Interview mit Karina Matejcek und Markus Stolpmann vom 22.5.2002

 

* * *

Die ganze "e-Mania" der letzten Jahre ist von Leuten gestartet worden, die von den eDingsen infiziert wurden. Und mit www.eDings.de wollen wir diese Entwicklung hinterfragen und beleuchten. Eine Schublade dafür zu finden ist schwierig.

* * *

* * *
 
Da hat man sich für viel Geld von einer Web-Agentur ein Konzept erstellen lassen, dass diese dann auch noch umsetzt. Dabei stand oft genug nicht die Frage im Mittelpunkt, was die Kunden benötigen, sondern was für die Agentur das meiste Geld bringt.
 
* * *

* * *
 
Negativ beeindruckt bin ich immer wieder mal von Abmahnern, das ist eine Geisteshaltung, die ich nicht nachvollziehen kann ...
 
* * *

Karina MatejcekKarina Matejcek,
geb. 1963, lebt in Wien. Nach langjähriger Tätigkeit als freie Verlagslektorin ist Karina Matejcek seit 1997 im Internet aktiv. Sie baute als Online-Redakteurin einige Webplattformen mit auf und entwickelte Newsletterprojekte, darunter für www.derStandard.at. 2000 war sie an der Gründung eines Unternehmens für Webconsulting beteiligt. Im Frühjahr 2002 machte sie sich als Beraterin und Trainerin für Online-Kommunikation selbstständig. Ihre Beratungs- und Publikationsschwerpunkte: E-Mail im Unternehmen, Newsletter-Publishing und Schreiben für Online-Medien. Ihr Buch "Newsletter und Mailinglisten. Marketing per E-Mail" ist 2001 in 2. Auflage erschienen. Gemeinsam mit Markus Stolpmann betreibt Karina Matejcek die Online-Plattform edings.de, ein Informations- und Beratungsangebot für kleinere und mittlere Unternehmen.

Markus StolpmannMarkus Stolpmann,
geb. 1965, lebt in Kaiserslautern und ist seit vielen Jahren freier Berater, Dozent und Erfolgsautor (unter anderem "Online-Marketingmix", "Kundenbindung im E-Business", "Service & Support im Internet" sowie "Weniger ist Mehrwert: Ein Denkanstoß"). Seine Tätigkeit umfasst die Entwicklung und Evaluierung von Online-Strategien unter besonderer Berücksichtigung der Anbieter-Differenzierung und Kundenbindung. Sein Studium der Informatik, Wirtschaftswissenschaften und Mathematik sieht er heute als eine ideale Basis um zwischen Technik, Wirtschaft- lichkeitsdenken und Kundenerfordernissen zu vermitteln, macht aber auch deutlich, dass dabei vor allem Erfahrung gefragt ist. Und genau diese Schnittstellenfunktion übt er seit 1996 aus, indem er erfolgreich Online- und Integrationsstrategien für namhafte und weniger bekannte Unternehmen rund um den Globus entwickelt. Die Internet Professional schrieb einmal über ihn: "Endlich rüttelt jemand die Online-Schläfer wach!"
 
Markus und Karina sind die Gründer und Betreiber von
edings.de

sagmal.de:
Karina, Markus, zu welcher Gattung gehört denn das eDings?

Karina & Markus:
Meinst Du das Projekt oder unser kleines, freches eDings namens eD? Was eD ist, wissen wir noch gar nicht so genau ... manchmal sind diese eDingse ziemlich virenähnlich und infizieren alles. Sie können dann ganz spannende Dinge bewegen, aber auch ein ziemliches Chaos bewirken. Die ganze "e-Mania" der letzten Jahre ist von Leuten gestartet worden, die von den eDingsen infiziert wurden. Und mit www.eDings.de wollen wir diese Entwicklung hinterfragen und beleuchten. Eine Schublade dafür zu finden ist schwierig.

sagmal.de:
Wie entstand das Projekt eDings und was soll am Ende daraus werden?

Infos bei eDings Karina & Markus:
Nun, ganz ehrlich: Es gab schon seit etwa 1,5 Jahren die Idee, etwas Gemeinsames zu machen. Gemeinsame Interessen und Ideen gab es viele, aber es fehlte der entscheidende Impuls. Was uns beide bewegte, war die Zergliederung der ganzen (e)Business-Aktivitäten. Da gibt es unendlich viele Schnittstellen und die linke Hand weiß oft nicht, was die rechte macht. Unternehmen haben keine aktuellen Inhalte auf der Website, weil nur eine Agentur die Seiten ändern kann ... und das kostet zu viel Zeit und Geld. Die ganzheitliche Sicht, die da geboten wird (also: was denkt denn der Besucher über das Unternehmen aufgrund dieser Präsentation und den Abläufen), wird viel zu oft vergessen.

Und genau da erkannten wir einen Aspekt, den wir beide gemeinsam sehr gut abdecken können. Wir betrachten uns als ganz normale Menschen, abseits des Internet-Hypes und auch abseits der großen Krise. Wichtig ist uns vor allem, die Chancen und Risiken zu benennen, die das Internet bereit hält. Wir haben ja beide viel mit "Texten" zu tun und mit der Anbieter-Kunden-Beziehung. Karinas Buch "Newsletter und Mailinglisten" hat sie ja geschrieben zu einer Zeit, als Newsletter (also der Push vom Unternehmen in die Mailbox der Kunden) noch ziemlich neu waren. Und Markus hat sich in seinen Büchern eher aus dem Pull-Gedanken mit dem Online-Business beschäftigt: angefangen vom "Online-Marketingmix" über die "Kundenbindung im E-Business" bis hin zu "Service und Support im Internet" stand immer die Frage im Vordergrund "Warum sollen Kunden eigentlich immer wieder auf eine Website kommen?".

Der Auslöser für eDings war dann die Beschäftigung mit Weblogs, die eine sehr schnelle Aktualisierung von Inhalten auf Websites ermöglichen und zum Teil fast kleine Redaktionssysteme sind. Wir sind überzeugt davon, dass in vielen Bereichen die chromblitzenden Websites out sind, die zwar nett anzusehen sind, denen aber nützliche, aktuelle Inhalte fehlen. Eine moderne Form des Online-Publishings, bei der nicht mehr der Webdesigner, sondern der Content-Lieferant die Aktualierungsfrequenz bestimmt. Und um zu zeigen, was alles möglich ist, haben wir www.eDings.de als Projekt gestartet. Wir wollen damit auch zeigen, dass eine Webpräsenz nicht viel Geld kosten muss. Für eDings zahlen wir keinerlei Lizenzgebühren, das verwendete Weblog gibt es kostenlos, Anpassungen an HTML-Seiten werden, wenn sie doch mal nötig sind, mit einem Freeware HTML-Editor vorgenommen, usw. Einzig das Hosting kostet und auch da haben wir ganz bewusst ein Standardpaket von 1&1 genommen. Natürlich könnten wir auch eine ganz andere Website bauen, aber viele unserer Kunden haben keine riesigen Budgets - eDings will zeigen, dass trotzdem interessante und aktuelle Websites möglich sind.

Dass eDings sich selbst wieder mit (e)Business-Themen beschäftigt liegt einfach daran, dass wir hier unser Know-how haben und wir nicht einfach ein Demonstrationsobjekt wollten, das rein fiktiv ist. Was aus dem Ganzen wird? Am Ende? Ein Ende sehen und planen wir eigentlich nicht. eDings lebt in gewisser Weise. Wir werden immer mal wieder etwas umbauen, aber es gibt nicht "ein großes Ziel". Gäbe es einen Endausbau, dann würde es irgendwann auch langweilig - für uns wie für unsere Besucher.

sagmal.de:
Eine Österreicherin, Online-Redakteurin, ehemalige Lektorin und ein Deutscher, Informatiker, ehemaliger Zuschneider für Tapetenmusterbücher, wie passt das zusammen? Macht euch gerade die Mischung so erfolgreich?

Interviewter:
Wie das zusammen passt? Gar nicht ;-)
Tatsächlich ist die Mischung das Spannende. Wir haben oft unterschiedliche Auffassungen, aber eDings erlaubt es auch, diese Unterschiede auszuleben. Die Beiträge sind namentlich gekennzeichnet und wir reden uns nur selten rein. Auch haben wir noch nie einen Beitrag nicht geschrieben, weil wir vielleicht unterschiedlicher Meinung gewesen wären. Höchstens manche Kommentare von eD würden wir gerne zensieren. Aber der ist so frech, der lässt sich eh nichts vorschreiben...

Unsere Erfahrungen als Autoren, Dozenten und Berater verbinden natürlich sehr. (Übrigens ist Karina noch immer als Lektorin aktiv. Markus aber schon seit etwa 20 Jahren nicht mehr als Tapetenzuschneider.) Es ist aber auch so, dass die Unterschiede sich sehr gut ergänzen. Man glaubt gar nicht, wie verschieden manchmal die Einschätzungen sein können, zwischen Frau & Mann, Österreich & Deutschland, Lektorin & Informatiker, Stadt & Land, etc. ... letztlich geht es aber immer um die Diskussion Kunde - Unternehmen und Content - Wirtschaftlichkeit.

sagmal.de:
Und wie koordiniert Ihr eure Arbeit? Ich stelle mir das zwischen Österreich und Deutschland nicht immer ganz einfach vor.

Karina & Markus:
Oh, das ist nun wirklich ganz einfach. Einerseits durch die technische Realisierung: eDings kann man von jedem Webbrowser der Welt aktualisieren. Andererseits gibt es eMail und Telefon. Und wir kennen uns mittlerweile so gut, dass vieles auf Zuruf funktioniert und sich manche Arbeitsteilung auch ganz automatisch ergeben hat. eDings ist da ein sehr demokratisches, aber auch problemloses Projekt.

sagmal.de:
Ist die Seite für euch nur eine Art Werbemittel, oder steckt mehr dahinter?

Karina & Markus:
Wir haben ja schon mal angedeutet, dass zumindest die direkte Werbung gar nicht der Auslöser für eDings war. Wir halten uns in den zentralen Bereichen der Website und im Newsletter auch bewusst mit Eigenwerbung zurück. Vielmehr ist es eine Machbarkeitsstudie gewesen und auch heute noch ein spannendes Experiment. Wir haben beispielsweise bisher auch noch keinen Cent für Werbung (online wie offline) ausgegeben. Trotzdem steigen die Zugriffszahlen und auch die Zahl der Newsletterabonnenten kontinuierlich.

Wir betrachten eDings daher vor allem als eine indirekte Werbung, die wir potenziellen Kunden zeigen und sie so natürlich auch von unseren Fähigkeit und Konzepten überzeugen. Dabei haben wir aber immer gesagt, dass es durchaus für die Zukunft denkbar und wahrscheinlich ist, auch kostenpflichtige Angebote rund um eDings aufzubauen oder stärker unsere eigenen Angebote in den Vordergrund zu bringen. Aber was die Zukunft da bringt steht in den eDings-Sternen.

Zurück zur Übersicht Zur Übersicht Interviews Nach oben

sagmal.de:
Ihr verdient ja beide euer Geld mit dem Web, durch das Web. Ist ein steigender Bedarf da, der zu decken ist, oder gehen immer noch viele Firmen zu lasch mit dem Thema Präsentation im Internet um?

eDings hilftKarina & Markus:
Auch wenn es ja durchaus eine Krise im Online-Business gibt, so ist doch das Internet nicht mehr aus der Geschäftstätigkeit wegzudenken. Faktisch ist die Krise vor allem auch eine Vertrauenskrise: die Anbieter haben sich am technisch möglichen orientiert, nicht an den Wünschen der Kunden. Und da sind dann die Versprechungen und die so geweckten Erwartungen durch die Wirklichkeit enttäuscht worden. Man denke nur an die kostenlosen E-Mail-Adressen, die plötzlich Geld kosten sollen, oder Bezahl-Content, aber auch die Schwierigkeit, im Web überhaupt eine gewünschte/benötigte Information zu finden.

Hier sehen wir einen enormen Bedarf: Kundenorientierte, ganzheitliche Konzepte entwickeln und auf die Möglichkeiten eines Unternehmens, einer Branche und den Erfordernissen der Kunden abstimmen. Differenzierung durch Mehrwert, nicht die neuesten Flash-Animationen.

Und insofern müssen auch viele Online-Anbieter umdenken lernen: Da hat man sich für viel Geld von einer Web-Agentur ein Konzept erstellen lassen, dass diese dann auch noch umsetzt. Dabei stand oft genug nicht die Frage im Mittelpunkt, was die Kunden benötigen, sondern was für die Agentur das meiste Geld bringt. Und jetzt fehlt der Erfolg und die Budgets werden zusammengestrichen ... aber ein echtes Konzept oder auch nur eine Überprüfung dessen, was da wirklich im Web steht, wurde viel zu selten vorgenommen. Das muss und wird sich ändern - und hier liegt ja auch ein Schwerpunkt unserer Beratung: Konzepte & Strategien entwickeln, die dann durchaus von anderen umgesetzt werden dürfen. Mehr "Neutralität" im Sinne einer geringeren Abhängigkeit von Toolanbietern und einer stärkeren Fokussierung der Kundenbedürfnisse und der Besonderheiten des Anbieters - Stichwort: USP.

sagmal.de:
Markus, wenn ich die Vorstellung Eurer Personen und Ideen richtig gelesen habe, dann ist für Dich der Idealfall, dass Kunden und Anbieter sich als Partner fühlen. Wie soll denn so etwas im Internet praktisch durchführbar sein? Kann man das in einigen wenigen Worten zusammenfassend sagen, oder muss man dazu alle Deine Bücher kaufen?

Markus:
Ja, tatsächlich glaube ich, dass die *Beziehung* zwischen Anbietern und Kunden gerade durch das Internet stark in den Hintergrund geraten ist. Viele Unternehmen haben sich auf das Klingeln der Kasse konzentriert - den "Point of Sales" - aber in Wirklichkeit beginnt das alles ja schon viel früher und endet auch nicht nach dem Kauf. Vor kurzem habe ich den folgenden Satz mal wieder ausgegraben: "Alle Marketing-Aktivitäten werden aus den Profiten gezahlt, die mit bestehenden Kunden erzielt wurden!" Das zeigt doch sehr deutlich, dass man am Besten auf schon bestehende Kunden setzt, auf Stammkunden. Aber wer macht das im Web?

Wie das funktionieren soll? Ganz wie im guten alten Tante-Emma-Laden. Oder auch wie bei Amazon ... mit persönlichen Empfehlungen, mit nützlichen Newslettern, mit Beratung, mit Mehrwert-Angeboten - alles in allem dadurch, dass man die Belange der Kunden ernst nimmt. Nur: eine 08/15-Standardlösung gibt es nicht. Jedes Unternehmen muss selbst geeignete Strategien entwickeln - wir helfen gerne dabei.

Aber ich glaube auch, dass das kein Problem ist, dass nur im Internet besteht. Gerade kleinere Anbieter haben auch bei der "normalen" (offline, oder wie ich dieser Tage hörte: on-land) Geschäftstätigkeit ein ganz großes Problem der Differenzierung und Kundenbindung. Ich habe dazu ein kleines Büchlein geschrieben mit dem Titel "Weniger ist Mehrwert", das Ende Mai erscheint und Denkanstöße geben will, wie man genau diese Partnerschaft wieder stärkt und fördert. Es wird auch eine Website zum Buch geben unter www.wenigeristmehrwert.de .

sagmal.de:
Und wer sollte sich eine solche Beratung leisten? Vor allem, wer kann sie sich leisten? Nur grosse, finanzkräftige Firmen? Oder schon der kleine Handwerksbetrieb mit drei Mitarbeitern?

Karina & Markus:
Schlimmer noch: sogar der einzelne Freiberufler ;-)
Eine solche Beratung ist eine Investition in die Zukunft. Das ist wie mit Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt. Natürlich kann man sich den Aufwand sparen, aber dann wird man evtl. nie erfahren, warum man so schlecht drauf ist. Und die Folgekosten können enorm sein. Das hört sich vielleicht ein wenig übertrieben an, zumal noch immer verbreitet wird, dass ein Engagement im Internet sehr kostengünstig ist und wir das mit eDings ja sogar belegen. Aber die Kosten, die durch veraltete Informationen, schlechte Navigation, falsche Inhalte und fehlende Einbindung in die übrigen Geschäftsprozesse indirekt entstehen ... ja, wie viele Geschäfte erst gar nicht zustande kommen ... das alles kann man gar nicht hoch genug ansetzen.

Heute führt doch oft der erste Weg einen potenziellen Kunden erst mal ins Web. Die Kunden sind besser informiert als die Mitarbeit und Verkäufer eines Unternehmens. Was passiert denn, wenn sich die Homepage als veraltet und wenig hilfreich darstellt? Dieser potenzielle Kunde ist ein für alle Mal weg - ein Dialog findet gar nicht mehr statt. Deshalb ist es so wichtig, eine klare Strategie zu haben: an wen richtet sich die Website, was soll sie leisten, wie wirkt sie, ... Es ist absolut erschreckend, wie viele Unternehmen all das nicht wissen - erst recht nicht, warum die Kunden wiederkommen und den Dialog suchen sollen. Gefragt ist E-Quality, denn sonst droht unweigerlich die Equality. Und genau dabei wollen wir helfen.

Zurück zur Übersicht Zur Übersicht Interviews Nach oben

sagmal.de:
Wird denn im Internet alles besser, nur weil ein e- davorsteht? e-commerce, e-learning, e-dings?

Karina & Markus:
Eben nicht. Wir waren ja fast schon ein wenig in Versuchung, das Ganze nicht "eDings" zu nennen sondern "eMotz". Es ist erschreckend, wie viele Versprechungen da gemacht wurden. "Leute, geht ins Internet, dann rennen euch die Kunden den Laden nur so ein." "E-Learning wird in fünf Jahren die klassische Mitarbeiterweiterbildung komplett verdrängen."

Mit eDings wollen wir ein wenig hinter die Kulissen schauen und auch unsere Besucher daran teilhaben lassen. "Was funktioniert im Internet, und was nicht?" Natürlich haben wir die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen - aber wer sich Anfang der 90er durch Moskau geschlagen (Karina) oder seine Gliedmaßen an der Bandschneidemaschine riskiert hat (Markus), der entwickelt ein wenig Erfahrung in den unterschiedlichen Lebenslagen ;-)

eDings will eben Tipps und Anregungen für den Erfolg im Online- aber auch Offline-Business geben und klarmachen, dass es nicht ausreicht, irgendwas mit dem e-Virus zu infizieren und als das Nonplusultra im Web zu präsentieren.

sagmal.de:
Karina, Du als Fachfrau für Online-Kommunikation kannst uns doch sicher sagen, welche Fehler im Web grundsätzlich gemacht werden.

Karina:
Grundsätzlich wird zu wenig Wert auf die Texte gelegt, da wird auf die Bedürfnisse des Users null Rücksicht genommen, sowohl inhaltlich als formal. Es gäbe da *unglaublich* viel zu tun, aber das Bewusstsein für Text-Qualität im Web ist bislang kaum ausgeprägt. Ein weiterer Punkt ist die Benutzbarkeit der Websites, wobei ich da noch gar nicht mal von "Usability" spreche. Es geht darum, dass sich das so genannte Webdesign im Grunde nicht am User orientiert, der statistisch gesehen eine halbe Stunde pro Woche (oder war's gar per Monat?) online geht. Webdesign orientiert sich immer an anderem Webdesign, aber wenn ich mir vorstelle, ich bin einer aus der Masse der Gelegenheitssurfer und soll mir bei Quelle.de ein Fahrrad kaufen ... unmöglich. Wobei Quelle.de da jetzt nur ein Beispiel von vielen ist und nach Profi-Kriterien nicht mal schlecht gemacht. Und die Leute kaufen dort auch. Aber ich meine, es würden noch viel mehr Leute dort kaufen, wenn es einfacher wäre, sich zu bedienen. Ich bin überzeugt, wir haben bislang die Möglichkeiten des Webs nicht einmal ansatzweise erkannt, wir denken noch immer viel zu sehr in Offline- Kategorien. Und das stimmt mich oft sehr nachdenklich.

sagmal.de:
Ihr betreibt auf eDings ja auch so eine "Art" Weblog, wenn auch nicht so intensiv wie einige andere, die ich schon besucht habe. Ist die Zeit der Weblogs nicht bereits erkennbar am abklingen?

Das eDigns Blog Karina & Markus:
Das eDings-Weblog (oder kurz: Blog) ist ja auch vielen Hardcore-Bloggern ein Dorn im Auge. Denn in deren Augen ist es kein Blog. Das wären kurze, persönliche Erlebnisse verbunden mit einer starken Verlinkung. Und dann gibt es da die Web-Diaries, persönliche Tagebücher, in der Regel ein oder zwei längere Einträge pro Tag.

Was eDings fehlt ist der persönliche Aspekt. Wir nutzen die Technik (dynamische Generierung der Webseiten, umgekehrt-chronologische Sortierung von Beiträgen in verschiedenen Kategorien), sehen sie aber einfach als eine moderne Form des Online-Publishings. Jeder kann zum Autor werden und braucht dazu nicht mal HTML-Kenntnisse, geschweige denn Design-Erfahrung. Die Beiträge werden im Webbrowser in ein Formular eingegeben und sobald dieses abgeschickt wurde, ist der neue Beitrag online. Das erreicht man auch durch sündhaft teuere CMS- Installationen ... aber wird haben ganz bewusst eine kostenlose Weblog-Software (Sunlog) benutzt und an unsere Erfordernisse angepasst.

Ob andere, private Weblogs wieder auf dem Rückzug sind wollen wir nicht kommentieren :-) Als ein Publishing-Tool beginnen es Unternehmen und Online-Anbieter aber gerade erst zu entdecken ... öffentlich (wie beispielsweise Macromedia) oder auch intern zur Mitarbeiterkommunikation.

sagmal.de:
Wie würdet Ihr selbst euer Surfverhalten bezeichnen?

Markus:
Stark business-orientiert. Unterhaltungsangebote nutze ich kaum, aber für meine tägliche Arbeit kann ich mir kaum vorstellen, auf das Web zu verzichten.

Karina: Ich habe einen Kabelanschluss. Mehr sage ich dazu nicht :-) (eD: Mit "Kabelanschluss" meint sie, dass es in Wien Internet per "Telekabel/Chello" gibt ... mit Flatrate. Deshalb bin ich auch viel lieber bei Karina in Wien als bei Markus, der nicht mal T-DSL von den Telekomikern bekommt!!!)

sagmal.de:
Seit wann seid Ihr im Netz der Netze unterwegs und was hat euch nachhaltig darin beeindruckt? Positiv und/oder negativ.

Karina:
Ich bin seit 1997 online und mich faszinierte immer das hohe Potenzial an Selbstorganisation, z.B. wie es im Usenet existiert, die Hilfsbereitschaft, die es in non-kommerziellen Bereichen nach wie vor gibt (Mailinglisten). Negativ beeindruckt bin ich immer wieder mal von Abmahnern, das ist eine Geisteshaltung, die ich nicht nachvollziehen kann ...

Markus:
Nun, Google fördert Posting in Newsgroups von Januar 1991 zutage. Meine "Lurker"-Zeit lag aber noch viel weiter zurück. Man kann sicher behaupten, dass ich zur "Pionier-Generation der Onliner in Deutschland" gehöre, wie es mal in einem Interview genannt wurde. Während des Studiums war unser Jahrgang der erste, der nach dem Grundstudium einen freien Zugang zum Internet hatte. Allerdings war da das World Wide Web noch nicht erfunden und wir mussten uns mit mail, ftp und irc herumschlagen - ohne Mausbedienung, sondern alles auf der Kommandozeile.

Positiv beeindruckt hat mich das Netz der Netze schon sehr früh, als ich ein Projekt zum Thema "betriebliche Informationssysteme" betreute und es einen Browser namens Mosaic gab. Da erkannte ich ziemlich schnell, dass ich auch bei dem Projekte für den Informationsaustausch um das Internet nicht herum komme. Negativ fällt mir immer auf, wie viel Zeit man mit sinnlosen Dingen im Internet vergeuden kann.

sagmal.de:
Gibt es eine oder mehrere Seiten, die euch besonders am Herzen liegen, ausser euren eigenen?

Karina:
Ich liebe www.zeitzuleben.de, das ist für mich definitiv die wichtigste Website der Welt (außer eDings natürlich). Leider kann ich es mir nicht verkneifen, jeden Tag wenigstens einmal auf www.dotcomtod.de vorbeizuschauen, das ist für mich so etwas wie die Chronik des Unterganges der Seifenblasenära ... und ich wette manchmal mit mir selbst, wie lang es bei dem einen oder anderen noch dauert ...

Markus:
Einige der "Perlen" haben wir in eDings ja erwähnt und empfehlen immer mal wieder neue Schätzchen. Aber sonst? Praktisch orientiert wie ich nun mal bin würde ich www.google.de, www.n-tv.de, www.tvtv.de, www.joeys.de und www.heise.de/newsticker nicht missen wollen, letztere wegen der herrlichen Leserkommentare unter den Beiträgen ;-)

sagmal.de:
Habt Ihr bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

Karina & Markus:
Nein, hoffentlich waren unsere Antworten nicht zu lang!

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Karina & Markus:
Das kleine eDingseD hat sich beschwert, dass wir seine frechen Kommentare nicht auch in das Interview aufgenommen haben. Aber er lässt alle Leser schön grüßen. Und wir natürlich auch!

Bücher:

von Markus

Einfach klicken, um zu Amazon zu kommenWeniger ist Mehrwert
Mehr Erfolg durch Fokussierung und Flexibilität.
Ein Denkanstoß von Markus Stolpmann
Galileo Business
192 S., 2002, geb.
ISBN 3-89842-250-X
Amazon-Preis (D): EUR 19,90

Einfach klicken, um zu Amazon zu kommenOnline-Marketingmix
Kunden finden, Kunden binden im E-Business
von Markus Stolpmann
2. erw. Aufl.
Galileo Business, 2001
ISBN: 3934358721
Amazon-Preis (D): EUR 34,90

Einfach klicken, um zu Amazon zu kommenService und Support im Internet
Intelligente Dienstleistungen - effizient zum Erfolg
von Markus Stolpmann
Galileo Business, 2001
ISBN: 3898421643
Amazon-Preis (D): EUR 29,90

Kundenbindung im E-Business
Loyale Kunden - nachhaltiger Erfolg.
von Markus Stolpmann
Galileo Business, 2000
ISBN: 3934358403
Amazon-Preis (D): EUR 29,90

von Karina

Einfach klicken, um zu Amazon zu kommenNewsletter und Mailinglisten
Marketing per E-Mail
von Karina Matejcek
2., aktualis. u. erw. Aufl.
Ueberreuter Wirtschaft, 2001
ISBN: 3832307753
Amazon-Preis (D): EUR 25,51

Zurück zur Übersicht Zur Übersicht Interviews Nach oben

Das Interview wurde am 22.5.2002 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Karina Matejcek und Markus Stolpmann für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen


Wollen sie diesen Beitrag kommentieren?

Bisherige Kommentare

Sagmal.de ist ein Angebot von
Compuexe deSign Webdesign