Interview mit Günther Mehr vom 12.11.2000
Günther Mehr Günther Mehr, 54, seit 1970 als technischer Angestellter an der Fachhoch -schule Frankfurt im Fachbereich Vermessungs -wesen tätig. Zuständig für Geräte -verwaltung und Werkstatt, Fachbereichsnetzwerk unter Novell und Programmierung von Datenbankanwendungen.
Leiter des SeniorenNet Rhein-Main

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Das größte Problem sind die Berührungsängste mit diesem Medium. Verständlich, da in vielen Medien vor allem die negativen Seiten des Internet hervorgehoben werden, schlechte Nachrichten verkaufen sich nun mal besser.

sagmal.de:
Herr Mehr, an wen richtet sich das SeniorenNet?

Direkt zum SeniorenNet Rhein-Main Günther Mehr:
Das SeniorenNet richtet sich an Menschen ab 50. Die Interessengemeinschaft SeniorenNet hat das Ziel, Seniorinnen und Senioren den Einstieg in die Welt der neuen Medien zu erleichtern. Wir möchten, daß auch ältere Menschen den Computer als selbstverständliches Instrument ihres Alltags aktiv und kreativ nutzen. Darüber hinaus bieten wir fortgeschrittenen Anwendern gegenseitigen Erfahrungsaustausch und ein Betätigungsfeld, ihr Wissen und Können einzubringen. Unsere Interessengemeinschaft lebt vom Geben und Nehmen, hierbei unterscheiden wir zwei Gruppen, diejenigen die geben, das sind die Mitglieder die schon Erfahrung auf dem Gebiet PC- und Internet haben und diejenigen die nehmen, das sind die, die erst in die Materie einsteigen möchten.

Nach einer gewissen Zeit, in der die Nehmer von den Gebern gelernt und verstanden haben, werden auch die Nehmer zu Gebern und können und sollen ihr gelerntes Wissen an die weitergeben, die noch nicht soweit sind. Wir möchten nicht als Schulungscenter gesehen werden, indem man nur schnell mal ein paar PC-Kurse besucht und sich dann schnell wieder zurückzieht. Wir möchten Senioren vielmehr in unsere Gemeinschaft integrieren und den Kontakt mit Ihnen pflegen, wir möchten möglichst viele Seniorinnen und Senioren über den PC und das Internet miteinander verbinden und so den Einzelnen aus seiner Isolation holen. Wir möchten Freundschaften untereinander aufbauen und möchten bei Problemen mit dem eigenen PC oder der Software zur Seite stehen.

sagmal.de:
Was muss man tun, um beim SeniorenNet mitmachen zu können?


Günther Mehr:
Das ist relativ einfach, man kommt einfach zu einem unserer Seniorentreffen in einer Regionalgruppe seiner Wahl. Hier gibt es Informationen über das SeniorenNet und man kann auch sogenannte PC- und Internetschnupperkurse besuchen. Dies alles ist noch unverbindlich und kostet nichts. Sagt einem dann unser Angebot und unsere Gemeinschaft zu, so kann man Mitglied im SeniorenNet werden und das für ca. 50.- DM Jahresbeitrag.

sagmal.de:
Was haben Senioren zu erwarten, wenn sie auf die Seiten des SeniorenNet kommen?


Günther Mehr:
Eine aktive Gemeinschaft von ca. 300 Mitgliedern allein im Rhein-Maingebiet. Bundesweit sind wir bereits weit über 750 Mitglieder. Wir haben Gruppen in Kiel, Hamburg, Berlin, Hohenstein-Ernstthal, Frankfurt, Büdingen, Stuttgart, Heidenheim und München, weitere Gruppen werden entstehen. Auf unseren Seiten finden Sie Informationen aus allen Regionalgruppen, e-Mail-Kontaktlisten, SeniorenChat, Foren und vieles mehr.

sagmal.de:
Welche Probleme haben Senioren generell mit dem Medium Internet?


Günther Mehr:
Das größte Problem sind die Berührungsängste mit diesem Medium. Verständlich, da in vielen Medien vor allem die negativen Seiten des Internet hervorgehoben werden, schlechte Nachrichten verkaufen sich nun mal besser. Haben die Menschen diese Ängste aber erst einmal überwunden, dann sind sie mit Begeisterung dabei, das zeigt uns unsere Erfahrung. Senioren, die das Erste mal zu uns kommen, haben in der Regel weder einen eigenen Computer zu Hause, geschweige denn einen Internetanschluß. Ist dann das Interesse, welches Senioren am Internet haben, erst einmal geweckt, so sind sie oft nach kurzer Zeit bereits mit eigenem PC im Internet.

sagmal.de:
Und was kann das Internet, was können die Seitenbetreiber tun, um mehr Senioren ins Netz zu bringen?


Günther Mehr:
Vor allem sollte man bei der Seitengestaltung und beim Design der Seiten auch ältere an Menschen denken. Viele ältere haben Schwierigkeiten mit zu kleiner Schrift oder unübersichtlichen Links. Auch bei der Farbauswahl der Seiten sollte man auf kontrastreiche Schrift gegenüber dem Hintergrund achten, damit wäre schon viel geholfen.

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sagmal.de:
Was raten Sie Senioren, die mitmachen wollen oder einfach nur Hilfe suchen?


Günther Mehr:
Wir freuen uns über jeden der bei uns mitmachen möchte und wenn jemand Rat oder Hilfe braucht so findet er in unserem Kreis immer auch jemanden der ihm zur Seite steht, selbst wenn er (noch) nicht Mitglied im SeniorenNet ist.

sagmal.de:
Sie bieten auch Möglichkeiten mit dem Info-Mobil an. Was bedeutet das?

Senior Mobil Günther Mehr:
Das Senior-Info-Mobil ist eine Informationskampagne die seit 2 Jahren getragen von Verschiedenen Organisationen und Sponsoren in einem Bus durch ganz Deutschland rollt. Ziele der Informationskampagne - dezentrale flächendeckende Informationskampagne zur Überwindung von Hemmschwellen älterer Menschen gegenüber den IuK-Technologien - Einsatz eines Demonstrationsbusses ("rollendes Internetcafé") und die Vorstellung "intelligenter Wohntechnik" - Möglichst viele technikdistante ältere Menschen werden vor Ort durch multimediale Präsentation über Nutzungsmöglichkeiten des Internets informiert - Es werden begleitende Maßnahmen zur Unterstützung und Beratung durchgeführt - Erstellung verläßlicher Marktdaten zum Einsatz der IuK-Technologien - Entwicklung und Erprobung konkreter Multiplikationsmodelle Dieses Projekt wurde auch vom SeniorenNet mit Vorträgen und Tutoren in 4 Städten unterstützt. Leider wird dieses Projekt aus Geldmangel voraussichtlich dieses Jahr enden, falls sich nicht noch andere Sponsoren finden. Näheres zum Senior-Info-Mobil finden Sie unter:
http://www.lill-online.net/senior-info-mobil/index.htm

sagmal.de:
Wie finanziert sich das Ganze?


Günther Mehr:
Wir finanzieren uns alleine aus unseren Mitgliedsbeiträgen. Öffentliche Zuschüsse erhalten wir nicht, aber wir werden unterstützt von einigen Spendern mit Sachspenden oder von Hochschulen oder Instituten die uns Unterrichtsräume zu Verfügung stellen. Hervorheben möchte ich hier die Fachhochschule Frankfurt, die uns PC-Räume für unsere Schulungen kostenlos überläßt und uns auch einen Rahmen für Informationsveranstaltungen zu Verfügung stellt.

sagmal.de:
Wird es Veränderungen geben auf den Seiten des Seniorennet?


Günther Mehr:
Auf unseren Seiten gibt es immer wieder Veränderungen, denn das Medium Internet erlaubt es immer aktuell zu sein, und Seiten die erfolgreich sein wollen können sich dem nicht entziehen.

sagmal.de:
Sind Neuerungen geplant?


Günther Mehr:
Wir arbeiten an verschiedenen Projekten, so werden erste Versuche mit interaktivem Lernen über das Internet gemacht und wir arbeiten zusammen mit der Fachhochschule Frankfurt daran eine seniorengerechte Computermaus zu entwickeln. Wir haben festgestellt, daß gerade viele ältere Menschen schwierigkeiten mit der Maushandhabung haben. Neu sind auch Versuche mit geführten Internettouren "Senioren surfen mit Günther", die nach verschiedenen Themen zusammengestellt werden

sagmal.de:
Wie surft Günther Mehr privat?


Günther Mehr:
Privat hole ich mir gezielte Informationen aus dem Netz, vor allem interessieren mich Reiseinformationen und aktuelle Berichte aus den Printmedien, die ich über das Internet beziehen kann. In der Hauptsache aber nutze ich das Internet zur Kommunikation per Mail, Chat und Mailinglisten.

sagmal.de:
Auch nur auf Seniorenseiten?


Günther Mehr:
Nein, natürlich nicht, denn das wäre ja wieder eine Ausgrenzung. Das Internet ist auch ein Medium das alle Generationen und Völker miteinander verbindet und diese Chance sollten alle Menschen nutzen.

sagmal.de:
Haben Sie bei meinen Fragen eine Frage vermisst?


Günther Mehr:
Nein

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?


Günther Mehr:
Ich möchte alle Seniorinnen und Senioren ermuntern sich den sogenannten neuen Medien nicht zu verschliessen, damit sie nicht irgendwann ausgegrenzt sind.

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Das Interview wurde am 12.11.2000 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Günther Mehr für die Beantwortung unserer Fragen.


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