Dr. Klaus Herzig,
Jahrgang 1962,
in Frankfurt am Main
und Göttingen Studium
der Physik, Zusatzqualifikation
in Presse- und Öffentlichkeits-
arbeit.
Von 1995 bis 1999 in Hamburg
in der Geschäftsstelle der
Stiftung Jugend forscht e. V.
beschäftigt.
Seit dem 1. Oktober 1999 ist
Dr. Herzig Pressesprecher der
DENIC eG
*** Inzwischen sind etwa 80 Prozent aller DE-Domains auf Privatpersonen eingetragen.
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Die DENIC eG ist eine eingetragene Genossenschaft.
Sie wurde am 17. Dezember 1996 gegründet und am 29. September 1997 ins Genossenschaftsregister eingetragen.
Die Mitglieder der DENIC eG sind Internet Service Provider, kurz ISPs, die ihren Kunden lokale Zugänge zum Internet zur Verfügung stellen.
Zu den Aufgaben der DENIC eG gehören:
- Betrieb des Primary-Nameservers für die Toplevel-Domain DE
- Bundesweit zentrale Registrierung von Domains unterhalb der Top Level Domain DE
- Administration des Internet in Zusammenarbeit mit internationalen Gremien (CENTR, ICANN, CORE)
- Bereitstellung verschiedener Datenbankdienste
- Bereitstellung verschiedener Informationen, insbesondere zu rechtlichen Fragen bei der Domainregistrierung und -verwaltung
Historie
- 1991: Erster freiwilliger Nameserver-Dienst für .de (kurz: DENIC) an der Universität Dortmund.
- August 1993: Gründung des "Interessenverbund Deutsches Network Information Center" (IV-DENIC).
- Januar 1994: Aufnahme des Betriebs für zunächst drei Jahre an der Universität Karlsruhe.
- Dezember 1996: Vertragsverlängerung um zwei Jahre und Gründung der DENIC eG.
- Juli 1997: Aufnahme des Geschäftsbetriebs am neuen Sitz in Frankfurt. Der technische Betrieb verbleibt zunächst in Karlsruhe.
- Januar 1999: Konzentration aller Aktivitäten der DENIC eG auf den Standort Frankfurt.
- Oktober 1999: Die Anzahl der registrierten Domains übersteigt eine Million.
- April 2000: Die Zahl der registrierten Domainnamen erreicht die 2 Millionen.
- September 2000: Die Domainzahl erhöht sich auf 3 Millionen.
- Februar 2001: Die Domainzahl erhöht sich auf 4 Millionen.
- November 2001: Die Domainzahl erhöht sich auf 5 Millionen.
Quelle: Denic.de
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sagmal.de:
Herr Dr. Herzig, es gibt bei der DENIC in der Registrierungsordnung klare
Regelungen, wann eine Domain gekündigt werden kann, z. B. bei
Rechtsverstößen. Wie reagiert denn die Denic, wenn die Namen gegen den
guten Geschmack verstossen, wie Arschloch.de oder das noch in Erinnerung
gebliebene bekifft-ficken.de von den jungen Liberalen?
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Dr. Herzig:
Lassen Sie mich zunächst festhalten, dass sich die DENIC nicht
als moralische Bewertungsstelle sieht. Wir können und wollen nicht
definieren, wo die Grenzen des guten Geschmacks liegen. Wenn ein
Internetnutzer unbedingt unter einem solchen Namen im Web erreichbar sein
will, so ist das ganz allein seine Sache. Schließlich kann jedermann über
die Whois-Abfrage auf unserer Webseite www.denic.de herausfinden, wer
hinter einer Domain steckt.
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sagmal.de:
Müssen wir denn auch mit rassistischen oder gewaltverherrlichenden
Domains leben, oder schiebt die Denic bei sowas auch einen Riegel vor? Da gibt
es zum Beispiel eine Domain namens www.kinderschaender.de, obwohl die Inhalte
wohl mehr der Abschreckung dienen.
Allerdings zeugt die Wortwahl nicht gerade von gutem Geschmack. Wo liegen die
Grenzen?
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Dr. Herzig:
Hier muss man sehr deutlich zwischen Domain und Inhalten einer
Webseite unterscheiden. Wie ich oben schon sagte: Für den Domainnamen ist
alleine der Domainanmelder verantwortlich. Wir verhalten uns in dieser
Hinsicht neutral. Sollten auf einer Webseite rassistische oder
gewaltverherrlichende Inhalte zu finden sein, so gibt es dafür spezielle
Meldestelle, zum Beispiel die der freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia
FSM an die man sich dann wenden kann.
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sagmal.de:
Wie müssen wir uns die Überprüfung der Domainnamen rein technisch vorstellen?
Sitzen da Menschen am PC, die die alle eingehenden Namen nach Ihren
Vorgaben überprüfen und darüber entscheiden?
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Dr. Herzig:
Die DENIC ist nicht verpflichtet, bei der Registrierung Domains
auf etwaige Rechtsverletzungen zu prüfen. Das wird auch durch ein Urteil
des Bundesgerichtshofes vom letzten Jahr bestätigt. Die Registrierung
erfolgt vollautomatisch auf elektronischem Wege. Sonst wären wir gar nicht
in der Lage, monatlich 80.000 bis 90.000 Neuregistrierungen zu bearbeiten.
In der Regel ist es so, dass sich der Kunde mit seinem
Registrierungswunsch an einen Internet Service Provider wendet, der den
Auftrag an uns weiterleitet. Wenn die Domain noch frei ist, wird sie für
den Kunden registriert. Wir verfahren also nach dem Prioritätsprinzip: Wer
zuerst kommt, mahlt zuerst. Jeder Domainanmelder muss uns gegenüber
versichern, dass er zuvor selbst geprüft hat, keine Rechte Dritter zu
verletzen.
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sagmal.de:
Der Providerwechsel ist ein bekanntes Manko. Warum ist es nicht möglich, einen Providerwechsel direkt mit der Denic durchzuführen?
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Dr. Herzig:
Als Domaininhaber haben sie über die Domainregistrierung selbst
ein Vertragsverhältnis direkt mit der DENIC, aber es gibt eben auch noch
das Vertragsverhältnis über die Domainpflege und andere Dienstleistungen
mit dem jeweiligen Provider. Bei einem Providerwechsel müssen daher alle
Beteiligten von dem Vorgang Kenntnis haben. Deswegen lässt sich der Weg
über den Provider nicht vermeiden. Außerdem dient die Rückfrage beim alten
Provider der Sicherheit, dass nicht ein Unbefugter versucht, sich die
Domain zu erschleichen.
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sagmal.de:
Werden in Zukunft die .eu Domains eine ähnliche Rolle spielen wie .de und .com?
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Dr. Herzig:
Diese Frage ist schwer zu beantworten. Der Erfolg der EU-Domain
wird vermutlich stark davon abhängen, wie die Registrierungsbedingungen
aussehen werden. Generell haben die bereits lang eingeführten Top Level
Domais sicherlich einen Vorteil. Auch die neuen Endungen INFO und BIZ sind
ja bei weitem nicht so erfolgreich, wie man das noch vor einem Jahr
angenommen und von den Betreibern erhofft hat.
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sagmal.de:
Wird es dann eine einheitliche europäische Domainvergabe aller in Europa vorkommenmden Domains nach gleichem Recht für alle Länder geben? Im Moment hat ja jedes Land eine andere Vergabepolitik.
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Dr. Herzig:
Nein. Es ist ja gerade das Kennzeichen des dezentralen Mediums
Internet, dass sich die Internet-Gemeinde jedes Landes selbst die Regeln
geben kann, die sie für sinnvoll und notwendig hält. Und es gibt
eigentlich auch keinen Grund, das zu ändern.
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sagmal.de:
Viele Domains kann man auch nach der Löschung bei der Denic noch aufrufen.
Wo bleibt da die deutsche Gründlichkeit?
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Dr. Herzig:
Normalerweise ist es ja so, dass mit dem Löschungsauftrag an die DENIC auch die Kündigung
des Vertrages mit dem Provider verbunden ist, der die Webseite gehostet
hat. Allerdings kann es vorkommen, dass sowohl die Information über die
Domain als auch die Webseiten noch auf Caches vorhanden sind. Somit könnte
es vorkommen, dass die Informationen dort noch verfügbar sind, auch wenn
bei der DENIC und beim Provider die Daten schon gelöscht sind.
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sagmal.de:
Wie hat sich das Registrierungsverhalten in den letzten Jahren geändert?
Werden immer noch Domains gebunkert, in der Hoffnung, das grosse Geld
damit zu verdienen?
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Dr. Herzig:
Das große Geld ist mit Domains sicher nicht zu verdienen. Dem
sog. Domaingrabbing hat die Rechtsprechung schon seit geraumer Zeit einen
Riegel vorgeschoben. Da wir die Domains bei der Registrierung ja nicht
"ansehen", ist es nicht einfach, etwas über Änderungen im
Registrierungsverhalten auszusagen. Aus statistischen Analysen wissen wir
jedoch, dass der Anteil der Privatleute an den Domaininhabern in den
letzten Jahren stark gestiegen ist. Inzwischen sind etwa 80 Prozent aller
DE-Domains auf Privatpersonen eingetragen.
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sagmal.de:
Gibt es eigentlich noch "profitable" Domains?
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Dr. Herzig:
Dazu müsste man definieren, was "profitabel" bedeuten soll. Wenn
jemand seine Wunschdomain noch registrieren konnte, so ist diese für ihn
sicher auch in gewisser Weise profitabel.
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sagmal.de:
Was bedeutet das Internet für Sie persönlich?
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Dr. Herzig:
Für mich ist das Internet in erster Linie ein hervorragendes
Informations- und Kommunikationsmedium. Noch nie in der Geschichte war es
für jedermann so leicht, an Daten und Informationen heranzukommen. Wichtig
ist aber, jetzt auch entsprechende Kompetenzen zu erwerben, diese
Informationsflut auch bewerten zu können. Da sehe ich für die Gesellschaft
eine gewaltige Herausforderung.
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sagmal.de:
Gibt es eine spezielle Seite, die Ihnen am Herzen liegt?
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Dr. Herzig:
Eigentlich nicht. Und eine eigene Webseite, die ich Ihnen ans
Herz legen könnte, habe ich auch nicht. ;-)
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sagmal.de:
Haben Sie bei meinen Fragen eine Frage vermisst?
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Dr. Herzig:
Nein.
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
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Dr. Herzig:
Nein.
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Das Interview wurde am 4.4.2002 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Dr. Klaus Herzig für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen |
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