Interview mit Horst Ohligschläger vom 6.10.2000
Horst Ohligschläger...com!online Horst
Ohligschläger
,
geb. 16.7.58 in Köln Studium Germanistik, Geschichte, Politik Abschluß. Staatsexamen
1980-85 Lokalreporter Kölner Stadt-Anzeiger
1986/87 Volontariat bei der Nachrichtenagentur ddp
1987-90 Politischer Korrespondent ddp Bonn
1990-92 Politischer Korrespondent Berliner Morgenpost Berlin
1992-95 Focus, zuletzt stellv. Leiter Focus Büro Berlin
1996/97 Leiter Stern-Korrespondentenbüro Berlin
1998 Chefreakteur com!online. Ihr Internet-Magazin
1999 Chefredakteur Computer&Co. Das Multimedia-Magazin
2000 Chefredakteur
www.com-online.de

***
A story is a story is a story. Egal in welchen Medium.

sagmal.de:
Herr Ohligschläger, Sie sind Chefredakteur der Print- und der Onlineausgabe. Wo liegen die Unterschiede?

Horst Ohligschläger:
Es sind zwei unterschiedliche Medien, für die spezifische Regeln gelten und die deshalb auch journalistisch unterschiedlich gemacht werden müssen. Wer einen Online-Auftritt quasi als Fortführung eines Print-Objektes mit anderen Mitteln versteht, arbeitet konsequent am User -Interesse vorbei. Unser Online-Auftritt nutzt deshalb die Vorteile des Internets. Im Vordergrund stehen Aktualität und Präzision (etwa bei den News), Interaktivität (Downloads von Screensavern, Gästebüchern oder ähnliches) sowie Personalisierung, d.h, der User bekommt Informationen, die auf sein persönliches Interessengebiet und seine individuellen Lebensumstände zugeschnitten sind, etwa in Form von Tarifrechnern für Internet- oder Telefontarifen.

sagmal.de:
Wenn die Onlinepräsentation klare Vorteile in der Aktualität hat, was spricht dann noch für die gedruckte Ausgabe?

 

Printausgabe Horst Ohligschläger:
Viel. Das Internet ist vor allem ein Informationsmedium, das schnell und intensiv genutzt wird. Nur die wenigsten Surfer wollen ganze Romane im Netz lesen. Eine Bildschirmgröße Text ist den meisten Onlinern genug. Ähnlich sieht es mit Bildern und Grafiken aus. Die Internet-Kosten sinken zwar. Dennoch wollen die meisten User, dass sich Startseiten möglichst schnell aufbauen. Optische Elemente, die die Ladezeiten deutlich verlängern, stören da nur. All das, was im Internet nervt, macht jedoch die Stärke von Print-Titeln aus, erst recht, wenn sie nur einmal im Monat erscheinen. Die Leser erwarten von solchen Heften exakt recherchierte Hintergrundberichte, kompetente Geräte- oder Provider-Tests bzw. gut aufbereitete Schritt-für-Schritt-Anleitungen (etwa zum Bau von Homepages). Dieses Informationsangebot sollte noch durch etwas ergänzt werden, was das Internet in dieser Form nicht bieten kann: sinnlichen Genuß. Dazu gehören gut und spannend geschriebene Lesestücke und eine Bild-Sprache, die den Leser - wenn es gut geht - erstaunen läßt. Von all dem einmal abgesehen, wird das Internet solange die Print-Magazine nicht verdrängen, wie man mit Monitoren keine Fliegen erschlagen kann.

sagmal.de:
Wie wird das Internet der Zukunft ausssehn?

Horst Ohligschläger:
Das wüßte ich auch gerne.

sagmal.de:
Und der Onlinejournalist der Zukunft?

Horst Ohligschläger:
Der Online-Journalist muss gar nicht neu erfunden werden. Journalisten, die ihr Geschäft bei Nachrichtenagenturen erlernt haben, verfügen bereits über die meisten handwerklichen Fähigkeiten, die gute Online-Journalisten brauchen: Saubere und präzise Recherche, schnelle Auffassungsgabe, Neugierde und einen gewissen Hang zum sportlichen Wettstreit, immer der Erste sein zu wollen, der die News liefert. Ansonsten gilt: A story is a story is a story. Egal in welchen Medium.

sagmal.de:
Glauben Sie an eine technische Konvergenz in naher Zukunft?

Horst Ohligschläger:
Wenn Sie unter "nah" die kommenden zwölf Monate verstehen: Nein.

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sagmal.de:
Wird sich dadurch das Angebot weiter verändern?

Horst Ohligschläger:
Ja. Erst die Konvergenz von Fernsehen und Internet wird das Internet zu einem wirklichen Massenmedium machen - mit allen dazugehörenden Folgen.

sagmal.de:
Wird das auch Auswirkungen auf die Werbung in den Medien haben?

Horst Ohligschläger:
Sicher. Die Bannerwerbung im Internet, die derzeit noch mehr schlecht als recht läuft, wird völlig neue Dimensionen erreichen, wenn es nicht mehr "nur" 18 Millionen Surfer als potentielle Kunden gibt, sondern 60 Millionen, die zwischen Fernseher und Internet hin- und herpendeln

sagmal.de:
Gibt es im Internet Personen, die Sie persönlich gerne mal interviewen würden?

Horst Ohligschläger:
Jede Menge.

sagmal.de:
Auf welchen Seiten surfen Sie, wenn Sie privat im Netz unterwegs sind?

Horst Ohligschläger:
Ich bin der klassische Info-Junkie und surfe alles ab, was Neuigkeiten bringt.

sagmal.de:
Was ist für Sie das Medium Internet? Arbeitsplatz? Ein weltweiter Markt? Oder nur eine Kommunikationsplattform?

Horst Ohligschläger:
Genau das, nur in umgekehrter Reihenfolge!

sagmal.de:
Haben Sie bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

Horst Ohligschläger:
Nee, es waren doch genug.

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

 

Onlineausgabe Horst Ohligschläger:
Vielen Dank für dieses Gespräch.
Das Wetter.

 

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Das Interview wurde am 6.10 2000 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Horst Ohligschläger für die Beantwortung unserer Fragen.


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