Interview mit Stefan Rippler vom 19.7.2001
Stefan Rippler Stefan Rippler,
geb 18.02.1985
1992 Herausgeber einer lokalen Jugendzeitschrift, 1998 - 2001 Redakteur und Initiator der Jugendseite bei "good morning", einer Regionalzeitschrift
1999 schreibt er für denLokalteil der Tageszeitungen "Traunsteiner Tagblatt" und "Chiemgau-Zeitung"
Seit 2000 Leiter des "Arbeitskreises Schülerzeitung am staatlichen Landschulheim Marquartstein
Im Jahr 2000 der erste Artikel bei FOCUS Online.
August 2000 Praktikum bei Netguide GmbH (FOCUS digital AG). Seither freier Mitarbeiter.
Aus einer Idee der Praktikantenbetreuerin der Netguide GmbH entstand im September 2000 das Informationsportal "Planet-Praktika", das Stefan eröffnete, um "Gleichgesinnten" eine Einstiegsmöglichkeit in den Journalismus zu bieten. Für dieses Projekt erhielt er den Cool-Spot von WEB.DE und war mit seinen Seiten Tagestipp bei einigen großen Portalen, wie yahoo.de oder heute.org.

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Ein Journalist muss sein Interesse auf Politik und Menschen, bzw. Regionen/Branchen richten, die Probleme haben, oder welche bekommen werden und dem Leser seine Sicht/seine Erkenntnisse bzw. die Situation anschaulich und verständlich "präsentieren" . Er muss verantwortungsbewusst, etwas hartnäckig und neugierig sein. Wichtig ist vor allem, dass er sich nichts vormachen lässt. Dann ist das der schönste Beruf der Welt ;-))

sagmal.de:
Stefan, du bist 16 Jahre alt und betreibst das Portal Planet-Praktika, das Interessierten beim Einstieg in den Journalismus helfen soll. Wie startete das Projekt?

Logo Planet Praktika Stefan Rippler:
Nun, das Ganze begann mit einem Praktikum bei der Findmaschine "Netguide" aus dem Hause Burda. Während des Praktikums sprach mich meine Praktikantenbetreuerin, Simone Edelberg, auf ein Projekt an, das jungen Journalistik-Interessenten den Einstieg in die Branche erleichtern soll. Die anderen Praktikanten und ich waren sofort begeistert, sodass ein paar Tage später ein erstes Treffen stattfand. Dort entstand der Name "Planet-Praktika" und ein genaueres Konzept. Da die anderen Praktikanten zum Teil übernommen wurden bzw. ihre Stelle wechselten, stand ich schnell mit meiner ehemaligen Betreuerin alleine da. Ich entschloss mich, das Projekt privat weiterzuführen. (mit Beratung durch Simone Edelberg) Durch meine Mitgliedschaft bei der Jungen Presse Bayer e.V. hatte ich schon den ersten Kooperationspartner und das Projekt konnte starten!

sagmal.de:
Wem nutzt deine Seite und wie kann man sie nutzen?

Stefan Rippler:
Planetpraktika.de wird hauptsächlich von Studenten oder Nachwuchsjournalisten, einer relativ jungen Zielgruppe (16- 29 Jahre), genutzt. Die Seiten bieten einen hohen Nutzwert. Beispielsweise kann man viele Eindrücke gewinnen, wie es im Journalismus zugeht. Weiter gibt es viele Tipps von erfahrenen Journalisten, die einem beim Einstieg in die Branche sehr helfen. Eines unserer meistgenutzten Services ist die Praktikumsbörse, die wir seit Neuestem in Kooperation mit dem Pre-Karriere-Portal "praktika.de" anbieten. Diese Praktikumsbörse wird demnächst noch ausgebaut, da wir uns momentan erst in der ersten Stufe unserer Kooperation befinden. Ein weiteres Feature, das hilfreich ist, wäre das Adressverzeichnis von Radio/TV/Print- Redaktionen in Deutschland und einigen europäischen Ländern. In Arbeit befindet sich gerade ein Community- Bereich für die User unserer Seite. Ein großes Ziel für die Zukunft ist der Austausch von journalistischen Erfahrungen unter den Usern.

sagmal.de:
Seit wann interessierst du dich für Journalismus?

Stefan Rippler:
Für den Journalismus interessiere ich mich bereits seit meinem zwölften Lebensjahr. Mit diesem zarten Alter begann ich, eine kleine, lokale Zeitung herauszugeben, deren Auflage anfangs 20 Stück und nach zwei Jahren schon 200 Stück betrug. Mit vierzehn begann ich, einige Artikel für die regionale Tageszeitung zu verfassen. Mit fünfzehn initiierte ich bei einer Regionalzeitung (Auflage: 28.000) eine Jugendseite, die ich weitgehend selbst gestalten durfte. Ein Jahr darauf wurde mein erster Artikel bei Focus Online veröffentlicht. Durch diesen Kontakt zu Focus Online war es mir möglich, im August 2000 ein Praktikum bei netguide.de zu absolvieren.

sagmal.de:
Wer unterstützt dich bei Planet-Praktika und wie?

Stefan Rippler:
Freut mich, dass du diese Frage stellst! Oft werde ich gefragt, wer hinter Planet-Praktika steht. Wenn ich dann antworte, dass ich das ganze Portal mit einer Person, welche mich berät, betreibe, glauben es viele erst nicht. Es ist so: Planetpraktika.de wurde bisher von Bertelsmann mit einer einmaligen Spende unterstützt. Natürlich ist dies schon ein kleiner Erfolg, doch leider ist es so, dass die Kosten, die durch die Onlinegebühren etc. anfallen dadurch nicht gedeckt werden. Wir sind also momentan auf der Suche nach einem Sponsor. Leider argumentieren die meisten großen Firmen so, dass sie private Projekte von haus aus nicht unterstützen. Das finde ich sehr schade, denn planetpraktika.de möchte vielen jungen Leuten helfen, in die Medienbranche einzusteigen und einen Job zu finden. Dass viele Firmen dies nicht unterstützen wollen finde ich sehr, sehr schade!

sagmal.de:
Was macht einen guten Journalisten aus?

Stefan Rippler:
Journalisten sollen das, was in ihrer Umgebung stattfindet, sensibler wahrnehmen als alle anderen Menschen. Es muss ihnen wichtig sein, was in ihrem Land, ihrer Region, ihrer Stadt, ihrer Umgebung passiert. Ein Journalist muss sein Interesse auf Politik und Menschen, bzw. Regionen/Branchen richten, die Probleme haben, oder welche bekommen werden und dem Leser seine Sicht/seine Erkenntnisse bzw. die Situation anschaulich und verständlich "präsentieren" . Er muss verantwortungsbewusst, etwas hartnäckig und neugierig sein. Wichtig ist vor allem, dass er sich nichts vormachen lässt. Dann ist das der schönste Beruf der Welt ;-))

sagmal.de:
Welche Unterschiede bestehen deiner Meinung nach zwischen Printjournalismus und Online-Journalismus? Gibt's überhaupt Unterschiede?

Stefan Rippler:
Eine beliebte Frage, die ich schon oft hörte. Nun, ich möchte hier einmal einen Satz loswerden, den sicher schon viele benutzt, oder gehört haben: A story is a story is a story. Vor einiger Zeit hatte ich das Vergnügen, ein Gespräch mit Herrn Ohligschläger, Chefredakteur der com!online, zu führen. Auch dieses Thema wurde von uns ausgiebig diskutiert. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass das Internet, neben der Zeitung, dem Fernseher oder dem Radio ein weiteres Publikationsmedium ist. Natürlich gibt es Unterschiede im "Handwerk". Da ich ja in der Online- sowie in der Printbranche gearbeitet habe, kenne ich die Unterschiede ganz gut. Der Onlinejournalismus lässt sich weitgehendst mit dem Agenturjournalismus vergleichen (natürlich gibt es auch da einige, große Unterschiede). Das Motto lautet "In der Kürze liegt die Würze". Lange Reportagen, wie sie im Focus, Spiegel oder Stern zu finden sind, kann es im Onlinejournalismus aus mehreren Gründen nicht geben. Da wäre zum einen die Bebilderung, die im Internet nicht so möglich ist, wie in einem Magazin. Zum anderen wären die großen Ladezeiten, die entstehen würden, wenn man eine mehrseitige Reportage in's Netz stellen würde. Des Weiteren kann man hier auch erwähnen, dass das Lesen der langen Texte am Monitor den Augen schaden würde. Eine gute Auseinandersetzung mit dem Thema der Frage findet man unter http://www.onlinejournalismus.de

sagmal.de:
Und in welche Richtung zieht es dich? Steht das schon fest?

Stefan Rippler:
Leider steht das noch nicht fest. Wenn ich es nur schon wüsste ;-)) Nach meiner Erfahrung bei Netguide möchte ich jedoch wieder in den Printbereich, am besten zu einer Computerzeitschrift, um mehr Erfahrungen in dem Bereich zu erlangen. Eigentlich liegt mir der Schreibstil für Printmedien besser, da ich kurze Sätze nicht sehr gerne mag. Durch meine Umstellung im Schreibstil bei netguide merkte ich, dass mir das Schreiben für eine Zeitung besser liegt, andererseits ist meiner Meinung nach die Stimmung und das Klima im Onlinebereich besser bzw. lockerer. Ich finde also Gefallen an beiden Branchen, wobei es mich momentan eher in Richtung Print zieht. Aber wie ich mich nun letztendlich entscheiden werde, wird sich wohl erst in einigen Jahren herausstellen.

sagmal.de:
Wird das journalistische Onlineangebot irgendwann die Print und Fernsehangebote einholen oder gar überholen?

Stefan Rippler:
Ich denke nicht, dass das Internet in nächster Zukunft das Medium Zeitung ersetzen wird. Wenn man die momentane, schlechte Situation im Netz betrachtet (viele Pleiten), kann man sich nicht vorstellen dass es die Zeitung bald nicht mehr gibt. Das Internet ist natürlich ein Medium über das immer mehr Leute ihre Informationen beziehen, aber viele lesen zusätzlich noch Zeitung. Das Zeitungslesen wird meiner Meinung nach nicht vom Internet "überholt". Eingeholt hat das Medium Internet die Zeitung allerdings schon, zum ersetzen der Zeitungen wird es sicher nicht kommen. Zumindest nicht in näherer Zukunft. Bei den Fernsehangeboten bin ich etwas anderer Meinung. Da denke ich, dass es momentan aufgrund der Technik nicht möglich ist, dass das Internet die TV-Angebote überholt. Momentan ist die Technik in der Entwicklungsphase (siehe DSL und CO.). Außerdem sind die Gebühren für DSL zur Zeit noch zu teuer, sodass DSL nicht für jedermann erschwinglich ist. Wenn es dass aber ist, wird sich einiges ändern, da kann es auch sehr gut sein, dass journalistische Onlineangebot das Fernsehangebot überholen wird.

sagmal.de:
Bedeutet Journalismus für dich auch eine gewisse Macht auf die Leser auszuüben? Ist das vielleicht auch mit ein Faktor, der dich bewogen hat, Journalist zu werden?

Stefan Rippler:
Für mich ist es das Hauptziel, Leute über bestimmte Themen, die sehr wichtig sind, zu informieren, sodass eine Meinungsbildung möglich ist. Natürlich können die Medien Leute in ihrer Meinungsbildung gewaltig beeinflussen. Ich möchte jedoch, wenn ich mich mit einem Thema auseinandersetze, beide Seiten ausführlich beleuchten und ergründen. Diese Ergebnisse möchte ich dem Leser/ der Leserin präsentieren, so dass er/sie sich eine eigene Meinung bilden kann. Die gewisse Macht, die man ausüben kann, wenn man es möchte, war also kein Faktor für mich, der mich bewogen hat, Journalist zu werden!

sagmal.de:
Erwartest du noch große Veränderungen im Internet und wenn ja, wie könnten diese aussehen?

Stefan Rippler:
Ich denke, dass wir uns momentan in einer Umbruchsphase befinden, was das Internet angeht. Viele Unternehmen, denen es vor ein, zwei Jahren sehr gut ging, melden Konkurs an (siehe Canbox, Tanto, etc.). In Zukunft werden die kostenpflichtigen Dienste im Internet auf jeden Fall zunehmen. Da wird dann für Content (Inhalt), der einen hohen Nutzwert bietet gezahlt. Wie man am Beispiel GMX sehr gut sehen kann, beginnen manche Firmen schon damit, kostenlose Dienste abzubauen, indem sie Kunden anhand von "wertvollen Inhalten locken, einen kostenpflichtigen Premiumdienst zu "abonnieren"!

sagmal.de:
Wenn du im Internet unterwegs bist, wo findet man dich? Verrätst du uns einige deiner Surftipps?

Stefan Rippler:
Als Medieninteressierter bin ich häufig auf den Seiten von newsroom.de und www.wuv.de zu finden. Meine favorisierte Suchmaschine im Netz ist netguide.de. Als Betreuer der "YoJo-Liste", einer Community für Nachwuchsjournalisten, findet man mich oft auf deren Seiten. Die alltäglichen News lese ich meist bei focus.de. Seiten, die ich auch ganz gerne besuche: jungejournalisten.de, autsch.de, onlinejournalismus.de, ipro.de. Als Webmaster von Planet-Praktika.de bin ich natürlich oft auf den Partnerseiten zu finden ;-))

sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

Stefan Rippler:
Ja: Wie ist es, neben der Schule planetpraktika.de und yojo zu betreuen und zusätzlich noch für einige Zeitungen zu schreiben? Sehr stressig, aber es macht mir sehr viel Spaß ;-))

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Stefan Rippler:
Vielleicht zum Abschluss einen Satz zum Nachdenken ;-)
"Man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge."
(von Arthur Schopenhauer).

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Das Interview wurde am 19.7.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Stefan Rippler für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen


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