Johannes Schwarz:
- 1971 in Berlin geboren
- 1989 Abitur am Französischen Gymnasium Berlin, seitdem Studium der Mathematik (Nebenfach Informatik) an der FU Berlin
- seit 1988 Mitglied im Verein Wilhelm-Foerster-Sternwarte e. V.
- weitere Hobbys/Interessengebiete: Chor (wodurch ich Claus kennenlernte), Radfahren, Berlin
Claus Peter Hundertmark:
- 1965 in Bremen geboren
- 1985 Abitur
- 1986–1997 Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten und Beschäftigung als solcher
- 1990 Zivildienst
- 1992–2002 private Fernstudien in Arbeitsrecht und Finanzmathematik
- 1997–2002 freiberufliche Tätigkeiten aller Art
- seit 2002 Fachmann für Personenversicherungen
Claus und Johannes sind Betreiber von "www.monde.de"
Sagmal.de:
Johannes, Claus, muß man Euch als mondsüchtig bezeichnen?
Johannes und Claus:
In der Tat! Die Sucht raubte uns schon manche Nacht, und schlaflos verbrachten wir diese mit hängenden Lidern vor unseren Bildschirmen, sehr zum Leidwesen anderer Interessen und Verpflichtungen. Aber im Gegensatz zu andersartig durchzechten Nächten, in denen eine Sucht befriedigt wurde, geht man gestärkt aus dieser Sucht hervor und beginnt den Folgetag mit großem Elan.
Sagmal.de:
Wie kommen ein Student der Mathematik und ein Fachmann für Personenversicherungen auf die Idee, die Monde des Sonnensystems ins Web zu bringen, und welchen Zweck verfolgt Ihr damit?
Claus: Vorwegschicken möchten wir unserer Antwort, daß wir uns in den 28 Monaten, in denen das Mondprojekt läuft, tatsächlich nur zweimal Aug in Aug gesehen haben und bestenfalls ein Dutzend Mal miteinander telefonierten. Wir wohnen nämlich stattliche 600 km voneinander entfernt, Johannes in Berlin, ich in Stuttgart. Daß dieses Projekt dennoch so erfolgreich über die Bühne geht, ist zum einen der uns zur Verfügung stehenden Technik, sprich Internet und E-mail, zu verdanken, zum anderen einer eisernen Disziplin, die wir uns auferlegten.
Eine Freundschaft, die uns verbindet, kann auf Distanz auf vielfältige Art aufrechterhalten und gepflegt werden. Wir entschlossen uns damals, nach einer Idee von Johannes, dies mit einer kreativen Arbeit zu tun. Diese kettet uns nun täglich aneinander. In den vergangenen zwei Jahren schrieben wir uns annähernd 5000 E-Mails.
Johannes: Claus hatte eine Webseite. Ich war gerade dabei, eine Liste aller Monde des Sonnensystems zu erstellen, und weil ich viele dieser Monde so interessant fand, hatte ich die Idee, ob er nicht auf seiner Seite jeden Monat einen "Mond des Monats" präsentieren wolle. Ich würde die astronomischen Daten liefern und die Texte schreiben, er würde für die Bildbeschaffung zuständig sein und die Gestaltung machen. Das sagte ihm zu. Da wir aber bei nur einem Mond pro Monat eine Gesamtdauer von acht Jahren errechneten, verkürzten wir den Abstand auf zwei Wochen. Und es dauerte auch nicht lange, bis eine eigene Webseite daraus wurde.
Die Frage nach dem Zweck ist nicht so leicht zu beantworten. Ich für meinen Teil sähe es schon als befriedigend, wenn nur eine Handvoll Leute sich über die Monde freuen würde und, unsere Seiten lesend, von den Monden unseres Sonnensystems genauso fasziniert würde wie ich es bin.
Vielleicht tue ich es aber auch für mich selbst: wenn ich selbst schreibe, kann ich die Monde natürlich besser kennenlernen, als wenn ich mich nur über sie informiere.
Claus: Zweck dieses Projektes ist natürlich nicht nur die Befriedigung unserer Bedürfnisse, sondern der ungeheuer großen Anzahl an privaten astronomisch angehauchten Seiten im Web eine Seite entgegenzusetzen, die zum einen sich durch Vollständigkeit wohltuend absetzt und zum anderen durch Exaktheit besticht. Mal abgesehen von Seiten der NASA und anderen Einrichtungen, haben wir keine einzige Seite im Netz gefunden, die annähernd das Prädikat "gut" erreicht. Das wurmte uns dann schon.
Zudem darf nicht vergessen werden, daß auf unseren Seiten deutsch gesprochen wird, was uns eine besondere Freude ist. Anglizismen aller Art vermeiden wir. Wir wollen ein Zeichen setzen und gehen sogar so weit, die von ein paar Profilierungswahnsinnigen entworfene „neue deutsche Rechtschreibung“ zu boykottieren.
Des weiteren bevorzugen wir schlichtes Design, für nahezu barrierefreies Surfen. Überflüssige Komponenten vermeiden wir, unsere Homepage ist rein zweckorientiert. Unsere Seiten „glänzen“ durch Dynamik, indem sie hochaktuell und manuell auf neuesten Stand gebracht werden und nicht durch nervende Popups, ladezeitintensive Flash-Effekthascherei und anderes technisches Gefrickel auffallen. Wir bringen es auf den Punkt: Der Inhalt ist entscheidend. Alles andere Augenwischerei.
Johannes: Bleibt noch zu ergänzen, daß wir auf unseren Seiten besonderen Wert sowohl auf die Verständlichkeit und Anschaulichkeit der Informationen insbesondere für Laien als auch auf die Aktualität der Daten legen.
Sagmal.de:
Was ist für Euch so faszinierend an Monden?
Johannes: Die fremden Welten: Seen aus Methan, Felsen aus Eis, Regen aus Äthan, Schnee aus Stickstoff, Schwefel- oder Eisvulkanismus und schöne Farben.
Claus: Jeder Mond ist einmalig. Es ist erstaunlich, welche Fakten man aus einem Brocken Gestein, teils nicht größer als 1 Kilometer, herausziehen kann. Es ist einfach, Monde mit Durchmessern von 3000 Kilometern vorzustellen, weil diese hinreichend analysiert sind. Aber ziehen Sie mal Schlußfolgerungen aus der bloßen Angabe einer Albedo auf die Zusammensetzung der Oberfläche oder aus der großen Bahnhalbachse auf die Herkunft des Mondes aus der Kuiper-Gürtel-Region. Das ist eine Herausforderung, der wir uns stellen.
Mindestens ebenso faszinierend sind die teilweise phänomenalen Bilder dieser Monde, die uns dank der aus mitunter Milliarden Kilometern Entfernung gefunkten Daten der Raumsonden erreichten, beispielsweise Voyager 1 und 2.
Sagmal.de:
Natürlich muß ich Euch auch nach Eurem Lieblingsmond fragen.
Johannes: Titan, Io und Triton.
Claus: Ich habe keinen Lieblingsmond, gehe das Thema rein sachlich an.
Ich mag sie alle.
Sagmal.de:
Wie nutzt Ihr das Web sonst noch? Privat? Beruflich?
Johannes: Fast ausschließlich privat.
Claus: Ich nutze das Web sowohl beruflich als auch privat. Als Angestellter eines Unternehmens, das Versicherungsabschlüsse aller Art online anbietet, ist dies in der Natur der Sache begründet. Privat surfe ich durchs World Wide Web ohne feste Ziele.
Sagmal.de:
Was haltet Ihr generell von der Einrichtung Internet und wo kann man Euch überall finden?
Johannes: Das Internet halte ich in erster Linie für äußerst nützlich, nämlich wenn es um die Beschaffung verschiedenster Informationen geht. Ohne Suchmaschinen wäre ich häufig ziemlich aufgeschmissen.
Claus: Das Internet ist die grandioseste Errungenschaft der Menschheit. Schnell, weltumfassend, für jedermann zugänglich. Informationen auf Knopfdruck. Kein mühseliges Bücherwälzen, keine dicken Schwarten der Tageszeitung, kein zeitraubendes Recherchieren per Telefon oder persönlichem Kontakt.
Das Internet ist der Untergang zwischenmenschlicher Beziehungen. Kommerz und Schwachsinn im Überfluß, keine Zeit für Gedanken und Selbstverwirklichung. Jedem Kranken dieser Zeit wird Gelegenheit gegeben, sich auszukotzen, gleichwohl, ob das jemanden interessiert oder nicht.
Sagmal.de:
Eure E-Mail-Adresse für Rückfragen?
Claus und Johannes:
Bezüglich dieses Interviews wollen wir keine Rückfragen beantworten. Fragen zu unserem Projekt sind stets willkommen an mondfragen@gmx.de.
Sagmal.de:
Ihr habt das letzte Wort.
Claus und Johannes:
Astronomie ist eines der wenigen Wissenschaftsgebiete, die in der Schule nicht unterrichtet werden. Wir haben festgestellt, daß wir beide in unserer gesamten Schulzeit nur eine einzige Astronomiestunde hatten.
Wenn man den Sternenhimmel betrachtet,
steht eine Schönheit vor uns auf, die uns
entzückt und beseligt. Und es wird ein Gefühl
in unsere Seele kommen, das alle unsere
Leiden und Bekümmernisse majestätisch
überhüllt und verstummen macht und uns eine
Größe und Ruhe gibt, der man sich
andächtig und dankbar beugt.
(Adalbert Stifter, 1805-1868)
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