*** Wenn es uns nicht gäbe, müsste man uns erfinden. Warum ich das sage: Weil das leidige Geld immer knapper wird … Dabei ist die Literatur die preiswerteste und dankbarste aller Künste. Und trotzdem besteht mein Job größtenteils daraus, schon wieder um ein paar Kröten betteln zu gehen.
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Dr. Herbert Knorr, 1952 in Gelsenkirchen geboren, Bankkaufmann, Abitur, Studium der Germanistik und Geschichte und wiss. Mitarbeiter an der Mercator-Universität Duisburg. 1988 Promotion.
Seit 1994 Leiter des westfälischen Literaturbüros in Unna.
Ausgebildeter Bankkaufmann, promovierter Germanist.
Er veröffentlichte unter anderem Arbeiten über Walser, Goethe, Dürrenmatt und Schnitzler, er ist zuständig für Autoren- und
Literaturförderung in NRW.
Im Jahr 2002 erfand Dr. Knorr das Festival "Mord am Hellweg", das inzwischen das größte internationale Krimifestival Europas geworden ist.
www.wlb.de
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sagmal.de:
Dr. Knorr, Sie sind Leiter des Westfälischen Literaturbüros in Unna.
Was macht diesen Job aus?
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Dr. Herbert Knorr:
Alles. – Na ja, sehr Vieles und Vielfältiges. Zumindest was die Literatur betrifft. Wir sind ein Büro zur Literatur- und Autorenförderung in NRW und für NRW, so der offizielle Satzungszweck. Das Westfälische Literaturbüro versteht sich als Lobbyeinrichtung für Literatur. Es schafft Foren des Dialogs, pflegt den Austausch zwischen Autorinnen und Autoren und ihren Lesern, fördert und initiiert literarische Entwicklungen, erweitert literarische Horizonte, hilft Talenten und eröffnet Schriftstellern Perspektiven. Wir unterstützen als Infrastruktureinrichtung Städte, Gemeinden und Regionen in ihrer Literaturarbeit. Beratung für Autoren und den literarischen Nachwuchs sowie für Literaturvermittler, Maßnahmen zur Weiterbildung sowie konzeptionelle Entwicklung und organisatorische Durchführung von Literaturveranstaltungen sind die Säulen unserer Arbeit und damit auch meiner. Wir geben zudem alle drei Monate eine Infozeitschrift, die "Lit*Form“, heraus und betreiben seit fünf Jahren eine Literaturdatenbank für NRW. Da wir nur mit 1,7 Regelkräften arbeiten, können Sie sich vorstellen, dass da mitunter die Hölle los ist. Ein Agent, bei dem ich einmal vor 25 Jahren einen Job haben wollte, hat mir mal gesagt: Bei mir geht es nicht nur um große Ideen, sie müssen dem Künstler gegebenenfalls auch mal das Toilettenpapier anreichen. Allerdings will ich auch nicht übertreiben, bei Großprojekten kommen mitunter auch Projekt- und Zeitarbeitskräfte hinzu …
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sagmal.de:
Und das Geld spielt keine Rolle?
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Dr. Herbert Knorr:
Geld spielt immer eine Rolle. Wussten Sie das etwa nicht? Hat man Ihnen das nicht in der Schule beigebracht?
Ein Kollege von mir sagt immer, wenn das, was wir tun, also wir Literaturbüros in NRW, und in welcher Qualität wir es tun, einer Agentur übertragen würden, kostete alles das Drei- bis Vierfache. Recht hat er ….Wenn es uns nicht gäbe, müsste man uns erfinden. Warum ich das sage: Weil das leidige Geld immer knapper wird … Dabei ist die Literatur die preiswerteste und dankbarste aller Künste. Und trotzdem besteht mein Job größtenteils daraus, schon wieder um ein paar Kröten betteln zu gehen. Jetzt wo ich das so sage, vielleicht mache ich deshalb so gerne Krimifestivals. Um einige außergewöhnliche Anregungen zu bekommen, wie man am besten an Knete für Kultur kommen kann … Allerdings, es gibt ja nicht einmal den perfekten Mord …
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sagmal.de:
Wie kommt man dahin? Man wird ja nicht einfach Leiter eines Literaturbüros.
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Dr. Herbert Knorr:
Es gibt zumindest keinen Lehrberuf "Literaturbüroleiter“. Ich kann nur sagen, wie ich dahin gekommen bin. Meine literaturwissenschaftliche Ausbildung hat mir sicherlich dabei geholfen. Auch, dass ich mich früh für Gegenwartsliteratur, auch auf der lokalen und regionalen Schiene interessiert habe, auch für Konzepte des Kreativen Schreibens, oder dass ich Bücher gemacht oder bei einem regional tätigen Literaturverein gearbeitet habe und Konzepte entwickelt habe, die ihr Publikum fanden. Ich habe übrigens Bankkaufmann gelernt und den Beruf auch ein paar Jahre ausgeübt. In Bezug auf Finanzierungspläne macht mir niemand so leicht etwas vor …
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sagmal.de:
Sie organisieren zusammen mit ihrem Team nun schon zum dritten Mal das Festival "Mord am Hellweg“. Was genau ist das?
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Dr. Herbert Knorr:
Mord am Hellweg – das ist nichts weniger als das größte internationale Krimifestival Europas. Die Region Hellweg liegt praktisch mitten in Europa, an den Schnittstellen großer europäischer Verkehrswege. Das war auch schon in ältester Geschichte so. Hier muss und musste praktisch alles durch, was von Ost nach West, von Nord nach Süd wollte oder umgekehrt. Auch Autoschieber und andere Verbrecher. Von daher haben wir gedacht, ein internationales Krimievent hier, in dieser Region, das passt doch. Vertreten sind auf dem Festival die besten deutschen Crime Writers sowieso, und dann internationale Namen aus rund 20 Ländern. Wir hatten u.a. bereits Liza Marklund, Val McDermid, Philipp Kerr, Faye Kellerman, Wolf Haas, Garry Disher, Polina Daschkowa, Fred Vargas und viele andere hochkarätige Namen zu Gast. Das Schöne an unserem Festival ist aber, dass es wunderbar in die Region zwischen Dortmund, Unna und Lippstadt, Hamm und Hagen, die Kulturregion Hellweg, eingepasst ist. Wir berücksichtigen auch immer wieder regionale Autoren, die so regional letztlich gar nicht sind. Denken wir nur an Jürgen Kehrer, der ganz in der Nähe wohnt und mit seinen Wilsberg-Krimis in ganz Deutschland einen sehr guten Ruf hat. Mord am Hellweg – das steht neben seiner regionalen Einbettung vor allem für Internationalität, für Exklusivität, für Qualität und immer wieder neue Ideen und Präsentationsformen. Vor allem auch für viel Witz und Spaß. Und die Zuschauer danken es uns. Es werden immer mehr …
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sagmal.de:
So ein Event zu organisieren beinhaltet eine Menge Arbeit. Ist das Ihre "kriminelle“ Energie?
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Dr. Herbert Knorr:
Energie reicht völlig. Das Kriminelle überlasse ich gerne den Profis, das heißt in diesem Falle den Autoren. Und von der Arbeit reden wir nicht. Dafür werden wir bezahlt …
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sagmal.de:
Was bedeutet Ihnen der Krimi? Machen Sie den Unterschied U- und E- Literatur?
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Dr. Herbert Knorr:
Von Krimis halte ich sehr viel, weil ich berufsbedingt ja viele Krimis lesen muss. Eher am Wochenende oder nachts übrigens. Das ist meist unbezahlte Arbeit. Aber ich tue es auch gerne. Den Unterschied zwischen U- und E-Literatur mache ich nicht wirklich. Genauso wenig, wie ich zwischen Kinder- und Jugend- auf der einen und Erwachsenenliteratur auf der anderen Seite unterscheide. Autoren für die verschiedenen Bereiche sind immer Autoren und entscheidend ist nur, ob sie gut sind. Das gilt auch für die Kriminalliteratur, deren Qualität sich ja in den letzten Jahren ganz ordentlich entwickelt hat. Im übrigen nicht nur international, sondern vor allem auch in deutschen Landen. Das wird immer noch sehr unterschätzt. Es gibt mitunter zwar noch Grässliches zu lesen, auch bei einigen, die auf der Bestsellerliste ganz oben stehen, aber darüber habe ich öffentlich zu schweigen. Da kann sich jeder selbst ein Bild machen, wenn er Krimis liest. Aber letztlich gilt das auch für die Literatur, die sich E-Literatur nennt. Und auch da mitunter bei den ganz Großen. Machen Sie sich mal den Spaß und schreiben sich bestimmte Abschnitte aus Büchern ab. Nehmen Sie den Texten ihre Aura, die meist nur die Buchdeckel bewirken. Da wird schnell manches E zum U und manches U zum E. Für mich ist dies das beste Verfahren, um zu entdecken, dass auch die Größten oft nur mit Wasser kochen. Oder sie hatten schlichtweg einen schlechten Übersetzer oder Lektor.
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sagmal.de:
Welche Highlights werden wir bei "Mord am Hellweg“ 2006 zu erwarten haben?
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Dr. Herbert Knorr:
Für 2006 stehen bereits Ake Edwardson, Barbara Nadel, Val McDermid, Francis Fyfield, Leena Lehtolainen oder Alicia Giminez-Bartlett fest. Und auch mit Minette Walters werden wir dieses Mal was machen. Doch das ist noch ein großes Geheimnis. Aber wir haben gerade erst angefangen. Im deutschen Bereich haben zugesagt: Jan Seghers, Irene Rodrian, Astrid Paprotta, Friedrich Ani, Oliver Bottini, Anne Chaplet, Norbert Horst und Bernhard Jaumann, und das ist nur der kleinere Teil ganz wichtiger Namen. 2006 steht übrigens auch unter dem Motto "Crime mobile – eine Region in krimineller Bewegung“ und dazu werden wir uns besondere Veranstaltungsformen einfallen lassen. Wir werden dieses Mal spanische, italienische oder nordische Nächte haben. Und einige ganz gefährliche interessante Veranstaltungsorte, die wir jetzt noch nicht verraten möchten. Insgesamt werden es dieses Mal mindestens 80 Veranstaltungen sein. Wahrscheinlich werden wir sogar die 100 überschreiten.
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sagmal.de:
Eine so große Veranstaltung kann man sicher nicht alleine organisieren. Woher bekommen Sie Hilfe?
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Dr. Herbert Knorr:
Mord am Hellweg ist zentral organisiert, wird jedoch dezentral in 20 Städten, Kreisen und Gemeinden der Region durchgeführt. Das heißt, wir haben für die Veranstaltungsorganisation gleich 20 Verbündete und viel Unterstützung vor Ort. Der wichtigste Partner ist allerdings der Bereich Kultur der Stadt Unna, die Stadt, in der das WLB seinen Sitz hat. Neben dem Westfälischen Literaturbüro ist die Stadt Unna Hauptveranstalter fürs Projekt. Deshalb findet in Unna im Zirkus Travados auch immer die Auftaktgala statt. Die Leiterin des Unnaer Kulturbereichs, Sigrun Krauß, ist mit in der Projektleitung und ohne sie und ihre Mitarbeiterinnen wäre die Arbeit kaum zu stemmen. Wir stimmen uns in allen wichtigen Fragen ab. Dazu kommt natürlich noch, dass auch auf den politischen Ebenen seit jeher die Arbeit des WLB wohlwollend gefördert wird. Und "Mord am Hellweg“ sowieso. Das ist ein Renner. Da setzen sich dankenswerterweise viele Politiker ein. Denn das Programm ist so groß, dass wir viele Lobbyisten benötigen.
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sagmal.de:
Wie bekommen Sie alles unter einen Hut?
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Dr. Herbert Knorr:
Weiß ich nicht. Aber irgendwie geht es.
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sagmal.de:
Wo gibt es dabei die meisten Probleme?
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Dr. Herbert Knorr:
Das ist kaum zu sagen. Wie immer ist die Finanzakquise trotz einer großen Akzeptanz des Projektes im Land NRW und hier in der Region stets sehr schwierig und nervenaufreibend. Vor allem, weil wir meist erst kurz zuvor wissen, mit wie viel Mitteln wir endgültig arbeiten können. Das ist im Grunde seit Jahren ein Skandal, aber das ist nicht nur unser Problem. Ich glaube, die Politiker, die die Haushalte so spät verabschieden, haben nicht die Spur einer Vorstellung, was das für große, aber auch für viele kleine Kulturprojekte bedeutet. Die neue Landesregierung in NRW sendet allerdings Signale aus, das sie vielleicht etwas ändern wird. Mal sehen.
Ansonsten ist es eher eine Problem-Gemengelage. Mal klappt die Kommunikation zwischen Hauptveranstalter und Veranstalter nicht so recht, mal wollen oder können die Verlage einem nicht die Wünsche erfüllen, die man hat, andermal zieht die örtliche Buchhandlung nicht mit, obwohl man zuvor tausend Mal angerufen hat, dass genügend Bücher des Autors xy geordert werden sollen. Aber solange das Publikum es nicht merkt, wo mitunter der Teufel drinsteckt, dann ist es gut … aber das sind die üblichen Probleme, nichts Gravierendes …
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sagmal.de:
"Mord am Hellweg“ ist auch Literatur an ungewöhnlichen Veranstaltungsorten, das kennt man inzwischen auch aus anderen Städten. Hat sich das Konzept abgenutzt?
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Dr. Herbert Knorr:
Nein, wieso? Das sind doch die Veranstaltungen, die als erstes ausgebucht sind. Im übrigen war unser Büro eines der ersten, die das gemacht haben. Allerdings nicht für den Krimi. Wir hatten sozusagen Vorreiterfunktion. Erst für Kinder, Anfang bis Mitte der 90er Jahre, dann 1997 an der Autobahn A45, im Sauerland mit "Winterpoesie“ 1998 oder mit "Stimmengewirr“ (mit Autoren aus 22 Ländern 1999). Aber ich habe andererseits überhaupt nichts gegen eine klassische Lesung. Wo es angebracht ist, Autor und Wort absolut in den Vordergrund zu stellen, ist das die Präsentationsform schlechthin. Da kann man über die Gummibäume lästern, wie man will.
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sagmal.de:
Was zieht das Publikum mehr? Der Ort (zum Beispiel die Lesung im Erotik Club) oder die Literatur?
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Dr. Herbert Knorr:
Das ist eine Frage, die so nicht zu beantworten ist. Wir bieten ja etwas als Einheit an, und der Ort lebt von der gelesenen Literatur und die Literatur von der Atmosphäre des Ortes. Natürlich ist ein Bordell als Veranstaltungsort attraktiv, denn wenn ich zur Literatur gehe, habe ich einen Grund, endlich mal so einen Club anzuschauen. Oder wenn wir im Herbst 1400 m tief unter die Erde gehen. Aber ich habe bisher bei diesen ausgefallen Acts noch niemals jemanden gefunden, der nicht aufmerksam der Literatur zugehört hätte. Wenn wir also Leute über die Orte zur Literatur locken, die damit gemeinhin nichts zu tun haben und die am Ende der Veranstaltung dann auch noch ein Buch kaufen. Was will das Herz eines Literaturförderers mehr?
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sagmal.de:
Gibt es Veranstaltungen der Reihe, auf die Sie besonders stolz sind?
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Dr. Herbert Knorr:
Nein. Ich persönlich bin auf die Reihe stolz. Denn diese Vielzahl an unterschiedlichen Angeboten in 20 Städten zu koordinieren mit der Vielfalt und Qualität des Programms – das ist die eigentliche Leistung. Einen Henning Mankell oder eine Donna Leon in einem zentralen Literaturhaus zu präsentieren, das kann jeder … das sind Selbstläufer. In einer Region, die zwar an die großen Zentren angebunden ist, aber dennoch mehr aus Mittel- und Kleinstädten besteht, so ein großes Festival mit diesem riesengroßen Erfolg aufgebaut zu haben, so dass die Leute mittlerweile aus ganz NRW und darüber hinaus zu uns pilgern, das freut uns alle hier, die wir daran beteiligt sind. Wenn wir denn mal Zeit dazu finden …
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sagmal.de:
Und welche würden sie am liebsten vergessen?
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Dr. Herbert Knorr:
Top Secret ….
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sagmal.de:
Bisher gab es immer eine Anthologie mit Kriminalgeschichten zum Event. Wird das diesmal wieder so sein?
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Dr. Herbert Knorr:
Ja, natürlich, mit diesem Band haben wir in den Jahren zuvor ein großen Erfolg gehabt.
Und wir haben auch 2006 wieder die Besten der Besten dabei wie Friedrich Ani, Anne Chaplet, Doris Gercke, Norbert Horst, Jacques Berndorf, Horst Eckert und viele viele andere. Das kommt an, weil jeder Ort, der am Projekt beteiligt ist, seine eigene Krimigeschichte erhält. Denn der Ort muss obligatorisch im Titel der Auftragsgeschichte erscheinen. Die Leute mögen es und wir schaffen damit eine starke Einbindung der Region. Und nachdem wir das 2002 begonnen haben, haben wir schon einige Nachahmer, u.a. am Niederrhein oder in Bayern, gefunden. Da haben wir übrigens gar nichts gegen – Hauptsache es nutzt der Literatur.
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sagmal.de:
Bei welchem Verlag wird das Buch erscheinen und unter welchem Titel?
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Dr. Herbert Knorr:
Im Grafit-Verlag in Dortmund. Also bei uns um die Ecke. Ein starker Partner übrigens, der auflagenstärkste deutsche Krimiverlag mit tollen Autoren und Autorinnen. Im Moment gibt es nur einen Arbeitstitel, der wie das Projekt selbst heißt: "Mord am Hellweg III“.
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sagmal.de:
Nach welchen Gesichtspunkten suchen Sie und Ihr Mitherausgeber H. P. Karr die Autoren aus?
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Dr. Herbert Knorr:
Sie sollten Krimi-Kurzgeschichten schreiben können. Wenn das Kriterium erfüllt ist, vergeben wir exklusive Auftragsarbeiten an die besten deutsche Krimiautorinnen und -autoren, die wir zuvor zur Beteiligung eingeladen haben. Ein, zwei Autorinnen und Autoren kommen auch aus unserer Region selbst.
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sagmal.de:
Gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Autoren als schwierig?
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Dr. Herbert Knorr:
In der Regel nicht. Krimiautorinnen und -autoren sind sympathische Zeitgenossen.
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sagmal.de:
Wo ist es schwieriger? Bei Anthologien oder Veranstaltungen?
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Dr. Herbert Knorr:
Das lässt sich so einfach nicht beantworten. Wenn die örtliche Buchhandlung allerdings ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat (was selten genug ist), und ihre Bücher nicht dabei haben, dann können Autoren schon mal eine Art Jack the Ripper werden, wofür ich sogar Verständnis habe. Zum Glück hat bisher niemals jemand ein Skalpell dabei gehabt. Und bei Anthologien? Autoren sind in der Regel schlechte Leser. Sie lesen die Unterlagen, die sie kriegen, nicht oder nicht richtig. Oder verlegen sie. Das kann dann schon einmal zu Irritationen führen, wenn statt der verlangten 14 Normseiten die doppelte Seitenanzahl abgeliefert wird. Aber das hält sich in Grenzen.
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sagmal.de:
"Mord am Hellweg“ hat den Krimi in Deutschland maßgeblich hervorgehoben. Inzwischen gibt es kaum noch eine Region ohne den passenden Krimi. Ist das nicht bald ausgereizt?
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Dr. Herbert Knorr:
Das weiß ich nicht. Anders gesagt, für andere Städte kann ich das nicht beurteilen. Für uns gilt: Solange die "Mord am Hellweg“-Bücher gekauft und die Veranstaltungen gebucht werden, sehe ich das nicht. Und wir wissen jetzt schon, bevor wir nur eine Werbung rausgeschickt haben, dass wir 2006 mehr Publikum für und mit "Mord am Hellweg“ erreichen werden als beim letzten Mal. Wenn manche meinen, es sei ausgereizt, dann haben sie meines Erachtens etwas falsch gemacht. Man muss in vielen Dingen einen langen Atem haben.
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sagmal.de:
Was kommt nach dem Regio-Krimi bzw. wohin geht die Krimi-Literaturlandschaft?
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Dr. Herbert Knorr:
Auch hier muss ich weitgehend passen. Ich bin kein Mann für Prognosen, weil alle diejenigen, die was prognostizieren, in der Regel, sorry, auf die Schnauze fallen. Außerdem ist der Regio-Krimi ja sowieso nur eine Variante derjenigen, die ihm das Etikett verpasst haben. Wenn eine Story gut ist, dann ist es mir wurscht, ob sie in der Eifel, in Hamburg, in Frankfurt, auf Gran Canaria oder in Südschweden oder eben am Hellweg spielt. Mankell ohne Südschweden ist nicht denkbar. Grass ohne Danzig übrigens auch nicht. Brown nicht ohne den Vatikan (auch eine Region?). Berndorf kaum denkbar ohne die Eifel. Undsoweiterundsofort. Nehmen sie Chaplet und Seghers. Beide setzen mit ihren jüngsten Büchern auf Frankfurt am Main. Ihre Krimis werden beim einen zu eine Art Stadtführer, bei der anderen zum atmosphärisch-historischen Silhouettenfächer. Beide nutzen, wenn auch in unterschiedlicher und hier nicht zu beurteilender Weise die Mainregion. Und trotzdem sind es nicht in erster Linie "Regio-Krimis“. Und trotzdem: Es wird meines Erachtens niemals einen Krimi geben, der nicht von seiner Region lebt. Der Finne Taavi Soininvaari schreibt atemberaubende internationale Thriller. Bei ihm ist die Landschaft Europas die Region. Vielleicht gibt es einmal ein Krimileben ohne die Schublade Regio-Krimi, aber konkrete Landschaften und Städte werden die Autorinnen und Autoren für ihre Verbrechen immer benötigen.
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sagmal.de:
Lesen Sie privat auch Krimis? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?
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Dr. Herbert Knorr:
Ja, siehe oben. Ich lese querbeet, was mir interessant erscheint. Oder was mir empfohlen wird. Von den Verlagen oder auch von Freunden, Mitarbeitern. Ich gehe auch gerne in Buchhandlungen und frage die Buchhändler, was denn die Leute so kaufen? Vorlieben habe ich keine. Nur Bücher mit schlechten Covern und schlechten Klappentexten, die mag ich überhaupt nicht.
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sagmal.de:
Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie auch schon Krimis geschrieben haben. Unter Ihrem Namen findet man dazu aber nichts. Ist das ein Geheimnis, dass Sie lüften möchten?
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Dr. Herbert Knorr:
Interessante Frage. Muss ich mich mal informieren.
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sagmal.de:
In den vergangenen Jahren waren immer besondere Werbeträger ein hervorstechendes Merkmal des "Mord am Hellweg“. 2002 war es eine Boulevardzeitung, 2004 ein Prospekt, der an große Discount-Ketten erinnerte. Was wird 2006 das Augenmerk auf sich ziehen?
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Dr. Herbert Knorr:
Es steht schon fest, was wir machen werden, aber etwas Spannung muss sein. Schließlich machen wir ein Krimifestival. Europas größtes noch dazu.
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sagmal.de:
Wie wichtig ist Ihnen das Internet?
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Dr. Herbert Knorr:
Sehr wichtig. Ich würde mich erschießen, wenn ich auf Dauer keinen Zugriff mehr hätte.
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sagmal.de:
Es gibt noch den Dr. Herbert Knorr jenseits der Krimis. Er beschäftigt sich mit Sterndeutung der besonderen Art. Möchten Sie uns darüber etwas erzählen?
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Dr. Herbert Knorr:
Na ja, es gibt einen Herbert Knorr, der literaturwissenschaftliche Aufsätze, eine Literaturgeschichte geschrieben, viele Bücher herausgegeben hat und sich eben mit Sternen beschäftigt hat. Die sind allerdings auf dem Boden zu finden. Und in einem Sachbuch mit dem Titel "Der Himmel ist unter uns. Die Entdeckung des ersten Weltwunders …“ Es ist eine Entdeckungsgeschichte, eine Art Sachbuchkrimi. Der Mitautor Wolfgang Thiele hat die Entdeckung gemacht. Ich habe dann später daran mitgearbeitet. Wir gehen damit immer noch auf Vortragstour, mittlerweile sogar im Ausland. Es ist ein unglaubliche Geschichte, über die man sich unter www.dasersteweltwunder.de informieren kann. Das Buch hat übrigens 600 Seiten und ist im Verlag Henselowsky Boschmann erschienen. Wer sich für Archäoastronomie interessiert: Mit diesem Buch ist er gut bedient.
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sagmal.de:
Welche Frage habe ich vergessen?
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Dr. Herbert Knorr:
Sind Sie glücklich? Haben Sie einen Traum? Wer ist ihre Lieblingschauspielerin? Haben Sie eine große Liebe … etc. etc. etc. … Ach ja, wer ist Ihr Lieblingskrimiautor … ? Ich danke dafür, dass all diese Fragen nicht gestellt wurden. Ich hätte sie nicht beantwortet.
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Das Interview wurde am 13.3.2006 per Mail geführt. Die Fragen stellte Ulrike Renk, freie Mitarbeiterin von sagmal.de. Wir danken Dr. Herbert Knorr für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen |
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