Interview mit Uwe Lübbermann vom 28.7.2000
Uwe
Lübbermann,

24, Azubi, treibende Kraft bei der Interessen - gruppe Premium, die es sich in den Kopf gesetzt hat, Afri-Cola wieder in der Originalflasche und mit dem Originalinhalt in den Handel zu bringen.

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Unsere Aktion ist kein kommerzieller Werbegag, sondern eher eine Art Guerrilla-Marketing-Aktion von unten nach oben.

IPremium-LogoSeit kurzer Zeit füllen die Jungs von der Interessengruppe Premium die Originalrezeptur in Flaschen ab und bieten sie zum Verkauf an. Wer also den Originalgeschmack kennenlernen möchte, sollte sich auf diese Seite begeben.

sagmal.de:
Uwe, wenn ich Deine Webseite richtig verstanden habe, dann geht es bei der Interessengruppe Premium einzig und allein darum, afri-cola wieder in den Urzustand zu versetzen. Warum? Ist das Ganze nur ein Werbegag?

Uwe:
Hallo Robert! Unsere Aktion ist kein kommerzieller Werbegag, sondern eher eine Art Guerrilla-Marketing-Aktion von unten nach oben. Das Ganze wird privat erdacht, privat gemacht und (leider) auch privat bezahlt. Wir haben die Interessengruppe Premium Anfang 2000 gegründet, weil afri-cola nach der Markenübernahme durch die Mineralbrunnen AG Ende 1999 total verändert wurde. Im Klartext: Die aktuelle afri-cola hat drei Fünftel weniger Koffein, der Geschmack ist wesentlich schwächer, und ein Großteil der Produktion wird nun auch in einer 0,7 L Mineralwasserflasche abgefüllt. Momentan erkennen eine Menge Konsumenten die Marke wieder und freuen sich, werden aber dann durch den Inhalt ziemlich enttäuscht. Wir informieren alle Interessierten über die Hintergründe und bündeln den Protest der Leute für unser Ziel: Wir wollen die Min. AG überzeugen, in Zukunft die originale afri-cola Premium und die neue afri-cola parallel anzubieten.

sagmal.de:
Es kam durch Euch zu einer Geiselnahme bei der afri-cola GmbH. Wurden eure Forderungen erfüllt? Und vor allem, welche Forderungen hattet Ihr genau?

Uwe:
Die Geiselnahme Wir hatten damals auch bemerkt, dass unsere afri-cola nicht mehr dieselbe war. Leider konnten wir nirgends genaue Informationen über die Hintergründe bekommen, deshalb haben wir die afri-cola GmbH in Köln besucht und dort mit dicken Wasserpistolen einmal nachgefragt. Geschossen haben wir allerdings nicht, wir wurden sehr freundlich empfangen. Auch unsere "Geisel" auf dem Foto nahm das Ganze mit Humor, konnte uns aber nur über den vollzogenen Verkauf der Marke und die Änderungen daran informieren. Wir dachten: "Dagegen muß man doch was machen!", deshalb haben wir eine Homepage gebastelt und etwas bekannt gemacht. Diese Homepage entwickelt so eine Art Schneeball-Effekt, die Zahl unserer Partner und angemeldeten Mitstreiter wächst fast täglich. Deshalb haben wir der Mineralbrunnen AG eine Zusammenarbeit angeboten, um gemeinsam zu erforschen: Gibt es einen Markt für zwei afri-cola Rezepturen?

sagmal.de:
Ihr hattet mit der Mineralbrunnen AG, dem neuen Besitzer der Marke am 12. Juli einen Termin zu einem Gespräch vereinbart. Was kam dabei heraus?

Uwe:
Die Mineralbrunnen AG hat auf unser Angebot reagiert und mich zum Gespräch eingeladen, unsere Ansprechpartner dort nehmen uns durchaus ernst. Das Gespräch dauerte insgesamt vier Stunden, beide Seiten haben ausführlich ihre Ansichten zur Sache erläutert und verschiedene Lösungsmöglichkeiten durchgesprochen. Erstes Ergebnis der Verhandlungen: Wir planen ein gemeinsames Forum im Internet, auf dem beide Seiten gleichberechtigt ihre Vorstellungen gegenüberstellen können. Die Besucher dieses Forums können dann ihre Meinung zur Sache eingeben, die Meinungen anderer lesen und auch beantworten. Wir sind supergespannt, welche Reaktionen dort kommen. Ich persönlich finde es ziemlich cool von der Min. AG, sich der Sache so direkt zu stellen. Die meisten andern Unternehmen würden wahrscheinlich erstmal ein paar Rechtsanwälte von der Leine lassen, wenn jemand von außen gegen ihre Marke Druck macht. Ich finde, die Min. AG beweist durch ihr Verhalten hier echte Offenheit.

sagmal.de:
Nicht jeder, der sich über die teilweise Entkoffeinierung einer Cola ärgert, macht gleich eine Homepage daraus. Erzählst Du uns ein wenig mehr über Uwe Lübbermann?


Uwe:
Ich bin 24 Jahre alt und arbeite seitdem ich 12 bin, insgesamt habe ich 23 verschiedene Jobs hinter mir. Nebenbei habe ich Abitur gemacht und sogar schon etwas studiert, das war mir aber auf Dauer zu langweilig. Momentan bin ich Azubi zum Werbekaufmann bei der Ausbildungsinitiative Hamburger Wirtschaft e.V.. Dieser Verein koordiniert mehrere Betriebe, die für einen eigenen Azubi zu klein oder zu spezialisiert sind. Im Rahmen meiner Ausbildung bin ich im Werbehaus Gesellschaft für direkte Kommunikation mbH und bei der HanseMerkur Versicherungsgruppe in der Abteilung Marketing. Zusätzlich finden regelmäßig Seminare der Ausbildungsinitiative statt - insgesamt eine Klasse Sache für jemanden, der gern eigenständig und viel arbeitet. Spezialisiert habe ich mich quasi versehentlich auf Konzeption und Text im Internet: Dort ist noch viel Raum für genaue Arbeit, aber ein Anzug ist nicht nötig.

Bei der Interessengruppe Premium bin ich praktisch der "Steuermann", führe alle Verhandlungen, entwickle die Inhalte und mache die externe und interne Kommunikation. Ohne die Unterstützung von Dirk Lüth, der die gesamte Programmierung leistet, wäre die Aktion allerdings nie so groß geworden. Heißen Dank auch an alle Partner, die kräftig mithelfen unsere Sache bekanntzumachen. Mit einem starken Willen geht vieles, mit Partnern geht alles.


sagmal.de:
Da du ja beruflich mit dem Internet zu tun hast, muss ich dich ganz ehrlich fragen: Braucht das Web Ipremium.de? Gäbe es nicht wichtigeres im Netz?

Uwe:
Wir bekommen leider nur sehr selten Kritik, eine aber empfangen wir zu Recht: Die gesamte Energie, die wir in die Interessengruppe Premium stecken, wäre vielleicht sinnvoller im Kampf gegen Krieg, Hunger und staatliche Willkür investiert. Das sehe ich ehrlich gesagt auch so, habe aber eine Begründung: Wenn schon große Initiativen im Kampf gegen große Übel der Menschheit scheitern, wie soll ich als kleiner Azubi ohne zugkräftigen Namen, ohne Sachkenntnis und ohne Geld erfolgreich sein? Ich sehe in dieser Aktion nicht nur unser Ziel afri-cola Premium, ich möchte auch lernen wie so eine Aktion funktioniert. Mit diesem Wissen und einigen Partnern kann ich in Zukunft vielleicht eine größere Sache machen, die mehr bewegt. Bewegen macht nämlich echt Spaß.

sagmal.de:
Ich ärgere mich oft über Agenturen, die im WWW die gleichen Maßstäbe ansetzen wie in der Print- und Fernsehwerbung. Geht Interaktivität wirklich über alles auf Webseiten?

Uwe:
Interaktivität ist ja schön und gut, wenn der Besucher einer Seite sie auch findet und versteht. Mein Eindruck ist: Viele Seitenbetreiber arbeiten nach dem Prinzip "Viel hilft viel". Ich glaube eher an das Wort "Benutzerfreundlichkeit". Der Besucher soll sich zuhause fühlen und alle Inhalte einfach und schnell finden können. Die Gestaltung soll diesem Ziel folgen und das Auge des Besuchers durch die Seite führen, wenn möglich soll die Seite sich sogar auf seine ganz persönlichen Bedürfnisse einstellen. Im Internet ist der Mensch nur ein Besucher, er soll aber so behandelt werden als wäre er Kunde in einem Edel-Restaurant. Im Wettbewerb werden langfristig die Internetseiten vorn liegen, die sich möglichst genau an die Bedürfnisse der Besucher anpassen. Dafür möchte ich auch meinen Beitrag leisten, weil nur wenige Konzeptioner sich wirklich in die Lage des Kunden versetzen können. Beispiel: Ein Internet-Neuling wird am Eingang einer Seite gefragt, ob er Flash möchte. Aber was bitte ist Flash? Oder scrollen? Oder 800 * 600? Wir wissen das zwar alles, aber das dürfen wir nicht von jedem Kunden erwarten.

sagmal.de:
Sind neue Projekte von dir geplant?

Die Flasche des Anstosses Uwe:
Geplant ist natürlich das afri-cola-Forum. Nebenbei arbeite ich an einer kompletten Überarbeitung für ein mittelständisches Unternehmen, darüber kann ich hier natürlich nichts sagen. Parallel berate ich kleinere Seitenbetreiber und Programmierer in Sachen Benutzerfreundlichkeit, Energie habe ich noch reichlich. Ich hoffe, dass man auch in Zukunft noch einiges von mir hören und sehen wird ...

sagmal.de:
Hast du Vorbilder im Netz?

Uwe:
Prima finde ich die Hyäne, eine kostenlose Internet-Geschenkbörse. Man trägt einfach ein Geschenk seiner Wahl ein und bekommt dafür einen Geschenkpunkt, den man dann wieder gegen irgendein anderes Geschenk eintauschen kann. Privat, nicht kommerziell und - wie ich finde - sehr einfach zu bedienen. So sollīs sein.

sagmal.de:
Wie surft Uwe privat durch das Internet?

Uwe:
Ich bin täglich zwischen 3 und 12 Stunden im Netz unterwegs, davon mindestens 2 Stunden privat. Ich bin ziemlich neugierig und schaue mich überall um, interessant ist irgendwie fast alles. Natürlich nutze ich einen iMac, der stürzt nie ab und gibt bei (seltenen) Fehlermeldungen verständliche Hinweise was nun zu tun ist.

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Trinken Sie nur noch Afri-Cola PremiumUwe:
Das Internet ist klasse, weil es gleiche Chancen für alle darin bietet. Wo sonst können ein paar Freaks 1:1 gegen eine AG antreten? Die andere Seite der Medaille: Leider entsteht durch das Internet eine neue globale Abgrenzung: Dabei sind nur Menschen, die sich einen Computer mit Zugang leisten können, Sprache in Wort und Schrift ist ebenfalls Voraussetzung. Alle anderen haben einen deutlichen Informationsnachteil, dagegen muß man doch was machen können?

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Das Interview wurde am 28.7. 2000 geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Uwe Lübbermann für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen


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