*** Es wird das erste Mal sein, dass ich höre, wie mein Buch auf Deutsch klingt. Verstehen werde ich es zwar nicht, aber ich bin schon sehr gespannt.
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John Sandford ist das Pseudonym des Journalisten und Pulitzer-Preisträgers John Camp der am 23. Februar 1944 in Cedar Rapids, Iowa, geboren wurde.
Nach dem Studium ging er zur Armee und nahm dort an speziellen Journalistikstudiengängen teil. Nach dem Armeedienst ging er zurück an die Universität und machte dort seinen Abschluss in Journalistik.
Danach arbeitete er viele Jahre als Vollzeit Journalist. 1986 gewann er den Pulitzer Preis für eine Reportage über eine amerikanische Farmerfamilie. Ihm wurde jedoch bewusst, dass er mit seinem Einkommen seine beiden Kinder nicht durch das College bringen würde und deshalb begann er, Romane zu schreiben.
1989 gab er seinen Job als Journalist auf und arbeitet seitdem nur noch als Autor.
Der inzwischen sechzehnte Band seiner Lucas Davenport Reihe gibt ihm Recht.
John Sandford lebt mit seiner Familie in Minneapolis.
www.johnsandford.org
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Es ist ein ganz gewöhnlicher Mittwochmorgen als das Telefon klingelt und eine Stimme fragt: "Ulli, hättest du Lust, den amerikanischen Pulitzer Preisträger und Bestseller Autor John Sandford zu interviewen? Er ist in Deutschland, um seinen neuesten Lucas Davenport Roman "Kalter Schlaf/Hidden Prey" vorzustellen.“
Wow! denke ich – und dann: Aber weiß ich wirklich genug über diesen Mann und seine Bücher, um ihm eine kompetente Gesprächspartnerin zu sein? Wird er mich hassen, wenn ich weder die sechzehn Prey- noch die vier Kidd-Bände in korrekter Reihenfolge aufzählen und auch den Inhalt nicht nachsprechen kann?
Alles überflüssige Sorgen, zum Glück! Denn erstens ist mein Kollege und Freund Robert Herbig, der mich bei den Interviewfragen berät, mit dem Prey-Protagonisten Lucas Davenport praktisch auf "Du und Du“ – vor allem aber ist John Sandford nicht nur ein ungemein sympathischer Mensch, sondern auch ein spannender und interessanter Gesprächspartner, bei dem alles praktisch "wie von selbst“ geht.
Hier also die Quintessenz eines ausgesprochen angenehmen Telefoninterviews:
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sagmal.de:
John, wie kommt ein mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneter Journalist auf die Idee, Krimis zu schreiben?
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John Sandford:
Im Grunde habe ich mit dem Bücherschreiben angefangen, weil ich Geld brauchte, um meine beiden Kinder aufs College zu schicken. Ich sag das bei allen Interviews und mir wird selten geglaubt, aber es ist die Wahrheit.
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sagmal.de:
Wann hast du angefangen, literarisch zu schreiben?
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John Sandford:
1989
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sagmal.de:
Und was reizte und reizt Dich gerade an diesem Genre?
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John Sandford:
Krimis habe ich immer schon gerne gelesen. Tja, und was man selbst gerne liest, darüber schreibt man auch gerne.
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sagmal.de:
Kalter Schlaf/Hidden Prey handelt von Überbleibseln des kalten Krieges. Gibt es in der heutigen Zeit nicht genügend andere Feindbilder als die Russen, über die es sich zu schreiben lohnen würde?
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John Sandford:
In der Literatur ändert sich der Publikumsgeschmack von Zeit zu Zeit. Eine Weile verkauften sich Bücher über den Geheimdienst wie verrückt, dann führten Krimis die Bestsellerlisten an, gefolgt von den Frauenromanen. Im Moment wollen die Menschen Thriller lesen.
Und Kalter Schlaf ist in erster Linie ein spannender Thriller. Denn es geht in dem Roman ja gar nicht so sehr um den kalten Krieg, als viel mehr darum, dass der Kommunismus als solcher zwar vielleicht uninteressant geworden ist, aber die Umstände und handelnden Personen doch noch sehr wohl bedrohlich sein können.
Was die Zukunft anbetrifft, so denke ich, dass sich die Autoren in der nächsten "Themen“-Welle ganz sicher mehr und mehr mit dem Thema Terrorismus auseinandersetzen werden.
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sagmal.de:
Lucas Davenport ist ein cooler, überlegen handelnder Frauenliebling, der meist alle Fäden in der Hand hält. Wieviel Lucas Davenport steckt in John Camp?
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John Sandford:
Gar nichts. Der Kerl ist eine Kunstfigur, die ich ganz bewusst genau so erschaffen habe.
Er sollte reich, groß, gut aussehend und intelligent sein, um möglichst viele Leser anzusprechen.
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sagmal.de:
Heißt das, man erschafft sich als Autor einen Helden, der einige (oder alle ;-) der Eigenschaften besitzt, die man selbst gerne hätte?
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John Sandford:
Klar! Wer würde nicht so sein wollen?
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sagmal.de:
Ist Lucas in deinen Augen das, was du einen perfekten Polizisten nennen würdest?
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John Sandford:
Nein, denn er macht Fehler, muss sie auch machen, um menschlich zu wirken.
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sagmal.de:
Du bist nach Deutschland gekommen, um Deinen neuen Roman vorzustellen und auch, um dich bei Interviews und Lesungen der deutschen Presse und den Fans vorzustellen. Wie interessant ist für einen amerikanischen Bestsellerautor der europäische, und jetzt ganz speziell der deutsche Buchmarkt?
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John Sandford:
Meine Bücher verkaufen sich in Deutschland sehr gut. Der Verlag (Random House – a.d.R.) hat mich eingeladen und ich habe die Einladung gern angenommen, da ich diese Reise für eine interessante Erfahrung hielt. Es wird das erste Mal sein, dass ich höre, wie mein Buch auf Deutsch klingt. Verstehen werde ich es zwar nicht, aber ich bin schon sehr gespannt.
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sagmal.de:
Wenn man die Davenport-Romane betrachtet, so hat der Held einen gut nachvollziehbaren Reifeprozess durchgemacht.
Aber wäre es im Sinne von "Sex and Crime’ nicht besser gewesen, er wäre Single geblieben und hätte so weiterhin den Reizen seiner weiblichen Gegenspielerinnen erliegen können?
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John Sandford:
Ja und nein. Lucas hat eine bestimmte Entwicklung durchgemacht, weswegen er auch an den Punkt kommen musste, sich zu binden und eine Beziehung einzugehen.
Er ist reifer geworden und das gehörte dazu. Jemand der in siebzehn Jahre siebzehn Affären hat wirkt nicht mehr echt.
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sagmal.de:
Wie wird es mit Lucas Karriere weitergehen? Wird er irgendwann Sonderermittler des Präsidenten?
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John Sandford:
Ein ganz klares Nein.
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sagmal.de:
Die Kidd-Romane (Protagonist ist ein Hacker – a.d.R.) sind, im Gegensatz zu der Davenportreihe, in der Ich-Form gehalten. Warum?
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John Sandford:
Dafür gibt es keinen bestimmten Grund. Ich habe bei den Kidd Büchern in der ersten Person angefangen und dann so weitergemacht. Es gibt aber auch eins, das in der dritten Person geschrieben wurde
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sagmal.de:
In einem der Prey-Bände fand ich es ein kurzes Intermezzo zwischen Davenport und Kidd. Wird es weitere geben?
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John Sandford:
Eigentlich treffen die beiden sich immer wieder mal. Nur merkt das natürlich ausschließlich der Leser, der beide Reihen kennt.
Aber so viel kann ich schon verraten: Es wird sicherlich noch ein weiteres Wiedersehen geben. Das Interessante daran ist, dass Davenport keine Ahnung davon hat, dass Kidd ein Verbrecher ist.
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sagmal.de:
Michael Crichton sagte einmal in einem Interview, die Recherche sei das Schönste an seiner Arbeit, das Schreiben selbst sei eine Qual. Wie ist das bei dir?
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John Sandford:
Bei mir steht das Schreiben im Vordergrund. Ich habe schon immer gerne geschrieben.
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sagmal.de:
Wie wichtig ist das Internet für deine Arbeit? Wie nutzt du es? Nur zur Recherche?
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John Sandford:
Das Netz ist mir sehr wichtig. Ich könnte mir das Schreiben ohne Internet nicht vorstellen. Wenn ich arbeite, bin ich auch immer online und wenn ich kurzfristig Zusatzinformationen benötige, google ich.
Außerdem kann ich durch das Internet Verbindung zu anderen Menschen halten.
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sagmal.de:
Was wirst Du von deiner Lesereise in Deutschland mitnehmen?
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John Sandford:
Ich bin gestern angekommen, habe nur geschlafen und bis jetzt das Hotel noch nicht verlassen.
Auf jeden Fall kann ich sagen, dass das Hotel sehr schön ist. Gleich machen wir noch einen Spaziergang an die Alster. Insofern weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, welche Eindrücke ich sonst noch mitnehmen werde.
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sagmal.de:
Gibt es eine Frage, die du vermisst hast?
Wenn ja, welche?
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John Sandford:
Das ist ja witzig. Diese Frage habe ich auch immer gestellt, wenn ich ein Interview geführt habe und meistens hat sich daraus eine unheimlich interessante Unterhaltung ergeben und ich habe oft mehr erfahren, als durch die Fragen selbst.
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sagmal.de:
Vielen Dank für das Interview.
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Das Interview wurde am 18.07.2005 per Telefon geführt. Die Fragen stellte Ulli Renk, freie Mitarbeiterin von Sagmal.de während Johns Aufenthalt in Hamburg. Wir danken John Sandford für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright.
Pressefoto von John Sandford:
© Jean Pieri
c/o G. P. Putnam's Sons
Hudson Street 375
10014 New York, N.Y.
USA
Bilder der Lesungen in Hamburg, Berlin und München: © Goldmann Verlag
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