*** Im Web fasziniert mich die fast uneingeschränkte Demokratie, die bei gleichzeitiger Anonymität und der damit oftmals einhergehenden Hemmungslosigkeit einen schminkfreien Weltblick ermöglicht.
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Ody alias Gregor Köhne,
geb. 1960 in Solingen
80er Jahre: Gärtnerausbildung/Gärtnerdasein in Solingen und Köln, danach Gartenarchitektur-Studium in Berlin
90er Jahre: Anstellung als Gartenarchitekt in Berliner Büros, u.a. Planung der Parkanlage um die neue Israelische Botschaft in Berlin, parallel dazu eigene Musicalpremieren im Berliner KAMA-Theater und im Hamburger Schmidt’s Tivoli, erste Theaterregie in Berlin, Entwurf und Bau von Bühnenbildern u.a. für Edith Piaf - Revue eines Lebens, Choreographien für Modenschauen, Plakatentwürfe.
Seit 2000 lebt Ody als Lyriker, Songtexter, Bühnenautor und Fotomonteur wieder im Rheinland, nach Köln z.Zt. in Solingen, und betitelt seine Arbeit kurz mit „O'Art” (O’Art ist Ody’s Art). Zwischenzeitlich arbeitet er immer noch als Gartenarchitekt (u.a. Gutachtenentwurf für die Berliner Love-Parade), schrieb u.a. 2001 das Mottolied zur Kölner Rosa Sitzung und 2002 eine Persiflage für TV-Moderatorin Bettina Boettinger in der Karnevalsbütt, gewann einmal den ersten und zweimal den zweiten Preis beim Wilhelm-Busch-Preis in den Jahren 2001 bis 2003 und veröffentlicht seine Lyrik u.a. in den Lyrikzeitschriften Dulzinea und Federwelt.
Ody ist zu entdecken unter www.ody-online.de
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sagmal.de:
Ody? Lyriker? Fotograf? Songtexter? Künstler?
Oder doch nur ein fotografierender und dichtender Gartenarchitekt, wie ich bei nensch.de gelesen habe?
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Ody:
Der Gartenarchitekt steht im Moment eher hinten an. Grundsätzlich gestalte ich wohl einfach gern - mit Worten, mit Pflanzen, in Bildern u.a. Vielleicht um meine kleine Welt ein bisschen schöner zu machen. Ich bin ein Nestbauer. Ob ich nun Gedichte oder Songtexte schreibe, Fotos montiere oder Gärten gestalte - ich freue mich einfach, wenn andere sich darin wiederentdecken, bestenfalls wohl fühlen. Als Künstler mag ich mich allerdings ungern selbst bezeichnen - das ist in meinen Augen eine Auszeichnung, und die Verleihung einer solchen überlasse ich dann doch lieber anderen.
Odie, der Hundekumpel von Comic-Kater Garfield, ist übrigens mein Namenspatron. Als ich einen Nickname fürs Schreibforum im Internet suchte, standen die beiden als Gummifiguren auf meinem Bildschirm, und der Fiffi musste dran glauben. Mittlerweile ist daraus ein offizielles Pseudonym geworden, und in meinem Pass steht ein Hundename.
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sagmal.de:
Und die Katze?
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Ody:
Missken - so hieß sie - hat mich 15 Jahre meines Lebens in Berlin und Köln begleitet und musste im Oktober 2003 eingeschläfert werden. Missken war ein schöner schneeweißer Kater mit grünen Augen, mit dem ich viel Spaß hatte, und obwohl ich sonst ein sehr bodenständiges Verhältnis zu Tieren habe (ich komme vom Lande), ist mir der Abschied nach so langer Zeit doch schwer gefallen.
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sagmal.de:
Wie kamst du zum Web?
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Ody:
Der wichtigste Mensch in meinem Leben ist Computer-Fan. Als wir uns vor vier Jahren kennen lernten, war ich einfach neugierig auf „seine” Welt und habe mir dieses virtuelle Universum binnen kürzester Zeit erschlossen.
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sagmal.de:
In einem mir wohlbekannten Forum schreib meine Freundlin Lies über dich: "...er spielt zuweilen mit der Sprache, wie ein Kind mit seiner Lieblingspuppe...!" Zitat Ende.
Was bedeutet Sprache für dich?
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Ody:
Was für ein schönes Kompliment. Herzlichen Dank an Lies.
Ich nehme an, du meinst die gesprochene bzw. geschriebene Sprache. Sie ist in meinen Augen eine der wenigen, wenn auch beschränkten Möglichkeiten, mich mir und anderen Menschen zu nähern. Beschränkt, weil ich selbst mit der Sprache (und den dahinter verborgenen Gedanken) mich niemals selbst, geschweige denn jemand anderen vollends ermessen kann. Deswegen ist Sprache für mich ein Spielzeug, mit dessen Hilfe ich Augenblicke der Gegenwart ganz subjektiv beleuchten und mit Vergangenheit und Zukunft in Relation setzen kann - ein Kasten voller Wort-Bauklötze, mit denen ich nach Herzenslust Gedichte und Geschichten baue - und je voller der Kasten ist, desto ausgefeilter vermag ich zu werkeln.
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sagmal.de:
Wird die Sprache im Web nicht förmlich ermordet durch Neuschöpfungen, Anglizismen und alle möglichen Abkürzungen? Zum Beispiel in Chats und Foren.
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Ody:
Ich sitze zwar auch manchmal kopfschüttelnd vorm PC, finde das aber grundsätzlich spannend und oftmals ziemlich witzig. Ich definiere sie mehr als zusätzliche Sprachvarianten und es liegt schließlich an mir, ob ich fortan meinen Wortschatz beschränke oder um einige Neuschöpfungen bereichere.
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sagmal.de:
Ist es auch eine Chance, Sprache zu erhalten?
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Ody:
Das Web? ... Ich denke schon. Zumal es ja vornehmlich auf Bild und Sprache basiert. Ich glaube, wir sind nur deshalb so häufig irritiert, weil jeder sich und seine Sprache im Web präsentieren darf. Nirgendwo anders erhalten wir einen so breit gefächerten Blick in unsere Gesellschaft. Da mögen sich manchmal die Nackenhaare kräuseln, aber von Resignation bin ich noch nicht gezeichnet. Wie im realen Leben muss man auch im Web die sprachlich ansprechenden „Gegenden” erst entdecken - in die sich aber auch weniger Interessierte viel leichter verirren als im wirklichen Leben. Die Chance, „zufällig” in eine Buchhandlung zu geraten, ist doch deutlich geringer als im Internet auf eine Literaturseite zu stoßen. Man kann also in der Anonymität Neues entdecken - auch die Vielfalt unserer Sprache.
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sagmal.de:
Ist deiner Meinung nach Literatur im Web eine grundsätzlich andere als im "Real Life"?
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Ody:
Eigentlich ja - im Web empfinde ich sie vielfältiger und deshalb auch lebensnaher. Trotzdem lese ich immer noch gerne in Büchern und Zeitungen - das befriedigt meine haptischen und visuellen Gelüste in punkto Literatur.
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sagmal.de:
Deine Seite machte auf mich von Anfang an einen lustigen, lebensfrohen Eindruck.
Du stehst dem Web also positiv gegenüber. Oder dem Leben? Oder beidem?
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Ody:
Zunächst mal dem Leben, denke ich. Das macht neugierig aufs Web und auf vieles andere. Im Web fasziniert mich die fast uneingeschränkte Demokratie, die bei gleichzeitiger Anonymität und der damit oftmals einhergehenden Hemmungslosigkeit einen schminkfreien Weltblick ermöglicht. Diese schonungslose Ehrlichkeit erschreckt mich zwar bisweilen, aber man weiß doch zumindest, wo man dran ist, und kann sich mit den Realitäten auseinandersetzen.
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sagmal.de:
Wie benutzt du das Web?
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Ody:
Als unerschöpfliche Informationsquelle, als Präsentationsfläche für mein Tun, als vielfältigen Handels- und Kontakthof.
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sagmal.de:
Wohin wird sich das Web der Zukunft entwickeln?
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Ody:
Es hat sich schon so oft entwickelt und wieder zurückentwickelt. Ich habe also keine Ahnung und bin einfach nur gespannt.
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sagmal.de:
Und welche Ziele hat Ody für der Zukunft?
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Ody:
Ich möchte weiterhin nur tun, wozu ich Lust habe (vor allem schreiben), ich möchte davon leben können und Menschen um mich wissen, die ich liebe und die mich lieben.
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sagmal.de:
Gibt es eine Seite, die dir besonders am Herzen liegt?
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Ody:
Besonders am Herzen liegt mit mir mein www.ody-online.de, aber es gibt noch viele andere Seiten, die ich immer wieder gerne besuche, wie beispielsweise die Literaturseiten www.dulzinea.de und www.nensch.de oder die Gedanken und die Prinzipien des Seins meines Freundes Andreas unter www.koehne-backes.de/andreas oder www.ebay.de (um meine alte Pappmachee-Krippenfiguren-Sammlung zu erweitern oder eigenen Kram zu verkaufen) oder das Forum „Kreatives Schreiben 3” unter http://f27.parsimony.net/forum66164/, in dem ich vor vier Jahren meine ersten Lyrikversuche veröffentlicht und dank des regen Austauschs viel gelernt habe. Grundsätzlich kommt es natürlich drauf an, was ich gerade spannend finde - und bei der Suche nach neuen Informationsquellen ist mir www.google.de immer wieder eine unschätzbare Hilfe.
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sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?
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Ody:
Vielleicht die Frage, weshalb mir gerade die Lyrik so am Herzen liegt - und ich beantworte sie auch gleich: Ich mag wertfreie, verdichtete Augenblickbeschreibungen, die mit rhythmischer Leichtigkeit daherkommen - das Spiel zwischen Inhalt und äußerer Form (Reim und Metrik). Ich mag überschaubare Texte, die Platz für eigene Phantasie und Gefühle lassen und diese nicht durch emotionale - schlimmstenfalls moraline - Vorgaben beschränken bzw. kanalisieren.
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
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Ody:
Vielen Dank für die Einladung zum Interview! Ich fand ‘s anregend, und Spaß hat ‘s auch gemacht.
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Das Interview wurde am 1.1.2004 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Ody für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen |
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