***
Die Leute leben mit dem Ereignis (was nicht heißt, dass sie es vergessen
oder verarbeitet haben). War es anfangs an Ground Zero noch so, dass
wirklich Stille herrschte und die Menschen weinend und schockiert in die
noch rauchenden und brennenden Trümmer starrten, herrscht nun fast wieder
Alltag, und die Anzahl derer, die New York mit den Twin Towers kannten,
verringert sich.
|
 |
Marion wurde 1966 am Rosenmontag in Köln geboren, Thomas erblickte zwei Jahre später in Limburg an der Lahn das Licht der Welt. Ihre Wege hätten sich vielleicht nie gekreuzt, hätte Thomas’ Mutter nicht 1978 beschlossen, dass sie nun vom Landleben genug habe und eine Rückkehr in ihre Heimatstadt Köln unausweichlich sei.
Ein Paar wurden die beiden 1994, während ihrer gemeinsamen Tätigkeit für ein internationales Finanzierungsinstitut in Köln. Marion trat dort einen Job als Sekretärin des IT-Leiters an und Thomas arbeitete in der gleichen Abteilung als IT-Fachreferent. Sie, eigentlich eine strikte Gegnerin von Liebschaften am Arbeitsplatz, verliebte sich unsterblich in den smarten jungen Mann mit den Rehaugen und das ist bis heute so geblieben.
Glücklicherweise beruhte die Liebe auf Gegenseitigkeit und so war es nur konsequent, dass sich die beiden in ihrer Lieblingsstadt New York 1998 das Ja-Wort gaben. Thomas hatte sich im Jahr zuvor als IT-Consultant selbstständig gemacht und beide vermissten das gemeinsame Arbeiten sehr. 1999 warf auch Marion die Sicherheit eines festen Angestelltenverhältnisses über Bord, obwohl sie inzwischen aus dem Sekretariat ausgestiegen war und einen guten Job in der Personalentwicklung hatte. Seitdem arbeitet sie mit Thomas zusammen in verschiedenen Projekten, als Office Managerin und manchmal auch als Webdesignerin.
Statt allen anderen alles nachzumachen und ein Baby zu bekommen, wurde im Jahr 2000 das gemeinsame Projekt „www.NYC-Guide.de“ geboren.
Marion und Thomas Reichwein lieben, leben und arbeiten in Erftstadt.
|
sagmal.de:
Marion, folgenden Text hab ich von Dir über die Stadt New York gelesen: Ich liebe sie, seit ich ihr zum ersten Mal begegnet bin. Vielleicht, weil sie mir ähnlich ist? Sie ist nicht leicht zu haben und sie gibt sich nicht einfach hin. Sie spaltet die Geister - es gibt nur zwei Reaktionen auf ihre unaufhörliche Aktivität, ihre Vielschichtigkeit und ihre Schönheit. Du liebst oder hasst sie. Eigentlich gibt es drei Kategorien. Die dritte ist: «Du kommst nicht mehr von ihr los!»
Zitat Ende.
Was ist das Besondere an New York?
|
Marion:
New York ist nicht einfach nur eine Stadt, sie ist ein eigener Kosmos. Man kann die Energien regelrecht spüren, die sie ausströmt. Dort leben Menschen aller Kulturen und Hautfarben in friedlicher Co-Existenz. Jeder versucht auf seine Weise, sein Glück zu machen. New York bietet unglaublich viel, man könnte 200 Jahre dort leben und würde sich trotzdem nie langweilen. Ich persönlich liebe auch das Geräusch der Stadt, selbst nachts, wenn alles schläft, kann man sie summen hören.
|
Thomas:
Diese Frage bekomme ich häufig gestellt - besonders von den Menschen, die es lieben, Strandurlaub zu machen oder in die Berge zu fahren und sich deshalb fragen, was man denn den ganzen Tag in einer Großstadt so machen könnte. Was New York einmalig macht sind viele große und kleine Dinge. New York ist ein ganzer Planet komprimiert in einer einzigen Stadt. Es gibt hier keine Nationalität, die nicht vertreten wäre, keine Sprache, die nicht gesprochen würde, keine Kultur, die nicht präsent ist. Witzigerweise bezieht sich das auch auf das Klima. War es gestern noch fast 30 Grad im Schatten und windstill bei strahlend blauem Himmel, ist dies kein Garant dafür, dass es heute nicht stürmischen Schneefall bei minus 2 Grad geben kann. Neben dieser klimatischen und kulturellen Vielfalt besticht New York durch seine architektonischen Gegensätze und seine Fähigkeit, jedem Menschen, der sich auf diese Stadt einlässt, genau das zu bieten, was er sucht. Ob das die Strände von Coney Island sind, die himmlische Ruhe und Entspannung in der "grünen Lunge" Central Park, der Verkehrsinfarkt zur Rushhour (ja, es gibt auch Menschen, die das brauchen...), die tausenden Restaurants, die unzähligen Museen – es gibt einfach nichts, was es hier nicht gibt. Mir gibt New York das Gefühl nach Hause gekommen zu sein, sobald das Flugzeug auf einem der New Yorker Airports gelandet ist. Da ist er dann sofort wieder, der unbeschreibliche Klang und Duft dieser Metropole. Einer der spannendsten Dinge am Big Apple ist übrigens, dass hier bewiesen wird, dass das große Experiment "Mensch" funktionieren kann. Hier leben all diese Völker miteinander oder zumindest nebeneinander und fast alle sind sehr freundlich zu Fremden – das gibt doch Hoffnung auf die Zukunft, oder?
|
sagmal.de:
Wie und warum entstand nyc-guide.de?
|
Marion:
Ursprünglich eigentlich als Arbeitserleichterung. Wir waren durch viele New York Aufenthalte bei Freunden, Bekannten und Bekannten von Bekannten in eine Art „Experten-Status“ aufgerückt. Deshalb wurden sehr oft gebeten, jemandem Tipps für den nächsten New York Aufenthalt zu geben. Das endete regelmäßig damit, dass wir stundenlang Abhandlungen schrieben. Irgendwann wurde es uns zu bunt und wir beschlossen, unsere Erlebnisse und Erfahrungen auf einer Website zu veröffentlichen. Wir bildeten uns damals tatsächlich ein, dass wir damit Arbeit einsparen könnten. Heute wissen wir es besser. Man kann außerdem sagen, dass der NYC-Guide unsere ganz persönliche Liebeserklärung an New York ist und wir versuchen, andere ebenfalls für die Stadt zu begeistern.
|
Thomas:
Irgendwann war es Marion leid, all die Fragen zu unserer Stadt immer und immer wieder beantworten zu müssen und beschloss daher, die ganzen Informationen zu sammeln. Das machte uns so viel Spaß, dass Marion auf die Idee kam, das Ergebnis für jeden im Internet verfügbar zu machen und aus den wenigen Seiten am Anfang wurden inzwischen knapp 250 Internet-Seiten und der Guide wächst weiter.
|
sagmal.de:
Was hat sich nach dem 11. September in New York verändert?
|
Marion:
Eigentlich hatten wir 2001 eine Reise nach New York für Mitte September geplant, das klappte allerdings aus beruflichen Gründen nicht. Nach dem Terroranschlag haben wir dann so schnell wir konnten die Reise nachgeholt, d.h. wir haben New York sechs Wochen nach dem Terroranschlag besucht. Unter dem Motto: „Jetzt erst recht!“ Über diese Reise gibt es natürlich auch einen Bericht.
Damals war die Atmosphäre in New York ganz außergewöhnlich. Der Schock war noch deutlich zu spüren, die Trümmer brannten noch, die Stadt war voller amerikanischer Flaggen und „United we stand“ Plakate und jeder einzelne Tourist wurde beinahe frenetisch begrüßt.
Diesem Aufenthalt Ende Oktober 2001 folgte einer im Mai 2002 und einer im September 2002. Inzwischen ist New York zumindest aus touristischer Sicht „back to life“. Die New Yorker wollen sich nicht unterkriegen lassen und versuchen, damit zu leben. Das ist natürlich umso schwieriger, je persönlicher jemand betroffen war.
|
Thomas:
Wir waren sechs Wochen nach den Terroranschlägen auf New York und das Pentagon in der Stadt. Es war anfangs eine merkwürdige Atmosphäre, da es wirklich weniger Touristen gab, die das Straßenbild kennzeichneten. Die Menschen, mit denen wir gesprochen haben (Taxifahrer oder Hotelangestellte), freuten sich sehr, dass sich Touristen aus "Good old Germany" wieder nach New York "trauten" und beklagten ein wenig die spürbar rückläufigen Einnahmen. Inzwischen ist es so, dass New York wieder eine gewisse Form von Routine entwickelt hat. Die Leute leben mit dem Ereignis (was nicht heißt, dass sie es vergessen oder verarbeitet haben). War es anfangs an Ground Zero noch so, dass
wirklich Stille herrschte und die Menschen weinend und schockiert in die
noch rauchenden und brennenden Trümmer starrten, herrscht nun fast wieder
Alltag, und die Anzahl derer, die New York mit den Twin Towers kannten,
verringert sich.
|
sagmal.de:
Wie habt Ihr das Attentat erlebt und verarbeitet?
|
Marion:
Abgesehen vom Tod meiner Eltern, war das einer der schwärzesten Tage in meinem Leben. Thomas und ich saßen in unseren Büros und arbeiteten. Bei mir lief der Fernseher (ohne Ton), ich war gerade dabei, eMails zu beantworten, als ich auf den Fernsehbildschirm schaute. Da lief ein Spruchband durch, auf dem stand (wörtlich weiß ich es nicht mehr): „Das World Trade Center in New York steht in Flammen, zwei Flugzeuge sind dort eingeschlagen“. Ungefähr 5 Minuten lang habe ich wie hypnotisiert auf dieses Spruchband gestarrt. Ich konnte nicht glauben, was ich da las. In diesen 5 Minuten hing ich in einer Art Gedankenschleife fest: „Mensch es ist kurz nach 9.00 Uhr (New Yorker Zeit), welcher Pilot ist denn so dumm und fliegt am hellichten Tag ins WTC? Und das gleich zweimal? Haben die Nebel oder was ist da los?“
Dann habe ich auf CNN umgeschaltet und Thomas gerufen. Wir zwei saßen bewegungslos vor dem Bildschirm und von diesem Moment an lief mein Leben wie in Zeitlupe ab. Ich war völlig durch den Wind, habe Essen, Trinken und Schlafen vergessen. In dieser Zeit hatte ich glücklicherweise keinen wichtigen Auftrag, ich war zu absolut nichts Produktivem in der La-ge. Wenn ich nicht vor dem Fernseher gesessen habe, war ich im Internet auf der Suche nach neuen Informationen. Leider habe ich mich auch selbst irgendwie gefoltert, indem ich bei der NY Times die Portraits der Vermissten gelesen habe. Das tat mir gar nicht gut, andererseits konnte ich es aber auch nicht lassen. Ich wollte etwas über die Menschen erfahren, jenseits der anonymen Zahlen.
Thomas hatte in dieser Zeit Terminarbeiten, die fertig werden mussten. Es zeigte sich, dass er viel besser klargekommen ist als ich. Manchmal ist Arbeit scheinbar doch die beste Therapie und ich habe vielleicht zuviel „Trauerarbeit“ geleistet.
Den Anschlag habe ich bis heute noch nicht verarbeitet. Diese monströse Tat ging weit über meinen Verstand. Wie Menschen unter Berufung auf Gott so etwas anrichten können, ist mir nach wie vor unbegreiflich. Viele Nächte habe ich nicht geschlafen, weil ich fieberhaft überlegt habe, wie man doch noch mehr Leute hätte retten können (Fallschirme, Brücken zum anderen Gebäude, Treppenhäuser an anderen Positionen usw.). Und auch heute vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich nicht daran denke.
|
Thomas:
Wir waren gerade von einem Kunden wiedergekommen und waren in unserem Office. Oft schalten wir als Hintergrund den Fernseher ein, so auch an diesem Dienstag. Marion sagte plötzlich, dass im laufenden Programm ein News-Ticker eingeblendet wäre, nach dem zwei Flugzeuge ins World Trade Center geflogen sind. Ich konnte das gar nicht glauben. Allerdings musste ich es dann doch glauben, als ich die Bilder auf CNN gesehen hatte. Wir saßen wie paralysiert vor den Bildern, als die Türme einstürzten. Es war eine unglaubliche Leere und gleichzeitig die Erkenntnis, dass dieses Ereignis die Welt genau so schockieren würde, wie damals die Ermordung John F. Kennedys. Wir saßen die ganze Nacht vor dem Fernseher und ich musste am nächsten Morgen den ganzen Tag zu einem Kunden, was ich besonders schlimm fand, weil ich da von jeder Information abgeschnitten war (Marion hielt mich per SMS auf dem Laufenden). Ich war sehr wütend auf die Menschen, die dies getan hatten und fühle auch heute noch den stechenden Schmerz, wenn ich einen Film mit den Twin Towers sehe und das wird wahrscheinlich auch so bleiben. Ob man so etwas verarbeiten kann? Ich weiß es nicht. Es sollte auf jeden Fall möglichst bald etwas mit dieser riesigen Baulücke passieren - auch damit New York wieder ein wenig aus dem wirtschaftlichen Dilemma kommt.
|
sagmal.de:
Könntet Ihr euch vorstellen, für immer in NYC zu leben?
|
Marion:
Absolut. Das würden wir sehr gerne. Nur fürchten wir, dass dort niemand ausgerechnet auf uns wartet. Dort sind momentan auch Spitzenleute arbeitslos und New York ist keine billige Stadt. D.h. wenn man die Stadt wirklich genießen will, muss man schon sehr gut verdienen. Und wir würden natürlich gern in Manhattan wohnen und nicht in New Jersey (Insiderwitz) oder so. Schon eine Zweizimmerwohnung kostet dort mehr, als wir für unser komplettes Haus bezahlen.
|
Thomas:
Auf jeden Fall! Wir arbeiten daran... ;-)
|
sagmal.de:
Wann werdet Ihr wieder in New York sein?
|
Marion:
Wir waren dieses Jahr schon zweimal dort, ein drittes Mal werden wir nicht schaffen. Aber so bald sich auf unserem Konto wieder ein paar Euro angesammelt haben, werden wir uns wieder auf den Weg machen. Bestimmte Dinge verschieben wir schon seit Jahren immer wieder zugunsten diverser New York Reisen. Es ist halt eine Sucht...
|
Thomas:
Bisher haben wir es seit unserem ersten Aufenthalt 1994 geschafft, mindestens einmal im Jahr dort zu sein und wollen diese "Tradition" auch weiterführen. Demnach sind wir irgendwann im Jahr 2003 wieder im Big Apple...
|
sagmal.de:
Ich habe Stunden gebraucht, mich durch Euren unglaublich umfangreichen Guide zu klicken. Woher bezieht Ihr all eure Informationen?
|
Marion:
Das weitaus meiste ist selbst erlebt und recherchiert. Inzwischen fließen aber auch Informationen und Rückmeldungen von Freunden aus New York und auch die Erfahrungen unserer BesucherInnen ein. Natürlich hilft uns auch das Internet, wenn es eine Frage gibt, die wir nicht auf Anhieb beantworten können.
|
Thomas:
Das ist völlig unterschiedlich. Wir recherchieren viel im Internet, sind Abonnenten New Yorker Zeitschriften und Magazine (online und in Papierform), haben viele treue und sehr fleißige Besucher in ganz Europa und auch Freunde vor Ort in New York, die uns Informationen hilfreich zur Seite stehen und natürlich machen wir auch selbst bei unseren Reisen Erfahrungen, die wir mit einbinden.
|
sagmal.de:
Hat der Guide Online-Bekanntschaften oder gar Freundschaften gefördert?
|
Marion:
Oh ja, im NYC-Guide hat sich ein harter Kern von Leuten gebildet, die als BesucherInnen teilweise von der Geburtsstunde an dabei waren. Daraus sind inzwischen echte Freundschaften geworden. Bisherige Krönung war ein gemeinsames Treffen von 10 Leuten im Mai 2002 in New York. Wir sind total unterschiedliche Menschen, die sich aber im richtigen Leben auf Anhieb hervorragend verstanden haben. Ein lustiger Haufen von Kreativen, Freiberuflern, Angestellten und Künstlern. Es ist aber nicht nur die Freundschaft, wir versuchen auch uns im Sinne eines Netzwerks gegenseitig zu helfen und zu unterstützen.
|
Thomas:
Ja, es gibt inzwischen eine Community von rund einem Dutzend New York-a-Holics aus Deutschland, der Schweiz und natürlich New York, die sich über den Guide kennen gelernt haben und sich (und andere) alle 14 Tage in unserem Chat treffen. Übrigens haben wir uns dieses Jahr alle im Mai getroffen, um uns auch mal im richtigen Leben zu "beschnuppern" – und welche Stadt lag da näher, als New York? Wir haben einige Tage zusammen verbracht und hatten jede Menge Spaß, was unsere virtuelle Freundschaft in eine reelle verwandelt hat.
|
sagmal.de:
Habt Ihr echte virtuelle Freunde im Web?
|
Marion:
Jein, zu einer Freundschaft gehört meines Erachtens auch der persönliche Kontakt, aber es gibt Leute, die ich sehr gerne mag, obwohl ich sie noch nie „live“ gesehen habe.
|
Thomas:
Auch das, allerdings haben wir inzwischen viele Menschen dann auch persönlich kennen gelernt, so dass es jetzt keine virtuellen Freundschaften mehr sind. Die Leidenschaft für den Big Apple verbindet eben und da bleibt es nicht aus, dass wir immer mehr Stammbesucher bekommen, die sich dann auch schon mal zu den virtuellen Freundschaften im Web entwickeln.
|
sagmal.de:
Der Guide ist sicher ein sehr Zeit- und arbeitsaufwändiges Projekt. Trotzdem verzichtet Ihr auf eurer Seite fast völlig auf Werbebanner. Web-Idealismus pur oder hat das eher pragmatische Gründe?
|
Marion:
Ja, zeit- und arbeitsaufwändig ist das Projekt auf jeden Fall. Für uns ist das so eine Art luxuriöses Hobby (luxuriös im Sinne von unbezahlter Zeit). Werbung ist ein zweischneidiges Schwert. Von Werbebannern halte ich überhaupt nichts, sie werden generell gemieden (ich klicke auch nie Werbebanner an). Außerdem sind sie nur mit viel Aufwand zu administrieren und diese Zeit würde uns für inhaltliche Arbeiten am NYC-Guide fehlen. Also haben wir überhaupt keine bezahlten Werbebanner. Die Banner, die es bei uns gibt sind von Freunden, bzw. im Rahmen eines Bannertauschs.
Es gibt eine einzige Seite mit Werbetextlinks und eine Partnerschaft mit Amazon. Natürlich freuen wir uns wie Bolle, wenn sich jemand über unsere Seite ein Buch bestellt. Und natürlich würden wir uns generell freuen, wenn wir mit dem Projekt ein paar Euro verdienen würden. Aber im Moment sehe ich da kein Modell, mit dem wir unsere redaktionelle Unabhängigkeit behalten könnten. Wir möchten, dass sich die Besucher auf unser neutrales Urteil verlassen können und nicht fürchten müssen, dass wir etwas promoten, weil wir dafür bezahlt werden. Wahrscheinlich sind wir pragmatische Idealisten?
|
Thomas:
Um ehrlich zu sein, wir haben es anfangs versucht, aber schnell wieder aufgegeben. Dies hatte nicht nur finanzielle Gründe (es klickt keiner mehr auf Banner ;-) ), sondern in der Tat auch praktische Gründe. Die Anbieter haben alle 5 Minuten irgendwelche Adressen geändert und man musste permanent den Quellcode der Seiten aktualisieren und das war uns irgendwann zu doof. Die wenigen Banner, die wir noch drin haben, verweisen größtenteils auf befreundete (oder DNA-verwandte) Anbieter, deren Seiten wir auch kennen und empfehlen können.
|
sagmal.de:
Wie und wann habt Ihr das Netz der Netze eigentlich für euch entdeckt?
|
Marion:
Daran kann ich mich ehrlich gesagt gar nicht erinnern. Gab es tatsächlich ein Leben vor dem Internet? Dunkel erinnern kann ich mich, dass mir mein Mann die Beschäftigung mit dem Thema aufgezwungen hat. Ich fand das Internet zunächst höchst überflüssig: „Wer braucht das denn?“, habe ich ihn damals gefragt. Inzwischen könnte ich gar nicht mehr ohne leben. Aber so ist das immer – er versucht mich technisch auf dem neuesten Stand zu halten, ich höre nur halb zu und nörgele herum und irgendwann finde ich es toll.
|
Thomas:
Bei mir war die Faszination schon von Anfang an. Angefangen habe ich noch unter guten alten BTX-Zeiten mit einem Apple PowerMac und einem 14.400er Modem. Marion waren die ersten Seiten viel zu langsam und zu langweilig, bis irgendwann ein AOL-Client auf unserem Mac "Sie haben Post" schrie und neben dem eigenen Angebot auch schnelleren Zugang zum Internet ermöglichte. Aus gelegentlichen Abstechern mit 56k ins Internet wurde nach und nach eine DSL-Flatrate und damit war die Sucht nicht mehr aufzuhalten...
|
sagmal.de:
Wie würdet Ihr Eure Weberfahrungen generell bezeichnen? Eher positiv oder habt Ihr mehr Negatives erlebt?
|
Marion:
Teils, teils. Wir haben ganz wunderbare Menschen über das Internet kennen gelernt. Es gibt aber auch eine Klientel, die wirklich nervtötend ist. Das sind die Leute, die einem per Mail ohne Anrede und Gruß möglichst in durchgängiger Kleinschreibung ohne Satzzeichen oder Absätze einen Fragenkatalog um die Ohren knallen, unwirsch reagieren, wenn man diese 47 Fragen nicht innerhalb von zwei Stunden beantwortet und sich prinzipiell nicht bedanken. Es nervt schon manchmal, mit welcher Erwartungshaltung man konfrontiert wird. Klar, das Internet ist ein schnelles Medium, aber am anderen Ende sitzen immer noch Menschen, die sich freuen, wenn man freundlich mit ihnen umgeht. So auch wir.
|
Thomas:
Fast ausschließlich positiv. Zu 99% bekommen wir regelmäßig Dankesmails, Lob und Anregungen. Wie im richtigen Leben gibt es natürlich auch hier "Torfnasen", aber die sind eher die Ausnahme. Beruflich kann ich sowieso nicht ohne das Internet leben – egal ob es um reine Informationen oder die neuesten Treiber geht. Ich bin als Kind noch mit ganzen drei Fernsehprogrammen in einem Dorf aufgewachsen, so dass ich das Internet in allen Belangen als Bereicherung und als Segen empfinde...
|
sagmal.de:
Gibt es eine Webseite, die Euch besonders am Herzen liegt?
|
Marion:
Ja, www.apple.com, weil die einfach die schönsten, schnellsten, stabilsten und tolls-ten Rechner überhaupt bauen. Und www.traumsachen.de die Seite der Schwester.
|
Thomas:
Ja, www.apple.de. Entgegen aller Vorurteile und teilweise negativer Berichterstattung baut die Truppe rund um Steve Jobs in Cupertino einfach nach wie vor die besten und schönsten Computer und Betriebssysteme. Ich bin seit gut 12 Jahren in der Branche und ich kann es wirklich beurteilen. Von meinen Kunden, die sich für einen Mac entschieden haben, sehe ich nur noch ein Lächeln – die PC-bestückten Firmen rufen nach wie vor regelmäßig an und fluchen über Windows. Da ich mit den "Fluchern" also mein Geld verdiene, habe ich schon vor Jahren aufgehört, meinen Kunden den Mac zu empfehlen... ;-) (just kidding).
|
sagmal.de:
Habt Ihr bei meinen Fragen eine Frage vermisst?
|
Marion:
Ich glaube, alles Wichtige hast du gefragt.
Thomas:
Wenn, dann wäre es mir nicht aufgefallen! ;-)
|
sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
|
Marion:
Wer nach diesem langen Interview noch immer nicht genug von uns hat, kann uns sehr gerne besuchen – www.nyc-guide.de -
|
Thomas:
Wir würden uns sehr freuen, wenn dieses Interview dazu führt, dass sich Menschen für New York interessieren, unsere Internetseite besuchen und ein aktives Mitglied unserer Gemeinschaft werden. Vielleicht schaffen wir es ja, den einen oder anderen Besucher mit dem "Virus" New York zu infizieren.
|
Das Interview wurde am 9.11.2002 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Marion und Thomas Reichwein für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen |
Wollen sie diesen Beitrag kommentieren?
Bisherige Kommentare |
Sagmal.de ist ein Angebot von Compuexe deSign Webdesign
|