Interview mit Hannelore Ehrich vom 23.1.2004

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Viele ältere Menschen bekommen von ihren Kindern die abgelegten Computer geschenkt. Und dann kommen sie zu uns, um sich die Anfangsbegriffe beibringen zu lassen. Ich finde. der Computer ist gerade für ältere Menschen ideal, denn wenn sie nicht mehr so mobil sind, können sie über das Internet Kontakte knüpfen und mitmischen.

Hannelore EhrichHannelore Ehrich,
29.8.1937 in Berlin geboren als 2. Kind einer Arbeiterfamilie mit 5 Kindern. In Ostberlin aufgewachsen, dort Grund- und Oberschule besucht und Abitur gemacht. Danach ging sie nach Westberlin und hat in einer Bibelschule eine 2,5 jährige Ausbildung zur Gemeindehelferin gemacht. Sie arbeitete danach zehn Jahre in der evangelischen Kirche in der Kinder- und Jugendarbeit.
Dann wollte sie Kinderdorfmutter im SOS-Kinderdorf werden, machte dort die halbjährige Ausbildung mit und arbeitete auch als Mutterbewerberin im Kinderdorf. Aber da ihr das zu aufregend war, hörte sie damit auf. Ihre dritte Ausbildung war dann die zur Krankenschwester. Sie wollte eigentlich Gemeindeschwester werden, blieb dann aber im Krankenhaus, weil inzwischen ihre Mutter zu pflegen war. Sie zog mit ihrer Schwester zusammen, die auch Krankenschwester war und machte Wechselschicht, damit immer eine von beiden zu Hause war. 25 Jahre wohnte sie mit ihrer Schwester zusammen und genau so lange war sie Krankenschwester. Dann wurde Hannelore Rentnerin und es begann der schönste Teil ihres Lebens.

Hannelore ist Betreiberin von www.hanneloreehrich.de

sagmal.de:
Hannelore, auf deiner Seite war das Erste das ich gelesen habe: Online-Rentnerin Hannelore Ehrich. Jetzt muss natürlich die Frage kommen: Wie wird man Online Rentnerin und was macht man da so?

Hannelore Ehrich:
Als ich noch arbeitete, war ich schon scharf auf einen Computer. Aber da hatte ich noch kein Geld dafür. Als ich dann in Rente war und meine Lebensversicherung ausgezahlt bekam, kaufte ich mir einen PC mit allem was dazu gehört und mein Neffe half mir, ihn einzurichten. Ich machte auch einen Kurs in der Volkshochschule, aber da habe ich nicht viel gelernt, weil sie da so alte Computer hatten. Das Meiste habe ich mir selbst beigebracht durch Ausprobieren und aus Büchern. Ein Jahr habe ich ohne Internet am Computer gewerkt: Mit Bildern, mit Briefe schreiben, Spielen usw.

sagmal.de:
Wie kamst du erstmals ins Web und was hat dazu geführt, dich so zu engagieren? Du bist sogar in einem Internetcafe aktiv?

Hannelore Ehrich:
In unserem Supermarkt stand an der Pinwand eine Nachricht: „Gebe Hilfe bei Computerproblemen“. Diesen Mann habe ich ab und zu mal gebraucht. Und den habe ich dann auch gefragt, ob er mir ins Internet helfen würde. Er richtete mir dann T-online ein. Wie es da weiterging, könnt ihr auf meiner Homepage unter „Internet“ lesen.

Ich bin richtig computer- und internetsüchtig und verbringe mehrere Stunden am Tage und in der Nacht vor dem PC. Das kommt daher, dass ich viele Freunde im Internet habe. Wir sind eine ganze Gruppe, die sich auch schon offline getroffen hat. Der Leiter dieser Gruppe wohnt in Freudenstadt und wir waren schon zwei mal dort, da er nicht reisen kann, weil er einen pflegebedürftigen Sohn hat. Seine Homepage hat die URL www.schwarzwaldhotel.picusii.de/ Bei ihm sind wir auch drei mal in der Woche im Chat.

Außerdem bin ich noch in einer virtuellen Fotogruppe und in einem Künstlerclub. Da muss ich natürlich auch jeden Tag hineinsehen.

Als mich der Leiter unserer Altentagesstätte ( diese Homepage habe ich übrigens auch erstellt) fragte, ob ich bei einem Senioren-Internet-Cafe als Lehrerin mitmachen würde, meinte ich erst: „Das kann ich nicht.“ Aber er sagte, wir würden erst einen einwöchigen Kurs für Multiplikatoren machen und nun macht es mir Freude. Ich mache dort Kurse für Bildbearbeitung.

sagmal.de:
Du bist vor allem in deinem Forum sehr präsent. Welche Themen besprecht Ihr so im Allgemeinen und wer kann alles mitmachen?

Hannelore Ehrich:
Mein Forum habe ich an meine Homepage angehängt und mitmachen kann jeder, der Lust dazu hat. Auch die Leser hier sind herzlich eingeladen. Im Forenkopf steht, hier kann jeder schreiben, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Es werden Alltagsdinge besprochen, Kochen ist sehr beliebt. Ich lese morgens immer Zeitung, höre Radio WDR5 und da gucke und höre ich nach Themen die meine Freunde interessieren könnten. Aber auch die anderen die im Forum schreiben, bringen schon mal Dinge, über die sie sich unterhalten wollen.

sagmal.de:
Woran liegt es deiner Meinung nach, dass so viele ältere Menschen Probleme mit dem Internet haben?

Internetcafe Hannelore Ehrich:
Viele wissen ja gar nicht, was sie da versäumen. Wir haben in unserem Internetcafe einen Nachmittag für freies Surfen und die restlichen Nachmittage für die Kurse. Zum freien Surfen können Leute kommen, die nur mal schnuppern wollen und denen mach ich dann das Internet schmackhaft. Der Vorteil unseres Internetcafes ist, dass wir nur drei Computer haben, die Gruppen also klein und wir Lehrer immer nahe am Schüler sind. Außerdem sind wir ihnen auch im Alter nahe und wissen, wie Senioren am besten lernen, nämlich durch üben, üben, üben. Und nicht so schnell. Alles selber ausprobieren lassen.
Andere Leute, mit denen ich darüber rede, sagen, dass sie genug andere Interessen und keine Zeit dafür haben. Das kann ich auch verstehen, denn der Computer ist ein Zeitfresser und wer Familie hat, der kann da in Schwierigkeiten kommen, weil er zu viel Zeit am PC verbringt. Es sollen ja auch schon Ehen daran kaputt gegangen sein. Ich bin Single und habe solche Sorgen nicht. Aber auf meiner HP könnt ihr auch lesen, dass ich nicht nur am Computer sitze. Das Lesen und Fernsehen kommt bei mir wohl zu kurz.

sagmal.de:
Was würdest du als alter Hase Gleichaltrigen raten?

Hannelore Ehrich:
Heute bekommt man in den Medien immer wieder gesagt: Näheres können Sie im Internet unter www.diesunddas.de lesen.(Ich lach mich tot, die Seite gibt es sogar) Man kommt eigentlich um dieses neue Medium nicht mehr drum rum. Viele ältere Menschen bekommen von ihren Kindern die abgelegten Computer geschenkt und dann kommen sie zu uns, um sich die Anfangsbegriffe beibringen zu lassen. Ich finde, der Computer ist gerade für ältere Menschen ideal, denn wenn sie nicht mehr so mobil sind, können sie über das Internet Kontakte knüpfen und mitmischen.

sagmal.de:
Könnten die Jüngeren etwas tun? Oder generell die Betreiber von Webseiten?

Hannelore Ehrich:
Weiss ich nicht. Wir Alten kommen auch ganz gut ohne die Jüngeren zurecht. Die können sich doch nicht so in einen älteren Menschen hineinversetzten, wenn sie ihm was erklären wollen. Das geht dann immer zack zack, Was, du hast das nicht verstanden? Ist doch ganz leicht.

sagmal.de:
Wie hat das Internet dein Leben verändert? Hat es das überhaupt?

Hannelore Ehrich:
Ja, hat es wohl. Ich verbringe, wie gesagt, einen großen Teil meiner Zeit am PC. Bei allem, was ich tue, überlege ich, ob das auch für meine Freunde im Internet interessant sein könnte. Ich habe Freunde im Ausland, in Kanada, in Australien, in Israel, in der Schweiz und in Österreich. Ich lerne eine Menge und mir ist nie langweilig.

sagmal.de:
Und wie hat sich das Internet selbst verändert?

Hannelore Ehrich:
Es gibt mehr Spam. Und es gibt mehr User. Zu Weihnachten sind bestimmt auch wieder mehr dazu gekommen. Das merkte man daran, dass die Datenautobahn an den Wochenenden danach verstopft war. Und das www wächst und wächst.

sagmal.de:
Wird es auf deiner Seite in Zukunft etwas Neues geben?

Blumen Hannelore Ehrich:
Immer, wenn ich was Neues erlebe, mache ich davon auch Bilder, und die werden mit einem Bericht in meine Seite gestellt. Und vielleicht lerne ich auch technisch noch Neues, so dass sich das Gesicht meiner Seite verändert. Warten wir es ab.

sagmal.de:
Gibt es eine Seite, außer deiner eigenen, die dir besonders am Herzen liegt?

Hannelore Ehrich:
Ja, www.orchideenforum.de/. Weil ich auch auf meinem Fensterbrett Orchideen habe.

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Das Interview wurde am 23.1.2004 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Hannelore Ehrich für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen


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