Interview mit Bernhard Hillinger/deus vom 15.10.2000
Bernhard Hillinger..,,deus Bernhard Hillinger geboren 1974 HTL (Höhere technische Lehranstalt ) Braunau, TU Wien- Nachrichten und Informations - technologie so far...
Bernhard ist Gründer und Betreiber der Handy-Hatepage

--- Die Geschichte sollte uns gelehrt haben: Nicht was wir NICHT wissen, bringt uns zu Fall.. sondern das, was wir fälschlicherweise zu wissen glauben.---

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Innerhalb weniger Jahre hat sich unsere Lebensweise durch die ständige Erreichbarkeit massiv verändert.

sagmal.de:
Bernhard, wieso hasst du Handys?

Bernhard:
Gleich eines vorweg: ich würde mich nicht als Handy-Hasser bezeichnen. Mit dem Wort Hass verbindet mich nur der Domainname, der nun eben mal hatepage.com lautet. Hätte ich mir den Domainnamen selbst ausgesucht würde er nicht so destruktiv klingen. Ich bin selber nicht so glücklich mit dem Namen. Ich wurde mal als realpolitischer Handy-Hasser beschrieben und mit dieser Definition bin ich eigentlich ganz zufrieden. Die drei Hauptpunkte, die ich am Handy kritisiere, sind folgende:
1.)Soziale Komponente:

Innerhalb weniger Jahre hat sich unsere Lebensweise durch die ständige Erreichbarkeit massiv verändert. Ich bin mir nicht sicher, ob jeder Handy-Besitzer ständig erreichbar sein will. Obwohl natürlich die Möglichkeit besteht das Handy abzuschalten, wird dies kaum getan. Wenige haben bis jetzt diese Entwicklung kritisch hinterfragt oder angesprochen.

Es gibt interessante psychologische Studien, die belegen, dass es nicht unbedingt vorteilhaft ist, Erlebtes sofort mit jemandem zu besprechen. Dies wird damit begründet, dass das menschliche Gehirn die Eigenschaft besitzt, Erlebnisse nur einmal zu verarbeiten. Trägt man ein Handy bei sich, ist die Verlockung groß, Erlebtes sogleich weiterzuerzählen. Damit wird eine gründliche Verarbeitung durch das Gehirn zumindest abgeschwächt.

2.)Wirtschaftliche Komponente:

Mobiltelefonieren ist trotz jüngster Preissenkungen noch immer sehr teuer. Ich begründe das damit: Beim Festnetz muss jedes Telefon an eine physische Leitung angeschlossen sein, wohingegen beim Mobilnetz im Schnitt nur alle 300 Meter ein Sendemasten steht. Dadurch ist der Personalaufwand für Wartung und Aufbau geringer. Man braucht kein Wirtschaftsexperte zu sein, um anhand des Erlöses der UMTS-Versteigerung Rückschlüsse auf die hohen Gewinne der Netzbetreiber zu ziehen.

3.)Gesundheitliche Komponente:

Bisher gibt es noch keine vernünftigen Studien über Auswirkung der elektromagnetischen Strahlung auf den menschlichen Organismus. Bei Mäusen, Regenwürmern, etc. konnten bösartige Zellveränderungen festgestellt werden. Rückschlüsse auf den Menschen zu ziehen, sei aber deshalb nicht möglich. Mit menschlichen Zellen wurden bisher alle Versuche "in vitro" (Reagenzglas) durchgeführt, was ich nicht für sehr aussagekräftig halte. Abgesehen davon sind viele Studien über gesundheitliche Gefahren beim mobilen Telefonieren von den Netzbetreibern meist selbst in Auftrag gegeben. Das ist so, als ob eine politische Partei eine Meinungsumfrage über sich selbst erstellen lässt. Hinzu kommt, dass die aktuellen Grenzwerte sich nur auf die thermische Auswirkung der Strahlung beziehen und nicht auf irgendwelche Gewebs- oder Zellschäden. Näheres kann man auf der Handy-Hatepage nachlesen.


sagmal.de:
Wie kamst du auf die Idee zur Handy-Hatepage?

Handy-Hatepage Bernhard:
Aus meinem Bekanntenkreis kamen mir oft Beschwerden über Handys und Netzbetreiber zu Ohren. Daher entschloss ich mich die Handy-Hate-Page zu realisieren. Zu meinem großen Erstaunen bekam ich von vielen Lesern, sowohl von Handy-Hassern als auch von Handy-User, Feedback. Hier möchte ich ein Beispiel anführen: Mich erreichen regelmäßig mails von Personen, die sich, besorgt über alarmierende Zeitungsartikel, an mich wenden. Eine Leserin wandte sich aufgrund eines Artikels im "Spiegel" an ihren Netzbetreiber. Sie wurde mit einem lapidaren "Glauben Sie wirklich alles, was im "Spiegel" steht?" abserviert. Leider ist das kein Einzelfall und daraus ziehe ich die Motivation, die Site auszubauen und hin und wieder zu aktualisieren, um frustrierten Handy-Besitzern eine unabhängige Anlaufstelle zu bieten.

sagmal.de:
Hast du selbst ein Handy?

Bernhard:
Nein, ich komm zur Zeit auch ohne Handy ganz gut klar. Ich würde mich aber nicht weigern, im Berufsleben ein Handy zu benützen, falls es die Situation nicht anders zulässt.

sagmal.de:
Nun gehört doch das Handy zur modernen Kommunikation. Bist du grundsätzlich gegen Neues?

Bernhard:
Nein, das Web ist ja auch was relativ Neues ;-)

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sagmal.de:
Was hältst du von den unglaublichen Zahlen bei der Versteigerung der neuen Frequenzen? 98,5 Milliarden DM. Ist das gerechtfertigt?

Bernhard::
Zählt man die Kosten für den eigentlichen Aufbau des UMTS Netzes (insgesamt 60000 neue Sender) hinzu, merkt man welche Kosten noch auf Handy Benutzer zukommen werden und damit sind nicht nur UMTS User gemeint. UMTS ist nur rentabel bei Umsätzen von 100 DM/ Nutzer.

Wer mehr wissen will

sagmal.de:
Wie stehst du zur WAP-Technologie? Genial oder Totgeburt?

Bernhard::
Zu langsam, umständlich und teuer. überholt von anderen Technologien (GPRS, in Zukunft UMTS).

sagmal.de:
Die Handy HatePage beteiligt sich an einer wissenschaftlichen Arbeit, in Zusammenarbeit mit der Universität Wien. Was genau macht Ihr da?

Bernhard::
Bei diesem Test geht es grundsätzlich darum, auf Grund welcher Eigenschaften potentielle Käufer den Wert eines Handys beurteilen. Ich wurde von einem Kollegen gebeten diese Umfrage einzubauen und bin daher nicht direkt beteiligt bzw. eingeweiht.

sagmal.de:
Ist es wirklich nur Angeberei, wenn jemand mit einem Handy telefoniert?

Bernhard::
Nein. Wie bei jedem Massenprodukt, wie z.B. Autos, gibt es mehr oder weniger vernünftige Anwender.

sagmal.de:
In deinen Metatags steht bei Autor der Name deus. Was bedeutet der Name und woher hast Du ihn?

Bernhard::
Der Name hat prinzipiell keine tiefere Bedeutung, wörtlich aus dem lateinischen übersetzt bedeutet deus "Gott". Bei Online Spielen (z.B. Quake 3) verwende ich diesen Fantasy Namen als Pseudonym. Da ich meinen richtigen Namen nicht auf der Handy Hatepage verwenden wollte, war es für mich naheliegend auch hier "deus" zu gebrauchen

sagmal.de:
Gibt es weitere Projekte von dir oder sind welche geplant?

Bernhard::
Ich habe zwar schon Ideen, aber vorläufig nicht.

sagmal.de:
Hast du bei den Fragen eine Frage vermisst?

Bernhard::
Hmm, eigentlich nicht ;)
sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Bernhard:
Ich möchte noch eine kurze Geschichte erzählen welche sich unlängst in den USA ereignet hat: Ein Arzt der nach eigenen Angaben jahrelang täglich 2 Stunden mit dem Handy telefonierte, erkrankte an einem Gehirntumor ein wenig unterhalb des rechten Ohres. Er verklagte nun seinen Netzbetreiber. Der wiederum wies jede Schuld von sich und verwies auf den Handy-Hersteller, da man ja nur das nötige Telefonnetz zur Verfügung stelle. Der Handy Hersteller wiederum argumentierte, " Das Handy war nie als Hauptkommunikationsmittel gedacht gewesen und jeder trage schließlich selbst die Verantwortung wenn er das Handy zweckentfremde...." Ich habe dem nichts hinzuzufügen...

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Das Interview wurde am 15.10. 2000 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Bernhard Hillinger/deus für die Beantwortung unserer Fragen.


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