Interview mit Dietmar Schlötel/ Dirk Metzmacher vom 1.5.2001
Dietmar Schlötel Dietmar Schlötel,
geb. 26.01.1953, trat nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre 1980 in die damals noch sehr kleine Micrologica GmbH ein, die heute als Micrologica AG am Neuen Markt notiert und ein wenig in Schwierigkeiten geraten ist. Dort lernte er die Programmierung "von der Pike an". 1989 verließ er das Unternehmen als Prokurist und ging zur heutigen Nordat Network GmbH und arbeitet seitdem dort als IT-Berater vor allem für Banken und Pharma-Großhandels-Unternehmen. Auf Grund seiner Ausbildung ist er eher Web-Programmierer als Web-Designer. 1999 startete er die Dienstleistung Feedback-Tausch im WWW.

Dirk Metzmacher Dirk Metzmacher,
geb. 06.01.1976, lebt von Kursen und Seminaren zum Thema HTML und Webdesign und versucht seine junge Firma am Leben zu erhalten. Die Lehre zum Mediengestalter Bild und Ton brachte ihn zum erstenmal mit dem Thema Webdesign in Berührung. Von da an lernte er autodidaktisch alles zum Thema HTML, Javascript und Webdesign, um das Erlernte in verschiedenen Praktika unter Beweis zu stellen. Seit einem Jahr kämpft er um Kunden für sein Unternehmen IDL&S ( www.idls.de ), das sich auf kleine bis mittelständische Unternehmen spezialisiert hat.,
 

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Dietmar: Ich kenne inzwischen viele Privat-Initiativen, denen so manche Business-Site nicht das Wasser reichen kann. Und das sind oft sogar Webmaster, die noch zur Schule gehen.

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Dirk: Ich denke, dass das Internet so alltäglich wird, wie es Fernsehen und Radio schon heute sind. Man kann sich heute nicht vorstellen, das jemand staunend vor dem Fernseher steht und sich fragt : Was ist denn das ?

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sagmal.de:
Dietmar, Dirk, eure Seite Feedback-tausch, was genau muss man sich darunter vorstellen?

Feedback-tausch.de
DIETMAR:
Wie eigentlich jeder Webmaster von privaten oder auch kleineren kommerziellen Seiten schon feststellen musste, ist die Bereitschaft von Surfern, Rückmeldungen auf ein Angebot im Web zu geben, ziemlich gering. Gästebücher werden in der Regel eher dazu genutzt, Eigenreklame zu machen, als dazu, dem Webmaster einen ehrlichen Eindruck zu seiner Site zu übermitteln.

Der Feedback-Tausch will diese Lücke schließen, indem er eine Börse für solche Rückmeldungen anbietet.

DIRK:
Er bietet eine Möglichkeit des Usability-Testing für jeden und das kostenlos ! Wenn ein Anbieter eines Internetangebotes nicht weiß, wie seine Besucher auf die Homepage reagieren und an welcher Stelle, sei es in der Navigation oder durch unendliche Ladezeiten, Probleme auftauchen, kann der Feedback-Tausch helfen, indem er von anderen Nutzern eine gesteuerte Kritik bekommt. Diese Kritik oder dieses Feedback beinhaltet Daten des Users (u.a. Auflösung, Internetanschluss, Browsertyp), einen Part mit Notenvergabe (u.a. zur Ladezeit und Navigation) und einen Kommentar mit einer Länge von mindestens 300 Zeichen ! Die Kritik wird dem Webmaster per Email zugesandt.

sagmal.de:
Wer von euch kam auf die Idee so eine Seite zu machen?

DIRK:
Dietmar hatte die Idee! Die Frage sollte bei mir vielmehr so lauten : Wie bist du zum Feedback-Tausch gekommen ? Ich war einer der vielen User des Projekts und habe meine eigene Homepage testen lassen. Ich war so begeistert von dem Feedback und von Dietmars Idee, daß ich ihn gefragt habe, ob ich seine Seite neu designen darf. Er hatte die ganze Sache gut programmiert, aber das Design war doch etwas dürftig (entschuldige Dietmar) und wurde dem Service nicht gerecht.

DIETMAR:
Die Idee hatte ich im September 1999 bei der Lektüre des Newsletter der Akademie.de. Damals schrieb Sven Lennartz (Dr. Web) wöchentlich eine Kolumne für den Newsletter, in der er auf interessante Angebote im Web hinwies. Und interessant fand er eine US-Site, die Rezensionen von Sites vermittelte, in einem Verfahren per Newsletter-Eintrag - ähnlich der Verfahrensweise von Linktausch.de. Ich fand diese Idee auch sehr gut, allerdings war das ganze halt in Englisch und das Verfahren fand ich auch zu kompliziert. Also habe ich mich hingesetzt und binnen einer knappen Woche ein Set von Perl-Skripten erstellt, bei dem das Verfahren automatisiert ist. Das war die Basis der heutigen Version des Feedback-Tausch, die heute mit Perl und PHP unter mySQL läuft.

sagmal.de:
Wer kann bei euch alles mitmachen?
Jeder der eine Homepage hat?

DIETMAR:
Ja. Bei uns kann wirklich jeder Webmaster mitmachen. Wir haben als Teilnehmer 11jährige Schüler mit ihrer ersten Homepage genauso wie gestandene Web-Designer, die den Feedback-Tausch als Qualitäts-Sicherungsstufe für ihre neuesten Projekte nutzen. Das genau ist auch für mich ein Reiz des Systems, bei dem sich wirklich Anfänger, Fortgeschrittene und Experten gegenseitig befruchten.

DIRK:
Es kann jeder mitmachen der eine Homepage hat, was auch die Grundvoraussetzung ist. Man macht ja mit, um Feedback zu bekommen. Der "Preis" für die gewünschte Kritik ist es, soviel Feedback zu geben, wie man auch haben möchte. Ausgenommen sind natürlich Beiträge mit rechtlich bedenklichen oder pornografischen Inhalt, die von uns sofort gelöscht werden.

sagmal.de:
Und wie ist das mit gewerblichen Websites?

DIETMAR:
Auch die sind selbstverständlich bei uns willkommen. Kommerzielle Websites können bei uns etwas erhalten, für das sie normalerweise viel Geld ausgeben müssten. Mit ein bisschen Zeit, in der sie andere Teilnehmer bewerten und beraten, sparen sie sich teure Umfragen und Untersuchungen über die Akzeptanz ihres Angebots. Ich würde mir da sogar noch mehr wünschen, denn ich glaube, hier finden solche Sites mehr Nähe zu den Ansichten ihrer Gäste als über irgendwelche traditionelle Feedback-Möglichkeiten wie Response-Formulare oder Gästebücher, die ich bei kommerziellen Sites eh für fehl am Platze halte.

DIRK:
Allerdings müssen sie damit rechnen, von den Feedback-Tausch Usern schärfer beurteilt zu werden als private, "unprofessionelle" Sites. Von kommerziellen Anbietern sollte man einen gewissen Standard an Qualität erwarten können.

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sagmal.de:
Gibts noch mehr Projekte von euch?

Javascript-Archiv
DIRK:
Das Javascript-Archiv Das Archiv bietet über 100 Javascripts, die alle vom Browser unabhängig arbeiten können. Jede Woche wird ein neues Script hinzugefügt. Mit der Hilfe unserer Besucher soll das Archiv erweitert werden ! Was für ein Javascript wird benötigt, von welcher Art sollte es in Zukunft mehr geben ? Außerdem gibt es einen Spezial-Bereich mit Gimmicks für jeden Homepagebesitzer.

DIETMAR:
Homepage Design für Einsteiger. Wer den Feedback-Tausch kennt, wird sich auch beim Tutorial gleich wohlfühlen, denn diesem Projekt haben Dirk und ich inzwischen wie auch dem JS-Archiv das gleiche Design-Konzept verpasst. Dieses Tutorial war 1997 mein erstes öffentliches WWW-Projekt, nachdem ich bemerkt hatte, dass wirklich gute Tutorials wie vor allem SELFHTML für den blutigen Anfänger bereits eine Stufe zu hoch ansetzten.

sagmal.de:
Wie kamt Ihr ins Web?

DIETMAR:
Bedingt durch meinen Beruf habe ich schon sehr lange private PC's. Daher bin ich schon seit Ende der 80er Jahre online. Zunächst in Mailbox-Netzen wie Zerberus und Maus-Netz, später auch in BTX. Seit Mitte der 90er Jahre fasziniert mich das Internet, zunächst passiv, dann auch aktiv. Meine ersten HTML-Seiten waren die Einrichtung einer Intranet Site für die Abteilung des Kunden, für die ich damals tätig war.

DIRK:
Mein Vater hat vor ein paar Jahren seinen Amiga 4000 per 28k Modem an das Internet angeschlossen. Von da an begann für mich das Internetzeitalter. Zu Beginn hatten ja nur die reinen "Computerfreaks" wie mein Vater im Privatbereich einen Zugang zum Internet. Zu dieser Zeit waren die Computer in den Haushalten noch nicht so verbreitet. Heute hat ja fast jeder dritte Haushalt einen PC. Meine ersten Schritte waren, glaube ich, ganz üblich für einen Neuling. Am Anfang probiert man die Möglichkeiten aus und entdeckt Chaträume, man sucht die neusten Treiber oder man findet lustige kleine Gif-Animationen. So sah dann auch meine erste Homepage aus. Von rechts kam ein kleiner Hund angelaufen und mußte aufpassen das er nicht von dem sich drehenden eMail-Zeichen umgehauen wurde.

sagmal.de:
Was hat sich eurer Meinung nach geändert?
Was wurde besser was schlechter?

DIETMAR:
Ich möchte da gar keine Wertung abgeben, ob besser oder schlechter. Da gibt es aus meiner Sicht unterschiedliche Trends. Generell kann man sagen, dass der Unterschied zwischen kommerziellen Projekten und privaten Angeboten immer weiter verwischt. Ich kenne inzwischen viele Privat-Initiativen, denen so manche Business-Site nicht das Wasser reichen kann. Und das sind oft sogar Webmaster, die noch zur Schule gehen.

Ein weiterer Trend ist der Technologie-Wahn, besonders bei sehr großen Sites, der auf den Normal-User ohne High-Tech-Ausstattung keinerlei Rücksicht zu nehmen scheint. Angebote wie z.B. Sport1.de oder RTL.de sind ohne schnelle Internet-Verbindung und moderne Browser-Plugins wie z.B. Flash kaum noch zu nutzen.

DIRK:
Verblüffend finde ich, dass praktisch jeder meiner Freunde oder Bekannten eine eigene eMail-Adresse hat. (Sogar meine Mutter hat jetzt eine.) Viele haben auch eine eMail-Adresse, ohne selbst einen Computer zu besitzen. Freunde und Internetcafes helfen da aus. Du hast gefragt, was besser wurde und was schlechter. Das kann man so nicht sagen, da es heute genau wie vor ein paar Jahren gute wie schlechte Homepages gibt. Was sich auch geändert hat ist, das es heute von allem ein Dutzend Anbieter gibt. Früher gab es ein paar Suchmaschinen und einen Buchhändler online. Von allem gibt es heute unzählbare. Aber ob das negativ ist ? Man muss halt für sich das beste heraus suchen.

sagmal.de:
Wo seid Ihr so unterwegs, wenn Ihr am Surfen seid?

Homepage-Einsteiger
DIRK:
Wenn es um HTML geht, Dr.Web und Selfhtml. Die beiden Seiten sind Standard in dem Bereich. Die neusten Meldungen aus der Branche finde ich auf www.internetworld.de. Um ein schönes Design zu finden oder interessante Webprojekte, benutze ich meistens Linklisten wie www.linkdup.com.

Interessant finde ich auch Seiten wie www.starwars-union.de, die um den Kult eine Community aufgebaut haben, welche allein von Fans getragen wird. Ansonsten hält man die Augen offen und findet manchmal so Perlen wie sagmal.de oder go4xml.com, die ich persönlich ganz interessant finde.

DIETMAR:
Wenn ich nach den administrativen Aufgaben beim Feedback-Tausch - glücklicherweise nicht zu zeitaufwändig - weitersurfe, suche ich zunächst das Forum von Masterportal24.com auf. Da bin ich Moderator für den Bereich Feedback und Web-Quality (wen wunderts ?) und versuche auch dort Anfängern auf dem Weg zu einer guten Site zu helfen.

Ansonsten lasse ich mich in der Regel treiben, gerne auch auf den Seiten der Feedback-Tausch-Teilnehmer. Da gibt es richtige Knaller.

sagmal.de:
Habt Ihr bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

DIETMAR:
Ich hatte eine mit "warum" beginnende Frage erwartet. Die hätte ich ganz kurz beantwortet: Weil es mir einfach Spaß macht, mitzuhelfen, bessere Sites im WWW zu bekommen.

DIRK:
Ja, du hast nicht nach der Zukunft des Internet gefragt (eine meiner Lieblingsfragen). Ich denke, dass das Internet so alltäglich wird, wie es Fernsehen und Radio schon heute sind. Man kann sich heute nicht vorstellen, das jemand staunend vor dem Fernseher steht und sich fragt : Was ist denn das ? So geht es aber vielen noch mit dem Internet. Im Vergleich zu anderen Medien, wird es aber immer schneller und unbeständiger bleiben.

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

DIRK:
Den überlasse ich Dietmar.

Logo DIETMAR:
Ich möchte einfach mit dem Satz schließen, der unter jeder Feedback-Tausch-Mail steht und sich auch an die Webmaster unter den Lesern dieses Interviews richtet:
Und immer wieder mal Feedback tauschen...

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Das Interview wurde am 1.5.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Dietmar und Dirk für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen


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