*** Eines meiner Ziele – oder ist es ein Traum? – ist, dass die Ungleichheiten zwischen Menschen endlich aufhören. Ungerechtigkeiten kann ich einfach nicht vertragen. Gar nicht!
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Franziska Kelly,
Diplompsychologin; freie Autorin für Wissenschaft, Belletristik und Sport;
Studium: Sprachwissenschaft, Psychologie, Zoologie und Kunstgeschichte in Spanien und Deutschland;
Beruf: 6 Jahre im IBM-Science Center, 3 Jahre an der Uni Heidelberg,
15 Jahre Arbeit in Menschenrechtsorganisationen;
Hobbies: Musik hören (Klassik, Oper Rock’n Roll), Fußball und Boxen gucken, Inline Skaten, mit meinen Katzen spielen.
Franziska ist Betreiberin von
www.franziska-Kelly.de
"The sweet Science of Boxing"
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sagmal.de:
Franziska, warum müssen sich solch zarte Geschöpfe in einem Boxring gegenüber stehen und aufeinander einprügeln? Gibt es keine Sportarten, die für Frauen geeigneter sind? Rhythmische Sportgymnastik oder Nasenklammerschwimmen, oder sowas?
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Franziska Kelly:
Hihi... Doch gibt es: Wetthäkeln zum Beispiel ;-P
Nein, im Ernst: Wenn wir Frauen so ???zarte Geschöpfe“ wären, würden wir eine Schwangerschaft vermutlich nicht überleben... Und was das Boxen angeht, da sehen die Leute ja meist nur das Profiboxen - und dann vor allem die Schwergewichtler. Dabei boxen Männer und Frauen aus vielen Gründen: für die reine Fitness (genau wie Florettfechten, Karate oder Jiu Jitsu), für die Selbstverteidigung, für Wettkämpfe im Amateurbereich und eben auch für eine professionelle Laufbahn. Boxen ist im Idealfall ???Fechten mit den Fäusten“. Mit diesen teils wilden Schlägereinen wie beim Promi-Boxen hat das nichts zu tun. Nicht umsonst stammen die ersten Regeln für das heutige Boxen von einem Fechtmeister! Die Technik des Boxens zu erlernen ist sehr schwierig; für Körper und Kopf. Und genau das fasziniert Frauen genauso wie Männer.
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sagmal.de:
Wie kam es zu deiner Webseite? Stand da von Anfang an die Idee, für das Frauenboxen wirken zu wollen, Pate? Oder war Alles ganz anders?
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Franziska Kelly:
Letzteres! Ich war 2003 total frustriert, weil ich längere und tiefgründigere Artikel in den zur Verfügung stehenden Medien einfach nicht unterbekam. Ich bin ja von Haus aus Psychologin und interessiere mich daher brennend für das Verhalten und Erleben von Menschen. Beim Boxen gibt es so vielfältige Aspekte! Ich nenne Dir mal ein paar Themen: Boxhistorie, Boxen und Erotik, Boxen und Gewalt, Boxen und Kunst usw. Dann auch sportpsychologische Analysen von einzelnen Kämpfen; oder Untersuchungen, die zeigen, dass Boxtraining für Kiddies zur Gewaltprävention beiträgt. Dann dachte ich, dass es sicher noch mehr Leute gibt, die sich für diese vielfältigen Themen um den Boxsport herum interessieren. Also kam ich auf die Idee mit einer eigenen Webseite. Die ersten Webstatistiken gaben mir Recht: Ab Start im Oktober 2003 haben wir pro Woche um die 1.500 eindeutige Visits. Das ist viel für eine Nische, finde ich.
Übrigens ist Frauenboxen nur EIN Thema bei uns.
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sagmal.de:
Und warum der Titel "The Sweet Science of Boxing"?
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Franziska Kelly:
Ich bin ein Riesenfan des Ex-Champions Lennox Lewis. Seine alte Webseite hatte ein wunderschönes Flash-intro, das mit diesem Credo der ???Sweet Science“ des Boxsports begann. ???It’s the thinking mens sport...“ – so ging es weiter. Lennox ist Schachspieler und eine sehr intelligente Person. Daran siehst Du, dass mir das technische Boxen, das Fechten mit den Fäusten, sehr am Herzen liegt.
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sagmal.de:
Wer steckt hinter dem Ganzen? Wer ist die Frau, die unter anderem Psychologie, Psycholinguistik und Zoologie studiert hat, Klingonisch zu ihren Lieblingssprachen zählt und Unterwürfigkeit bei Frauen nicht leiden kann?
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Franziska Kelly:
Kurz gesagt: ein Mensch mit zahlreichen Interessen, Zielen und Träumen. Eines meiner Ziele – oder ist es ein Traum? – ist, dass die Ungleichheiten zwischen Menschen endlich aufhören. Ungerechtigkeiten kann ich einfach nicht vertragen. Gar nicht! Zum Klingonischen: das ist kein Witz. Ich bin ein SF-Fan. Meine Lieblinge sind Data und Worff. Etwas Klingonisch habe ich per CD und Buch gelernt, weil ich das für einen Krimi brauchte, an dem ich gerade schreibe.
Hinter dem Ganzen steckt aber auch Casjopea, meine Lieblingswebdesignerin und Freundin. Ohne sie gäbe es die Seite nicht.
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sagmal.de:
Du hast selbst Interviews geführt. Wer fehlt dir in deiner Sammlung? Wer wäre für dich der liebste Interviewpartner? Vitali? Lennox? Mike? Oder ganz ein Anderer?
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Franziska Kelly:
Wieder Letzteres. Die Klitschkos interessieren mich als Interviewpartner nicht wirklich. Die reden gebetsmühlenartig nur von ihrem Traum, gemeinsam Weltmeister zu werden. Auch das Drumherum ist mir zu plakativ, zu oberflächlich, zu milchschnittig. Lennox hat sich von der Boxbühne verabschiedet, und Mike Tyson ist aus meiner Sicht kein Boxsportler, sondern vor allem ein Schläger und Vergewaltiger. Interessante Persönlichkeiten wären Dariusz Michalczewski (dessen Autobiographie habe ich gerade rezensiert), Marisha Siauw, Luan Krasniqi, Bert Schenk und die neuen Profiboxerinnen im Universum-Boxstall. Die Amis interessieren mich als Europäerin weniger.
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sagmal.de:
Ich hab bei der Recherche zu diesem Interview alles über deine Aktivitäten zur Zulassung von Frauenboxen bei Olympia gelesen. Wo siehst du das eigentliche Problem bei den Verantwortlichen?
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Franziska Kelly:
In ihrem stockkonservativen Männer- und Frauenbild; in ihrer Unfähigkeit, Vielfalt zuzulassen; aber auch in ihren Vorurteilen gegenüber dem Boxen an sich.
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sagmal.de:
Wer könnte diesen Zustand ändern? Und wie?
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Franziska Kelly:
Die Verantwortlichen... Sie müssten all die Bestimmungen und Beschlüsse zur Gleichberechtigung vom reinen Papiertiger-Dasein in die Lebenswirklichkeit transportieren. Bedenken wir, dass die vielen nationalen und internationalen Papiere das Ergebnis der Arbeit von Menschen ist, die wir von unseren Steuergeldern bezahlen(!), dann ist die Sache aus dieser Perspektive mehr als nur ärgerlich. Ich persönlich komme mir da ???verkackeiert“ vor.
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sagmal.de:
Hast du bei deinem Kampf gegen die Betonköpfe der Institutionen irgendwelche Unterstützung erfahren?
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Franziska Kelly:
Ja, von einem engagierten und aufgeschlossenen Mitarbeiter des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, von meinem sehr geschätzten Kollegen und Mitstreiter André Wiechens und natürlich von meiner Webdesignerin Casjopea, die alles so toll umsetzt.
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sagmal.de:
Wagst du eine konkrete Vorhersage? Wann wird Frauenboxen olympisch?
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Franziska Kelly:
Gemeine Frage ;-) Realistisch scheint mir als alter Lobbyistin 2012 zu sein. Aber ich freue mich natürlich riesig, wenn es bereits 2008 klappen sollte! Für die deutschen Amateurboxerinnen sehe ich für 2008 aber schwarz, weil die systematische Basisarbeit fehlt. Es gibt einzelne Boxvereine und Einzelkämpferinnen, die sich sehr anstrengen. Aber es sind eben Einzelne. In anderen Ländern boxen die Frauen unter weit besseren Bedingungen. Hierzulande ist es ein Gewürge, bis eine Deutsche Meisterschaft zustande kommt. Wenn überhaupt! Wie sollen die Frauen dann zur Europameisterschaft kommen, um sich auch auf der Ebene zu messen und Erfahrungen zu sammeln? Wie zu einer Weltmeisterschaft etc. etc.! Bei uns gehen erfolgreiche Amateurinnen sofort ins Profilager, wenn sie die Chance erhalten. Warum tun sie das wohl? ...
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sagmal.de:
Wie ist deine Meinung zum Internet generell?
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Franziska Kelly:
Es ist eine so wundervolle Möglichkeit, Informationen, Gedanken, Wichtiges, Witziges, Verrücktes, Kreatives – präsentieren zu können; sich darüber auszutauschen; selbst Neues zu lernen u.v.m.
Wenn wir von den Kriminellen und den SPAM- und Virenverbreitern einmal absehen, die der Internet-Gemeinde den Spaß und die Entfaltungsmöglichkeiten verderben will, manche User durch hinterhältige Zerstörungslust sogar in Existenznöte bringen kann und potenzielle Neulinge durch ihr Tun davon abhalten, den Sprung in die ???neue Gemeinde“ zu wagen, dann ist es ein Segen. Es hebt Beschränkungen auf und kann Menschen zusammenbringen, die sonst nie zusammengefunden hätten. Ich liebe es, weil es mich bereichert.
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sagmal.de:
Gibt es eine Seite, die dir besonders am Herzen liegt, außer deiner eigenen?
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Franziska Kelly:
Oh, da gibt es so viele Seiten. Ich liebe schandmaennchen.de! Da muss ich jeden Tag hin. Ich finde Humor (ruhig auch mal den schwarzen) einfach ganz wichtig.
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sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermißt?
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Franziska Kelly:
Ja. Du hast nicht eine Frage auf Klingonisch gestellt! ;-)
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
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Franziska Kelly:
Ja, danke. Ich wünsche mir, dass wir einander besser zuhören und uns Neuem und Unbekanntem öffnen, anstatt es von vornherein abzuwehren. Gerade das www bietet uns diese Chance. Nutzen wir sie doch! Qaplá!
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sagmal.de:
Gathlo, Franziska :-)
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Das Interview wurde am 13.5.2004 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von Sagmal.de. Wir danken Franziska Kelly für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen |
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