachter an Geschwindigkeit, Sound und Interaktivitaet zumuten kann,
ohne ihn abzuschrecken oder zu ueberfordern.
Flash aehnelt da ein wenig HTML: Da ist die abstrakte Ebene der
"Schlüsselbilder", deren Anordnung animierte Szenen ergeben, da ist Code,
der für Interaktivität sorgt. Da sind die technischen Einschraenkungen der
Gestaltungsarbeit (ich denke an das schlechte Anti-Aliasing, das
unausgereifte Farbmanagement, die fehlenden Hilflinien), die man
umschiffen muss. Aber im Unterschied zu HTML erfordert die Arbeit mit
Flash beträchtlich mehr konzeptionelle Vorarbeit. Ein HTML-Layout kann
ich schnell umstellen, einen komplexen Flashfilm aber muss ich ein wenig
mehr vorausgedacht haben, wenn er organisierbar sein soll. Man muss wissen,
was man machen will und mit Phantasie, Erfahrung und Geduld virtuelles Leben
erschaffen: Auf dem Trockendock, bevor man überhaupt anfaengt, die erste
"Szene" aufzubauen. Wie sagte ein Freund neulich am Telefon, es ist wie im
Theater, es geht um Dramaturgie.
Das wichtigste an Flashdesign ist eine sinnvolle Navigation, die mir für
meine erste Auftragsarbeit sehr wichtig war. Ich habe für eine
Software-Firma eine
Produktpräsentation
erstellt, die gleich in den ersten Sekunden die Wahl lässt (nur auf
der CD-ROM, nicht in der Webversion): Hat der Betrachter wenig Zeit
oder will er sich sofort ausfuehrlich informieren? Damit diese
Wahlmöglichkeit auch schnell wahrgenommen wird, ist das Intro nicht
laenger als 10 Sekunden. Und wenn der Betrachter zum Intro zurückkehrt,
so findet er es nicht zum xten Male animiert vor.
Was ich sagen will: Schnelle Erreichbarkeit der Information, genuegend
Wahlmöglichkeiten und die Eindeutigkeit der Navigationselemente sind
Merkmale guter Flashfilme, wie auch die Option, Sound und Soundereignisse
jederzeit abstellen zu können, zudem eine gewisse Garantie, dass ich nach
verhältnismaessig langer Wartezeit auch das Ziel des Flashfilms erreiche,
den Sinn und Zweck begreife.
Vor ein paar Wochen habe ich mich aus Neugier 2 mal am Bewerbungsspiel
"Challenge-Unlimited" von Siemens versucht: Ein grafisch und
programmiertechnisch aufwendiges Flashspiel, mit dem man sich bei
Siemens bewerben kann. Ne gute Idee. Aber:
Nach dem ich mich durch Anmelde- und Loadingprozeduren durchgekaempft
hatte, stuerzte das Spiel ab, bevor es richtig losging. Es gab dann keine
Moeglichkeit, mich als registrierten Benutzer an den Anfang des Spiels zu
hieven, so einfach darf das auch nicht sein. Ein paar Tage zuvor hatte ich
das Spiel zum ersten Mal aufgerufen, irgendwie funktionierten da die
Weiter-Buttons nicht. Dies ist nur ein Beispiel, dass manchem
Konzeptionierer und Gestalter das Einfühlunsvermögen und der Sinn für
die Situation des Besuchers abgeht.
Interessant an Flash ist nicht nur die Technik an sich, sondern auch das
Drumherum, das im Web entsteht. Das Projekt www.flashworker.de ist ein
gutes Beispiel: Eine hervorragende Anlaufstelle für alle angehenden
Flashdesigner. Für mich persönlich ist es sehr spannend, dass auch neue
Arbeitsbeziehungen entstehen. So hat Klaus Grotz von http://key-visual.de
mir bei der Erstellung der oben genannten Demo-CD geholfen, in dem er mir
z.B. "Tell Target" näher brachte, und das zu einem fairen Preis. Das so
etwas spontan und unkompliziert möglich ist, zeigt, dass eine neue Technik
mehr bewegt, als Bilder und Texte.
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sagmal.de:
Dein 7 Design teilt Webdesign in Raum, Grafik, Typographie, Farbe, Zeichen,
Background, Interface. Ist das wirklich so einfach? Mehr muss ein guter
Webdesigner nicht wissen?
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Ralph:
So einfach ist gut! :-) Nehme Raum: Schau Dir die Layouts vieler Sites an!
Nehme Grafik: Tausende von Web- und Grafikdesignern bemühen sich vergeblich,
interessante und schnelle Webgrafiken zu erstellen (es gibt aber sicher
auch viele tausend, die es schaffen ;-)). Nehme Typographie: Was man
allein mit dem Punkt als gestalterisches Element machen kann! Und
welche Farbkatastrophen manchmal inszeniert werden, Du erinnerst Dich?
Und wieviele Hintergründe noch an die Tapete in der Küche erinnern!
Es scheint doch nicht so einfach zu sein. Vom Interface schweige ich
lieber, hier lernt jeder staendig dazu, wenn er es ernst meint mit
sich und den erwünschten Besuchern.
7 Design ist übrigens auf Anregung von Gerd Marstedt entstanden. Es ist
ursprünglich für sein unglaublich umfangreiches und schönes Kulturprojekt
Fine Site gemacht worden. Aufgabe war,
die wichtigsten Gestaltungskriterien nicht nur zu erlaeutern, sondern
gleichzeitig gestalterisch in Szene zu setzen.
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sagmal.de:
Die Frage nach deiner Grundeinstellung zur Zukunft des Web muss gestellt
werden. Was wird sich ändern, was muss sich ändern?
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Ralph:
Stell Dir vor, ich lebe in den Tag hinein und denke wenig an die
Zukunft. Die technische Entwicklung ist so rasant, dass das Denken und
Fühlen kaum mitkommt. Mir ist nur wichtig, dass ich mich weiterhin relativ
frei im Netz bewegen kann, ohne dass mir eine Schar von Anwaelten
Abmahnungen schickt, ohne dass E-Commerce zur agressiven Marketingmaschine
verkommt.
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sagmal.de:
Dein positivstes Erlebnis im Web?
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Ralph:
Hm, es gibt keins, das ich bevorzugen wuerde. Insgesamt ist es die
Lebendigkeit des Netzes, die mir die Möglichkeit gibt, meinen
Lebensunterhalt als Freiberufler zu verdienen. Dafür bin ich
dankbar. Und die ersten Erlebnisse bleiben in guter Erinnerung, als ich
als verdammter Newbie nervende Fragen stellte und in kürzester Zeit von
Peter Glaser und Stefan Münz hilfreiche Antworten bekam. Das war
beeindruckend!
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sagmal.de:
Und das negativste?
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Ralph:
Tja, nervige und ungezielte Pressemitteilungen und Werbemails. Ich kämpfe
da dummerweise gegen Windmuehlen, um meine E-Mail-Adressen aus Verteilern
zu bekommen, die nur dem Zweck dienen, möglichst schnell Käufer und
Besucher zu finden. Aber zum Glueck gibt es E-Mail-Filter.
Beunruhigend finde ich auch, dass das Verlinken nicht mehr
selbstverständlich ist. Das erinnert mich an eine unzeitgemäße
Unterordnung an "Obrigkeit", an die Aufgabe von Zivilcourage und
unhinterfragte Anpassung. Mir grauts!
Nervtoetend ist seit Jahren auch die Schar der Dienstleister, die in
immer gleicher Weise Webdesign verkaufen wollen und auf jeder ihrer Seiten
dokumentieren, dass sie keine Ahnung davon haben. Das war vor 4 Jahren
schon so, wie eine Kritik in KriT namens "In den Niederungen des
Web-Business" zeigt.
Kundenabzocke ist Alltag im Web. Nicht, dass ich Konkurrenz nicht vertragen
koennte, im Gegenteil, aber was die Goldgräber für einen Schaden anrichten
für unser Geschäft, ist nicht zu unterschätzen, auch wirtschaftlich gesehen.
Letztens rief eine Frau bei uns an, um ein Angebot für eine kleine Website
einzuholen. Sie verriet mir, dass man ihr Angebote zwischen 500 und 13.500 DM
gemacht hatte. Das spricht Bände, nicht?
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sagmal.de:
Für mein Interview gibt es weder Obst noch Gemüse. Ich hoffe, die
Beantwortung der Fragen hat dir trotzdem Spass gemacht?
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Ralph:
Ja, es hat. Und ich finde Deine Sammlung an Interviews sehr beindruckend
und freue mich, dass ich in der illustren Reihe vertreten bin.
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sagmal.de:
Noch einen Schlußsatz?
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Ralph:
Ich wuensche Dir fuer Dein Projekt weiterhin viele interessante
Interviewpartner und freue mich schon, Deine Arbeit in der
Geburtstagsausgabe des KriT-Letters vorzustellen. Bis dahin. :-)
http://krit.de
http://segert.net
http://rare.de
http://lomoon.com
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Am 25.7.2000 wurde mir von Ralph Segert für das gesamte Projekt sagmal.de...spuren im netz... der KriT Apfel Award verliehen.
Die Verleihung war mit einem Interview verbunden, das Ralph diesmal mit mir führte.
Das Interview wurde am 12. Juli 2000 in Form eines E-Mail Interviews geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Ralph Segert für die Beantwortung unserer Fragen.
Die bei diesem Interview verwendeten Bilder unterliegen dem Copyright und wurden nur für
dieses Interview von den aufgeführten Homepages entnommen. |
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