Interview mit Lu Court vom 28.2.2006

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Jeder Mensch mit Netzzugang hat die Möglichkeit seine Werke einer weltweiten Öffentlichkeit vorzustellen. Ich halte das für einen großen Schritt in die richtige Richtung. Ein Künstler möchte doch, dass seine Werke gesehen, wahrgenommen, reflektiert werden. Das Internet bietet dazu vielfältige Möglichkeiten, mit denen ich primär positive Erfahrungen gemacht habe.

Lu Court

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Lu CourtLu Court,
geboren 1963 in Köln. Seit 1981 intensive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Techniken bildender Kunst, u.a. klassische Ölmalerei.
Werke: Grafiken, Ölbilder, Skulpturen. Entwicklung eigener Mal- und Mischtechniken. Design-Möbel. Gründer und Inhaber der Galerie Art/Design in Köln.
1995 Umzug ins Bergische Land. Beginn Webdesign, Computer-3D-Grafik.
Ausstellungen in Köln und Umgebung (u.a. Olivandenhof, im Rahmen einer Künstlerinitiative), Paris, London, sowie in zahlreichen Internetgalerien.

Grafik Lu Court

Mehrfach ausgezeichnet mit Awards für kreatives Grafik- und Webdesign (zum Beispiel Web Diamond Award), u.a. auch Jurymitglied bei MetatroniC.
Sommer 2003: Entwurf der Skulptur für den Verteilerkreis Neunkirchen-Seelscheid, Erstellung des Konzeptes und Ausführung der zugehörigen Internet-Präsentation.

http://www.lu-court.de
http://www.court-design.de
http://www.artsector.de
http://www.interface-grafik.de
http://www.excl.de

sagmal.de:
WWW steht für World Wide Web. Was ist deine Interpretation?

Lu Court:
Wer (macht) was, wie.
Dieser globale Informationspool gibt der Menschheit eine Chance, kultur- und grenzüberschreitend voneinander zu lernen.

sagmal.de:
Was machst du im Internet, was planst du?

Lu Court:
Nachdem ich jahrelang als Awardmaster tätig war und von einem 24k-Modem auf eine DSL-Flat umgestiegen bin, arbeite ich als selbständiger Grafik- und Webdesigner.
Von Anfang an habe ich meine Bilder im Netz ausgestellt. Meine erste Homepage war im Grunde ein Gesamtkunstwerk, ein interaktives Bild als Galerie.
Die Resonanz darauf war beeindruckend und motivierte mich, weiter zu machen und besser zu werden. Einige meiner Projekte werden inzwischen nicht mehr aktualisiert, weil das einfach zu zeitaufwendig wurde. In acht Jahren sammelt sich so einiges an. Also habe ich vieles zusammen gefaßt und plane eine neue Galerie. Dort möchte ich eine Auswahl meiner Bilder, Möbel und Skulpturen präsentieren.

sagmal.de:
Wie beeinflußt das Netz deine künstlerischen Ideen?

Lu Court - Sonnen Lu Court:
Auf vielfältige Art. Die unterschiedlichen Herangehensweisen von Grafikern und Webentwicklern bringen immer wieder neue Inspirationen.
Wenn man sich auf den unzähligen Homepages kunstschaffender Menschen herumgetrieben hat, entstehen daraus automatisch neue Bilder im Kopf, Visionen von möglichen Welten, die zu erschaffen eine Herausforderung und eine Freude wäre. Dabei habe ich immer großen Wert darauf gelegt, niemanden zu kopieren. Nur wer Eigenes erschafft, wird vor sich selbst bestehen können.

sagmal.de:
Wo siehst du Chancen und Risiken für Kunstschaffende im Netz?

Lu Court:
Die Reproduzierbarkeit virtuell erschaffener Kunst wird gelegentlich als Argument für einen geringeren Wert mißverstanden. Das ist ein Risiko für Kunstschaffende und jene, die als Mittler/Makler an Kunst verdienen. Es ist leichter, ein digitales Exponat nachzuahmen, als beispielsweise ein Ölbild und es ist demnach auch schwerer, die Urheberschaft zu beweisen. Letzteres ist aber nur eine Frage der Technik, die sich den Anforderungen angleichen wird. Die Chancen sind ganz klar ersichtlich. Jeder Mensch mit Netzzugang hat die Möglichkeit seine Werke einer weltweiten Öffentlichkeit vorzustellen. Ich halte das für einen großen Schritt in die richtige Richtung. Ein Künstler möchte doch, dass seine Werke gesehen, wahrgenommen, reflektiert werden. Das Internet bietet dazu vielfältige Möglichkeiten, mit denen ich primär positive Erfahrungen gemacht habe.

sagmal.de:
Wie lebst du außerhalb der virtuellen Welt?

Lu Court:
Fast wie ein ganz normaler Mensch ;o)
Da ist eigentlich nichts besonders Spektakuläres. Ich sehe nicht fern, sondern eher in die Ferne. Dafür brauche ich nur aus dem Fenster zu schauen, aber noch lieber fahre ich Motorrad. Das ist für mich sehr viel mehr als Fortbewegung, es ist eine Lebensphilosophie, ein Stück Freiheit.

sagmal.de:
Wie entstehen deine Bilder?

Lu Court - Regal und Schrank Lu Court:
Der Ursprung ist natürlich eine Idee, auf die zunächst einige Bleistiftzeichnungen und Notizen folgen. Wenn mich das Ergebnis der Entwürfe einigermaßen zufrieden stellt, kommt Software zum Einsatz.
Das Bild mit dem Regal und dem Schrank habe ich mit einem 3D-Programm erstellt. Ich verwende es sehr gern, um Entwürfe 'plastisch' darzustellen. Da es mir nicht möglich ist, alle Entwürfe real zu bauen, läßt sich so eine gut vorstellbare und aus allen Perspektiven ansehnliche Präsentation gestalten.
Eine 'Maus' verwende ich dabei schon lange nicht mehr. Sie wurde vor Jahren abgelöst von einem großen Grafiktablett mit virtual pen und airbrush. Ich mag Bleistifte und diese virtuellen Eingabegeräte sind fast ebenso handlich, sensibel und präzise.

sagmal.de:
Welche Rolle spielt für dich Kreativität?

Lu Court:
Kreativität ist für mich eine Mischung aus Vergnügen und Trance.
Die Erschaffung von Werken (sei es Bild, Objekt oder Text) ist mir Lebenselixier. Ich definiere nicht nur Neues aus Ideen, sondern diese Prozesse und ihre Ergebnisse definieren auch mich. Anders könnte und wollte ich mir mein Leben nicht vorstellen.
Was dies anderen Leuten bedeutet, war mir immer eher tertiär, soweit es sich nicht um Auftragsarbeiten handelt. Es ist mir egal, ob mich jemand für ein Genie oder für einen Spinner hält. Beide 'Fraktionen' haben Recht, jeder auf seine Art. Kreativität ist Leben.

sagmal.de:
Quo vadis, Kunstmarkt?

Lu Court:
Es ist für Galerien ein Albtraum zu sehen, wie viele wirklich gute Grafiker/Maler/Künstler es auf der Welt gibt, die einfach so ihre virtuellen Werke im Netz präsentieren. Deswegen sträubt sich die traditionelle Kunstszene meist dagegen, computergenerierte Arbeiten anzuerkennen.
Auf Dauer wird sich durch das Internet eine neue Ära von Kunst etablieren (wenn das nicht längst geschehen ist). Es wird nicht mehr so wichtig sein, mit den 'wichtigen' Leuten Nächte durchzumachen und mit allen 'per Du' zu sein, die sich in der Szene hochgesoffen haben.
Die Einzigartigkeit eines Kunstwerkes wird in Zukunft wohl weniger daran gemessen werden, ob nur ein einziges Exemplar davon existiert, sondern an der (subjektiven) Qualität des Werkes. Möglicherweise werden dann einige 'sogenannte' Künstler brotlos und dafür bekommen andere eine Chance, die es wirklich verdient haben.

sagmal.de:
Wer wärst du gerne mal für ein Wochenende?

Lu Court:
Was für ne Frage! Ganz klar, Zaphod Beeblebrox, der Präsident der Galaxis ;o)
Andererseits ist der ja gar kein Mensch und obendrein eine Romanfigur. Also dann wäre ich gern mal Leonardo da Vinci, Albert Einstein und Salvador Dali.
Das stelle ich mir interessant vor, horizonterweiternd und lehrreich. Lernen kann man ja kaum zu viel, jedenfalls hab ich noch nie von jemanden gehört, dem das gelungen wäre.

sagmal.de:
Wo würdest du gern leben?

Lu Court:
Auf einem Hügel, in einer Mischung aus zwei - umgedrehten, mit den Masten im Boden verankerten - Piratenschiffen und einem Schildkrötenpanzer von zweitausend Quadratmetern Grundfläche.
In einer ländlichen Gegend, mit Wiesen, Wäldern, Sonne im Sommer und Schnee im Winter, mit Gewittern deren Donner die Erde beben läßt und deren Blitze das Ende der Welt anzukündigen scheinen.
Mit Wind, der die alten Eichenplanken der Piratenschiffe knarren läßt und mit einem großen Kaminfeuer, aber ich schweife ab ... zur nächsten Frage ...

sagmal.de:
Was sollte auf deinem Grabstein stehen oder welche andere Botschaft möchtest du der Welt hinterlassen?

Lu Court - Götter und Dämonen Lu Court:
Da soll nicht unbedingt etwas stehen. Ich fände es besser, wenn etwas darauf liegen würde.
Ein echter lebender Drache, der den Kindern neckisch die Zunge herausstreckt während er ihnen zuzwinkert und der die Erwachsenen mit Ameisenscheiße bewirft. Das wäre meine Botschaft, die Wirklichkeit ist eine Illusion

sagmal.de:
Welche Frage fehlt dir?

Lu Court:
Die Frage: Wird es irgendwann eine neuronale Schnittstelle und ein intuitiv bedienbares Gehirninterface geben?
Die Antwort: Woher soll ich das wissen?

sagmal.de:
Was möchtest du abschließend sagen?

Lu Court:
Es ist zu spät, keiner von uns wird das Leben überleben. Es bleibt nur noch, das Beste daraus zu machen. Also lasst uns genau das tun, ok?!
Außerdem möchte ich dir für das Interview danken.
Seid nett und fair zueinander, ihr Menschen. Das macht das Leben einfacher und angenehmer.
In diesem Sinne, alles Gute

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Das Interview wurde am 28.2.2006 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Lu Court für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen


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