Frank Gurk Diplom-Ingenieur.
Web-Freak seit 1997. Immer noch Netscape-Anhänger. Vertreter der "No-Schnickschnack" -Fraktion.
Christian Leipnitz Kaufm. f. Büro kommunikation.
Seit Anfang 1998 im Netz aktiv.
Ist vom IE überzeugt
(arbeitet trotzdem mit beiden Browsern).
Frank und Christian sind die Seitengucker
*** ....wie wohl fast jeder Internet-Nutzer haben wir viel von kostenlosen Hilfen im Netz profitiert, da wollten wir auch mal ein klein wenig Gutes ans Netz zurückgeben, sozusagen ...
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sagmal.de:
Frank, Christian, Seiten gucken tut doch wohl jeder, der im Internet
surft. Was ist so besonderes daran? Guckt Ihr anders als andere?
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Christian + Frank:
Richtig, "Seiten gucken" macht jeder. Das ist an sich nichts Besonderes.
Aber falls jemand einen Fehler auf einer angesurften Site entdeckt, macht
sich kaum jemand die Mühe, dem jeweiligen Webmaster diesen Fehler mitzuteilen,
geschweige denn, den Fehler genau zu beschreiben oder sogar Hinweise zu
geben, wie man den Fehler beseitigen kann.
Und genau an dieser Stelle kommen wir ins Spiel:
Wir bemühen uns, wie ein "normaler" User auf die Site zu gucken - allerdings
intensiver. Der Unterschied ist, dass wir den Leuten, die hinter einem Web-Projekt
stecken, dann einen ausführlichen Bericht erstellen mit all den Fehlerchen,
Ungereimtheiten und ähnlichen Sachen, die wir gefunden haben.
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sagmal.de:
Ihr habt euren Service im September letzten Jahres begonnen.
Wie kommt man auf die Idee, einen solchen Service anzubieten?
Freude am Gucken?
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Christian + Frank:
Freude am Gucken hatten wir schon immer. Gerade ich, Christian, surfe jeden Tag über viele
(private) Sites - einfach aus purer Neugier und Interesse. Dem einen oder anderen Webmaster
habe ich dann auch schon mal geschrieben, dass mir ein Fehler(chen) aufgefallen ist und wie
man ihn beheben könnte.
Das ist auf sehr positive Resonanz gestoßen, die meisten waren über dieses
Feedback hoch erfreut und haben sich freundlich bedankt.
Da lag schließlich der Gedanke nahe, für's "Seitengucken" auch eine Homepage
zu machen und das Seitengucken direkt als Service anzubieten.
Dass wir "Die Seitengucker" gegründet haben, hängt auch mit der Antwort
auf Deine erste Frage zusammen:
Wir bieten den Leuten an, dass sich mal jemand ihre Sites anschaut und
einen "Fehlerreport" erstellt, den sie unter "normalen" Umständen
vielleicht nie erhalten würden.
Ein weiterer Grund für die Geburt der Seitengucker war, dass wir gern etwas
anbieten wollten, womit wir gerade den Webmastern unter die Arme greifen
können.
Einige Zeit dümpelte unser Service vor sich hin, aber dann wurden wir im
KriT-Letter von Ralph Segert erwähnt - und dann hatten wir innerhalb kurzer Zeit über 100
Aufträge. Diesem Ansturm konnten wir nicht Herr werden und mussten uns nach langem
Kopfzerbrechen leider dazu entscheiden, den Großteil dieser Aufträge wieder abzulehnen.
Es ist ja so, dass wir das "Seitengucken" kostenlos in unserer spärlich
bemessenen Freizeit durchgeführt haben. Der durchschnittliche
Seitengucker-Check dauert ungefähr 4 - 8 Stunden (bei umfangreicheren Sites kommen schnell ein
paar Stunden dazu).
Und bei über 100 Aufträgen kann man sich ausrechnen, wie lange es gedauert
hätte, bis der letzte der Liste drangekommen wäre. Diese lange Wartezeit
wollten wir den Webmastern nicht zumuten. Deshalb haben wir den kostenlosen
Check vorerst eingestellt.
Ab September werden wir wieder kostenlos testen. Allerdings nur
nicht-kommerzielle Sites und auch nur eine pro Woche.
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sagmal.de:
Worauf legt Ihr besonderen Wert?
Inhalte oder doch mehr das Design?
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Christian + Frank:
Die Inhalte gehen uns im Prinzip nichts an. Sehr selten schreiben wir dazu
etwas. Es ist aber immer wieder interessant und erstaunlich, *was* für
Inhalte im Netz angeboten werden. Durch die Seitengucker kommen wir dadurch
auf Sites, auf die wir sonst nicht gekommen wären.
Was wir uns anschauen, sind solche Sachen wie z. B. die Navigation, die
allgemeine Textgestaltung (Formulierungen etc.) oder die Funktionalität der
Site. Großen Wert legen wir auf schnellen Seitenaufbau und korrekte
Rechtschreibung. Natürlich sollte auch das Aussehen stimmen.
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sagmal.de:
Guckt Ihr euch auch die Quelltexte der Seiten an?
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Christian + Frank:
Nur sehr selten. Und auch nur, wenn wir dort einen massiven Fehler vermuten.
Wir sind der Meinung, dass bei einer Site zu 95% das zählt, was der User
tatsächlich sieht und mitbekommt und nicht, ob im Quelltext zwei- oder
dreimal ein Befehl zu viel steht. Oft wird gepredigt, dass man den Quelltext so klein und sauber wie nur irgend
möglich halten soll. Das ist auch völlig in Ordnung.
Allerdings bringt es nichts, zeitaufwendige Minimierungen des Quelltextes
vorzunehmen, während andererseits große Grafik-Dateien in die Site
eingebundensind (um nur ein Beispiel zu nennen).
Eine Firma beispielsweise, die ihre Website mit einem WYSIWYG-Editor erstellt
und pflegt (WYSIWYG-Editoren haben ja bekanntlich alle ihre Macken bzgl. des
Quelltextes), hat wahrscheinlich einfach nicht die Zeit (und das Geld), jede einzelne Seite
auf den bestmöglichen Quelltext zu überprüfen. Daher sind wir der Meinung, dass das Sichtbare,
vom Browser Angezeigte, zählt.
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sagmal.de:
Ihr bietet euren Service auch für private Seiten an, kostenlos.
Wie rechnet sich sowas?
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Christian + Frank:
Hmm, gar nicht. :)
Aber wir machen das ja auch nicht, um an privaten Webmastern zu verdienen.
Gerade Privatleute haben kaum die Möglichkeit, ihre Site testen zu lassen.
Freunde und Bekannte sagen immer das Selbe ("Hmm, nicht schlecht." oder
"Mach weiter so!") und viele von den anderen, großen, Dienstleistern
überprüfen nur mit Hilfe eines Programmes den Quelltext - mit dessen Ergebnis man nicht
immer etwas anfangen kann. Sich auf der Site zu bewegen wie ein User kann kaum ein Programm.
Und natürlich ist das viele nette, lobende und positive Feedback sehr
angenehm für uns. Und - last but not least - wie wohl fast jeder Internet-Nutzer haben wir viel
von kostenlosen Hilfen im Netz profitiert (als Beispiel sei hier nur SELFHTML
von Stefan Münz genannt) - da wollten wir auch mal ein klein wenig Gutes ans
Netz zurückgeben, sozusagen ...
Sicher freuen wir uns auch über Geld - ohne geht es nunmal nicht!
Aber ein paar nette Worte und die Bestätigung, dass wir das Richtige tun,
motiviert auch ...
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sagmal.de:
Ihr seid vom Alter her 20 Jahre auseinander.
Spielt das bei der Beurteilung der Seiten eine Rolle? Wenn ja, welche?
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Christian + Frank:
Auf unserer Website steht: "Unsere Gegensätze machen uns so vielseitig."
Ob diese Gegensätze mit dem Altersunterschied zu tun haben, können wir selbst
gar nicht so beurteilen. Wahrscheinlich ist das aber eher nicht der Fall.
Wir haben zum Teil unterschiedliche Ansichten bei der Beurteilung von
Websites - und das ist mit Sicherheit gut für's "Seitengucken". Bisher konnten wir uns
aber immer auf einen Konsens einigen, manchmal auch nach längeren Diskussionen.
Deine Frage ist übrigens in anderer Hinsicht interessant:
Man liest ja ab und zu, dass Senioren (also "echte", Frank zählt ja noch
nicht so direkt dazu ...) besondere Anforderungen an eine gute
(seniorenfreundliche) Website stellen würden.
Diesen Seniorenbereich berücksichtigen wir beim Seitengucken sicher noch
nicht so gut.
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sagmal.de:
Was haltet Ihr von Interaktivität auf Webseiten?
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Christian + Frank:
Interaktivität ist für uns einer der wesentlichen Unterschiede zwischen
Internet und herkömmlichen Medien.
Gerade die Möglichkeit, "interaktiv" selbst im Internet mitzumischen, ist
wohl einer der Gründe für die wachsende Popularität des Netzes und macht auch
dessen Reiz aus.
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sagmal.de:
Wie ist eigentlich eure Definition einer guten Webseite?
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Christian + Frank:
Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wir denken, dass man auch
unterschieden muss zwischen Web-Auftritten von Firmen und von
Privatleuten. Private Projekte können z. B. viel mehr experimentieren, wogegen Sites von
Firmen auch tatsächlich also solche 'rüberkommen sollten.
Also mit einer ordentlichen Navigation, mit klarem, leicht zu findendem
Inhalt.
Eine Definition wollen wir daher nicht abgeben - und können wir
wahrscheinlich auch nicht.
Ein paar Kriterien sind uns persönlich aber bei jeder Art von Website
wichtig: Man sollte sich auf einer Site - egal ob privat oder kommerziell - gut
zurechtfinden. Auch wenn sich die Navigation von den üblichen Varianten
unterscheidet.
Sehr wichtig ist uns die Möglichkeit, mit Kontaktpersonen oder zumindest dem
Webmaster ohne Umwege in Verbindung treten zu können - egal, wo man sich auf
der Site befindet.
Wir finden auch, dass man die (deutsche) Rechtschreibung und Grammatik [wir
testen ja nur deutsche Sites] möglichst fehlerfrei anwenden sollte. Man kann
das tollste Design und eine klasse Navigation benutzen - zu viele Schreibfehler lassen
dengesamten Web-Auftritt primitiv erscheinen.
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sagmal.de:
Was habt Ihr in der Regel denn so zu beanstanden?
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Christian + Frank:
Hauptsächlich immer noch die Dinge, von denen man denkt, sie seinen auch in
den letzten Winkel des Webs vorgedrungen. Dazu gehören zu große Grafikdateien, lange Wartezeiten
und Seiten, die unübersichtlich viel Inhalt bieten.
Was uns immer wieder auffällt, aber nicht so sehr schlimm ist, sind die
kleinen Fehlerchen, die im Zusammenhang mit der DIN 5008 ("Die einheitlichen Schreib-
und Gestaltungsregeln") gemacht werden. Also dass z. B. vor und nach den
Auslassungspunkten ein Leerzeichen gesetzt wird.
Dass wir hier wiederholt die Rechtschreibung nennen, soll nicht heißen, dass
wir uns nur um diese kümmern. Aber Rechtschreibfehler findet man halt immer noch
fast überall.
Dagegen kann man nach einem Jahr "Seitengucken" feststellen, dass die
Websites von Firmen im Durchschnitt sehr viel professioneller gemacht sind,
was Navigation, Ladezeiten usw. betrifft.
Da gibt es eine echte Entwicklung im Netz.
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sagmal.de:
Wie surft Ihr durchs Internet? Immer nur mit euren Bewertungskriterien im Hinterkopf?
Kann man das überhaupt beim privaten Surfen abstellen?
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Christian + Frank:
Naja, ganz abstellen kann man das sicher nicht, der Blick ist halt geschärft.
Aber wir versuchen ja, das "Seitengucken" aus Sicht eines ganz normalen Users
zu betreiben, von daher gibt es die stets abrufbereite Checkliste im Hinterkopf
gar nicht.
Was uns beim privaten Surfen auffällt, sieht ja auch jeder andere User, wir
sehen es nur etwas deutlicher.
Aber es ist für uns trotzdem ein großer Unterschied, ob wir privat surfen und
über kleine Fehler - wie die meisten User - hinwegsehen, oder ob wir einen
detaillierten, fast schon peniblen Seitengucker-Check machen.
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sagmal.de:
Chris, auf deiner privaten Seite , die ich übrigens schon mehrmals besuchte,
fand ich eine Rubrik namens Denkfabrik. Willst du die Leute zum Denken anregen?
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Christian:
Hmm, gar nicht so leicht zu beantworten.
Mit der "Denkfabrik" wollte ich signalisieren, dass in dieser Rubrik
Sachen zu finden sind, die nicht unbedingt ernst gemeint sind und manchmal
auch keinen besonderen Sinn haben.
Es sind ganz einfach Dinge, die mir irgendwann mal durch den Kopf gegangen
sind und die ich versucht habe, internettauglich zu machen.
Ich finde, dieses Ausprobieren und Experimentieren sollte man nicht ganz
vergessen. Immer öfter finden man auf privaten Sites Themen und Rubriken, die
mit "privat" nicht mehr viel zu tun haben. Schade finde ich persönlich, dass jetzt auch schon
Privat-Sites immer stärker in die Kommerz-Ecke drängen ...
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sagmal.de:
Habt Ihr schon mal Seiten vernichtend bewertet?
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Christian + Frank:
Nein, haben wir nicht.
Wir gehen davon aus, dass jeder Webmaster und jeder Webmistress sich im
Rahmen der vorhandenen Kenntnisse Mühe gibt bei seinen/ihren Websites.
Es wäre nicht fair, dann "vernichtend" zu urteilen.
Wir wollen ja niemanden "kleinmachen", sondern Hilfestellungen geben, Hilfe
zur Selbsthilfe sozusagen. Unser Ziel ist, objektive und kreative Kritik zu geben und nicht
"Herunterzuputzen"
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sagmal.de:
Habt Ihr bei meinen Fragen eine Frage vermisst?
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Christian + Frank:
Eigentlich nicht. Es sind sehr interessante Fragen, deren Beantwortung uns
viel Spaß gemacht hat.
Aber halt - eine Frage, die uns schon oft gestellt wurde, hast Du nicht
gestellt: "Wie sieht es bei Euch mit Schlaf aus ..." :)
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
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Christian + Frank:
Wir wünschen uns und hoffen, dass das Internet ein Medium für alle bleibt und
nicht eines Tages vom großen Geld dominiert wird.
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Das Interview wurde am 21. Juli 2000 in Form eines E-Mail Interviews geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken den Seitenguckern Frank Gurk und Christian Leipnitz für die Beantwortung unserer Fragen.
Die bei diesem Interview verwendeten Bilder unterliegen dem Copyright und wurden nur für
dieses Interview von den Homepages der Seitengucker entnommen. |
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