Ralph Segert, Jahrgang 61, war auf echten Baustellen und im Großbetrieb, anschliessend
studierte er Geschichte. Seit 11 Jahren arbeitet er mit PCīs, Anfang 1996 verfiel er dem Internet.
Um sein Wissen zu erweitern ist er immer wieder bereit, inīs kalte Wasser zu springen.
Ralph entspannt sich als DJ und bei Kaffee und Kuchen.
Seine Tochter Lina geht lustig auf die 14
zu und der 8jährige Sohn Luis tritt den Ball in der F 1 von
Tus Querenburg.
Ralph ist unter anderem Gründer und Herausgeber des
KriT-Journal
*** Das Internet ist ein riesiges Reservoir individueller Kreativität, es gibt noch viel zu entdecken.
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sagmal.de:
Ralph, auf deinen Bildern wirkst du immer ein wenig wie ein Rebell.
Zufall oder Absicht?
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Ralph:
Zufall wuerde ich sagen. Andererseits sagt meine
liebe Frau Verena >>>>> manchmal
"mein Rebell" zu mir, welch Zufall ;-) Wohl aus dem Grunde, dass ich -
manchmal etwas laut - sage, was mir missfällt.
In gewisser Weise ist es eine Eigenschaft von mir geworden, die Dinge
auf den Punkt zu bringen, wenn Leuten der Gerechtigkeitssinn abgeht.
Als ich vor 17 Jahren meine letzte Ausbildung aufgab, weil ein
unzufriedener Betriebsleiter meinte, mich vor versammelter Mannschaft
zusammenscheissen zu muessen, habe ich mir innerlich geschworen,
ein Risiko einzugehen, um mir so etwas nicht mehr gefallen lassen zu
muessen. Und auch wenn ich manchmal ein wenig jammere ueber die Untiefen
der Freiberuflichkeit, bin ich doch froh, dass ich mein eigener Chef
bin. Es lässt sich dann auch leichter rebellisch sein ;-)
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sagmal.de:
Du hast auf allen deinen Seiten vor allem Wert auf die Grafiken und die
Texte gelegt.
Wie geht es dir, wenn du im Web unterwegs bist? Kommen dir nicht manchmal
die Tränen, wenn du siehst, wie manche Webseiten aussehn?
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Ralph:
Es gibt viele engagierte freie Projekte von guten Leuten im Netz. Ich
erinnere mich dann an meine Anfaenge und weiss, dass man staendig lernt,
gefördert durch Menschen, die helfen, brauchbare Informationen bieten
und inspirierende Dinge entwerfen. Wenn es hier Fehler gibt, auch peinliche,
ist das nicht schlimm.
Etwas weinerisch werde ich nur, wenn etablierte Firmen, Institutionen,
Vereine und auch der kleine Laden um die Ecke sich präsentieren, als
wollten sie sich stolz als naive Laienschar outen und dabei jeden willigen
Besucher unhöflich dicke Steine in den Weg legen. Schade eigentlich,
dass man sich in der Weise selbst ein Bein stellt.
Was hier fehlt, ist ein Bewusstsein ueber das Web. Ich habe in diesem Jahr
3 Monate eine Gruppe von angehenden Mediengestaltern geschult. Das
Schwierigste war, ein Verstaendnis dafuer zu entwickeln, dass Gestaltung
im Web auch Kommuikation im Web bedeutet, Arbeiten im Web. Was nuetzt
eine Website, wenn niemand ansprechbar ist? Was nützen grosse Worte und
schöne Grafiken, wenn man nicht in der Lage ist, Websites zu verlinken,
ohne darauf hinzuweisen, dass man sich distanziert von den Inhalten? Das
ist ein Zustand im Web, der mir ein paar bittere Tränen in die Augen
treibt, weil es die Grundlagen des Web zerstört. Auffallend ist dabei,
dass sich dieses Mißverständnis oftmals paart mit einer Unfähigkeit,
sich im Web nützlich und unterhaltsam zu präsentieren.
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sagmal.de:
Dein Krit-Letter ist anders als ein herkömmlicher Newsletter. Du zeigst uns
Seiten, die es wert sind, besucht zu werden. Wird es mit der Zeit leichter,
solche Seiten zu finden, oder wird es immer schwerer? Sterben gut gemachte
Seiten aus?
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Ralph:
Es wird leichter, weil zum Beispiel gute Sites auf KriT linken. Das sehe
ich anhand der Referenzliste. Jede Site wird besucht und so erlebe ich
manche Ueberraschung. Zudem kommt ab und zu ein Surftip von Leuten mit
interessanten Projekten. Das zeigt mir immer wieder, es gibt viele gute
Sites im Netz. Nehme Dein Projekt: Ich kannte es bis zu Deiner Anfrage
nicht, fast ne Sünde ;-)
Das ist das Schöne am Web, dass ich muehelos immer wieder neue Sites
entdecke, die zwar länger online sein mögen, die aber viele Webmenschen
nicht kennen. Gute Seiten sterben nicht aus, im Gegenteil. Das Internet
ist ein riesiges Reservoir individueller Kreativität, es gibt noch viel
zu entdecken.
Das besondere am KriT-Letter ist fuer mich,
dass engagierte Webmacher wie Du und viele andere, ihn zu würdigen
wissen. Vielleicht liegt das daran, dass er keinem Schema folgt, immer
etwas anders und frei Schnauze geschrieben ist und zudem konsequent
ohne kommerzielle Werbung betrieben wird, auch wenn er mit seinen
mittlerweile gut 2500 Teilnehmern für manche Firmen interessant ist.
Letzteres ist aber keine Verteufelung von Werbung, es hat eher
etwas mit Stil zu tun.
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sagmal.de:
Dein Apfel Award mit den dazugehörenden Apfel Interviews gehört mit zu den
größten Auszeichnungen im deutschsprachigen Web. Was aber hat eine Webseite
mit einem Apfel zu tun. Wie kam es zu diesem Award und diesem Namen?
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Ralph:
Gute Fragen ;-) Bei dem Wort große Auszeichnung werde ich immer etwas
vorsichtig. Es freut mich, wenn die Interviewten sich freuen. Das ist
Ausdruck gegenseitiger Aufmerksamkeit und von Respekt. Vielleicht
charakterisiert das den KriT-Apfel. Die Interviews helfen, gute Leute
und ihre Arbeit bekannter zu machen. Sie sollen Mut machen, die eigene
Arbeit fortzusetzen oder selbst ein Projekt zu starten.
Der Apfel ist ein vielschichtiges Symbol. Ich denke beim Apfel an die
Geschichte vom Sündenfall, die eine zeitlose Metapher dafür ist, daß wir
Menschen mit der Fähigkeit der Selbsterkenntnis unterscheiden können
zwischen den Dingen, die uns umgeben. Das bedeutet, daß wir im Leben
ständig Stellung beziehen und uns selbst definieren müssen, wenn wir dem
Paradies wieder etwas näher kommen wollen. Zudem ist der Apfel in den
verschiedensten Kulturen ein Symbol für Fruchtbarkeit und Leben. Somit
bringt die Symbolik des Apfels das auf den Punkt, was mir bei den
Interviews wichtig ist: Engagement und Individualität.
Wie kam es zum KriT-Apfel? Als ich im Sommer 96 die erste Ausgabe des Cyberzines KriT ins Netz stellte, hatte ich gleich die Idee, Interviews mit
engagierten Webmachern zu machen und dachte dabei, vielleicht könnten sie
etwas Obst zur Staerkung gebrauchen. ;-)
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sagmal.de:
Nach welchen Kriterien suchst du deine Preisträger aus?
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Ralph:
Ich denke dabei nicht ueber Kriterien nach. Es ist Begeisterung für die
Arbeit, es ist Neugier und auch das Bedürfnis, die Begeisterung mitzuteilen.
Gerne würde ich in kürzeren Abstaenden Menschen im Netz vorstellen, da ich
mittlerweile eine recht lange Liste habe. Aber die liebe Zeit!
Nun, die Entscheidung für einen Interviewpartner läuft immer spontan,
ganz nach dem Lustprinzip.
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sagmal.de:
Ralph Segert ist ja mehr als nur das Krit Journal. Allein Webwunder ist
ein Projekt, das grafisch aus dem Rahmen fällt. Bist du ein visueller
Mensch?
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Ralph:
Ja. Sehen ist fuer mich Leidenschaft: Wenn ich schoene Dinge sehe,
gerate ich mitunter ins Schwaermen ;-)Gute Gestaltung ist ein
Erlebnis und gute Gestaltung ergibt sich aus einer Idee, Inhalte so
zu verpacken, dass die Inhalte interessant werden. Das ist banal
aber nicht selbstverständlich.
Und wenn die Technik und Automatisierung von Gestaltung im Web
noch so weit und schnell voranschreitet, es werden immer kreative
Gestalter gebraucht, die Menschen zu etwas fuehren, verfuehren. Aber
es wird schwieriger in Zeiten der preisgünstigen und rasanten
Verfielverfälting von Fotos, Filmen, Prints, Mulitmedia-CDs und
Websites eine gute Wahl zu treffen. Dazu gehört ein langer Atem,
um das reichhaltige aber immer störrische Material in Form zu
bringen.
Dass aber das Webwunder grafisch aus dem Rahmen faellt, nehme ich
gar nicht so wahr. Ich verbinde mit dem Webwunder ein
Gemeinschaftsprojekt, das Ende 97 zusammen mit
Claudia Klinger
,Guido Gayk und Stefan Müller
entstand.
Als das von Claudia und mir geschriebene Buch "Midas Online ABC"
erschien, war das Webwunder bereits mit allen über 500 Artikeln online.
Ohne die gemeinsame Anstrengung waere das nicht möglich gewesen. Damals
zeigte mir das Projekt, dass man ohne vordergründige kommerzielle
Absichten ein kleines Webwunder schaffen kann. Im Rückblick habe ich dabei
jede Menge Erfahrung mit dem Online-Arbeiten gesammelt, die mir heute
hilft, Kunden online zu betreuen und zu beraten und jederzeit in ein
Gemeinschaftsprojekt einzusteigen.
Leider ist das Webwunder lange nicht mehr aktualisiert worden. Das wird
sich zum Herbst aendern. Wir haben ein neues Team und sind dabei, das
Online ABC auf den neuesten Stand zu bringen und zu erweitern
http://www.webwunder.de/abc/ - Wenn wir einen neuen Verlag finden,
wird daraus auch wieder ein Buch.
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sagmal.de:
Deine Seiten sind minimiert auf das wenigste, trotzdem aber wohldosiert,
was die Texte angeht. Was ist für dich wichtiger, der Text oder die
Grafiken? Oder kann das eine ohne das andere nicht sein?
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Ralph:
Als ich meine erste Website machte, faszinierte mich Webdesign
als Herausforderung, nämlich mit möglichst wenig Gestaltungsmitteln
ansprechendes zu schaffen, auch wenn mich das in den ersten Wochen
schier zur Verzweiflung brachte. Mittlerweile trenne ich nicht mehr
zwischen grafischer und textlicher Gestaltung, da ich nach und nach
in der Eigenschaft als Surfer und Webpublisher gelernt habe, dass beides
gleichwertig ist. Kurze knappe gezielte Texte tragen sicher dazu bei, die
Besucher in den berühmten ersten 10 Sekunden bei Laune zu halten,
genauso wie es schnelle und gut in Szene gesetzte Grafiken tun können.
Sicher kann das eine oder andere überwiegen, aber wenn beides schlecht
ist, findet man keine Freunde, vor allem wenn man nicht so bekannt ist
wie Yahoo oder über riesige Werbebudgets verfügt.
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Hier gehts weiter mit Seite zwei des Interviews.
*** Tausende von Web- und Grafikdesignern bemühen sich vergeblich, interessante und schnelle Webgrafiken zu erstellen
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