Interview mit Franz Müntefering vom 25.6.2002
Soziale Partei Deutschlands - SPD

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Das Internet ist eine demokratische Institution. Jeder, der etwas zu sagen hat, kann sich eine Homepage im Internet einrichten und sich so weltweit Gehör verschaffen

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Franz Müntefering

Franz MünteferingFranz Müntefering
Geboren am 16. Januar 1940 in Neheim-Hüsten; verheiratet, zwei Töchter.
Volksschule. Lehre als Industriekaufmann.
1957 bis 1975 Kaufmännischer Angestellter in der metallverarbeitenden Industrie.
Mitglied der IG Metall.
Seit 1966 Mitglied der SPD, 1974 bis 1998 im Vorstand des SPD-Bezirkes Westliches Westfalen, ab 1992 Vorsitzender, 1998 Vorsitzender des SPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, ab 1992 Mitglied im Parteivorstand, 1995 bis 1998 Bundesgeschäftsführer der SPD. 1969 bis 1979 Stadtrat/Amtsvertretung Sundern.
1992 bis 1995 Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen, 1995 bis 1998 Mitglied des Landtages von Nordrhein-Westfalen.

Mitglied des Bundestages vom 10. Juni 1975 bis 8. Dezember 1992 und seit 1998; vom 27. Oktober 1998 bis 17. September 1999 Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen.
Derzeit Generalsekretär der SPD

Quelle: Deutscher Bundestag

sagmal.de:
Herr Müntefering, beim lesen verschiedener Interviews mit Politikern habe ich den Eindruck gewonnen, jede Partei nimmt für sich in Anspruch, die zum Thema Internet relevanteste und führendste Partei Deutschlands zu sein. Wie ist das denn bei der SPD? Wie fit sind die Mitglieder Ihrer Partei?

Franz Müntefering:
Unsere Mitglieder sind immer mehr im Internet präsent. Viele unserer Ortsvereine haben mittlerweile eigene Homepages, und die Kommunikation per E-Mail ersetzt zunehmend Brief und Telefon. Unter www.spd.de präsentiert sich die SPD informativ und in modernem Layout. Wir sind bereits gut dabei, und wir werden immer besser.

sagmal.de:
Sie sind ein Kind des Sauerlandes und stammen aus einer Arbeiterfamilie. Eine politische Karriere in der CDU kam wohl daher für Sie nie in Frage? Oder hatte der SPD Beitritt andere Gründe?

Franz Müntefering:
Für mich sind soziale Gerechtigkeit, der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Belange der kleinen Leute von zentralem Interesse. Die SPD war damals und ist bis heute die einzige Partei in Deutschland, die sich für den Ausgleich in unserem Land einsetzt. Hinzu kommt die große und lange Tradition unserer Partei seit 1863, wichtige Vorbilder wie August Bebel, Kurt Schumacher oder Willy Brandt.

sagmal.de:
Ich habe gelesen, Sie wollen bis 2003 Generalsekretär bleiben. Was kommt danach? Gibt es von Ihrer Seite Ambitionen, selbst einmal an der Spitze zu stehen? Eventuell als Nachfolger Gerhardt Schröders als Kanzler?

Franz Müntefering:
Das Amt des Generalsekretärs ist einer der interessantesten Jobs, den es in einer Partei gibt. 2003 ist Parteitag und Neuwahl. Wir werden sehen, wie es dann weitergeht.

sagmal.de:
Die SPD hat, dank Ihrer Hilfe, die wohl modernste Kommunikationslogistik aller Parteien. Inwiefern spielt da das Internet eine Rolle?

Franz Müntefering:
Neben den bereits erwähnten Kommunikationsmöglichkeiten haben unsere Mitglieder über unser Mitgliedernetz SPD-Online die Möglichkeit, schnell und unkompliziert an interne Informationen zu kommen, die für die Arbeit vor Ort an der Basis wichtig sind. Immer mehr Genossinnen und Genossen melden sich an. Der Kontakt der Mitglieder zu ihrer Partei wird so auf eine neue Grundlage gestellt.

sagmal.de:
Wann haben Sie persönlich das Internet kennen gelernt?

Franz Müntefering:
Vor einigen Jahren in der Parteizentrale der SPD.

sagmal.de:
In welchem Umfang nutzen Sie es? Nur beruflich oder auch privat?

Franz Müntefering beim ChatFranz Müntefering:
Beruflich kommt man am Internet kaum vorbei – ein großer Teil der Kommunikation, egal ob mit Mitarbeitern oder den Menschen im Land, läuft heutzutage online. Mein Büro sorgt dafür, dass wir auf der Höhe der Zeit bleiben.

sagmal.de:
Beantworten Sie E-Mails, die an sie persönlich geschickt werden, selbst?

Franz Müntefering:
Bei der Fülle an E-Mails, die mich täglich erreichen, kann ich unmöglich alle selbst beantworten. Doch ich bemühe mich, so viel wie möglich persönlich zu bearbeiten. Das hängt auch immer vom jeweiligen Anliegen ab.

sagmal.de:
Kann man heute als Politiker das Internet überhaupt noch ignorieren?

Franz Müntefering:
Nein. Die jungen Menschen wachsen heute wie selbstverständlich damit auf. Fast 30 Millionen Menschen in Deutschland sind online (n-tv Net News, 19.06.02). Das kann und darf man nicht ignorieren.

sagmal.de:
Wird das Internet dadurch nicht langsam zu einer politischen Macht?

Franz Müntefering:
Das Internet ist eine demokratische Institution. Jeder, der etwas zu sagen hat, kann sich eine Homepage im Internet einrichten und sich so weltweit Gehör verschaffen. Ein Grund, weswegen einige Regierungen ihren Menschen den Zugang zum Internet verwehren wollen. Das zeigt, dass das Internet durchaus politische Macht hat – wie andere Medien auch.

sagmal.de:
Und wie wird die SPD das Internet im Wahlkampf 2002 einsetzen?

Franz Müntefering:
Das Internet ist eines der Standbeine unserer Aktivitäten im Wahlkampf. Unser junges Online Campaigning Team beschäftigt sich mit den unterschiedlichsten Themen im Internet. Mitmachen kann jeder, der etwas vom Schreiben oder vom Internet versteht. Nähere Informationen bei unserer Wahlkampfzentrale unter www.kampa02.de. Auch unser Regierungsprogramm ist im Internet verfügbar (www.spd-regierungsprogramm.de), und unter www.nicht-regierungsfaehig.de gibt es die neuesten Informationen zu Stoiber und der Union.

sagmal.de:
Immer wieder kritisiert wird die Präsentation der rechten Gewalt im Internet. Was kann die Politik tun, um uns vor solchen Angeboten zu schützen? Sollte es schärfere Gesetze speziell für das Internet geben?

Franz Müntefering:
Gewaltverherrlichende und verfassungswidrige Seiten im Internet sind gefährlich und müssen bekämpft werden. Die Mitarbeiter von Polizei und Verfassungsschutz können hier immer wieder große Fahndungserfolge vorweisen. Wir wollen ein gemeinsames Vorgehen mit staatlichem Jugendschutz und Internet-Anbietern initiieren, das über freiwillige Selbstkontrolle und neue Filtertechnologien insbesondere Kinder vor Gewaltdarstellungen im Internet schützen soll.

sagmal.de:
Ein anderes Thema ist die Situation an den deutschen Schulen. Internet, ja bitte, Kosten, nein danke. Wie soll die geistige Elite dieses, unseres Landes heranwachsen, wenn man ihnen das neue Medium vorenthält?

Franz Müntefering bei eine Aktion mit Jugendlichen in Berlin Franz Müntefering:
In den vergangenen Jahren sind alle Schulen in Deutschland ans Netz gekommen. In vielen Schulen nutzen die Schülerinnen und Schüler das Internet beim täglichen Lernen. Außerdem haben sie Zugriff von zu Hause. Wir müssen alle nötigen Anstrengungen unternehmen, damit möglichst alle jungen Leute in der Schule die Möglichkeit haben, den Umgang mit dem Internet zu erlernen.

sagmal.de:
Sind denn unsere Lehrer überhaupt in der Lage, den Umgang und die Möglichkeiten des Internets zu vermitteln?

Franz Müntefering:
Viele der Schülerinnen und Schüler bringen bereits enorme Internet-Kenntnisse mit, von denen auch die Mitschüler profitieren können. Unabhängig davon sollten sich aber auch mehr Lehrerinnen und Lehrer mit dem Internet befassen. Hier gibt es bereits zahlreiche Projekte und Fortbildungsmaßnahmen.

sagmal.de:
23. September 2002, Schlagzeile in der BILD: Stoiber verliert Bundestagswahl, weil.....?

Franz Müntefering:
...die Menschen wissen, dass die SPD das bessere Konzept und den besseren Kanzler hat.

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Franz Müntefering:
Weiterhin viel Erfolg für www.sagmal.de

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Das Interview wurde am 25.6.2002 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Franz Müntefering für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von der SPD Webseite entnommen. Ein besonderer Dank an Rainer Pick, der den Kontakt zu diesem Interview herstellte.


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