Interview mit dem Duncker-Duo vom 9.10.2001
Olaf und Kai sind das Duncker Duo
Sehr kurze Kurzvitas
Olaf:
71er
Berliner
Musiker

Kai:
68er
Dresden
Leipzig
Bonn
Seit 95 Berlin
Layouter

***
Wir rufen die Kneiper auf, Parties zu veranstalten, bei denen sie einen Obolus auf jedes Getränk schlagen. Die Erlöse werden dann an Vereine, die sich um Opfer rechter Gewalt kümmern, gespendet. Ein Aufstand der "anständigen" Lokale also.

sagmal.de:
Kai, Olaf, das Motto Eurer Aktion heißt: "Saufen gegen Rechts". Ist das nicht ein wenig provokativ? Wäre nicht ein etwas zahmeres Motto - wie zum Beispiel "Kneipen gegen Rechts" - besser gewesen?

Logo Duncker-Duo:
Unser erstes Kommunikationsmittel waren Aufkleberpostkarten. Diese wurden in über 500 Lokalen Berlins und inzwischen auch in Thüringen über bekannte Displays kostenlos verteilt. Dort gilt es aufzufallen, um wahrgenommen zu werden. Wir haben uns deshalb für eine einfache Gestaltung und das provokantere Motto entschieden. Anscheinend hat diese Art und Weise einen Nerv getroffen. Wir können uns über fehlende Aufmerksamkeit nicht beklagen.

sagmal.de:
Ihr habt mit Eurer Aktion im Herbst 2000 in Berlin angefangen. Wie kam es zu der Idee und was soll das Ganze bewirken?

Duncker-Duo:
Die Idee entstand natürlich, wo sonst, in der Kneipe. Im Sommerloch des Jahres 2000 gab es zwei Themen in der Presse: Kampfhunde und Rechtsradikalismus. Die Presse schrieb, die Politik zeigte Gesicht, die Anständigen standen auf. Das war eines Abends Thema unserer Stammtischrunde, spontan fiel der Spruch "Saufen gegen Rechts" und das Motto der Aktion "ward geboren". Wirte und ihre Kunden sollen unter diesem Motto nicht nur Position beziehen, sondern auch einen praktischen Beitrag gegen Rechtsradikalismus leisten. So ungewöhnlich der Spruch, so ungewöhnlich die Art und Weise des Protestes. Wir rufen die Kneiper auf, Parties zu veranstalten, bei denen sie einen Obolus auf jedes Getränk schlagen. Die Erlöse werden dann an Vereine, die sich um Opfer rechter Gewalt kümmern, gespendet.
Ein Aufstand der "anständigen" Lokale also.

sagmal.de:
Wie weit ist das Ganze bisher gediehen?

Duncker-Duo:
Inzwischen beteiligen sich weit über 200 Kneipen, Bars und Restaurants aus ganz Deutschland an der Aktion. Den aktuellen Stand kann man unter www.saufen-gegen-rechts.de nachlesen.

sagmal.de:
Ab wann würdet Ihr von einem Erfolg Eurer Aktion reden?

Duncker-Duo:
Der Erfolg ist da, wenn ein Kneiper sich seiner Verantwortung bewusst wird. Eine Kneipe ist ein öffentlicher Raum, in ihm wird diskutiert. Von dort darf keine körperliche und geistige Gewalt ausgehen. Außerdem hoffen wir, dass auf diese Weise einige Vereine unterstützt werden können.

sagmal.de:
Gerade in Kneipen fällt ja durch das vielzitierte Stammtischgerede ein rechter Samen oft auf einen fruchtbaren Boden. Man muss nur oft genug rechte Parolen säen, um Zustimmung und Unterstützung zu ernten. Warum glaubt Ihr, Ihr könntet das Ganze umkehren?

Duncker-Duo:
Genau weil dieses " Stammtischgequatsche" rechtes Gedankengut u.Ä. assoziiert, wollen wir zeigen, dass dies in den Lokalen, die "Saufen gegen Rechts" unterstützen, und vielen anderen nicht der Fall ist. Ein klein wenig Imagekorrektur also.

sagmal.de:
Ist nicht gerade übermäßiger Alkoholgenuss oft ein Anlass für agressives Verhalten gegenüber anderen?

Duncker-Duo:
Wir denken, dass der kleinste Teil der Menschen das Motto "Saufen gegen Rechts" tatsächlich als Aufforderung zum Alkoholkonsum versteht. Wichtig ist, dass man nicht wegsieht, sondern einschreitet, wenn Menschen angegriffen werden. Egal ob agressive Personen nüchtern, betrunken oder sonstwas sind.

sagmal.de:
Was geschieht mit den Einnahmen, zum Beispiel aus dem Verkauf des T-Shirts oder den Einnahmen der beteiligten Kneipen?

T-Shirt-Aktion Duncker-Duo:
Der Erlös der T-Shirts wird an den Verein Opferperspektive.de e. V. gehen. Wenn Lokale Parties bzw. Aktionen starten, entscheiden sie selbst, welches Projekt sie unterstützen.

sagmal.de:
Wie kann man die Aktion unterstützen, wenn man nicht in Berlin lebt und ohne zu trinken, sorry, ohne zu saufen?

Duncker-Duo:
Wir haben auf unserer Homepage www.saufen-gegen-rechts.de eine Option "Wir machen mit". Dort kann man sich einerseits als Lokal anmelden bzw. als Kunde einen Werbeflyer ausdrucken. Einfach zum Stammkneiper gehen, ihm die Aktion mithilfe dieses Ausdrucks vorstellen. Inzwischen unterstützen Lokale aus dem ganzen Bundesgebiet die Aktion. Selbst in der Schweiz gibt es inzwischen "Saufen gegen Rechts".

sagmal.de:
Wie sah denn bisher die Unterstützung, zum Beispiel aus der Politik, für Eure Aktion aus?

Duncker-Duo:
Aus der Politik kamen eher wenig Reaktionen. Z. Bsp. Ein Statement: "Lieber Saufen gegen Rechts, als koksen im Senat". Ansonsten ist die Politik leider nicht im Stande mit Spass und Humor "anständig aufzustehen", um damit vielleicht sogar mehr zu Erreichen, als mit Phrasen.

sagmal.de:
Inwieweit ist das Internet für Eure Aktion nützlich?

Duncker-Duo:
Die Postkartenaufkleber-Aktionen laufen nur in begrenzten Zeiträumen. Die Zeitungen schreiben auch nicht jeden Tag über die Aktion, somit ist unsere Adresse www.saufen-gegen-rechts.de zu unserem wichtigsten Kommunikationsmittel geworden.

sagmal.de:
Das Internet an sich ist vor allem in den Medien stark umstritten und wird immer als Brutplatz für rechte Gewalt und Kinderpornografie bezeichnet. Was haltet Ihr generell vom Medium Internet?

Duncker-Duo:
Ein wichtiges Informations- und Kommunikationsmittel.

sagmal.de:
Und wo seid Ihr unterwegs, wenn Ihr nicht in Kneipen herumhängt, um Eure Aktion zu promoten?

Duncker-Duo:
Überall und nirgends, am liebsten aber im Bett.

sagmal.de:
Habt Ihr bei meinen Fragen etwas vermisst?

Duncker-Duo:
Vorerst nicht.

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Saufen gegen rechts Duncker-Duo:
Seid wachsam!!!

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Das Interview wurde am 9.10.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken dem Duncker-Duo Kai und Olaf für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen


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