Interview mit Michael Zander vom 28.9.2000
Michael Zander, Goere.de Michael Zander
Jahrgang 62, verheiratet, 2 Kinder. Nach Abitur, Lehre, Zivildienst und Studium freiberufliche Tätigkeit als Journalist im EDV-Bereich. Jetzt angestellt bei einem Internet-Unternehmen mit dem Aufgabengebiet E-Commerce. Nebenbei Webmaster von Goere.

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Goere lebt, wächst, reift und wird wohl nie ganz fertig sein. Und das ist auch gut so!

sagmal.de:
Michael, Goere.de, was ist das eigentlich?

Goere.deMichael Zander:
Goere ist Internet für Kids und Teens. Konkret: Goere ist eine Mischung aus Katalog, Suchmaschine, Linkliste und Online-Magazin. Wir wollen den Kindern und Jugendlichen zeigen, was das Internet für sie zu bieten hat. Wir sortieren die Vielfalt des Netzes. Weit mehr als Tausend Internet-Seiten stellen wir redaktionell vor und bewerten sie nach Inhalt und Gestaltung. Das Ganze wird dann übersichtlich nach Kategorien sortiert und regelmäßig erweitert. Damit geben wir den Kinder eine Hilfestellung bei der Auswahl interessanter Seiten. Zweimal wöchentlich greifen wir in unserem Magazin aktuelle Geschehnisse auf und bereiten sie in einer kindgerechten Sprache auf. Wer neu ist im Netz findet mit dem Internet-Kurs eine erste Orientierung und Erklärungen für den Weg ins Internet. Jede Woche stellen wir eine besondere Seite einer Schule oder Schulklasse vor und zeichnen sie mit unserem Top-Tipp aus. Jeden Monat betrachten wir ein Thema ganz intensiv und stellen interessante Seiten dazu vor. Hinzu kommen Newsletter, Forum und viele Kleinigkeiten, die ein Web-Angebot "rund" machen.

sagmal.de:
Wie kam es zu Goere.de? Wer hatte die Idee?

Michael Zander:
Die Idee, irgend etwas zum Thema "Kinder und Computer" zu machen, verfolgt mich schon lange. Aus vielen unverwirklichten Ideen und Konzepten wurde schließlich Goere. Die ersten Gedanken habe ich dann mit den Menschen, die heute Goere machen, weiter entwickelt zu dem, was es heute ist. Diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen - Goere lebt, wächst, reift und wird wohl nie ganz fertig sein. Und das ist auch gut so!

sagmal.de:
Welches Alter sprecht Ihr mit eurem Angebot an? Nur Kinder?

Michael Zander:
So einfach sich diese Frage anhört, so schwer ist sie zu beantworten. Wir haben uns diese Frage schon ganz oft gestellt. Irgendwann sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass man sie gar nicht mit einer Zahl beantworten kann. In erster Linie richtet sich das Angebot natürlich an Kinder - sagen wir ab dem Grundschulalter. Vom Themenspektrum decken wir ganz sicher auch noch die ersten Teenagerjahre mit ab. Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Seiten auch gerne von Erwachsenen gelesen werden. Dabei sind die Motivationen ganz unterschiedlich. Unser Internet-Kurs wird beispielsweise immer wieder gerne von Einsteigern benutzt, die sich einen ersten Überblick verschaffen wollen. Außerdem handeln wir viele Themen ab, die nicht nur für Kinder interessant sind. Kurz: Ein Angebot für die ganze Familie.

sagmal.de:
Woher bekommt Ihr eure Tipps, die Ihr euren Besuchern gebt? Seid Ihr den ganzen Tag nur am Suchen und Surfen?

Michael Zander:
Den ganzen Tag ist übertrieben. Natürlich sind wir viel im Netz unterwegs. Dabei entdeckt man immer wieder und überall interessante Dinge, die wir dann für Goere aufbereiten. Hinzu kommen Tipps von unseren Besuchern, Freunden und Bekannten. Selbstverständlich benutzen wir auf unserer Suche nach spannenden Angeboten auch Suchmaschinen und Kataloge. Aber auch im ganz alltäglichen Leben schnappen wir in Zeitungen, im Radio, im Fernsehen oder aus Gesprächen immer wieder etwas auf, was wir für Goere gebrauchen können. Weil wir immer und überall Augen und Ohren offen halten, werden uns die Themen so schnell sicher nicht ausgehen.

sagmal.de:
Habt Ihr auch an die Eltern gedacht? Wie nimmt man Eltern heute die Angst, wenn es um ihre Kinder und das Internet geht?

Michael Zander:
Wer Internet für Kinder macht, darf die Eltern nicht vergessen. In der Eltern-Generation gibt es viele Vorurteile und Unwissenheit bezüglich des Internets. Deshalb steht Aufklärung an erster Stelle. Die Eltern müssen lernen, was das Internet ist, und welche Möglichkeiten sich dahinter verbergen. Sie müssen akzeptieren, dass Gewalt und Pornografie im Netz keine tragende Rolle spielen, und die vielen positiven Aspekte bei weitem überwiegen. Am Ende dieses Prozesses sollten sie verinnerlicht haben, dass das Internet für die Zukunft ihrer Kinder unverzichtbar ist. Konkret könnte das so aussehen, dass die Eltern sich mit ihren Kindern, die in der Regel bereits erste Netz-Erfahrungen haben, auf eine gemeinsame Entdeckungstour ins Internet begeben. Die direkte Erfahrung ist meist überzeugender als alle Argumente. Selbstverständlich dürfen dabei auch die Gefahren des Internets nicht aus den Augen verloren werden. Mehr dazu zur Frage der Sicherheit des Netzes für Kinder.

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Michael Zander:
Das Thema "Schule" würde ich in die Bereiche "Mensch" und "Maschine" unterteilen. Natürlich gibt es die Lehrer biblischen Alters. Hinzu kommen ganz viele, die dieses Alter noch nicht erreicht haben, aber trotzdem - aus welchem Grund auch immer - mit dem Internet nichts zu tun haben oder haben wollen. Diese Hürden gilt es zu nehmen. Am Anfang muss die Aufklärung stehen. Nur wer verinnerlicht hat, dass das Internet nichts Schlimmes ist, kann unseren Kindern den Umgang mit diesem Medium der Zukunft näher bringen. Im nächsten Schritt müssen Lehrerinnen und Lehrer mit dem Wissen ausgestattet werden, das sie befähigt, mit den Kindern effizient und kreativ an allen Aspekten des Themas zu arbeiten.

Zum Thema "Maschine": Jahrelang haben alle Verantwortlichen in Politik und Verwaltung die technischen Notwendigkeiten für den vernünftigen Einsatz des Internets in der Schule ignoriert. Wer heute eine Schule besucht, fühlt sich in eine Zeit versetzt, in der PCs eben erst das Licht der Welt erblickten. Engagierte Lehrkräfte haben wegen fehlender Mittel viele vor Jahren ausrangierte Rechner vor dem Schrott bewahrt und in die Klassen gestellt. Aber eigentlich weiß jeder, dass die Geräte im Museum viel besser aufgehoben wären. Von Internet-Tauglichkeit kann schon gar keine Rede sein. Zudem fehlten Gelder für Erweiterungen und Online-Gebühren. Langsam aber sicher wendet sich das Blatt. Staat, Industrie und Provider erkennen die Notwendigkeiten an und statten immer mehr Schulen mit wirklich brauchbarem Material aus. Die ersten ganz wichtigen Schritte sind getan. Ich hoffe im Sinne unserer Kinder, dass das Internet in allen seinen Ausprägungen schon ganz bald zum Schulalltag gehört wie Bücher oder Filme.

sagmal.de:
Wo liegen für dich generell die Probleme im Internet?

Michael Zander:
Die Probleme des Internets hängen aus meiner Sicht sehr eng mit den Vorteilen zusammen. Ein solch verzweigtes, schnelles und individuelles - und damit unkontrollierbares - Medium bietet immer auch einen Tummelplatz für zwielichtige Anbieter - Gewalt, Rassismus, Pornografie als Stichworte. Dagegen muss etwas getan werden, und zwar länderübergreifend. Ein anderer Punkt sind die Zugangsmöglichkeiten. In Deutschland ist das Surfen im Vergleich zu anderen Staaten immer noch recht teuer. Durch günstigere Preise - oder Surfen zum Nulltarif, wie es einige fordern - wäre der Weg zum echten Massenmedium geebnet.

sagmal.de:
Und wo siehst du die Vorteile gegenüber den anderen Medien? In der Interaktivität? Oder ist das nur ein Schlagwort?

Michael Zander:
Interaktivität ist sicher ein ganz wichtiger Punkt. Kein anderes Medium kann da mit dem Internet mithalten. Aber das gilt auch für viele andere Bereiche. Ganz wichtig sind Geschwindigkeit und Reichweite - was ich jetzt schreibe, kann innerhalb von Sekunden überall auf der Welt gelesen werden. Oder die Vielfalt - ich kann mir kein Thema vorstellen, zu dem das Netz nichts zu bieten hat. Hinzu kommen die Möglichkeiten des Individuums, sich problemlos und mit geringem Aufwand mit seinen Interessen in diese Vielfalt einzubringen. Nicht vergessen darf man die verschiedensten Formen der Kommunikation, die das Internet ermöglicht. Das alles sind Dinge, die so kein anderes Medium leisten kann. Ich würde das Internet als ein Über-Medium bezeichnen, das alle anderen Medien-Formen in sich vereint ...

sagmal.de:
Wie kann man das Internet für Kinder sicherer machen? Müssen wir nicht schon beim Surfverhalten der Eltern anfangen?

Goere.de Michael Zander:
Natürlich sind mit den ganzen Vorteilen des Internets auch Gefahren verbunden. Das gilt ganz massiv für Kinder. Selbstverständlich müssen Kinder vor diesen Gefahren geschützt werden. Oft tauchen in diesem Zusammenhang Programme auf, die den Zugriff auf fragwürdige Inhalte im Internet verhindern sollen. Eine absolute Sicherheit kann eine solche Software allerdings nicht bieten. Eine Möglichkeit sind die Positivlisten dieser Programme, die nur den Zugriff auf vorher festgelegte Seiten erlauben. Das schränkt allerdings die natürliche Neugierde und die unendlichen Entdeckungsmöglichkeiten des Internets ein. Ich empfehle Eltern, ihre Kinder beim Surfen zu begleiten. Viele Eltern werden sich wundern, wie spannend und lehrreich das Netz auch für sie sein kann. Ein anderer ganz wichtiger Punkt ist die Vermittlung eines verantwortungsbewussten Umgangs mit dem Internet. So, wie wir unsere Kinder auf andere mögliche Gefahren vorbereiten und ihnen den Umgang damit erklären, sollten wir das auch für das Internet tun. Ein Kind, das weiß, was ihm im Netz begegnen kann und wie es damit umgehen soll, ist weit weniger gefährdet als ein Kind, das unvorbereitet mit etwas konfrontiert wird. Am allerwichtigsten ist das Vertrauen. Das Kind muss wissen, dass es mit allem, was es im Internet, in der Schule oder sonst wo sieht, zu seinen Eltern kommen kann. Sie können dann darüber sprechen und gegebenenfalls die notwendigen Schritte in die Wege leiten. Natürlich sind auch Staat und Politik gefordert, alles nur erdenkliche zu unternehmen, um Kinder im Internet vor rassistischen, gewaltverherrlichenden oder pornografischen Inhalten zu schützen.

sagmal.de:
Wo surfst du privat? Auf welchen Seiten treibst du dich herum? Oder bleibt beim ganzen Surfen für Goere.de keine Zeit mehr?

Michael Zander:
Ich finde das Internet viel zu spannend, um nach getaner Arbeit sofort die Verbindung zu beenden. Dabei habe ich sehr wenige absolute Lieblings-Seiten. Ich mag es, Seiten zu entdecken und dann zu sehen, wohin die Links führen, die man dort findet. Es ist unglaublich, was man da alles erleben kann. Dabei beginne ich gerne bei einem der klassischen Kataloge wie etwa Web.de Einige feste Ansurf-Stationen habe ich allerdings doch. Schandmännchen zum Beispiel, ist nahezu täglich Satire-Pflicht. Auch bei Stefan Raab, Kostenlos.de oder Schalke 04 schaue ich gerne und regelmäßig vorbei. Und Auktionen finde ich spannend - oft nur zum Stöbern ohne feste Kaufabsicht.

sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

Michael Zander:
Ja: Rechnet Ihr euch Chancen aus, den Online-Star zu gewinnen? Erst einmal empfinden wir schon die Nominierung als große Auszeichnung. Ob wir ihn gewinnen wird sich zeigen, Chancen haben wir auf jeden Fall!

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Michael Zander:
Gerne, den möchte ich an alle Kinder richten: Nutzt die Chancen, die euch das Internet bietet. Bringt euch ein und tragt eure Wünsche vor. Ihr werdet euch wundern, wie groß die Möglichkeiten sind, das Internet aktiv mitzugestalten.

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Das Interview wurde am 28.9.2000 geführt . Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.

Die bei diesem Interview verwendeten Bilder unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von der Goere Homepage entnommen.
Wir danken Michael Zander für die Beantwortung unserer Fragen.


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