Interview mit Elisabeth Schroedter vom 9.3.2000
Elisabeth Schrödter Elisabeth Schroedter ist Pädagogin, Umweltberaterin und Mutter von drei Söhnen. Die 1959 geborene Dresdnerin wohnt jetzt in der Nähe von Potsdam im Land Brandenburg. Elisabeth Schroedter ist Abgeordnete im Europaparlament in Strasbourg in der Fraktion der Greens. Wir haben uns gefragt, spielt bei ihrer Arbeit das Internet überhaupt eine große Rolle ?

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"Das Internet ist die aktuellste und größte Bibliothek der Welt." ***
sagmal.de:
Frau Schroedter, wie ist Ihre Einstellung zum Internet allgemein ?
Elisabeth Schroedter:
Ich denke das Internet ist ein sehr interessantes Arbeitsmittel.
sagmal.de:
Seit wann ungefähr sind Sie online ?

Elisabeth Schroedter:
Oh, schon einige Zeit. Da muss ich überlegen... 1996? Ja, 1996 so ungefähr.
sagmal.de:
Welche Seiten haben Sie sich zuerst angeschaut ?

Elisabeth Schroedter:
Das Internet war so gut wie immer ein Arbeitsmittel, ich habe immer gezielt gesucht. Es ist für mich wie eine große Bibliothek. Meistens weiß ich konkret wo ich hin muss.
sagmal.de:
Was bewog Sie zu einer eigenen Internet-Präsenz ?

Elisabeth Schroedter:
Meiner Meinung nach gucken die meisten im Internet nach etwas anstatt in Büchern oder Zeitschriften. Es ist für mich persöhnlich einfacher und viel bequemer mich über Sachen im Internt zu informieren als Broschüren durchzulesen. "Ich muss nicht wie früher ewig viel Papier mit mir herumschleppen."
 

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sagmal.de:
Welche Erwartung knüpfen Sie an Ihre Präsenz im Internet?


Elisabeth Schroedter:
Für mich ist es viel einfacher und besser so etwas zu benutzen als Tausende von Briefen alle 14 Tage zu verschicken. Bei Vorträgen muss ich so ohne große Koffer anreisen, kann mir die Informationen einfach aus dem Netz auf meinen Laptop holen. Auf meiner Visitenkarte steht die Internetadresse und so kann ich jedem, der mich nach etwas fragt, sagen: Du findest es in wenigen Tagen auf meiner Seite.
sagmal.de:
Wo surft E. Schroedter, wenn überhaupt ?

Elisabeth Schroedter:
Wenn ich surfe, dann sehr zielgerichtet, ich weiß genau wohin ich muss, bevor ich ins Internet gehe. Wenn es z.B. um Sicherheitsthemen geht, dann surfe ich auf die NATO-Homepage usw. Ich bin ständig auf Reisen in Europa und lebe in Hotels und benutze deswegen einen Laptop mit Modem. Im Internet suche ich nicht nach Filmen, nicht nach Musik oder so, sondern ich arbeite damit oder entspanne während des Surfens quer durch das Netz.
sagmal.de:
Was finden Sie gut oder schlecht am Medium Internet ?

Elisabeth Schroedter:
Gut ist, dass man damit Informationen suchen und Spaß haben kann; es ist die aktuellste und größte Bibliothek. Zum Bsp. kann ich Zeitungsartikel vor dem Druck lesen und am nächsten Morgen sofort darauf reagieren, wenn es Tagesordnung im Parlament wird. Sehr gut sind auch die Archive der Zeitungen, so habe ich praktisch alles immer mit in meinem Laptop. Ich kann an jedem Ort Post bearbeiten und muss nicht wie früher ewig viel Papier mit mir herumschleppen. Bei mir vergeht wirklich kein Tag, an dem ich das Internet nicht benutze.
Schlecht ist der sehr starke Wildwuchs im Netz, Suchmaschinen bilden ein großes Wirrwarr, die sehr schnelle Entwicklung führte zum Chaos. Die Suchmaschinen von heute geben zu viel falsche Sachen aus, die Treffsicherheit sollte wirklich verbessert werden.

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sagmal.de:
Gibt es Ihrer Meinung nach spezielle Gefahren ?


Elisabeth Schroedter:
(Mit einem Lächeln) Der Suchtfaktor beim Internet ist sehr groß, aber ich bin ja auch süchtig nach Büchern... Die ewige Werbung strengt mit der Zeit an, für das schnelle Arbeiten stört es häufig.
"Die Kommunikation zwischen den Generationen muss gefördert werden."
sagmal.de:
Ist die totale Freiheit im Netz anstrebbar? Wer sollte es kontrollieren ?

Elisabeth Schroedter:
Ich glaube der Aufwand das Ganze zu kontrollieren ist sehr groß, im Leben gibt es aber auch noch anderes als den PC und das Internet. Rechtes und rechtsradikales Gedankengut muss man anders bekämpfen als durchs Internet. Meine Meinung ist, wenn die Gesellschaft okay ist, dann ist der Inhalt des Internets auch okay. Das Internet ist ja nur ein Spiegel der Gesellschaft. Die Frage stellt sich an die Provider, es könnte ein Label für Provider ohne Kinderpornos usw. geben, solch ein Gütesiegel ist besser als etwas zu verbieten. Es darf meiner Meinung nach kein Echelon (Spionagesystem) des Internets geben, es sind ja schließlich immer Schlupflöcher da.
sagmal.de:
Was kann Internet in Sachen Europäischer-Einigung bringen ? Kommunikation ?
EU-Logo

Elisabeth Schroedter:
Für mich ist das Internet wie gesagt nur ein Mittel zum arbeiten, die EU braucht nicht mehr vorrangig die Kommunikation per Internet. Doch bei Krisen wie Tschetschenien und Kosova ist eine schnelle Koordination mit Hilfe des Internets wichtig. Chatten finde ich auch sehr Interessant, es ist für Politiker denke ich, sehr wichtig einmal kurze, präzise Antworten geben zu müssen, Chatten sollte an Schulen trainiert werden. Ich finde so eine präzise Satzbildung ist sehr spannend. Meiner Meinung nach ist es das härteste Training in Sachen hohe Konzentration. Ich habe es einmal gemacht und war sehr begeistert, aber auch sehr erschöpft als es vorbei war.
"Gemeinsam statt einsam kann man sehr gut im Internet surfen."

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sagmal.de:
Können Sie sich Online-Wahlen in naher Zukunft vorstellen ?

Elisabeth Schroedter: Das Problem dabei ist der Generationsschnitt dabei. Auch für die Generation ohne Internet sollten Wahlen weiter erreichbar sein, sozusagen als Art Briefwahl. Für mich als ehemaligen Bürger aus der DDR sind Wahlen nach dieser Diktatur sehr wichtig geworden, ich halte immernoch die Wahl als "großen Akt", das liegt wie gesagt an meiner Vergangenheit. Für mich ist es wichtig nach der Wahl im Wahllokal mit den Auzählern und dem Wahlleiter zu sprechen, auch finde ich es schön, sich vor der Wahl zu treffen und sich einfach darüber zu unterhalten.

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sagmal.de:
Wie sieht für Sie die Zukunft des Internets aus, auch in politischer Hinsicht ?


Elisabeth Schroedter:
Es hat in der Politik sehr an Bedeutung gewonnen, aber es dauert wohl vielleicht noch 20 Jahre bis es alle Menschen haben. Man sollte den Leuten, das Internet gemeinsam in einer Gruppe beibringen, zum Beispiel in Form von Internet Cafés. Ängstliche Menschen müssen anders heran geführt werden als das jetzt der Fall ist, wo jeder ins kalte Wasser geschmissen wird: "Nun mach mal". Am PC darf nicht jeder seins machen, zusammen kann man auch sehr gut im Internet surfen.
Ich hoffe nicht, dass der Gemeinschaftsmensch durch das Internet verloren geht. Es muss einen Austausch über Interneterfahrungen geben. Auf jeden Fall sollte eine Isolierung einzelner Menschen verhindert werden. Bzw. schüchterne und zurückgezogene Menschen aus der Isolierung herausgeholt werden indem man mit ihnen indirekt per Internet spricht. Des Weiteren muss unbedingt die Kommunikation zwischen den Generationen gefördert werden, im dt. Bundestag z.B. sieht es zur Zeit so aus, dass fast alle bündnisgrünen Abgeordneten unter 40 Jahren eine Internetpräsenz haben und die über 40 davon lieber die Finger vom Internet lassen, was ich sehr schade finde.
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Vielen Danke für das internette Interview und wir wünschen Ihnen viel Spaß weiterhin in den weiten des Netzes, bis bald.
Elisabeth Schroedter, MdEP wurde am 9.3.2000 von Sascha Bachmann für Sagmal.de interviewt.

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