Günther Mehr, 54, seit 1970 als technischer Angestellter an der
Fachhoch -schule Frankfurt im Fachbereich Vermessungs -wesen tätig.
Zuständig für Geräte -verwaltung und Werkstatt, Fachbereichsnetzwerk unter
Novell und Programmierung von Datenbankanwendungen. Leiter des SeniorenNet Rhein-Main
*** Das größte Problem sind die Berührungsängste mit diesem Medium. Verständlich, da in vielen Medien vor allem die negativen Seiten des Internet hervorgehoben werden, schlechte Nachrichten verkaufen sich nun mal besser.
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sagmal.de:
Herr Mehr, an wen richtet sich das SeniorenNet?
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Günther Mehr:
Das SeniorenNet richtet sich an Menschen ab 50.
Die Interessengemeinschaft SeniorenNet hat das Ziel, Seniorinnen und
Senioren den Einstieg in die Welt der neuen Medien zu erleichtern. Wir
möchten, daß auch ältere Menschen den Computer als selbstverständliches
Instrument ihres Alltags aktiv und kreativ nutzen. Darüber hinaus bieten
wir fortgeschrittenen Anwendern gegenseitigen Erfahrungsaustausch und
ein Betätigungsfeld, ihr Wissen und Können einzubringen.
Unsere Interessengemeinschaft lebt vom Geben und Nehmen, hierbei
unterscheiden wir zwei Gruppen, diejenigen die geben, das sind die
Mitglieder die schon Erfahrung auf dem Gebiet PC- und Internet haben und
diejenigen die nehmen, das sind die, die erst in die Materie einsteigen
möchten.
Nach einer gewissen Zeit, in der die Nehmer von den Gebern gelernt und
verstanden haben, werden auch die Nehmer zu Gebern und können und sollen
ihr gelerntes Wissen an die weitergeben, die noch nicht soweit sind.
Wir möchten nicht als Schulungscenter gesehen werden, indem man nur
schnell mal ein paar PC-Kurse besucht und sich dann schnell wieder
zurückzieht. Wir möchten Senioren vielmehr in unsere Gemeinschaft
integrieren und den Kontakt mit Ihnen pflegen, wir möchten möglichst
viele Seniorinnen und Senioren über den PC und das Internet miteinander
verbinden und so den Einzelnen aus seiner Isolation holen. Wir möchten
Freundschaften untereinander aufbauen und möchten bei Problemen mit dem
eigenen PC oder der Software zur Seite stehen.
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sagmal.de:
Was muss man tun, um beim SeniorenNet mitmachen zu können?
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Günther Mehr:
Das ist relativ einfach, man kommt einfach zu einem unserer
Seniorentreffen in einer Regionalgruppe seiner Wahl. Hier gibt es
Informationen über das SeniorenNet und man kann auch sogenannte PC- und
Internetschnupperkurse besuchen. Dies alles ist noch unverbindlich und
kostet nichts. Sagt einem dann unser Angebot und unsere Gemeinschaft zu,
so kann man Mitglied im SeniorenNet werden und das für ca. 50.- DM
Jahresbeitrag.
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sagmal.de:
Was haben Senioren zu erwarten, wenn sie auf die Seiten des SeniorenNet kommen?
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Günther Mehr:
Eine aktive Gemeinschaft von ca. 300 Mitgliedern allein im
Rhein-Maingebiet. Bundesweit sind wir bereits weit über 750 Mitglieder.
Wir haben Gruppen in Kiel, Hamburg, Berlin, Hohenstein-Ernstthal,
Frankfurt, Büdingen, Stuttgart, Heidenheim und München, weitere Gruppen
werden entstehen. Auf unseren Seiten finden Sie Informationen aus allen
Regionalgruppen, e-Mail-Kontaktlisten, SeniorenChat, Foren und vieles
mehr.
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sagmal.de:
Welche Probleme haben Senioren generell mit dem Medium Internet?
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Günther Mehr:
Das größte Problem sind die Berührungsängste mit diesem Medium.
Verständlich, da in vielen Medien vor allem die negativen Seiten des
Internet hervorgehoben werden, schlechte Nachrichten verkaufen sich nun
mal besser.
Haben die Menschen diese Ängste aber erst einmal überwunden, dann sind
sie mit Begeisterung dabei, das zeigt uns unsere Erfahrung. Senioren,
die das Erste mal zu uns kommen, haben in der Regel weder einen eigenen
Computer zu Hause, geschweige denn einen Internetanschluß. Ist dann das
Interesse, welches Senioren am Internet haben, erst einmal geweckt, so
sind sie oft nach kurzer Zeit bereits mit eigenem PC im Internet.
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sagmal.de:
Und was kann das Internet, was können die Seitenbetreiber tun, um mehr Senioren
ins Netz zu bringen?
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Günther Mehr:
Vor allem sollte man bei der Seitengestaltung und beim Design der Seiten
auch ältere an Menschen denken. Viele ältere haben Schwierigkeiten mit
zu kleiner Schrift oder unübersichtlichen Links. Auch bei der
Farbauswahl der Seiten sollte man auf kontrastreiche Schrift gegenüber
dem Hintergrund achten, damit wäre schon viel geholfen.
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sagmal.de:
Was raten Sie Senioren, die mitmachen wollen oder einfach nur Hilfe suchen?
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Günther Mehr:
Wir freuen uns über jeden der bei uns mitmachen möchte und wenn jemand
Rat oder Hilfe braucht so findet er in unserem Kreis immer auch jemanden
der ihm zur Seite steht, selbst wenn er (noch) nicht Mitglied im
SeniorenNet ist.
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sagmal.de:
Sie bieten auch Möglichkeiten mit dem Info-Mobil an. Was bedeutet das?
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Günther Mehr:
Das Senior-Info-Mobil ist eine Informationskampagne die seit 2 Jahren
getragen von Verschiedenen Organisationen und Sponsoren in einem Bus
durch ganz Deutschland rollt.
Ziele der Informationskampagne
- dezentrale flächendeckende Informationskampagne zur Überwindung von
Hemmschwellen älterer Menschen gegenüber den IuK-Technologien
- Einsatz eines Demonstrationsbusses ("rollendes Internetcafé") und die
Vorstellung "intelligenter Wohntechnik"
- Möglichst viele technikdistante ältere Menschen werden vor Ort durch
multimediale Präsentation über Nutzungsmöglichkeiten des Internets
informiert
- Es werden begleitende Maßnahmen zur Unterstützung und Beratung
durchgeführt
- Erstellung verläßlicher Marktdaten zum Einsatz der IuK-Technologien
- Entwicklung und Erprobung konkreter Multiplikationsmodelle
Dieses Projekt wurde auch vom SeniorenNet mit Vorträgen und Tutoren in 4
Städten unterstützt. Leider wird dieses Projekt aus Geldmangel
voraussichtlich dieses Jahr enden, falls sich nicht noch andere
Sponsoren finden.
Näheres zum Senior-Info-Mobil finden Sie unter:
http://www.lill-online.net/senior-info-mobil/index.htm |
sagmal.de:
Wie finanziert sich das Ganze? |
Günther Mehr:
Wir finanzieren uns alleine aus unseren Mitgliedsbeiträgen. Öffentliche
Zuschüsse erhalten wir nicht, aber wir werden unterstützt von einigen
Spendern mit Sachspenden oder von Hochschulen oder Instituten
die uns Unterrichtsräume zu Verfügung stellen. Hervorheben möchte ich
hier die Fachhochschule Frankfurt, die
uns PC-Räume für unsere Schulungen kostenlos überläßt und uns auch einen
Rahmen für Informationsveranstaltungen zu Verfügung stellt. |
sagmal.de:
Wird es Veränderungen geben auf den Seiten des Seniorennet? |
Günther Mehr:
Auf unseren Seiten gibt es immer wieder Veränderungen, denn das Medium
Internet erlaubt es immer aktuell zu sein, und Seiten die erfolgreich
sein wollen können sich dem nicht entziehen.
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sagmal.de:
Sind Neuerungen geplant?
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Günther Mehr:
Wir arbeiten an verschiedenen Projekten, so werden erste Versuche mit
interaktivem Lernen über das Internet gemacht und wir arbeiten zusammen
mit der Fachhochschule Frankfurt daran eine seniorengerechte
Computermaus zu entwickeln. Wir haben festgestellt, daß gerade viele ältere Menschen
schwierigkeiten mit der Maushandhabung haben. Neu sind auch Versuche mit
geführten Internettouren "Senioren surfen mit Günther", die nach
verschiedenen Themen zusammengestellt werden
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sagmal.de:
Wie surft Günther Mehr privat?
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Günther Mehr:
Privat hole ich mir gezielte Informationen aus dem Netz, vor allem
interessieren mich Reiseinformationen und aktuelle Berichte aus den
Printmedien, die ich über das Internet beziehen kann. In der Hauptsache
aber nutze ich das Internet zur Kommunikation per Mail, Chat und
Mailinglisten.
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sagmal.de:
Auch nur auf Seniorenseiten?
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Günther Mehr:
Nein, natürlich nicht, denn das wäre ja wieder eine Ausgrenzung. Das
Internet ist auch ein Medium das alle Generationen und Völker
miteinander verbindet und diese Chance sollten alle Menschen nutzen.
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sagmal.de:
Haben Sie bei meinen Fragen eine Frage vermisst?
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Günther Mehr:
Nein
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
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Günther Mehr:
Ich möchte alle Seniorinnen und Senioren ermuntern sich den sogenannten
neuen Medien nicht zu verschliessen, damit sie nicht irgendwann
ausgegrenzt sind.
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Das Interview wurde am 12.11.2000 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Günther Mehr für die Beantwortung unserer Fragen. |
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