Interview mit Felix Frohn-Bernau vom 2.1.2001
Felix Frohn-Bernau Felix Frohn-Bernau,
31, studierte Rechtswissenschaften in Köln und München, wo er sein Studium nach 8 Semestern mit Prädikat abschloss. 1998 erlangte er den Titel des Abogado sowie die Zulassung als Rechtsanwalt in Madrid. Dort war er in einer der größten Kanzleien Spaniens im Bereich M&A sowie internationales Bankrecht tätig. Zuletzt war Felix Frohn-Bernau Rechtsanwalt im Bereich Wettbewerbs- und internationales Handelsrecht in einer der fünf größten Kanzleien Deutschlands am Standort Berlin. Felix Frohn-Bernau ist einer der Initiatoren des Internet-Verbands European Net Economy Forum (e-nef), Mitglied des Internetausschuss der FDP sowie Gründungsmitglied des Förderkreises Neue Medien in Berlin/Brandenburg. Er spricht Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. Felix ist Gründer und Vorstand von dooyoo.de

***
Die Gründer der New Economy sollten von den Managern der Old Economy lernen, dass Enthusiasmus, Geschwindigkeit und Flexibilität nicht alles sind. Der Erfolg eines Unternehmens basiert immer auch auf effizienten Strukturen und klar verteilten Kompetenzen.

sagmal.de:
Felix, die Idee von dooyoo, Produkte und Dienstleistungen vom Verbraucher bewerten zu lassen, um zukünftigen Käufern eine Entscheidungshilfe zu geben, klingt so simpel. Warum ist da vorher niemand darauf gekommen?

Dooyoo Logo Felix Frohn-Bernau:
"Vor zwei Jahren hat in Deutschland noch kaum jemand darüber nachgedacht, welche Art von Serviceleistungen man anbieten kann, die auf den Möglichkeiten des Mediums Internet basieren. Erst ab Mitte des letzten Jahres war klar, dass ein großer Bedarf an solchen Services besteht und dass es zugleich Geldgeber gibt, die bereit sind, in den Aufbau solcher Services zu investieren. In diesem Klima haben wir unser Modell einer Entscheidungshilfe für Verbraucher entwickelt."

sagmal.de:
Ist das ein ganz einfaches Rezept? Man nimmt ein paar junge, dynamische Visionäre und einen Geldgeber und hat einen erfolgreichen Startup? Oder fehlt da noch was?


Felix Frohn-Bernau:
"Mit einer Vision und einem Kapitalgeber ist es noch lange nicht getan. Der härteste Prüfstein für eine Vision ist die Realität. Wenn es plötzlich kein Zurück mehr gibt, der Visionär in seinem frisch angemieteten Büro sitzt, qualifizierte Mitarbeiter finden und sich mit unerwarteten technischen Problemen herumschlagen muss, zeigt sich schnell, dass unternehmerische Vorstellungskraft nicht ausreicht, um ein erfolgreiches Business hochzuziehen. Dann sind Standhaftigkeit und Enthusiasmus gefragt, um sich den täglich neuen Herausforderungen zu stellen, die mit einer Firmengründung verbunden sind."

sagmal.de:
Hast du selbst auch schon einmal die Dienste von dooyoo in Anspruch genommen? Wenn ja, bei welchen Produkten?


Felix Frohn-Bernau:
"Na klar. Ich habe beispielsweise kürzlich die Autovermietung gewechselt, da die User an unserer bisherigen kein gutes Haar gelassen haben."

sagmal.de:
Der Name dooyoo weckt Assoziationen mit einer grossen Suchmaschine. Gewollt oder reiner Zufall?


Felix Frohn-Bernau:
"Wir waren auf der Suche nach einem Fantasie-Namen, der sich offen, modern und einprägsam anhört und der zugleich eine Art Aufforderung zum Mitmachen darstellt. So sind wir auf dooyoo gekommen."

sagmal.de:
Ihr habt euch auf Großbritannien, Spanien, Frankreich und Italien ausgedehnt. Wie geht es weiter? Der Schritt über den Teich?


Felix Frohn-Bernau:
"Sicherlich hat dooyoo langfristig das Ziel, auch außereuropäische Märkte zu besetzen. Neben den USA sind auch Asien und Lateinamerika für uns interessant. Doch es geht uns nicht um eine Expansion um der reinen Größe willen. Zunächst wollen wir alles daran setzen, unseren Service in den Ländern, in denen wir bereits vertreten sind, technisch zu perfektionieren und inhaltlich immer stärker auf die tatsächlichen Bedürfnisse jedes einzelnen Nutzers abszustimmen. Nur so können wir unsere Mitglieder dauerhaft an uns binden. Alle weiteren Schritte erfolgen zur gegebenen Zeit."

sagmal.de:
Du engagierst dich stark bei e-nef, (european net community forum) bist selbst Gründungsmitglied. Kannst du uns etwas über die Ziele von e-nef verraten?

Poster der Handy-Werbung Felix Frohn-Bernau:
"Unser zentrales Anliegen ist es, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen der New Economy sicher zu stellen, und zwar nicht nur auf EU-Ebene, sondern auch im Vergleich mit den USA. In diesem Zusammenhang stehen neben den arbeitsmarktpolitischen Themen steuerrechtliche, urheberrechtliche und arbeitsrechtliche Fragen auf unserer Agenda. Wir halten unter anderem eine radikale Senkung der Einkommenssteuer für erforderlich."

Zurück zur Übersicht Zur Übersicht Interviews Nach oben

sagmal.de:
Was muss sich in Deutschland im Bereich Wettbewerbsfähigkeit der New Economy verbessern, um auf Dauer mit den Amerikanern mithalten zu können?


Felix Frohn-Bernau:
"Die Streichung des völlig veralteten Rabattgesetzes war hier ein Schritt in die richtige Richtung. Das letzte, was wir brauchen können, sind weitere staatliche Eingriffe in die Gestaltungsfreiheit der jungen Unternehmen."

sagmal.de:
Was konkret kann die Politik tun, um Start-ups und Old-Economy zusammen zu bringen?


Felix Frohn-Bernau:
"Ich sehe hier keinen politischen Handlungsbedarf. Es ist doch längst so, dass sich Old und New Economy kontinuierlich befruchten, sowohl was personelle Fluktuation und Kapitalbewegungen, als auch technische Erneuerungen betrifft."

sagmal.de:
Was können die beiden Economys voneinander lernen?


Felix Frohn-Bernau:
"Die Gründer der New Economy sollten von den Managern der Old Economy lernen, dass Enthusiasmus, Geschwindigkeit und Flexibilität nicht alles sind. Der Erfolg eines Unternehmens basiert immer auch auf effizienten Strukturen und klar verteilten Kompetenzen. Hier behalten viele Modelle der Old Economy ihre uneingeschränkte Gültigkeit. Den Managern der Old Ecomony würde es gut tun, sich von der Begeisterung, dem Pragmatismus und dem unbedingten Glauben an die eigene Idee, wie sie in der New Economy vorherrschen, anstecken zu lassen."

sagmal.de:
Viele Politiker wären ja froh, wenn sie ihren Videorecorder selbst programmieren könnten. Gibt es Politiker, denen du wirkliche Hilfe bei den von euch angesprochenen Problemen zutraust?


Felix Frohn-Bernau:
"Nun, man muss ja kein ausgebuffter Java-Programmier sein, um das hohe Potenzial des Internet und der New Economy abschätzen zu können. Es ist sicherlich als Erfolg zu werten, dass die Politik die allgemeine Relevanz der New Economy erkannt hat."

sagmal.de:
Die FDP hat dich in ihren Arbeitskreis Internet einberufen. Ein erster Anfang? Oder bist du eher der Vorzeigestartup? Nach dem Motto: Seht her, wir tun was im Internet!


Felix Frohn-Bernau:
"Hinter diesem Arbeitskreis Internet steckt nicht der Versuch, sich öffentlichkeitswirksam zu profilieren, sondern ein ernsthaftes Interesse an den Belangen der New Economy. Deshalb bringe ich meine Erfahrungen aus der täglichen Praxis gerne in diesen Arbeitskreis ein."

sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

key visual Felix Frohn-Bernau:
"Vielleicht die Frage, wie es weitergeht mit dooyoo. Wir haben mit unserem Re-Design einen wichtigen Schritt hin zum vollständigen Informationsanbieter rund ums Einkaufen getan. Zudem werden wir in den nächsten Monaten unsere Präsenz im mobilen Internet weiter ausbauen."

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?


Felix Frohn-Bernau:
Nein

Zurück zur Übersicht Zur Übersicht Interviews Nach oben

Das Interview wurde am 2.1.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Felix Frohn-Bernau für die Beantwortung unserer Fragen.
Die verwendeten Grafiken wurden nur für dieses Interview von der Dooyoo-Homepage entnommen und unterliegen dem Copyright


Wollen sie diesen Beitrag kommentieren?

Bisherige Kommentare

Sagmal.de ist ein Angebot von
Compuexe deSign Webdesign