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Michael Zander:
Das Thema "Schule" würde ich in die Bereiche "Mensch" und "Maschine" unterteilen. Natürlich gibt es die Lehrer biblischen Alters. Hinzu kommen ganz viele, die dieses Alter noch nicht erreicht haben, aber trotzdem - aus welchem Grund auch immer - mit dem Internet nichts zu tun haben oder haben wollen. Diese Hürden gilt es zu nehmen. Am Anfang muss die Aufklärung stehen. Nur wer verinnerlicht hat, dass das Internet nichts Schlimmes ist, kann unseren Kindern den Umgang mit diesem Medium der Zukunft näher bringen. Im nächsten Schritt müssen Lehrerinnen und Lehrer mit dem Wissen ausgestattet werden, das sie befähigt, mit den Kindern effizient und kreativ an allen Aspekten des Themas zu arbeiten.
Zum Thema "Maschine": Jahrelang haben alle Verantwortlichen in Politik und Verwaltung die technischen Notwendigkeiten für den vernünftigen Einsatz des Internets in der Schule ignoriert. Wer heute eine Schule besucht, fühlt sich in eine Zeit versetzt, in der PCs eben erst das Licht der Welt erblickten. Engagierte Lehrkräfte haben wegen fehlender Mittel viele vor Jahren ausrangierte Rechner vor dem Schrott bewahrt und in die Klassen gestellt. Aber eigentlich weiß jeder, dass die Geräte im Museum viel besser aufgehoben wären. Von Internet-Tauglichkeit kann schon gar keine Rede sein. Zudem fehlten Gelder für Erweiterungen und Online-Gebühren. Langsam aber sicher wendet sich das Blatt. Staat, Industrie und Provider erkennen die Notwendigkeiten an und statten immer mehr Schulen mit wirklich brauchbarem Material aus.
Die ersten ganz wichtigen Schritte sind getan. Ich hoffe im Sinne unserer Kinder, dass das Internet in allen seinen Ausprägungen schon ganz bald zum Schulalltag gehört wie Bücher oder Filme.
sagmal.de:
Wo liegen für dich generell die Probleme im Internet?
Michael Zander:
Die Probleme des Internets hängen aus meiner Sicht sehr eng mit den Vorteilen zusammen. Ein solch verzweigtes, schnelles und individuelles - und damit unkontrollierbares - Medium bietet immer auch einen Tummelplatz für zwielichtige Anbieter - Gewalt, Rassismus, Pornografie als Stichworte. Dagegen muss etwas getan werden, und zwar länderübergreifend.
Ein anderer Punkt sind die Zugangsmöglichkeiten. In Deutschland ist das Surfen im Vergleich zu anderen Staaten immer noch recht teuer. Durch günstigere Preise - oder Surfen zum Nulltarif, wie es einige fordern - wäre der Weg zum echten Massenmedium geebnet.
sagmal.de:
Und wo siehst du die Vorteile gegenüber den anderen Medien?
In der Interaktivität? Oder ist das nur ein Schlagwort?
Michael Zander:
Interaktivität ist sicher ein ganz wichtiger Punkt. Kein anderes Medium kann da mit dem Internet mithalten. Aber das gilt auch für viele andere Bereiche. Ganz wichtig sind Geschwindigkeit und Reichweite - was ich jetzt schreibe, kann innerhalb von Sekunden überall auf der Welt gelesen werden. Oder die Vielfalt - ich kann mir kein Thema vorstellen, zu dem das Netz nichts zu bieten hat. Hinzu kommen die Möglichkeiten des Individuums, sich problemlos und mit geringem Aufwand mit seinen Interessen in diese Vielfalt einzubringen. Nicht vergessen darf man die verschiedensten Formen der Kommunikation, die das Internet ermöglicht. Das alles sind Dinge, die so kein anderes Medium leisten kann. Ich würde das Internet als ein Über-Medium bezeichnen, das alle anderen Medien-Formen in sich vereint ...
sagmal.de:
Wie kann man das Internet für Kinder sicherer machen?
Müssen wir nicht schon beim Surfverhalten der Eltern anfangen?
Michael Zander:
Natürlich sind mit den ganzen Vorteilen des Internets auch Gefahren verbunden. Das gilt ganz massiv für Kinder. Selbstverständlich müssen Kinder vor diesen Gefahren geschützt werden. Oft tauchen in diesem Zusammenhang Programme auf, die den Zugriff auf fragwürdige Inhalte im Internet verhindern sollen. Eine absolute Sicherheit kann eine solche Software allerdings nicht bieten. Eine Möglichkeit sind die Positivlisten dieser Programme, die nur den Zugriff auf vorher festgelegte Seiten erlauben. Das schränkt allerdings die natürliche Neugierde und die unendlichen Entdeckungsmöglichkeiten des Internets ein.
Ich empfehle Eltern, ihre Kinder beim Surfen zu begleiten. Viele Eltern werden sich wundern, wie spannend und lehrreich das Netz auch für sie sein kann. Ein anderer ganz wichtiger Punkt ist die Vermittlung eines verantwortungsbewussten Umgangs mit dem Internet. So, wie wir unsere Kinder auf andere mögliche Gefahren vorbereiten und ihnen den Umgang damit erklären, sollten wir das auch für das Internet tun. Ein Kind, das weiß, was ihm im Netz begegnen kann und wie es damit umgehen soll, ist weit weniger gefährdet als ein Kind, das unvorbereitet mit etwas konfrontiert wird. Am allerwichtigsten ist das Vertrauen. Das Kind muss wissen, dass es mit allem, was es im Internet, in der Schule oder sonst wo sieht, zu seinen Eltern kommen kann. Sie können dann darüber sprechen und gegebenenfalls die notwendigen Schritte in die Wege leiten.
Natürlich sind auch Staat und Politik gefordert, alles nur erdenkliche zu unternehmen, um Kinder im Internet vor rassistischen, gewaltverherrlichenden oder pornografischen Inhalten zu schützen.
sagmal.de:
Wo surfst du privat? Auf welchen Seiten treibst du dich herum?
Oder bleibt beim ganzen Surfen für Goere.de keine Zeit mehr?
Michael Zander:
Ich finde das Internet viel zu spannend, um nach getaner Arbeit sofort die Verbindung zu beenden. Dabei habe ich sehr wenige absolute Lieblings-Seiten. Ich mag es, Seiten zu entdecken und dann zu sehen, wohin die Links führen, die man dort findet. Es ist unglaublich, was man da alles erleben kann. Dabei beginne ich gerne bei einem der klassischen Kataloge wie etwa Web.de Einige feste Ansurf-Stationen habe ich allerdings doch. Schandmännchen zum Beispiel, ist nahezu täglich Satire-Pflicht. Auch bei Stefan Raab, Kostenlos.de oder Schalke 04 schaue ich gerne und regelmäßig vorbei. Und Auktionen finde ich spannend - oft nur zum Stöbern ohne feste Kaufabsicht.
sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?
Michael Zander:
Ja: Rechnet Ihr euch Chancen aus, den Online-Star zu gewinnen? Erst einmal empfinden wir schon die Nominierung als große Auszeichnung. Ob wir ihn gewinnen wird sich zeigen, Chancen haben wir auf jeden Fall!
sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
Michael Zander:
Gerne, den möchte ich an alle Kinder richten: Nutzt die Chancen, die euch das Internet bietet. Bringt euch ein und tragt eure Wünsche vor. Ihr werdet euch wundern, wie groß die Möglichkeiten sind, das Internet aktiv mitzugestalten.
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