Interview mit André Sarrasani vom 24.6.2002
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Großunternehmen wie Sarrasani können schon allein aus Platzgründen nicht in kleineren Städten gastieren. Es gibt viele Menschen, die nicht in die größeren Städte fahren. Kleinere Unternehmen, wenn Sie gut geführt werden, haben durchaus eine Überlebenschance.

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André Sarrasani
SarrasaniAndré Sarrasani
Er ist ein Mann mit Visionen. Er möchte revolutionieren, ohne Revoluzzer zu sein.
Er ist jung und begeistert, aber auch mutig und hat seine Ziele stets fest im Auge.
André Sarrasani, geboren am 3. November 1972 in Heidelberg, ist der Chef von Sarrasani.
Er ist Deutschlands jüngster Manegen-Boss. Und: Er ist gerade dabei, das Portfolio seines Unternehmens zu erweitern. Circus? Ja, natürlich. Aber eben doch mehr:
Sarrasani soll - und wird - zur Marke werden.
Zum Symbol für urbanes Entertainment in Deutschland.
1992 wurde André Sarrasani Technischer Leiter von Sarrasani.
"Arche Noah - Arche Nova" war die erste Show, die der junge Sarrasani mitkreierte und produzierte. Da war er gerade 20 Jahre alt.
André übernahm im Jahr 1998 die Leitung des Unternehmens, „Magic Vision“ hieß 1996 sein erstes eigenes Programm.
Mit seinen extravaganten Zaubereien wurde André Sarrasani nicht nur zum Programm- Teil seiner eigenen Show, sondern auch zum beliebten Gast in vielen TV-Shows.
Im April 2000 z.B. drehte Deutschlands frechster Fernseh-Entertainer Stefan Raab zusammen mit André Sarrasani für die PRO7-Show "TV Total"
 
Quelle: www.sarrasani.de

sagmal.de:
André, ich kann mich noch sehr gut an die Circusbesuche meiner Jugend erinnern. Wie ich damals staunend vor dem riesigen Zelt stand und völlig losgelöst, dem vorher völlig unbekannten Treiben in der Manege zusah. Damals war für mich Zirkus gleichbedeutend mit dem Namen Sarrasani, da euer Circus regelmässig wenige Meter von meinem Elternhaus gastierte. Jetzt lese ich auf eurer Seite, Sarrasani soll zum Symbol für urbanes Entertainment werden. Keine staunenden Kinderaugen mehr?

André Sarrasani:
Natürlich nicht, wir wollen immer noch staunende Kinderaugen. Aber darüber hinaus sollen auch Erwachsene gerne in den Circus gehen und für einige Stunden in eine andere Welt entführt werden. Urbanes Entertainment soll heißen: Wir gehen mit der Zeit, wir verschließen uns nicht den Neuerungen im technischem und artistischen Bereich. Mit unserem Programm wollen wir Menschen jeden Alters begeistern. Unsere Philosophie ist ein Programm, das ein Gesamtbild gibt mit schönen Stimmungen und vor allem erstklassiger Artistik und innovativen Darbietungen.

sagmal.de:
Ist das nicht ein Bruch mit der Tradition, ein struktureller Umbruch des Circus, wie wir ihn kennen?

André Sarrasani:
Das sehe ich nicht so. Sicher ist Sarrasani heute nicht mehr der traditionelle Circus mit Pferden, Elefanten und einem riesigen Fuhrpark. In der heutigen Zeit, wo die Konkurrenz durch Computer und Fernsehen groß ist, müssen auch wir Circusunternehmer sehen, wie wir die Menschen in unsere Zelt locken. Der beste Weg hierfür ist meiner Meinung nach, wenn jeder sich seinen Stil sucht. Ein Unternehmen setzt auf Pferde, andere auf spektakuläre und provokante Artistik. Daneben gibt es auch nach wie vor traditionelle Unternehmen, die auch mit Ihren Produktionen erfolgreich sind.
Sarrasani zeigt eine Show mit spektakulären Großillusionen, romantischer Artistik und innovativen Tierdarbietungen. Die einzelnen Nummern werden durch Tanzeinlagen des Sarrasani Balletts zu einem Gesamterlebnis, das durch unsere Live Band musikalisch Untermalt wird.

sagmal.de:
Du hast Circus praktisch von der Pike auf gelernt. Kam für dich nie ein anderer Beruf in Frage oder ist der Weg als Sohn eines Circusdirektors einfach vorbestimmt?

André Sarrasani:
Nein. Meine Eltern haben mich auf das Internat Odenwald Schule geschickt. Dort kann man neben dem Schulabschluss gleich eine Lehre machen. Da habe ich meinen Gesellenbrief als Schlosser gemacht. Danach stand es mir frei, ob ich ein „normales Leben“ beginne möchte, oder wieder im Unternehmen mitarbeite. Ich bin gerne zurückgekehrt. Die Bezeichnung „Circusdirektor“ höre ich allerdings nicht so gerne. Ich verstehe mich eher als Teamleiter und Chef, da wir auch ein ziemlich junges Team sind. Mir macht meine Arbeit großen Spaß. Ich stehe selbst auf der Bühne, denke mir neue Showideen aus, baue neue Illusionen und entwerfe neuartige Zeltkonstruktionen.

sagmal.de:
Wie ist es mit dem Nachwuchs? Wollen Kinder heute noch Artisten werden?

André Sarrasani:
Heutzutage noch gute Nachwuchsartisten zu finden, ist nicht einfach. Deshalb engagiere ich mich auch sehr in der Nachwuchsförderung für junge Artisten. Seit August 2000 bin ich Schirmherrr des Kasseler Kindercircus „Rambazotti“. In Zukunft möchte ich auch eine eigene Circusschule eröffnen, um ganz konkret bei der Ausbildung junger Artisten mitzuwirken. In diesem Jahr unterstütze ich bereits zum 3.Mal das European Youth Circus Festival in Wiesbaden, das durch die Verlegung auf das Dernsche Gelände sicher an Bekanntheit und Anerkennung gewonnen hat.

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sagmal.de:
Ein Grosscircus auf Achse muss doch logistisch eine unglaubliche Herausforderung sein. Wo liegen die grössten Probleme bei der Planung?

André Sarrasani:
Mein Wahlspruch ist: Es gibt keine Probleme – nur Lösungen. Logistik ist keine große Schwierigkeit. Es muß eben die Planung im Vorfeld stimmen. Das Material, das zur Durchführung eines Gastspiels benötigt wird ist platz- und zeitsparend verstaut. Die meisten Sachen können in „großen“ Mengen einfach mit dem Stapler verladen werden. Ein Grosscircus auf Reisen ist nur eine Frage der Organisation.

sagmal.de:
Wie lange braucht Ihr als Vorbereitungszeit für eine grosse Tournee?

André Sarrasani:
Die Planungen für eine Tournee beginnen bereits 1 ½ Jahre vorher. Die jeweiligen Stadtverwaltungen vergeben die erlaubten Circusgastspiele pro Jahr schon sehr früh. Auch wir müssen mit der Planung und Organisation früh beginnen, damit dann alles reibungslos abläuft.

sagmal.de:
Mit wie vielen Wagen oder Waggons seid Ihr denn bei einer Tournee unterwegs? Ihr schlagt doch jede Rockband um Längen, oder?

André Sarrasani:
Um das komplette Unternehmen von einer Stadt in die nächste zu transportieren, sind 30 LKW notwendig. Zelte mit Zubehör, Gradin, Innenausstattung und natürlich Wagen für die Angestellten, Büro, Kasse, Toiletten und die Tiger nicht zu vergessen. Da kommen schon einige Transporte zusammen.

sagmal.de:
Sterben die kleinen Zirkusunternehmen langsam aber sicher aus?

André Sarrasani:
Nein, das denke ich nicht. Großunternehmen wie Sarrasani können schon allein aus Platzgründen nicht in kleineren Städten gastieren. Es gibt viele Menschen, die nicht in die größeren Städte fahren. Kleinere Unternehmen, wenn Sie gut geführt werden, haben durchaus eine Überlebenschance.

sagmal.de:
Inwieweit spielt das Medium Internet bei deinen Überlegungen von neuem Entertainment eine Rolle?

André Sarrasani und Carmen André Sarrasani:
Wir wollen neue Wege gehen, da spielen natürlich auch die Neuen Medien eine sehr große Rolle. Neben der „normalen“ Circustournee ist unser zweites Standbein das Eventgeschäft. Große Firmen veranstalten Ihre Firmenfeiern oder Produktpräsentationen gerne in einem aussergewöhnlichen Rahmen. Wir bitten dafür die Location und die Organisation des ganzen Events. Dieses Angebot lässt sich via Internet natürlich am Besten vermarkten. Auch ein Großteil unserer Kommunikation mit Partnern und Kunden wird per E-Mail und Internet abgewickelt. Schnell, unkompliziert und in Farbe, mit Bildern und Zeichnungen.

sagmal.de:
Bist du selbst aktiver Surfer?

André Sarrasani:
Nein. Ich surfe nur, wenn ich ganz konkret etwas angeboten bekomme. Dann schaue ich mir mal eine Homepage an. Zum Surfen – just for fun – habe ich nicht die Zeit.

sagmal.de:
Nutzt du das Web nur geschäftlich oder auch privat?

André Sarrasani:
Sowohl als auch. Wie gesagt, wenn ich was Spezielles suche, gehe ich schon mal ins Web und informiere mich online, wo ich das beste Angebot bekommen kann.

sagmal.de:
Gibt es eine Seite, die dir besonders am Herzen liegt, ausser deiner eigenen?

André Sarrasani:
Ja. Bei paperball.de informiere ich mich über die Sarrasani-Medien-Berichterstattung.

sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

André Sarrasani:
Ja. Wie stellst Du Dir die Zukunft für Sarrasani vor?
Ich möchte mit Sarrasani als Circusunternehmen noch viele Menschen aus Ihrem Alltag entführen und einige unbeschwerte, frohe Stunden schenken.

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

André Sarrasani André Sarrasani:
Ja. Ich möchte mich bei allen bedanken, die es gewagt haben, mit mir diese neuen Wege zu gehen und auch weiterhin gehen werden.

 

Sarrasani hat auch einen eigenen Fanclub

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Das Interview wurde am 24.6.2002 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken André Sarrasani für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen


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