Ron Hillmann Jahrgang 1967, verbunden mit den Menschen aus Berlin-Mitte
Autodidakt/ Labormechaniker-IT/
BWL'er/ Marketer/ Werber/
Journalist/ Vertriebler/
Internetunternehmer/
Berater und seit 08/2000 bei ImmobilienScout 24.
Ron ist Initiator von Berlinstartup.de und nbng.de
*** Nach dem T-Online-Gang an die Börse wurden gerade Investoren zunehmend übermütig. Sie finanzierten riesige Materialschlachten, forderten kurzfristig das Erreichen der Gewinnzone und beeinflussten das Business-Development nachhaltig negativ.
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sagmal.de:
Ron, Berlinstartup.de, wie fing das alles an? Wie kommt man auf die Idee so eine Initiative zu starten ?
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Ron Hillmann:
Es ist der übliche Start einer Bewegung gewesen - eine lockere Runde und ein aufkeimender "spirit". Wir kamen alle aus der Berliner Szene der jungen Internet-Firmen. Ein Berliner Stadtmagazin berichtete im April 2000, dass mittlerweile 400 sogenannte Start-ups in der Hauptstadt gegründet wurden.
Kindercampus,
Dooyoo,
Ebay,
Astromo,
Idealo,
ImmobilienScout 24,
MeOme oder
Yellout waren uns bereits bekannt. Einige von uns arbeiteten selbst in diesen Firmen. Aber wer waren die anderen Unternehmen? Wir waren brennend daran interessiert, Gleichgesinnte zu treffen. Nach dreistündiger Recherche hatten wir eine beachtliche Anzahl zusammen. Jedes einzelne Business-Model der von uns entdeckten Firmen war interessant genug, um den Austausch mit den Köpfen zu wagen.
Das Berlin*Startup-Beach-Volleyball-Turnier war dann der pompöse Start unserer Initiative. Zwanzig Firmen stellten ihre Gründer und Mitarbeiter für dieses Turnier auf. Die Presse drängte sich an den Spielfeldern und interviewte eifrig, wie bei einer Filmpreisverleihung. Die Firmen-T-Shirts der Teilnehmer ergaben ein facettenreiches Farbenspiel und ein Platz von Werbemitteln vollbehangen, schaffte ein beeindruckendes Bild, ähnlich einer kleinen Olympiade. CFO's, Marketer, CTO's, CEO's lernten sich dabei untereinander kennen. So begann das Netzwerk und der "spirit" zu wachsen.Von den ersten Initiatoren möchte ich besonders vier Namen hervorheben. Martin Sinner (CEO von idealo.com) wurde später Mitbegründer des nbng (new business network germany). Kilian Lenard wurde Geschäftsführer des e-nef (european new economy forum). Jens Thiel und Carsten Gumprecht machten den First Tuesday zu einem Treffpunkt für die Internet-Szene in Berlin.
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sagmal.de:
Die grosse Euphorie der Gründerzeit ist vorbei. Was macht einen guten Start-up heute aus?
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Ron Hillmann:
Ich bin kein Prophet, aber auch viele Stimmen aus der Marktforschung bewerten die Zukunft da anders. Unsere Gesellschaft hat sich verändert. Paradigmenwechsel. Alte Strukturen werden weiter aufgebrochen. Die richtige Gründerwelle steht noch bevor. Es verändern sich die richtigen Dinge. Aber echte Entrepreneurs werden weiterhin erfolgreich sein. Wie es schon immer war. Die eigentlichen Macher sind die Vermarkter der innovativen Idee. Auch die Branchenkenntnis im globalen Netz ist weiterhin unausweichlich, um Märkte zu erobern oder Nischen zu entwickeln. Intelligentes Networking wird mittlerweile zunehmend wichtiger, um die richtigen Mitarbeiter und Partner zu finden. In Deutschland entwickelt sich eine Wissensgesellschaft. High Technology und Wissensprodukte sind die Zukunft. In diesem Markt schlummern die grössten Wachstumspotenziale der Wirtschaft. Und so werden weiterhin junge Absolventen und Autodidakten auf der Bildfläche erscheinen. Vermarktungsfähigen Geschäftsideen werden detaillierte Geschäftskonzepte aufgesetzt. Innovative Geschäftsideen gewinnen den Wettbewerb gegen die traditionelle Industriegesellschaft und schaffen Shareholder Value. Es geht weiter! Investoren, die derzeit "antizyklisch" (Stand Juli 2001) in den Markt investieren, treffen jetzt die richtige Entscheidung.
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sagmal.de:
Welche Fragen werden euch von Start-ups am meisten gestellt?
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Ron Hillmann:
Woher bekomme ich gute Leute?
Woher bekomme ich gute Berater?
Wer fördert?
Wer finanziert?
Woher bekomme ich einen strategischen Partner?
Wo liegt die Akzeptanz des jungen Unternehmertums bei Politik und Industriegesellschaft? Wann finden Network-Events statt?
Was haben die vielen gescheiterten Start-ups falsch gemacht?...
Fehler der letzten Monate waren oft fehlende Marktkenntnis. Viele stark finanzierte Meinungsseiten standen beispielsweise gleichzeitig im Netz. Die Nachfrage war in diesem Umfang nicht vorhanden. Nun erhielten Dooyoo und Ciao gerade noch eine Finanzierung. Die anderen Firmen veränderten ihr Business-Model oder gaben auf. Oft höre ich aber auch die Meinung, dass es der Reiz des schnellen Geldes war, der unternehmerische Scharlatane auf die Bildfläche rief. Dem kann ich wenig zustimmen, wenn sich diese Meinung auf die Gründer bezieht. Die grosse Gier war auf anderer Seite vorhanden. Nach dem T-Online-Gang an die Börse wurden gerade Investoren zunehmend übermütig. Sie finanzierten riesige Materialschlachten, forderten kurzfristig das Erreichen der Gewinnzone und beeinflussten das Business-Development nachhaltig negativ. Aber lassen wir die Schuldzuweisungen. Die Fehler waren notwendig. Die Korrektur wird gerade vollzogen. Die Investoren sind seit der dot.com Krise bei der Vergabe von Investitionsgeldern wesentlich vorsichtiger geworden. Wie kann man heute Investoren überzeugen. Reicht da die geniale Idee aus? Investoren sind nicht nur vorsichtiger, sondern es sind auch weniger geworden. Heute muss ein durchdachter Businessplan stehen. Neben der Darstellung der Marktnachfrage sollte besonders das Team hervorgehoben werden. Wichtige "facts" müssen hervorstechen. Hier einige wesentliche Punkte auf die ich besonders verweisen möchte: Kundennutzen, Realisierungsfähigkeit und Wertschöpfung hervorheben. Kommunikation des Kundennutzen in den Markt und deren permanente Pflege darlegen. Durch verlässliche Informationsquellen fundierte Visionen der Marktentwicklung schildern. Risiken und Informationslücken müssen beleuchtet werden. Flexibilität im Business-Model und dessen Veränderbarkeit zeigen die Tragfähigkeit des Projektes. Ein differenzierter Zeitplan ist ein "Muss". Gesetz und Rechnungswesen müssen kompatibel zur Umsetzung der Idee sein. Bestehende Aufträge, vorhandene Absichtserklärungen zu Beteiligung und Partnerschaft sind immer ein "Plus". Ein abgestimmtes Layout und Lesbarkeit sind wichtig (Glossar!). Die Darstellung des Teams muss ehrlich erfolgen. .... Und einen Vorteil hat die "Investorenkrise". Ehemalige Portfolio-Verluste bestehender Investmentgesellschaften müssen gedeckt werden. Und das grösste Potenzial bieten hier die jungen Firmen der Hightech-Branche.
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sagmal.de:
Wie wichtig ist das Team bei einem Start-up?
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Ron Hillmann:
Gründen ist kein "nine2five-job"! Die schnelle Branchenentwicklung erfordert die Einhaltung der Regel "time-to-market". 24/7/52 bedeutet, dass in der Gründungsphase alle Teammitglieder ihr Unternehmen leben. In dieser Familie werden charismatische Visionäre ebenso benötigt, wie intelligente Umsetzer. Es soll schliesslich kein kurzfristiges Projekt werden. Das Gründungsteam ist die Geburtszelle. Unter unternehmerischen Gesichtspunkten müssen auch teilweise nach der Startphase harte Entscheidungen gefällt werden. Unfähigkeit einzelner Gründer muss frühzeitig erkannt werden und ein teilweise ein Austausch durch Interims-Manager stattfinden, um den Unternehmenswert zu steigern. Das Team ist und bleibt ein wichtiger "asset".
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sagmal.de:
Und was muss ein Mitarbeiter mitbringen um ein guter Mitarbeiter sein? Worauf achten Firmen am meisten?
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Ron Hillmann:
Allgemein kann die Frage so nicht beantwortet werden. Jede Stelle verlangt bestimmte Eigenschaften im "soft" und verschiedene Qualifikationen im "hard skill". Auch ist der Zeitpunkt der Unternehmensentwicklung von Bedeutung. Wichtig ist den Firmen häufig, dass Mitarbeiter Teamfähigkeit zeigen, Kontakte zur Branche besitzen, ihr Know-how vermitteln und die Bereitschaft zu Mehrarbeit eingehen. Die Ansprüche der kommenden Generation liegen da voll im Trend. Die Verschmelzung von Hobby und Arbeit ist schon jetzt für viele junge Mitarbeiter die Erfüllung des Lebensglücks.
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sagmal.de:
Kann die sogenannte New Economy von der Old Economy lernen? Wenn ja, was?
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Ron Hillmann:
New Economy gibt es zu jedem Zeitpunkt. Sie ist das zeitliche Abbild. Vielleicht sollten wir hier lieber von einem ausgeprägten Reformierungsprozess reden. Dann würde sich die Frage anders stellen. Aber ich versuche die Frage so zu beantworten. Wenn ja, was? Natürlich wird aus den Fehlern der traditionellen Wirtschaft gelernt. An diesen Fehltritten können sich heutige Gründer orientieren. Langwierige Entscheidungswege, fehlende Kommunikation, ungenutzte und meist aufgeblähte Kapitaldecken, verkrustete Hierarchien, sogenannter Braindrain, schlechte Kundenbeziehungen, fehlendes Netzwerk-Management, starres Business-Model und nur extrinsisch motivierbare Mitarbeiter stehen da an erster Stelle. Und das Benennen der Kriterien zur Unfähigkeit der Reorganisation nutzt die Next Economy in den nächsten zwei bis drei Jahren für die eigene Ausrichtung ihrer Unternehmenskonzepte. Sicherlich auch, um einen Grossteil der gesamten Wirtschaft zu reformieren.
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sagmal.de:
Du bist Initiator von von www.berlinstartup.de und www.nbng.de. Du bist für First Tuesday Berlin tätig und machst Guerilla Marketing für ImmobilienScout24.de. Bleibt da eigentlich noch Zeit für ein Privatleben?
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Ron Hillmann:
Nein! Aber ein Privatleben ist nicht unbedingt notwendig. Unsere Branche ist interdisziplinär aufgestellt. Ich finde hier meine Erfüllung in dieser Wissensgesellschaft. Wenn ich etwas vermisse, dann ist es die verlorene Zeit der Jahre vor 1999.
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sagmal.de:
Erklärst du uns noch, was man unter Guerilla Marketing versteht? Das klingt so kriegerisch?
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Ron Hillmann:
Guerilla Krieger verbergen ihr Ansinnen, wichtige Gebiete zu erobern. Urplötzlich sind sie da. Guerilla Marketing ist dagegen wesentlich humaner. Doch auch hier geht es darum, auf wichtigen Plätzen präsent zu sein. Über den Aufbau eines breiten Kommunikationskanals werden in erster Linie Kunden aus den Communitiesgewonnen. Guerilla Marketer im Online Marketing unterstützen das allgemeine Branding und ziehen qualifizierten Traffic aus dem Internet auf die eigene Unternehmensseite. Die Optimierung von Web Positioning, Suchmaschinen-Ranking und Webpopularität sind dabei ehrgeizige Ziele. Daneben erstellen sie ein grosses Partnernetzwerk über hunderte und oft auch über tausende Community- und Special-interested-Sites. Über diese sogenannten Affiliates kommuniziert dann das eigene Unternehmen seine Botschaften und eröffnet sich schliesslich seinen Vertriebskanal.
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sagmal.de:
Wo bist du sonst im Web unterwegs?
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Ron Hillmann:
Überall! Mich faszinieren Seiten wie topsubmit.de, die sich mit Webmastertools beschäftigen einerseits, andererseits aber auch Themen-Sites über Online Marketing wie ecin.de. Ich belegte gerade einen Online-Kurs für Suchmaschinenoptimierung bei Akademie.de. Dort bekam ich ein so geballtes Wissen durch moderiertes E-Learning vermittelt, dass die Zeit kaum ausreichte, das vermittelte Wissen komplett zu erschliessen. Zu meinen Favoriten zähle ich momentan searchenginewatch.com und vstore.com. Mehr möchte ich nicht angeben. Ein wenig Wissen muss noch bei mir bleiben. Denn auch ein Guerilla Marketer hat Geheimnisse.
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sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?
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Ron Hillmann:
Ja, wieviel Zeit ich für die Beantwortung habe? Aber auch nur diese Frage.
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
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Ron Hillmann:
Jeder Unternehmer sollte seine Chance nutzen und seine Visionen verwirklichen, auch wenn Börse und Presse in pessimistischer Stimmung sind. Abgerechnet wird immer über den Erfolg.
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Das Interview wurde am 24.7.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Ron Hillmann für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen |
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