Interview mit Andreas Gebauer vom 22.5.2000
Andreas Gebauer Andreas
Gebauer
,
Jahrgang 1959, verh., 2 Kinder.
Abitur im 2. Bildungsweg
Studium Volks - wirtschaftslehre und Journalistik, Hamburg
Volontariat bei der Neuen Westfälischen, Bielefeld
Redakteur Ressort "Steuern" bei FINANZtest, STIFTUNG WARENTEST, Berlin
Leiter Online-Redaktion, STIFTUNG WARENTEST

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Stiftung Warentest is everywhere

sagmal.de:
Herr Gebauer, Stiftung Warentest ist ja eine Institution, die einen Bekanntheitsgrad hat, wie zum Beispiel der Name Heino. Ich glaube, kaum ein Deutscher kennt nicht den Begriff an sich. Was bedeutet denn aber eigentlich Stiftung Warentest genau ? Sie sind wohl keine "normale" Firma ?

Andreas Gebauer:
Sie haben recht: Nach einer jüngst von uns in Auftrag gegebenen Umfrage kennen 96 Prozent der Bundesbürger die Institution Stiftung Warentest. Ihre Geburtsstunde liegt im Dezember 1964. Seitdem hat sie unzählige Waren- und Dienstleistungstests durchgeführt. Die Ergebnisse veröffentlicht sie in den beiden Monatszeitschriften "test" (seit 1966) und "FINANZtest" (seit 1991), sowie im Internet http://www.warentest.de (seit 1997). Sie finden auf Verbraucher- aber auch auf Anbieterseite große Beachtung: Mit ihrer unabhängigen und objektiven Testarbeit hat die Stiftung Warentest unzählige Kaufentscheidungen erleichtert, aber auch dazu beigetragen, das viele mangelhafte Produkte vom Markt verschwanden oder deutlich verbessert wurden. Wer mehr Details über die Geschichte der Stiftung Warentest oder Ihre Arbeit wissen möchte, kann dies nachlesen unter:
Wir über uns

sagmal.de:
Der Gang ins Internet, welchen Grund sah man, die Stiftung Warentest online zu bringen. Einfach, weil dies alle anderen auch machen? Oder als unterstützende Maßnahme für die Offlineaktivitäten ?

Stiftung Warentest Logo


Andreas Gebauer:
Ganz am Anfang mag es wohl ein bisschen so gewesen sein, dass wir Online gegangen sind, weil alle es machten und damit unsere Kunden die Möglichkeit haben, unsere Zeitschriften, Bücher und Software auch Online zu bestellen. Inzwischen verfolgen wir aber eine konkrete Vision nach dem Motto:
Stiftung Warentest is everywhere.
Stellen Sie sich vor: Ihre Waschmaschine ist kaputt, der Wäschekorb quillt über. Oder: Der Versicherungsvertreter steht vor der Tür und wedelt mit einem Vertrag. Binnen weniger Minuten können Sie sich bei der Stiftung Warentest Online informieren, welche Maschine die beste ist oder ob Sie bei dieser Gesellschaft eine Police abschließen sollen. Noch ein wenig weiter gedacht: Sie stehen im Geschäft vor einer Flut gleichartiger Waren. Sie rufen über Ihr Handy per UMTS einfach die aktuellen Testergebnisse für dieses Produkt ab und kaufen anschließend den individuell nach Ihren Bedürfnissen ermittelten Testsieger. Zugegeben: Ein bisschen ist das noch Zukunftsmusik. Einen Teil unserer Vision wollen wir jedoch schon dieses Jahr verwirklichen.

sagmal.de:
Kaum ein Artikel, der in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht von Ihnen getestet wurde. Wie testen Sie die Internetangebote ? Provider im Dauerrütteltest?

Andreas Gebauer:
Im Grunde unterscheidet sich ein Providertest nicht so sehr von dem einer Waschmaschine: Bei beiden kommt es auf Leistung, Handhabung, Kosten und Service an. Bei Internetthemen kommt hinzu, dass die Stiftung Warentest großen Wert auf die Sicherheit legt. Und mit der steht es - das zeigen viele der jüngsten Untersuchungen zum Onlineshopping, -banking - leider oft nicht zum besten. Auch hier kann ein Onlineauftritt die Hefte sinnvoll ergänzen. So können etwa User auf der Seite SSL-Check selbst die Sicherheit des Datentranfers von Anbietern checken.

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sagmal.de:
Was tut die Stiftung Warentest, was tun Sie, um immer up to Date zu sein. Wie informieren Sie sich über Neuerungen, die Ihre Arbeit beeinflussen könnten ?

Andreas Gebauer:
Natürlich müssen wir immer das Ohr am Puls des Marktes haben. Wir bemühen uns sogar, noch stärker als in der Vergangenheit auf neue Entwicklungen zu achten. Ein Beispiel: Eine wichtige Neuerung beim Relaunch der Zeitschrift "test" Ende vergangenen Jahres war, dass wir die Häufigkeit der Rubrik "Neu auf dem Markt" deutlich erhöht haben. Hier reagieren wir sehr schnell auf neue Entwicklungen und Produkte und bewerten sie für die Verbraucher. Und eines können Sie mir glauben: Gerade unsere Leser zählen zu den kritischsten Verbrauchern - auch gegenüber der Stiftung Warentest selbst. Die sagen uns schon, welche Tests ihnen fehlen.

sagmal.de:
Macht die globale Vermarktung, die unendliche Vielfalt des Angebots durch das Internet alles leichter, oder alles schwerer für die Kunden?

Andreas Gebauer:
Leichter und gleichzeitig schwerer: Auf der einen Seite ist jeder Konkurrent nur einen Mausklick entfernt. Das wird zu sinkenden Preisen führen. Auf der anderen Seite ist das Angebot nahezu unüberschaubar. Manchmal fällt es ja schon schwer, in einem großen Kaufhaus den Überblick über das Sortiment zu behalten. Im Internet potenziert sich dieses Problem. Um so wichtiger werden seriöse, unabhängige und objektive Informationen, wie sie die Stiftung Warentest bietet.

sagmal.de:
Sie haben einen Wettbewerb namens "Jugend testet". Was hat die Stiftung Warentest speziell der Jugend zu bieten?

Andreas Gebauer:
Einiges: Allein in den vergangenen zwei test-Heften finden Sie Tests von Inline-Skates und entsprechenden Schützern, Kinderfahrrädern, MP3-Playern, Trekkingrucksäcken und so weiter. Thematisch ist also auch für Jugendliche etliches dabei. Neben dem Wettbewerb "Jugend testet" bieten wir auch Unterrichtsmaterial für Lehrer und Schulen . Darunter ein - wie ich persönlich finde - recht peppig gemachter Film. Fast alle Verlage versuchen, mit solchen und ähnlichen Aktionen, Jugendliche auch bei den klassischen Medien bei der Stange zu halten. Ob es gelingt, vermag ich nicht zu sagen. Auch hier kommt natürlich einem guten Onlineauftritt insgesamt eine immer stärkere Bedeutung zu.

sagmal.de:
Was braucht das deutsche Internet, um bei der internationalen Herausforderung konkurenzfähig zu bleiben? Fehlt eine Lobby der User?

Andreas Gebauer:
Ich sehe keinen Anlass zu Befürchtungen, dass kreative deutsche Firmen nicht auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sein sollten. Und was eine Lobby für User anbelangt - wie sollte die denn aussehen? Meine persönliche Meinung dazu: Von der Effizienz staatlicher Kontrollinstanzen bin ich - gerade wenn es um High-Tech-Entwicklungen geht - wenig überzeugt. Auch von einer Inflation von Qualitätssiegeln halte ich wenig. Ich kann Ihnen nur so viel versprechen: Die Stiftung Warentest wird - wie sie seit mehr als 30 Jahren für die Interessen der Verbraucher einsetzt - natürlich auch auf Seiten der User sein. User - das ist ja eigentlich auch nur ein Verbraucher auf Neudeutsch.

sagmal.de:
Was sagen Sie zum Thema Homebanking ? Die Banken werben ja dafür ständig in allen Medien. Ist Ihrer Meinung nach das Verfahren schon ausgereift und absolut sicher für den Bankkunden?

Andreas Gebauer:
Gerade dazu haben wir schon mehrere Untersuchungen durchgeführt. Nur eines von vielen Beispielen finden Sie hier. Unsere Meinung zum Stichwort Sicherheit: HBCI sollte sich endlich als Standard durchsetzen. Und auch in Sachen Nutzerführung und Service ist noch einiges zu verbessern. Und dennoch: Wenn man bedenkt, wie wenige Jahre das Internet überhaupt erst existiert - als Massenmedium sind es ja gerade mal erst drei Jahre, muss ich sagen: Wir sind doch insgesamt schon recht weit.

sagmal.de:
Was sehen Sie positiv am Medium Internet und was negativ?

Stiftung Warentest NavigationAndreas Gebauer:
Positiv: Dass das gesamte Wissen der Menschheit - zumindest theoretisch - jedem einzelnen Menschen zur Verfügung steht.
Negativ: Das dies praktisch noch nicht der Fall ist.

sagmal.de:
Bleibt bei all der Arbeit noch Zeit, privat im Internet zu surfen, wenn ja, was sind Ihre Lieblingsziele ?

Andreas Gebauer:
Wenig - das meiste hat indirekt dann doch wieder mit meiner Arbeit zu tun. Ab und an schaue ich mir bei der Deutschen Börse AG ein paar Aktienkurse an. Und wenn ich viel Muße habe, besuche ich auch kurz mal die Homepage des Fußballvereins meiner Jugend: Eintracht Braunschweig. Der Deutsche Meister der Saison 66/67 - damals war ich sieben - ist zwar heute nur noch drittklassig - aber so ist das nun mal mit alten Lieben.

sagmal.de:
Haben Sie bei den Ihnen gestellten Fragen eine Frage vermisst?

Andreas Gebauer:
Wenn Sie keine Antwort vermisst haben, sind wir fertig.

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Andreas Gebauer:
Das Internet wird unser aller Leben in kürzerer Zeit drastischer verändern als alle anderen technischen Entwicklungen zuvor.

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Das Interview wurde am 22 Mai 2000 in Form eines E-Mail Interviews geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Andreas Gebauer für die Beantwortung unserer Fragen.

Die bei diesem Interview verwendeten Bilder unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den jeweiligen Homepages entnommen.


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