Andreas H. Römer 39 Jahre, seit 4 Jahren Leiter der Abteilung
"Neue Medien" bei fs-multimedia GmbH und seit etwa 7
Jahren Abteilungsleiter der Reklameabteilung der
Filmservice Sänger GmbH. Seit kurzer Zeit auch Mitglied im Hessischen Journalisten-Verband.
Andreas ist Gründer und Betreiber von ?.de und Hab8.de,
*** Ein Newsletter ist immer auch ein organisches Gebilde. Im Laufe der Zeit verändert er sich, er beginnt eine gewisse Eigendynamik zu entwickeln, da ein Newsletter auch immer auf die Resonanz der Leser angewiesen ist.
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sagmal.de:
Andreas, könnte man dich als "den" Newsletterprofi im
Internet bezeichnen? |
Andreas Roemer:
Nein, denke ich nicht.
Mein erster Newsletter, die ?.de-News, erschien am 6.9.1997 und war noch voller Unzulänglichkeiten. Es galt über die Jahre Erfahrungen zu sammeln und - wie es bei fragezeichen.de nun einmal Tradition ist - diese auch weiterzugeben.
Deshalb ist auch ein vormals als Buch geplantes Projekt nun vollständig online gegangen: newsletterbuch.de.
Über die Jahre hat man natürlich seine Erfahrungen gemacht und einige Newsletter kommen und gehen sehen, aber jeder, der den Mut und die Geduld hat, seine Idee über einen langen Zeitraum am Leben zu halten, wird in meinen Augen zum Experten.
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sagmal.de:
Wie, wann und warum hast du angefangen, dich mit Promotion, Newslettern usw. zu
beschäftigen?
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Andreas Roemer:
Das begann in sehr jungen Jahren - weit vor dem Internet. Damals gab es von Texas Instruments programmierbare Taschenrechner, u.a. auch den Ti-59 mit Magnetkartenleser. In dieser Zeit führte ich einen Club zum Thema und gab auch monatlich einen Newsletter heraus, der über das Copycenter mit abertausenden von Seiten-Kopien über lange Jahre am Leben erhalten wurde.
Mit dem Aufkommen von Internet und den ersten T-Online-Homepages in Deutschland störte es mich ganz massiv, dass wenige Auguren meinten, ihr Wissen für sich behalten zu müssen. Daraus entstanden viele Fragen, damit auch fragezeichen.de und letztlich der Newsletter, die ?.de-News, der Woche für Woche ohne Unterbrechung nun bereits im 4. Jahrgang erscheint.
Neben Tipps & Tricks kamen dann auch Themen zur Promotion von Websites hinzu. Der ?.de-News-Letter ist mit wöchentlich mehr als 10 Seiten Text sowieso schon sehr groß und das Thema "Promotion" hätte über kurz oder lang das Format gesprengt.
So kam ich vor zwei Jahren auf die Idee einen eigenen Promotionnewsletter zu gründen, die hab8®-news, die vierzehntägig erscheinen und einen ähnlichen Umfang haben.
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sagmal.de:
Ab wievielen Besuchern sollte man erst anfangen, Newsletter anzubieten?
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Andreas Roemer:
Ein Newsletter ist immer auch ein organisches Gebilde. Im Laufe der Zeit verändert er sich, er beginnt eine gewisse Eigendynamik zu entwickeln, da ein Newsletter auch immer auf die Resonanz der Leser angewiesen ist.
Je spezieller ein Newsletterthema ist, desto früher sollte man starten.
Wer beispielsweise mehrere tausend Besucher täglich hat und gleich mit 3.000 Lesern startet, wird bestimmt am Anfang den einen oder anderen Fehler begehen und damit auch den einen oder anderen Leser verärgern. Dieses - ungewollte - negative Erlebnis strahlt dann natürlich auch auf das Internetangebot ab.
Deshalb ist meine Regel: Spezial-Newsletter so früh wie möglich starten und mitwachsen, neugierig sein und immer auch die Bereitschaft haben, verändern zu wollen.
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sagmal.de:
Was machen, deiner Meinung nach, viele Betreiber von Newslettern falsch?
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Andreas Roemer:
Sie schreiben ab oder bringen nur Newsaktuell-Pressemitteilungen zum xten Male am Tag. Ein guter Newsletter lebt von den Eigengewächsen, die mindestens 80% des Umfanges ausmachen sollten. Der eigene Stil, die Themenauswahl und vor allen Dingen auch die persönliche Schreibe halten einen Newsletter am Leben.
Ein Newsletter, der nicht auf die Resonanzen seiner Leser achtet, ist über kurz oder lang zum Sterben verurteilt. Auch hier begehen einige Newslettermacher den Fehler, dass sie zu wissen glauben, was die Leser interessiert.
Der größte anzunehmende Unfall passiert allerdings immer dann, wenn der Newslettermacher die zeitlichen und personellen Kapazitäten unterschätzt, die es kostet, einen Newsletter herauszubringen.
Anfang Februar musste wieder ein hervorragender Newsletter eingestellt werden, da der Betreiber keine Zeit mehr für das Recherchieren und Herausbringen des Newsletters gehabt hat.
Das unterschätzen der zeitlichen und kapazitiven Komponente ist ein zentraler Kardinalfehler beim Herausgeben eines Newsletters.
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sagmal.de:
Viele Neulinge meinen, sie müssten unzählige Werbebanner auf Ihrer Seite
plazieren.
Hat das deiner Meinung nach überhaupt einen Sinn?
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Andreas Roemer:
Definitiv nicht. Banner jeglicher Couleur sind immer auch wegführende Angebote vom eigenen Internetangebot. Von der optischen Missgestaltung einmal abgesehen.
Banner zerstören generell das Sitedesign, in Stil, Duktus und optischer Ausgestaltung. Hier gilt es immer den geringsten Grad an Zerstörung zu wählen und den Schaden so gering wie möglich zu halten.
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sagmal.de:
Welche Promotion ist denn für eine Website generell sinnvoll?
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Andreas Roemer:
Das kommt auf jeden Fall auch auf das Thema des Angebotes an. Wer beispielsweise einen Shop betreibt, sollte auf jeden Fall auch die Möglichkeiten der Promotion außerhalb des Internets mit in die Planung einbeziehen.
Generell ist die Verlinkung mit anderen Sites, die Werbung in Newslettern und mit Bannern sinnvoll.
Es gibt auch im Internet eine Form von Mundpropaganda, die man nicht unterschätzen sollte. Insofern sollte man höflich in seinen Äußerungen sein, Emails schnell beantworten, Kompetenz ausstrahlen und negative Erlebnisse auch mal runterschlucken. Einmal in einem gut besuchten Forum "zerfleischt" bringt ein großes negatives Site-Image.
Eine der wichtigsten Formen der Promotion ist die eigene Motivation. Jeder Webauftritt braucht ein gerütteltes Maß an Geduld, Zeit und Mühen. Hier neugierig, geduldig und aufmerksam zu bleiben schafft ein inneres Umfeld, welches sich auf das eigentliche Internetangebot überträgt. Sehr viele Angebote, die mit sehr, sehr viel Geld ins Netz gedrückt worden sind, scheitern relativ schnell, weil es den Betreibern an genau diesen Eigenschaften fehlt. Da nützen all die Werbebanner, Zeitungsannoncen und Fernsehspots nichts.
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sagmal.de:
Du hast mit fragezeichen.de und hab8.de zwei sehr ausgefallene Domainnamen.
Welche Rolle spielen prägnante Namen bei Websites?
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Andreas Roemer:
Wenn eine Marke mit dem Domainnamen verknüpft wird, wie beispielsweise bei hab8.de, ist der prägnante Name ein wichtiges Identifizierungsmerkmal und bedeutet bei allen Kommunikationsformen auch "Eindeutigkeit".
Ausgefallenes erzeugt auch immer Aufmerksamkeit, schafft Rückfragen und damit Kommunikation.
Prägnante Namen bringen sich schneller in das Bewusstsein eines Besuchers und schaffen Vertrautheit. Der Weg in die Bookmarks ist kürzer und bei konsequenter Führung des Domainnamens entsteht im Laufe der Zeit ein Markenbewusstsein.
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sagmal.de:
Wird sich bei der Finanzierung von Websites in Zukunft etwas ändern, oder werden
weiterhin Werbebanner das "Non Plus Ultra" bleiben?
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Andreas Roemer:
Es gibt Bestrebungen Micropaymentangebote im Internet zu etablieren. Ob sich diese Form der Finanzierung durchsetzen wird, ist eher zweifelhaft, weil es sehr viele Informationsangebote im Internet gibt, die mit Sicherheit das micropaymentfinanzierte Angebot gratis anbieten.
Newsletterwerbung ist eine Form der Mitfinanzierung und wird in den nächsten Monaten und Jahren erheblich an Zuwachs gewinnen. Die Menschen wollen Inhalte und keine Frame- und Buttonwüsten und ein Newsletter befriedigt in hervorragender Weise dieses Informationsbedürfnis. So entsteht ein interessanter Werbemarkt, der erheblich zur Finanzierung eines Internetauftrittes beitragen kann.
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sagmal.de:
Wie wichtig ist für dich das World Wide Web?
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Andreas Roemer:
Zum WWW habe ich eher ein ambivalentes Verhältnis. Ähnlich Fernsehen, ist das WWW ein Zeitfresser. Es nimmt dir Lebenszeit, die manchmal sinnvoller ausgenutzt hätte werden können. Hier gilt es, nach einer ersten "Drangphase", ein gesundes Maß zu finden und andere Schwerpunkte zu setzen.
Nicht zu unterschätzen ist allerdings die Vielzahl an wichtigen, guten und interessanten Kontakten, die man durch die Arbeit mit und im WWW im Laufe der Jahre hat knüpfen dürfen. Das ist eine Eigenschaft des WWWs, die für mich sehr wertvoll ist und die ich nicht mehr missen möchte.
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sagmal.de:
Wo treibst du dich im Web so herum?
Gibts ein paar interessante Adressen, die du empfehlen kannst?
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Andreas Roemer:
Als Sammler von Jazz-CDs kann ich das Angebot auf www.jpc.de empfehlen. Hier gefällt mir, dass viele Titel im Vorfeld bereits probegehört werden können. Auch die Recherchemöglichkeiten sind sehr brauchbar.
Meine Vorliebe für Rotweine wird auf www.wein-plus.de in hervorragender Weise unterstützt. Die Site ist riesig, das Glossar kompetent und auch nach Stunden der Recherche findet man immer noch etwas neues und interessantes.
Hier gibt es auch die Einrichtung eines "Monatsweines". Monatlich gibt es einen bestimmten Wein zum Verkosten, der zu einem festen Termin im Weinforum besprochen wird.
Auf www.staeck.com gibt es kritische, obszöne, informative und bewegende politische Plakate und Postkarten von Klaus Staeck. Eine der wichtigen Sites in der politischen WWW-Landschaft. Sehr gut auch die Objekte, Plakate und Drucke von Joseph Beuys.
Bei aller Kritik an Führung, Stil und öffentlichem Auftreten ist die Site von "freedom for Links" mit die wichtigste Internetsite im deutschsprachigen WWW. Hier sollte man mitmachen, unterstützen und wach bleiben.
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sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?
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Andreas Roemer:
Gibt es ein Leben außerhalb des WWW's? :-)
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
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Andreas Roemer:
Jeder, der ein Internetangebot unterhält, sollte alle Anstrengungen unternehmen, um das Angebot am Leben zu halten.
Das Internet lebt von dieser Vielfalt und auch 50 Besucher im Monat sind 50 Menschen, die man sonst nie im Leben hätte ansprechen können.
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Das Interview wurde am 11.02.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Andreas Roemer für die Beantwortung unserer Fragen. |
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