Interview mit Dirk Freise vom 2.7.2001
Dirk Freise Dirk Freise (31)
Mitgründer und Manager bei handy.de Diplom Kaufmann (Uni Hamburg) und Master of Business Administration an der Universität von Kalifornien, Berkley, USA. Zuvor tätig bei SUN Microsystems und Waldemar Behn GmbH & Co KG, Acapulco und bei Subito(Improvisationstheater, Schauspieler), Praktische Alternative (Studentenverein für Wirtschaft, Vorstand) und Initiator des Semester Tickets (günstige Studententarife für öffentliche Verkehrsmittel in Hamburg). Bei handy.de ist Dirk für Marketing und Branding verantwortlich. Seine Handy-Vision: "Ich wünsche mir, dass mein Handy mich zeitnah über Ereignisse informiert, die mich wirklich interessieren. Und dann möchte ich auch gleich Konzert oder Kino-Karten übers Handy kaufen können."

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Das, was wir jetzt auf handy.de sehen, ist gerade mal der Anfang.

sagmal.de:
Dirk, was bietet www.handy.de seinen Besuchern?

Handy.de LogoDirk Freise:
Handy.de bietet alles fürs Handy und für PDAs. Das beinhaltet zunächst einmal sowohl die gesamte Auswahl der aktuellen Geräte als auch die ganze Palette von Verträgen und Zubehör.
Darüber hinaus bieten wir zahlreiche mobile Services an, so z.B. die populären Logos (z.B. Southpark) und Klingeltöne, aber auch zahlreiche Info-Services, wie z.B. Party-News für viele Städte oder Sport-News und SMS-Spiele. Für die Technik-Freaks bieten wir ein konfigurierbares WAP-Portal, mit dem man schnell seine E-Mails übers Handy abrufen kann.
Ganz neu ist unser "Flirt'n' Fun", bei dem man erst mal anonym mit potentiellen Dates quatschen kann, bevor man sich wirklich trifft. Dabei matchen wir die Profile unserer User, die bei Flirt'n'Fun mitmachen, nach verschiedenen Kriterien. Der Dating Service ist ein echter Hit bei den handy.de Fans.

Bei allen Services achten wir immer darauf, dass sie einfach zu bedienen sind und Spaß machen. Das ist der Schlüssel zu unserem Erfolg.


sagmal.de:
Und wie kam das Ganze zustande? Ihr habt eure GmbH in den Staaten angemeldet?

Dirk Freise:
Ja, das ist richtig. Thorsten Rehling und ich haben zusammen in Berkeley im Silicon Valley studiert. Im Rahmen eines Klassenprojekts hatten wir die Aufgabe einen Businessplan zu schreiben. Thorsten hatte schon Jahre zuvor die Domain "handy.de" in Besitz. Daher haben wir sofort beschlossen, Nägel mit Köpfen zu machen, und unseren Business Plan in die Tat umzusetzen.

Im deutschen Konsulat in San Francisco haben wir dann im Mai 1999 die handy.de GmbH ins Leben gerufen.

Die ersten Monate haben wir im Incubator unserer Business School - ein Keller in einem alten Hotel - gearbeitet. Dann stieß aber Martin schnell zu unserem Team und hat die Präsenz in Deutschland aufgebaut. Ja, und mittlerweile sind wir 2 Mal umgezogen und residieren jetzt im Herzen von Hamburg direkt an der Elbe.

sagmal.de:
Wie wurde von euren Professoren der verlangte Businesplan eigentlich benotet? Ich nehme doch an, Ihr habt euren eigenen eingereicht?

Dirk Freise:
Wir haben damals für den handy.de Business Plan ein A- bekommen (würde einer 1- in Deutschland entsprechen). John Freeman, unser Professor, war aber immerhin so begeistert von dem Businessplan, dass er den Kontakt zu Hasso Plattner, dem Gründer von SAP, herstellte, der mit seinem Privatvermögen bei uns investierte. Auch sonst haben Martin, Thorsten und ich sehr viel Unterstützung von unseren Kommilitonen erfahren.

sagmal.de:
Wie wird das Handy der Zukunft aussehen und was wird es können?

Dirk Freise:
Das Handy wird sich immer mehr zum persönlichen Begleiter und Assistenten entwickeln. Du wirst Deine Termine, Adressen und E-Mails mit dem Handy managen, mit dem Handy bezahlen, Fotos verschicken und natürlich auch noch telefonieren können. Sobald die Preise für den Internetzugang via Handy fallen, werden die Daten sicherlich mehr und mehr auf dem Web liegen und nicht mehr im Handy gespeichert werden. Dein Handy wird sozusagen zum Browser mutieren, mit dem du die einzelnen Applikationen im Web aufrufst.

Das Aussehen wird dabei immer mehr von modischen Trends bestimmt werden. Das Handy ist ein sehr persönlicher Gegenstand, und da will jeder natürlich auch seine Individualität ausdrücken, so wie mit Klamotten auch. Ich bin überzeugt, dass wir in Zukunft eine Vielzahl von Designer-Handys sehen werden. So wie Mode-Designer auch Brillen entwerfen, wird es sicherlich auch Gucci- oder DKNY-Handys geben.

sagmal.de:
Wie wird sich UMTS auf das Internet auswirken?

Dirk Freise:
UMTS wird gewaltige Auswirkungen auf das Internet haben. Schon bald werden mehr Menschen via Handy oder Organizer aufs Web zugreifen als mit einem PC. Die Navigation und das Layout der allermeisten Web-Sites ist aber überhaupt nicht auf diese kleinen Geräte ausgelegt. Das wird ein echtes Umdenken erfordern, damit die Seiten so komfortabel zu nutzen sind, dass sie von UMTS-Nutzern akzeptiert werden.

UMTS wird sicherlich auch eine Vielzahl innovativer Services nach sich ziehen, vor allem solche, die orts- und/oder zeitabhängig sind. Dein Handy würde dann z.B. "wissen", dass Du Dich gerade jetzt um 18:30 im Hamburger Hafen aufhältst. So könnte Dir Dein Handy z.B. vorschlagen, heute Abend das Konzert Deiner Lieblingsgruppe auf St. Pauli zu besuchen und Dir gleich Restkarten zum Superpreis anbieten. Wichtig ist aber, dass die Netzbetreiber mitspielen und Anbietern solcher Services die relevanten Informationen, wie z.B. Deinen momentanen Aufenthaltsort, weitergeben, sofern Du es wünschst. Solche Informationsmonopole widersprechen dem Grundgedanken des Internet und wir werden sicherlich noch spannende Machtkämpfe beobachten können.

sagmal.de:
Und was wird es auf handy.de bald Neues geben?

Screensaver auf Handy.de Dirk Freise:
Bei handy.de wird eine ganze Reihe von Services geben. Schon sehr bald ergänzen Mailboxsprüche unser Angebot im Fun-Bereich. Auf großen Wunsch hin, arbeiten wir auch gerade an einigen Community-Elementen, um unsere User stärker als bisher vernetzen. Mehr kann ich momentan noch nicht dazu sagen, aber ganz klar wird es hier wieder eine starke Verbindung zwischen Internet und Handy geben.

sagmal.de:
Im Gegensatz zu vielen anderen Portalen setzt Ihr nicht auf kostenlose Angebote. Man kann bei euch Klingeltöne ooder Icons kaufen und diese auf verschiedenen Wegen bezahlen. Widerspricht das nicht dem Kostenlos-Image des Internets?

Dirk Freise:
Das Kostenlos-Image des Internet beginnt sich gerade sehr rasch zu wandeln. Es stimmt, dass wir im Bereich "bezahlte Services" Pioniere im Internet waren. Schon damals haben wir es für Wahnsinn gehalten, rein auf Werbung zu setzen. Wir sind davon überzeugt, dass gute Services von den Usern geschätzt und faire Preise deswegen auch akzeptiert werden. Der Erfolg von handy.de hat uns dabei Recht gegeben. Mittlerweile folgen selbst große Portale unserem Ansatz. Die Zeiten, in denen hohe Verluste von den Investoren akzeptiert wurden und damit der freien Services ist vorbei. Es wird sicherlich auch zukünftig noch einige kostenlose Services geben, aber der User erkauft sich das durch lästige Werbeformen - da sind Pop-Ups nur der Anfang.

sagmal.de:
Ihr wollt, wie viele andere Start-Ups an die Börse gehen. Keine Angst vor einem Absturz? Beispiele dafür gibt es ja genügend.

Dirk Freise:
Klar haben auch wir von einem erfolgreichen Börsengang geträumt. Bei der derzeitigen Marktsituation ist ein Börsengang von handy.de sicherlich auszuschließen. Durch die Mehrheitsbeteiligung von Gruner & Jahr an handy.de sind andere Finanzierungsformen interessanter geworden. Aber wir wollen einen Börsengang auch nicht ausschließen, wenn sich die Situation an den Kapitalmärkten grundsätzlich ändern sollte. Deshalb machen wir uns auf jeden Fall "börsenfit".

sagmal.de:
Seid Ihr durch die ganzen Beteiligungen eigentlich noch Herr im eigenen Haus?

Dirk Freise:
Ganz klar, Gruner & Jahr hat formal die Mehrheit an handy.de und könnte deshalb theoretisch auch viele Vorgaben machen. Bei Gruner & Jahr haben die einzelnen Bereiche aber traditionell eine extrem hohe Selbständigkeit, so dass wir in der Praxis keine Vorgaben in bezug auf das operative Geschäft haben. Von daher sind wir nach wie vor quasi der Herr im Haus.

sagmal.de:
Welchen Anteil am Erfolg hat eure Adresse www.handy.de?

Dirk Freise:
Die URL hat sicherlich einen gewissen, aber keinen entscheidenden Anteil an unserem Erfolg. Was nützt eine klasse URL, wenn die Inhalte nicht stimmen. Nein, der Erfolg von handy.de beruht auf dem Konzept, der konsequenten Ausrichtung auf unsere User und dem Enthusiasmus unseres Teams.

sagmal.de:
Wie lange wird der Handy-Boom noch anhalten? Haben wir die Spitze bereits überschritten?

Spiele auf Handy.de Dirk Freise:
Noch lange. Klar, bald hat so gut wie jeder ein Handy. Der Boom kommt aber durch die zusätzlichen Services, insbesondere durch neue Technologien, wie GPRS und UMTS, die den Hauptakzent des Handys vom Telefonieren auf die Datenservices verschieben. Das, was wir jetzt auf handy.de sehen, ist gerade mal der Anfang.

sagmal.de:
Welche Seiten im Web besuchst du immer wieder?

Dirk Freise:
Google.de, der absolut besten Suchmaschine Amazon.com, um meine Buch- und CD-Sammlung aufzustocken E-Trade.com, wo ich meine Aktien verwalte Und natürlich handy.de ;-)

sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

Dirk Freise:
Nein.

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Dirk Freise:
Nein.

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Das Interview wurde am 2.7.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Dirk Freise für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen


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