Interview mit Walter Scheffel vom 30.7.2000
Walter Scheffel....PC-HilfeWalter Scheffel,
Baujahr 1926, geboren im Oberbergischen Land, wohnhaft in Berlin. Walter ist Gründer und Betreiber der PC-Hilfe, einer Homepage für Ratsuchende. Und das gilt für Anfänger wie für Profis.

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6 Monate nichts zu lernen, bedeutet noch heute den Anschluss zu verlieren.

sagmal.de:
Walter, du hast eine sehr umfangreiche Homepage, die sich mit PC-Hilfe beschäftigt. Außerdem eine sehr gut sortierte Linksammlung zu PC Themen aller Art. Was war der Anlass zu dieser Seite?

Walter:
Das ist eine längere Geschichte, bei seinen Anfängen lernte ich BTX und sein Potential kennen. Da ich auch das genau wissen wollte, wurde ich BTX-Anbieter und lernte damals eines der ersten funktionierenden Foren bei der Zeitschrift Chip kennen und schätzen. Davon ausgehend wurde ich bei CompuServe ein frühes Mitglied und bald darauf aktiver Teilnehmer und Sysop im Chip - CompuServe Forum.

Viele Dinge, die heute auf meiner Homepage sind, habe ich für dieses Forum entwickelt und nebenher, sobald CompuServe die Möglichkeit bot Homepages zu veröffentlichen, hatte ich eine kleine eigene Homepage erstellt.
Ich wurde dann Wizop (Verantwortlicher) für das DeuWin Forum in CompuServe bis ich, wegen zuviel Ärger bei der Umstellung nach der Übernahme durch AOL, das alles aufgab und dafür meine Homepage ausbaute. Dabei konnte ich auf vieles, das ich schon geschrieben hatte zurückgreifen.
Die Motivation dahinter war die Selbsterkenntnis, dass ich ein fauler Mensch bin und Wege finden muss mich selbst so zu verpflichten, dass ich aktiv bleibe.


sagmal.de:
Du hast 1979 angefangen, dich richtig mit Computern zu befassen. Damals warst du, wenn ich richtig gerechnet habe, 53 Jahre alt. Hattest du keine Bedenken, dich auf neues Terrain zu wagen?

Walter:
Das kann ich leider auch nicht mit einem kurzen Satz beantworten. Als ich durch Krieg, Verwundung und Gefangenschaft meinen etwas krummen Ausbildungs- und Berufsweg beschritt, führte mich irgendwann mein Weg zur Leitung einer Zweigstelle der Photokopie Gesellschaft, übrigens deren Inhaber Dr. Koch-Hesse hatte die Fotokopie erfunden, und so wurde ich mit der Firma zu einem der Pioniere des Mikrofilms und später zu einem anerkannten und bekannten Fachmann auf diesem Gebiet. Dabei lernte ich, dass neben einer großen Neugier, (ich hatte Journalist gelernt) der Wunsch, es in Praxis und Theorie genau zu wissen, die Voraussetzung für einen wirklichen Experten ist. Dann wurde ich damit konfrontiert, dass es ein neues Mikrofilm Produkt gab, die COM-Recorder. (COM-, Computer Output Microfilm, Drucker über Laser und Kathodenstrahlröhren, die in starker Verkleinerung auf Mikrofilm ausgaben. Entwicklung ab 1965 in USA, erste kommerzielle Geräte ab 1970). Da ich Verkaufsorganisationen und Marketingabteilungen leitete, die diese Produkte verkaufen sollten, musste ich mich damit befassen und es reichte nicht, die COM-Recorder im Detail zu kennen, den diese hingen an einem Computer.

Nach dem Lesen einiger Bücher und der Besichtigung mehrer EDV-Abteilungen hatte ich zwar etwas Ahnung und konnte mitreden. Aber ich musste ständig erkennen, dass meine neuen Mitarbeiter viel mehr wussten als ich, da sie aus EDV-Abteilungen kamen. Alles in allem eine für mich persönlich unbefriedigende Situation, wenn auch beruflich O.K., die ich erst wirklich ändern konnte, als es die ersten PC-ähnlichen Geräte gab.
Ich hatte also keine Bedenken, sondern den Drang es genau zu wissen und Erfahrungen zu sammeln..

Sehr viel später war es eine andere Motivation. Beim Ausscheiden aus dem Berufsleben, legte ich mir die Frage vor, welches Hobby mich veranlassen könnte, meinen Verstand zu aktivieren um ein Nachlassen zu vermeiden. Ich fand, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit der Computer war, denn 6 Monate nichts zu lernen, bedeutet noch heute, den Anschluss zu verlieren.


sagmal.de:
Das Internet ist ja ständig Veränderungen unterworfen. Wie hältst du dich über aktuelles auf dem Laufenden?

Lesen bildet Walter:
Das kann ich kurz beantworten, durch ständiges lesen, von Fachzeitschriften, Büchern, Newslettern und Internet-Seiten, durch den Besuch von Messen und von Vorträgen.

sagmal.de:
Ist deine Homepage sowas wie eine Lebensaufgabe für dich geworden?

Walter:
Ja. Eine mir selbst gestellte Aufgabe, die, wie ich schon gesagt habe, erfordert mich zu informieren und mich zwingt, täglich einige Stunden zu arbeiten..
 

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sagmal.de:
In deinen Foren ist fast zu jeder Frage ein Beitrag von dir zu finden. Manchmal gibst du auch offen zu, die Antwort nicht zu wissen. Trotzdem versuchst du alles, um dem Fragesteller moralisch zu unterstützen. Ist das ein Geheimnis deines Erfolgs?


Walter:
Aus eigener Erfahrung kenne ich, wie frustrierend es ist eine Frage zu stellen und auf eine Antwort lange warten zu müssen. Ich weiss auch, dass das Ausfüllen von Fragebogen nicht jedermanns Sache ist. Dazu kommt, dass ich aus den CompuServe Foren eine lange Erfahrung habe. Das Problem, für das ich noch keine perfekte Lösung gefunden habe, ist die Tatsache, dass ich mit zu schnellen Antworten anderen die Möglichkeit nehme zu antworten.

Motivation ist auch der Wunsch, durch Freundlichkeit und Hilfe andere zu beeinflussen oder, pathetisch ausgedrückt, meine eigene kleine Welt (auch im Internet) in Ordnung zu halten. Aber natürlich auch der Wunsch die Anerkennung zu erhalten, die jeder braucht. Ob ich damit Erfolg habe? Das stelle ich noch etwas in Frage. Als Erfolg rechne ich mir selbst zu: die steigenden Besucherzahlen und die Tatsache, dass ich noch keine zotigen, flapsigen oder unfreundlichen Einträge im Gästebuch oder Forum erhalten habe und natürlich die lobenden Einträge im Gästebuch.


sagmal.de:
Kommt positives Feedback auf deine Seiten?

Walter:
Ja, das kannst Du im Gästebuch nachlesen und das ist eigentlich eine meiner Hauptmotivationen. Was ich bedauere und zu ändern versuche ist, dass ich relativ selten in den Foren eine Rückantwort über Erfolg oder Misserfolg bekomme. Nicht weil ich auf Dank warte, sondern vor allem, weil ich nur so selbst etwas lernen kann.

sagmal.de:
Man spricht im Internet immer so großspurig von Community. Ist das wirklich so? Ist das Verhalten im Internet anders als im realen Leben?

Walter´s Anfänge am PC Walter:
Ja, leider. Ich denke, es ist die vielfach geförderte Anonymität, die diesen Unterschied verursacht. Obwohl auch im "echten" Leben vielfach das Verhalten, wenn man im Auto am Steuer sitzt, auch wesentlich unhöflicher ist, als beim Spazieren gehen.

Ich trete immer unter meinem Namen auf und jeder findet auf meiner Homepage sofort meine Adressen. Bis heute habe ich damit noch keine einzige negative Erfahrung gemacht. Also frage ich mich, was soll das? Zumal jeder, der in Sonderfällen nicht unter seinem Namen auftreten will, sich doch einfach Fridolin Schulze nennen kann. Ein Nachteil könnten unverlangte E-Mails sein. Aber das Laden geht sehr schnell und das Löschen auch. Im Gegensatz zu vielen Anderen find ich auch Werbung interessant. Man kann interessante Informationen über Produkte und Firmen erhalten und auch die Machart interessiert mich.

Ein weiterer Punkt sind wohl die viel zu hohen Erwartungen, die von denen geweckt werden, die mit Werbung Geld verdienen wollen oder es einfach nicht besser wissen. Das Resultat der Enttäuschungen ist auch leicht ein Fehlverhalten. Etwas für mein Empfinden ganz schreckliches (Ausnahmen bestätigen die Regel) sind die großen Internet Chats. Was da bedingt durch die Technik zustande kommt, ist vielfach einfach schlimm.
Dagegen sind E-Mail etwas, was ich nicht mehr missen möchte. Auf der einen Seite muss man erwarten, dass sich eine bestimmte Internet-Verhaltenweise entwickelt, die sich zweifelsohne von der Verhaltensweise in der realen Welt unterscheidet. Die nicht schlechter sein muss, aber dem Medium entsprechend. Auf der anderen Seite ist Internet ohne direkten Bezug zur Realität nicht denkbar. Was sich leicht am Internet Flirt, aber auch mit dem E-Commerz erklären lässt.


sagmal.de:
Du hast ja, im Gegensatz von manchen 15, 16,- oder 17-jährigen das Internet bewusst von Anfang an beobachtet. Was hat sich verändert?

Walter:
Vor allen Dingen die Größe und die Möglichkeiten haben sich vervielfacht. Ich denke aber, dass AOL in seiner Oberflächlichkeit zwar einen großen Erfolg aber auch einen starken negativen Einfluss gehabt hat. Wie es aussieht ist alles schneller, größer, oberflächlicher und unpersönlicher geworden. Das stimmt zwar nicht, denn alles Andere ist nach wie vor da, es wird nur von vielem versteckt. Mir missfällt auch die immer stärkere Ausnutzung der durch Flash, Java und Anderem geboten Möglichkeiten, die dazu verführen, dass die Optik wichtiger wird als der Inhalt.

sagmal.de:
Was muss sich ändern?

Walter:
Es gibt vieles, was sich sicher in absehbarer Zeit ändern wird. Suchmaschinen führen sich durch die Menge der angezeigten Links ohne Relevanz ins Absurdum. Linksammlungen sind auch nicht der Weisheit letzter Schluss, Webreisen sind auch noch keine Patentlösung, aber, da viele suchen, wird eine Lösung gefunden werden.
Die Möglichkeiten, im Internet Geld zu verdienen sind wie im Goldgräber- Zeitalter. Wer sich diese Zeit in den USA anschaut, kann viel lernen. Eine Konsolidierung und Bereinigung wird nicht lange auf sich warten lassen. Man könnte sich auch die frühe BTX-Entwicklung ansehen um in einer Nussschale das kommerzielle Internet zu finden. Was ich mir wünsche, wären zum Beispiel Provider, die Homepages, die 6 Monate nicht aktualisiert wurden, löschen.

sagmal.de:
Wenn du mir am PC deine Lieblingsseiten zeigen würdest, was bekäme ich zu sehen?

Wo geht´s lang? Walter:
Das findest du in meinem Forum auf den Link-Seiten, die bei mir durch ein dreifaches Filter gehen. Alle Links, die ich in einer Woche finde und nach kurzen Ansehen erwähnenswert finde kommen in die Linkliste der aktuellen Wochendatei. Einige Zeit später schaue ich mir diese Sites erneut an und, wenn ich sie nützlich oder Interessant finde kommen sie in die große Linkliste (Links allgemein). Nach einer Weile schaue ich diese erneut an, und wenn ich sie immer noch gut finde und sie das Thema ergänzen kommen sie in die speziellen Seiten wie Links Computer.

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Walter:
Ich bin durch einen Newsletter auf deine und eine andere Site mit Interviews gestoßen. Ich mag diese Idee, weil sie vieles bietet. Man kann Leute, die einen interessieren, besser kennen lernen und man kann durch das Lesen sein Blickfeld erweitern und bekommt Anregungen. Schön, dass es diese Seiten gibt.

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Das Interview wurde am 30.7.2000 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Walter Scheffel für die Beantwortung unserer Fragen.
Die bei diesem Interview verwendeten Bilder unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von der PC-Hilfe Homepage entnommen.

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