*** Im Vordergrund sollte immer der Besucher stehen und dann kommt erst mal gar nichts.
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Dr. Web - Was Webworker wissen wollen. Dr. Web ist das Online-Magazin für Webdesigner und Homepagekünstler. Es wird seit 1997 von der Firma ideenreich.com herausgegeben. Prägnante und verständlich geschriebene Artikel beleuchten auch Dinge, die nicht sofort ins Auge springen. Dr. Web ist fester Bestandteil der aktiven Internet-Szene. Dr. Web wird von über 310.000 Menschen monatlich gelesen.
Bei Dr.Web schreiben Profis, die früher für viele renommierte Firmen und Zeitschriften gearbeitet haben.
Darunter: Freenet, Lycos/Tripod, Puretec (1+1), Aktion Mensch, Quelle/Karstadt, Heise (c't), Data-Becker, PC-Praxis, Computerbild, Fireball, Stiftung Bertelsmann, Akademie für Publizistik und Internet Professional.
Darüber hinaus hat Dr. Web bereits vier Fachbücher herausgegeben.
Quelle: Dr. Web.
Interview mit Sven Lennartz, geb. 1962, dem Gründer und Betreiber von
ideenreich.com
und Dr.Web
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sagmal.de: Sven, dein Projekt Dr. Web, das 1997 online ging, vertritt die Idee des Lean Designs. Was genau muss man darunter verstehen ? Zukünftig nur weiße Seiten mit schwarzem Text, ist dies die Zukunft des WWW ? |
Sven Lennartz: Nein damit hat es nichts zu tun. Schlankes Design meint, dass man auf überflüssige Komponenten komplett verzichtet. Als Beispiel führe ich da immer Yahoo an, diese Leute sind überaus erfolgreich und schon lange dabei. Der Witz daran, das Layout ist simpel und hat sich über die Jahre nur unwesentlich verändert. Es ist rein zweckorientiert und bietet den Besuchern genau das, was sie haben wollen. Dabei kommt Yahoo mit einfachem HTML aus und verzichtet auf Experimente und Geschrei. Aber so erfolgreich Yahoo auch ist, was für den einen gilt, muss für den anderen noch lange nicht passen. Wäre das ganze Web unter dieser Voraussetzung gestaltet, wäre es höchst langweilig. Man muss unbedingt darauf achten, was man tun will und für wen. Manchmal ist eine schicke Gestaltung eine Notwendigkeit, ein andermal ein Hemmschuh. Das gilt natürlich im besonderen Maße für die Auftritte großer Firmen, die sich gern von Agenturen über den Tisch ziehen lassen und teuer für deren zeitgeistige Experimente bezahlen müssen.
Im Vordergrund sollte immer der Besucher stehen und dann kommt erst mal gar nichts. Wer 200.000 DM für ein paar Flash-Animationen und grafische Gestaltung ausgibt, sonst aber nichts zu bieten hat, ist ein Dummkopf. Das ist wie eine Zeitung ohne Buchstaben oder ein Laden ohne Ware. Anders formuliert: Eine Fassade reicht nicht. |
sagmal.de: Jetzt sind aber mit Flash, JAVA Scripts und Applets und z.B. Style Sheets dynamische Aspekte im Web, die immer mehr eingesetzt werden. Schließlich helfen Sie doch, in gesteigertem Maße, eine Webseite zu gestalten. Interaktivität ist das Schlagwort schlechthin. Auch bei Dr. Web wurden ja in den Surftipps Flash Seiten vorgestellt. Wie passt das mit dem Lean Design zusammen ? |
Sven Lennartz: Dynamisch ist ein seltsames Wort. Es scheint bei den meisten Leuten positiv besetzt; heißt, wenn etwas dynamisch ist, ist es gut. Dahin gucken natürlich alle. Interaktivität sieht dann wie die Steigerung davon aus. Obwohl ich da keine Zusammenhänge erkennen kann. Eine Web-Site ist im Sinne des Wortes ja auch dann dynamisch, wenn sie täglich manuell verändert wird oder besonderen Erfolg hat. Andererseits ist sie angeblich dann bereits interaktiv, wenn man eine Leserbriefspalte veröffentlicht. Animation, aufploppende Fenster und ausklappbare Menüs sind für mich nicht dynamisch sondern Effekthascherei. Flash eignet sich prima, um mal etwas Anderes zu machen und die engen HTML-Grenzen zu sprengen. Aber in Sachen Kommunikation und Information ist es doch eher hinderlich. Es gibt Leute, die von einem neuen Standard sprechen, aber das ist Unfug. Die Zukunft liegt
meiner Meinung nach darin, Informationen so aufzubereiten, dass sie unabhängig von den technischen Hilfsmitteln dargestellt werden können. Egal ob Drucker, Monitor oder Fernseher. Stylesheets und XML werden uns da auf den Weg bringen. Wie eine Seite dann letztlich aussieht, entscheidet der Benutzer, nicht der Designer. Eigentlich brauchen wir bald keine Webdesigner mehr sondern nur noch Leute, die Inhalte erfinden, Software die diese Inhalte aufbereitet und entsprechend strukturiert und Ausgabegeräte, deren Anzeige der Benutzer so verändern kann, wie es seinem Gusto entspricht. |
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sagmal.de: Was war deiner Meinung nach, rein technisch gesehen, die größte Revolution im Web ? Oder besser gesagt, was hatte den größten Nutzwert für die Webgemeinde ? |
Sven Lennartz: Das Web selbst ist die Revolution und das ihm zugrunde liegende HTML. Der Rest ist Staffage. Das muss man wissen, wenn man auf dem Teppich bleiben will. Das revolutionäre am Web ist, das es jeder machen kann und das auch noch überall und zu sehr geringen Kosten. Sofern gewisse Mindestvoraussetzungen gegeben sind. Neue großartige Techniken befördern das nicht, sondern schränken es wieder ein. Man stelle sich vor, Flash wäre anstelle von HTML der Standard. Dann würde wir dieses Interview heute nicht führen. Denn Flash ist teuer und schwierig. Bei weitem nicht jeder kann damit umgehen und es auch nicht immer bezahlen und daran wird sich auch nichts ändern. Je komplizierter das Web wird, desto höher werden auch die Schwellen. Und das ist es ja, was passiert. Das Design wird anspruchsvoller, die Techniken aufwändiger, die Kosten höher. Der Nutzwert besteht darin, dass jeder es nutzen kann und zwar von beiden Seiten her, das heißt sowohl als Anbieter als auch als "Konsument" und zwar ohne den Rattenschwanz an Bürokratie, ohne Hemmungen, ohne Reichtümer und Macht. Das Internet ist schnell und die Kommunikation direkt. |
sagmal.de: Wird sich das Web auf Dauer noch stark verändern, oder ist bereits ein Ende der Entwicklungen in Sicht ? Sehen wir jetzt bereits ein erwachsenes Web, oder noch einen Teenager ? |

Sven Lennartz: Eher einen Säugling, allerdings einen ziemlich prallen. Niemand weiß, was aus der Sache einmal wird. Das ganze ist so durchdringend und groß, dass mir daran einfach die Vorstellung versagt. Selbst der Computer ist noch nicht fertig. Eines darf man aber wohl mit Fug und Recht behaupten, das Netz wird zu etwas so selbstverständlichem wie es heute das Fernsehen ist. |
sagmal.de: Das neueste Kind, mit dem sich Webworker beschäftigen müssen, sind WAP Seiten, also Seiten, die man sich mit dem Handy, einem Pilot oder Kleinstcomputern ansehen kann. Wird sich Dr. Web auch damit beschäftigen, sind gar schon Beiträge geplant oder in Arbeit |
Sven Lennartz: Haben wir im Rahmen des Newsletters schon gemacht. Da WAP Seiten lächerlich klein sind, gibt es auch keinen großen Befehlssatz, wo sollte der auch bleiben? Es ist schnell gelernt und benutzt. Eigentlich ist WAP das krasse Gegenteil vieler ansonsten laufender Entwicklungen. Und es wird grob überschätzt. Uhren mit denen man fernsehen kann, haben sich auch nicht durchgesetzt. Das liegt gar nicht einmal an dem winzigen Display sondern an den viel zu vielen und viel zu kleinen Tasten. Eine derart unpraktische Sache wird keiner regelmäßig benutzen wollen, bestenfalls aus Neugier oder Notwendigkeit, aber letztere dürfte nur selten gegeben sein. *Anmerkung: Nach dem Interview wurde eine Seite mit Links und Einzelheiten zur WAP Technik auf der Dr.Web Seite vorgestellt, konnte im Interview jedoch nicht mehr berücksichtigt werden.
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sagmal.de: Wie surft Sven Lennartz durchs Web ? Mit Suchmaschinen, querbeet, von Link zu Link, oder nur nach Vorschlägen von Lesern ? Bleibt überhaupt noch Raum, bestimmte Seiten privat zu suchen und zu besuchen, oder nimmt das Surfen im Namen von Ideenreich und Dr. Web zu viel Zeit in Anspruch? |
Sven Lennartz: Ich nutze alle Möglichkeiten, die sich bieten. Egal ob Suchmaschine, Verzeichnis, Link oder Empfehlung. Bei uns liegen stapelweise Fachzeitschriften und Bücher herum, über die vieler Email Kontakte, Leserbriefe und Newsletter ergeben sich zusätzlich eine Menge interessanter Ziele. Der Stoff geht einem da nie aus. Und wenn gerade nichts auf dem Zettel steht, wird gebastelt und experimentiert. Schließlich gibt es noch viele unentdeckte Perlen und ständig kommt etwas Neues hinzu. Darüber hinaus habe ich allerdings keine Interessen, da ich mein Privatleben längst abgeschafft habe. |
sagmal.de: Was würdest du den Internetusern im Umgang mit dem Web raten. Wie sollten sie mit der propagierten grenzenlosen Freiheit umgehen, was sollten Sie berücksichtigen ? |
Sven Lennartz: Ein wenig Zurückhaltung und Nachdenken stehen jedem gut zu Gesicht. Das Netz ist zwar schnell, aber Lichtgeschwindigkeit gibt es hier auch nicht. Heißt, eine gute Portion Geduld ist eine feine Sache. Wer sich von den vielen Möglichkeiten erschlagen fühlt, muss halt ein bisschen langsamer machen. |
sagmal.de: Du hast im Internet schon mehrere Interviews gegeben, unter anderen deinem freien Autor Ralph Segert bei der Verleihung des KRIT Apfels und Peter Djordjevic. Welche Frage hast du bisher vermisst ? Welche Frage würde Dr. Web, der ja auch Interviews durchführt, Sven Lennartz stellen und wie würde die Antwort darauf lauten ? |
Sven Lennartz: Wahrscheinlich hast du es noch gar nicht bemerkt, aber für gewöhnlich sind die Interviewer so beeindruckt, dass sie sofort zu freien Autoren unseres Magazins werden. |
sagmal.de: Letzte Frage, Sven: Stell dir vor, es gäbe im Internet, ähnlich dem Schauspiel, einen Ifflandring. Du würdest als Preisträger diesen Ring tragen und müsstest diesen an einen würdigen Nachfolger weitergeben. Es müsste ein Mann oder eine Frau sein, der/die sich um das Internet in Deutschland besonders verdient gemacht hat. Wer käme da für dich nur in Frage und warum ? |
Sven Lennartz: Meines Erachtens gibt es im Deutschen Internet keine Stars, lediglich ein paar Leute, die ein wenig bekannter sind als andere, aber das ist noch kein Wert an sich. Und Leute, die im Hintergrund gemeinnützige Wohltaten für das Netz vollbringen, sind mir nicht bekannt, die muss man woanders suchen. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen nüchtern, aber das Netz ist der Star.Das Interview wurde im Dezember 1999 in Form eines E-Mail Interviews geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Sven Lennartz für die Beantwortung unserer Fragen.
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