Arthur Wetzel, (33) seit April 2000 bei der Strato AG als Vorstand für die Bereiche Sales & Marketing verantwortlich tätig. Zuvor war er als Bereichsleiter Marketing des Nachrichtensenders n-tv und als Marketingleiter der PC-Fachhandelskette ESCOM beschäftigt. Arthur Wetzel ist erster Vorsitzender der Organisation naiin · org no abuse in internet, einer Organisation gegen Gewalt im Internet.
*** Es geht vielmehr darum, eine Eigenverantwortung der Provider und der Internet-Community zu etablieren und so das Internet als Plattform des freien Informationsaustausches zu erhalten.
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sagmal.de:
Herr Wetzel, NAIIN - No Abuse in Internet- hatte am 8.August 2000 seine
erste Sitzung. Auf wessen Veranlassung ist das Ganze eigentlich entstanden?
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Arthur Wetzel:
Die STRATO AG hat die Initiative mit den grossen Webhostern zusammen im
August 2000 initiiert. Wir sahen Handlungsbedarf, nachdem die Anmeldung
rechtsextremistischer Domains sprunghaft zunahm - damals wurde z.B.
versucht, www.heil-hitler.de anzumelden. Gegen Kinderpornographie gehen wir
schon seit jeher massiv vo
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sagmal.de:
Sie wollen rechts- und sittenwidrige Inhalte aus dem Internet entfernen.
Wie wollen Sie konkret vorgehen?
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Arthur Wetzel:
Zunächst wird eine rechtliche Prüfung durchgeführt. Dann wird der
Hoster, bei dem die Seite verwaltet wird kontaktiert - auch wenn er kein
Mitglied von NAIIN ist und mit Hinweis auf die Providerhaftung gebeten, den
Inhalt abzustellen. Da die grossen Hoster Deutschlands Mitglied bei NAIIN
sind, kann man sagen, dass etwa 90 % des Speicherplatzes in Deutschland bei
Mitgliedern von NAIIN gehostet werden.
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sagmal.de:
Wollen Sie das Internet der Zukunft zensieren?
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Arthur Wetzel:
Nein, das ist nicht das Ziel. Zensur soll eben gerade verhindert werden.
Es geht vielmehr darum, eine Eigenverantwortung der Provider und der
Internet-Community zu etablieren und so das Internet als Plattform des
freien Informationsaustausches zu erhalten.
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sagmal.de:
Wie finanziert sich das Ganze?
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Arthur Wetzel:
Aus den Mitgliedsbeiträgen. Darüber hinaus strebt NAIIN die
Gemeinnützigkeit an.
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sagmal.de:
Setzen Sie bei NAIIN auch auf die Unterstützung der Industrie?
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Arthur Wetzel:
Das verstehen wir als eine Selbstverständlichkeit, denn schliesslich ist
die Industrie auch daran interessiert, ein freies, unzensiertes Internet zu
nutzen.
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sagmal.de:
Wie sieht die Gesetzeslage aus?
Deutsche Richter haben ja schon Probleme mit dem Abmahnwahnsinn im Internet?
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Arthur Wetzel:
Die Rechtslage ist eigentlich ziemlich eindeutig. Schon seit den
fünfziger Jahren ist die z.B. Verbreitung nazistischer Symbole verboten. Bei
volksverhetzenden Inhalten verhält es sich ähnlich.
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sagmal.de:
Soll NAIIN auf Deutschland beschränkt werden oder planen Sie
länderübergreifend?
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Arthur Wetzel:
NAIIN ist jetzt erst einmal auf europäischer Ebene aktiv. Im Januar
werden wir uns dann mit unseren Branchenkollegen in den USA treffen, um
gemeinsame Ansatzpunkte zu besprechen und möglichst schnell umzusetzen.
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sagmal.de:
Mit welchen Mitteln kann der einzelne User NAIIN unterstützen?
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Arthur Wetzel:
Zunächst einmal kann jeder Internet-User bei Auffinden von Webseiten
zweifelhaften Inhalts eine anonyme Meldung in der NAIIN-Meldestelle
"Netwatch" tätigen. Selbstverständlich kann auch jeder User Mitglied bei
NAIIN werden und sich so engagieren und im Verein tatkräftig mitarbeiten.
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sagmal.de:
Es gibt bereits mehrere Initiativen, die sich gegen Webseiten richten, die
rechtswidrige oder diskriminierende Themen zum Inhalt haben. Wäre es nicht
besser gewesen, diese zu unterstützen, als noch eine Initiative zu gründen?
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Arthur Wetzel:
Wir haben NAIIN als eine Dachorganisation bestehender Initiativen
implementiert. NAIIN bündelt diverse Initiativen in einem Verein, denn
Einzelkämpfertum ist oftmals nicht so effektiv, wie eine gemeinsame und
abgestimmte Vorgehensweise. Man darf auch nicht vergessen, dass sich die
grossen Hoster bei NAIIN zusammen engagieren. Das war vorher nicht der Fall.
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sagmal.de:
Sie konnten Prof. Dr. Thoma als Schirmherren gewinnen. Wie kann der
medienpolitische Berater des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalens
Naiin nützen? Welche Aufgaben nimmt er wahr?
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Arthur Wetzel:
Herr Prof. Dr. Thoma ist eine sehr angesehene Persönlichkeit in der
Gesellschaft, der Politik und in der Branche. Damit definiert er sich seine
Aufgaben selbst.
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sagmal.de:
Haben Sie bei meinen Fragen eine Frage vermisst? |
Arthur Wetzel:
:-)
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz? |
Arthur Wetzel:
Ich hoffe sehr, dass wir mit NAIIN möglichst viele Menschen davon begeistern
können, dass es auf jeden Einzelnen ankommt, wenn es darum geht, das
Internet auch in Zukunft frei von Zensur zu erhalten.
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Das Interview wurde am 13.11.2000 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Arthur Wetzel für die Beantwortung unserer Fragen. |
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