Uwe
Lübbermann,
24, Azubi,
treibende Kraft bei der Interessen - gruppe Premium, die es sich in den Kopf gesetzt hat,
Afri-Cola wieder in der Originalflasche und mit dem Originalinhalt in den Handel zu bringen.
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Unsere Aktion ist kein kommerzieller Werbegag, sondern eher eine Art Guerrilla-Marketing-Aktion
von unten nach oben.
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Seit kurzer Zeit füllen die Jungs von der Interessengruppe Premium die Originalrezeptur in Flaschen ab und bieten sie zum Verkauf an. Wer also den Originalgeschmack kennenlernen möchte, sollte sich auf diese Seite begeben.
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sagmal.de:
Uwe, wenn ich Deine Webseite richtig verstanden habe, dann geht es bei
der Interessengruppe Premium einzig und allein darum, afri-cola wieder in
den Urzustand zu versetzen.
Warum? Ist das Ganze nur ein Werbegag?
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Uwe:
Hallo Robert! Unsere Aktion ist kein kommerzieller Werbegag, sondern eher
eine Art Guerrilla-Marketing-Aktion von unten nach oben. Das Ganze wird
privat erdacht, privat gemacht und (leider) auch privat bezahlt. Wir haben
die Interessengruppe Premium
Anfang 2000 gegründet,
weil afri-cola nach der
Markenübernahme durch die
Mineralbrunnen AG Ende 1999 total verändert
wurde. Im Klartext: Die aktuelle afri-cola hat drei Fünftel weniger Koffein,
der Geschmack ist wesentlich schwächer, und ein Großteil der Produktion wird
nun auch in einer 0,7 L Mineralwasserflasche abgefüllt. Momentan erkennen
eine Menge Konsumenten die Marke wieder und freuen sich, werden aber dann
durch den Inhalt ziemlich enttäuscht. Wir informieren alle Interessierten
über die Hintergründe und bündeln den Protest der Leute für unser Ziel: Wir
wollen die Min. AG überzeugen, in Zukunft die originale afri-cola Premium
und die neue afri-cola parallel anzubieten.
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sagmal.de:
Es kam durch Euch zu einer Geiselnahme bei der afri-cola GmbH. Wurden eure Forderungen erfüllt? Und vor allem, welche Forderungen hattet Ihr
genau?
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Uwe:
Wir hatten damals auch bemerkt, dass unsere afri-cola nicht mehr dieselbe
war. Leider konnten wir nirgends genaue Informationen über die Hintergründe
bekommen, deshalb haben wir die afri-cola GmbH in Köln besucht und dort mit
dicken Wasserpistolen einmal nachgefragt. Geschossen haben wir allerdings
nicht, wir wurden sehr freundlich empfangen. Auch unsere "Geisel" auf dem
Foto nahm das Ganze mit Humor, konnte uns aber nur über den vollzogenen
Verkauf der Marke und die Änderungen daran informieren. Wir dachten:
"Dagegen muß man doch was machen!", deshalb haben wir eine Homepage
gebastelt und etwas bekannt gemacht. Diese Homepage entwickelt so eine Art
Schneeball-Effekt, die Zahl unserer Partner und angemeldeten Mitstreiter
wächst fast täglich. Deshalb haben wir der Mineralbrunnen AG eine
Zusammenarbeit angeboten, um gemeinsam zu erforschen: Gibt es einen Markt
für zwei afri-cola Rezepturen?
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sagmal.de:
Ihr hattet mit der Mineralbrunnen AG, dem neuen Besitzer der Marke am 12. Juli einen Termin zu einem Gespräch vereinbart. Was kam dabei heraus?
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Uwe:
Die Mineralbrunnen AG hat auf unser Angebot reagiert und mich zum Gespräch
eingeladen, unsere Ansprechpartner dort nehmen uns durchaus ernst. Das
Gespräch dauerte insgesamt vier Stunden, beide Seiten haben ausführlich ihre
Ansichten zur Sache erläutert und verschiedene Lösungsmöglichkeiten
durchgesprochen. Erstes Ergebnis der Verhandlungen: Wir planen ein
gemeinsames Forum im Internet, auf dem beide Seiten gleichberechtigt ihre
Vorstellungen gegenüberstellen können. Die Besucher dieses Forums können
dann ihre Meinung zur Sache eingeben, die Meinungen anderer lesen und auch
beantworten. Wir sind supergespannt, welche Reaktionen dort kommen.
Ich persönlich finde es ziemlich cool von
der Min. AG, sich der Sache so direkt zu stellen. Die meisten andern
Unternehmen würden wahrscheinlich erstmal ein paar Rechtsanwälte von der
Leine lassen, wenn jemand von außen gegen ihre Marke Druck macht. Ich finde,
die Min. AG beweist durch ihr Verhalten hier echte Offenheit.
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sagmal.de:
Nicht jeder, der sich über die teilweise Entkoffeinierung einer Cola
ärgert, macht gleich eine Homepage daraus. Erzählst Du uns ein wenig mehr
über Uwe Lübbermann?
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Uwe:
Ich bin 24 Jahre alt und arbeite seitdem ich 12 bin, insgesamt habe ich 23
verschiedene Jobs hinter mir. Nebenbei habe ich Abitur gemacht und sogar
schon etwas studiert, das war mir aber auf Dauer zu langweilig. Momentan bin
ich Azubi zum Werbekaufmann bei der Ausbildungsinitiative Hamburger
Wirtschaft e.V.. Dieser Verein
koordiniert mehrere Betriebe, die für einen eigenen Azubi zu klein oder zu
spezialisiert sind. Im Rahmen meiner Ausbildung bin ich im Werbehaus
Gesellschaft für direkte Kommunikation mbH und bei der HanseMerkur
Versicherungsgruppe in der Abteilung Marketing. Zusätzlich finden regelmäßig
Seminare der Ausbildungsinitiative statt - insgesamt eine Klasse Sache für
jemanden, der gern eigenständig und viel arbeitet. Spezialisiert habe ich
mich quasi versehentlich auf Konzeption und Text im Internet: Dort ist noch
viel Raum für genaue Arbeit, aber ein Anzug ist nicht nötig.
Bei der Interessengruppe Premium bin ich praktisch der "Steuermann", führe
alle Verhandlungen, entwickle die Inhalte und mache die externe und interne
Kommunikation. Ohne die Unterstützung von Dirk Lüth, der die gesamte Programmierung leistet, wäre die
Aktion allerdings nie so groß geworden. Heißen Dank auch an alle Partner,
die kräftig mithelfen unsere Sache bekanntzumachen. Mit einem starken Willen
geht vieles, mit Partnern geht alles.
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sagmal.de:
Da du ja beruflich mit dem Internet zu tun hast, muss ich dich ganz ehrlich fragen:
Braucht das Web Ipremium.de? Gäbe es nicht wichtigeres im Netz?
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Uwe:
Wir bekommen leider nur sehr selten Kritik, eine aber empfangen wir zu
Recht: Die gesamte Energie, die wir in die Interessengruppe Premium stecken,
wäre vielleicht sinnvoller im Kampf gegen Krieg, Hunger und staatliche
Willkür investiert. Das sehe ich ehrlich gesagt auch so, habe aber eine
Begründung: Wenn schon große Initiativen im Kampf gegen große Übel der
Menschheit scheitern, wie soll ich als kleiner Azubi ohne zugkräftigen
Namen, ohne Sachkenntnis und ohne Geld erfolgreich sein? Ich sehe in dieser
Aktion nicht nur unser Ziel afri-cola Premium, ich möchte auch lernen wie so
eine Aktion funktioniert. Mit diesem Wissen und einigen Partnern kann ich in
Zukunft vielleicht eine größere Sache machen, die mehr bewegt. Bewegen macht
nämlich echt Spaß.
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sagmal.de:
Ich ärgere mich oft über Agenturen, die im WWW die gleichen Maßstäbe
ansetzen wie in der Print- und Fernsehwerbung. Geht Interaktivität
wirklich über alles auf Webseiten?
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Uwe:
Interaktivität ist ja schön und gut, wenn der Besucher einer Seite sie auch
findet und versteht. Mein Eindruck ist: Viele Seitenbetreiber arbeiten nach
dem Prinzip "Viel hilft viel". Ich glaube eher an das Wort
"Benutzerfreundlichkeit". Der Besucher soll sich zuhause fühlen und alle
Inhalte einfach und schnell finden können. Die Gestaltung soll diesem Ziel
folgen und das Auge des Besuchers durch die Seite führen, wenn möglich soll
die Seite sich sogar auf seine ganz persönlichen Bedürfnisse einstellen. Im
Internet ist der Mensch nur ein Besucher, er soll aber so behandelt werden
als wäre er Kunde in einem Edel-Restaurant. Im Wettbewerb werden langfristig
die Internetseiten vorn liegen, die sich möglichst genau an die Bedürfnisse
der Besucher anpassen. Dafür möchte ich auch meinen Beitrag leisten, weil
nur wenige Konzeptioner sich wirklich in die Lage des Kunden versetzen
können. Beispiel: Ein Internet-Neuling wird am Eingang einer Seite gefragt,
ob er Flash möchte. Aber was bitte ist Flash? Oder scrollen? Oder 800 * 600?
Wir wissen das zwar alles, aber das dürfen wir nicht von jedem Kunden
erwarten.
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sagmal.de:
Sind neue Projekte von dir geplant?
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Uwe:
Geplant ist natürlich das afri-cola-Forum. Nebenbei arbeite ich an einer
kompletten Überarbeitung für ein mittelständisches Unternehmen, darüber kann
ich hier natürlich nichts sagen. Parallel berate ich kleinere
Seitenbetreiber und Programmierer in Sachen Benutzerfreundlichkeit, Energie
habe ich noch reichlich. Ich hoffe, dass man auch in Zukunft noch einiges
von mir hören und sehen wird ...
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sagmal.de:
Hast du Vorbilder im Netz?
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Uwe:
Prima finde ich die Hyäne, eine kostenlose
Internet-Geschenkbörse. Man trägt einfach ein Geschenk seiner Wahl ein und
bekommt dafür einen Geschenkpunkt, den man dann wieder gegen irgendein
anderes Geschenk eintauschen kann. Privat, nicht kommerziell und - wie ich
finde - sehr einfach zu bedienen. So sollīs sein.
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sagmal.de:
Wie surft Uwe privat durch das Internet?
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Uwe:
Ich bin täglich zwischen 3 und 12 Stunden im Netz unterwegs, davon
mindestens 2 Stunden privat. Ich bin ziemlich neugierig und schaue mich
überall um, interessant ist irgendwie fast alles. Natürlich nutze ich einen
iMac, der stürzt nie ab und gibt bei (seltenen) Fehlermeldungen
verständliche Hinweise was nun zu tun ist.
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
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Uwe:
Das Internet ist klasse, weil es gleiche Chancen für alle darin bietet. Wo
sonst können ein paar Freaks 1:1 gegen eine AG antreten? Die andere Seite
der Medaille: Leider entsteht
durch das Internet eine neue globale Abgrenzung: Dabei sind nur Menschen,
die sich einen Computer mit Zugang leisten können, Sprache in Wort und
Schrift ist ebenfalls Voraussetzung. Alle anderen haben einen deutlichen
Informationsnachteil, dagegen muß man doch was machen können?
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Das Interview wurde am 28.7. 2000 geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Uwe Lübbermann für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen |
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