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Interviews unterliegen immer, auch wenn sie noch so gut gemacht sind, einem gewissen Zwang durch die Fragestellung.
Und sie sind meist auf ein ganz spezielles Thema bezogen, wegen dessen man den Interviewpartner interviewed hat.

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 Eigenwerbung


 ... Befindlichkeiten!

Was macht das schon ?
von Rainer Pick.

Mehr als dreizehn Jahre war er ein Genosse.
Da er in der DDR lebte, war seine Partei die SED.
Die hatte immerhin mehr als zwei Millionen Mitglieder, davon hat nach der Wende keiner was gemerkt, na ja bei fast 17 Millionen Widerstandskämpfern .....
Heute wäre er als Genosse Mitglied der SPD. Ist er aber nicht. Hat die Nase voll von Parteien und Mitgliedern.

Trotzdem nimmt er Partei. Trotzdem hat er ein soziales Gewissen. Er wird nicht reich davon. Eher arm. Arm ist er aber nicht.
Er kennt eine Menge Menschen, mit denen er spricht. Die mit ihm sprechen. Sogar von West nach Ost.
Das hilft.
In beiden Richtungen.
Er nimmt keinem etwas weg. Ihm wird auch nichts gegeben.
Was hilft das ?
Weiß nicht. Bin jetzt Kapitalist.
Bin Wessi für jeden Polen.
Bin reich. Die Polen holen aus meinem Sperrmüll soviel weg, das die Müllabfuhr fast nichts zu tun hat.
Mein Nachbar empört sich darüber.
Warum eigentlich ?
Als wir beide noch DDR waren, hat er mir in seiner Küche das Regal gezeigt.
Voll war das. Voll mit bunten Büchsen. Gesammelt hat er die.
Fuhr eben oft auf der Autobahn. Da wo sich die Wessis und die Ossis trafen. Auto an Auto.
Trabant und Wartburg überholt vom Mercedes und Opel.
Die Abfallkörbe der Parkplätze waren voll mit den Dosen. Die Dosen waren leer, aber bunt. Schön bunt.
So etwas hatten wir hier nicht.
In der Küche sahen sie gut aus. Da wurde auch die Küche bunt.
Die Polen wollen auch eine bunte Küche haben. Sollen sie ruhig.
Mein Nachbar spricht nicht mehr mit mir.
Ist jetzt Kapitalist.
Bin auch Kapitalist.
Der Nachbar ist also mein Wettbewerber.
Aufpassen !

Die Partei Als wir DDR waren, war er Parteisekretär. Hab ich ihm nie übel genommen.
Der eine ist einer, der andere nicht.
Haben trotzdem Westfernsehen geguckt.
Von der Lippe war schon immer eine Geheimwaffe des Klassengegners.
Die Witze, der Wortwitz ...Haben oft noch einmal darüber gelacht. Beim Fest in dem Gemeinschaftskeller. Wenn wir genug Braune und Weisse geschluckt waren, dann haben wir die Witze wiederholt und donnerndes Gebrüll erschütterte den Neubaublock.
Schulter an Schulter saßen wir auf der schmalen Bank und prosteten uns immer wieder zu, Schulter an Schulter standen wir nebeneinander am Gebüsch und pinkelten den vollen Strahl in die Landschaft. Auf dem Rückweg in den Gemeinschaftskeller erzählt er mir von seiner Tochter, die Chemie studiert. War stolz, auch weil sie die Probleme mit dem –vielleicht- künftigen Schwiegersohn alleine löste.
Dann tanzen wir. Er mit meiner Frau und ich mit seiner.
Fasste sich gut an.
Für eine Frau vom Parteisekretär......als Nachbarin war sie sowieso in Ordnung. Hat die Apfelsinen zu Weihnachten besorgt. Nein, nicht die kubanischen, die braun gepfleckten, sondern die richtigen. Die süßen, saftigen Gelben.
Die Kinder hat´s gefreut.

Sie saß eben an der Quelle. Der Konsumladen gleich um die Ecke. Heute sitzt sie zu Hause. Arbeitet jetzt nicht mehr. Schaut viel aus dem Fenster. Das Kissen für die Ellenbogen ist von unten genauso gut zu sehen, wie die dicken Brüste, aus deren Mitte das Gesicht zu entspringen scheint. Hats nicht nötig, sagt sie der Nachbarin, mit der sie noch sprechen kann. Die ist nämlich Rentnerin, also kein Wettbewerb zu befürchten.

Der Parteisekretär holt sich, schon gleich nach der Wende hat er damit angefangen, seine geistliche Unterstützung von der K............., nein nicht von der Kreisleitung, von der Kirche.
Der Pastor und er sind jetzt dicke Freunde.

Der Nachbar macht es richtig. Immer dicht an der Macht bleiben.
Der alte Herr da oben hat halt wieder das Sagen.
Ich mag noch immer nicht in die Kirche gehen.
Dabei fasziniert mich immer wieder der Atem der Geschichte, der diese alten Gemäuer durchhaucht.
Der Geruch der Feuer der Inquisition, Weihrauch, Kunst, Ketten und Pathos. Und Gold und Geld.
Viel Geld.
Die dicken Feldsteine muß doch jemand bewegt haben, geschichtet und verfugt. Na ja, damals gab´s ja noch die Grafen und die Raubritter. Und die Bauern. Die armen Teufel.

Heute gibt es wieder eine Menge arme Teufel.
Nicht bloß die Polen.
Macht ja nichts.
Es lebe der Unterschied !

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Rainer PickRainer Pick ist Autor aus Schwedt an der Oder und Buchpapi des virtuellen Dave.
Bild: K.- H. Wendlandt
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