Horst
Ohligschläger,
geb. 16.7.58 in Köln
Studium Germanistik, Geschichte, Politik
Abschluß. Staatsexamen
1980-85 Lokalreporter Kölner Stadt-Anzeiger
1986/87 Volontariat bei der Nachrichtenagentur ddp
1987-90 Politischer Korrespondent ddp Bonn
1990-92 Politischer Korrespondent Berliner Morgenpost Berlin
1992-95 Focus, zuletzt stellv. Leiter Focus Büro Berlin
1996/97 Leiter Stern-Korrespondentenbüro Berlin
1998 Chefreakteur com!online. Ihr Internet-Magazin
1999 Chefredakteur Computer&Co. Das Multimedia-Magazin
2000 Chefredakteur
www.com-online.de
*** A story is a story is a story. Egal in welchen Medium.
|
 |
sagmal.de:
Herr Ohligschläger, Sie sind Chefredakteur der Print- und der Onlineausgabe. Wo
liegen die Unterschiede? |
Horst Ohligschläger:
Es sind zwei unterschiedliche Medien, für die spezifische Regeln gelten und die
deshalb auch journalistisch unterschiedlich gemacht werden müssen. Wer einen
Online-Auftritt quasi als Fortführung eines Print-Objektes mit anderen Mitteln
versteht, arbeitet konsequent am User -Interesse vorbei. Unser Online-Auftritt nutzt
deshalb die Vorteile des Internets. Im Vordergrund stehen Aktualität und Präzision
(etwa bei den News), Interaktivität (Downloads von Screensavern, Gästebüchern oder
ähnliches) sowie Personalisierung, d.h, der User bekommt Informationen, die auf sein
persönliches Interessengebiet und seine individuellen Lebensumstände zugeschnitten
sind, etwa in Form von Tarifrechnern für Internet- oder Telefontarifen. |
sagmal.de:
Wenn die Onlinepräsentation klare Vorteile in der Aktualität hat, was spricht dann noch für die gedruckte Ausgabe?
|
Horst Ohligschläger:
Viel. Das Internet ist vor allem ein Informationsmedium, das schnell und intensiv
genutzt wird. Nur die wenigsten Surfer wollen ganze Romane im Netz lesen. Eine
Bildschirmgröße Text ist den meisten Onlinern genug. Ähnlich sieht es mit Bildern und Grafiken aus. Die Internet-Kosten sinken zwar. Dennoch wollen die meisten User, dass
sich Startseiten möglichst schnell aufbauen. Optische Elemente, die die Ladezeiten
deutlich verlängern, stören da nur. All das, was im Internet nervt, macht jedoch die
Stärke von Print-Titeln aus, erst recht, wenn sie nur einmal im Monat erscheinen.
Die Leser erwarten von solchen Heften exakt recherchierte Hintergrundberichte,
kompetente Geräte- oder Provider-Tests bzw. gut aufbereitete
Schritt-für-Schritt-Anleitungen (etwa zum Bau von Homepages). Dieses
Informationsangebot sollte noch durch etwas ergänzt werden, was das Internet in
dieser Form nicht bieten kann: sinnlichen Genuß. Dazu gehören gut und spannend
geschriebene Lesestücke und eine Bild-Sprache, die den Leser - wenn es gut geht -
erstaunen läßt. Von all dem einmal abgesehen, wird das Internet solange die
Print-Magazine nicht verdrängen, wie man mit Monitoren keine Fliegen erschlagen kann. |
sagmal.de:
Wie wird das Internet der Zukunft ausssehn? |
Horst Ohligschläger:
Das wüßte ich auch gerne. |
sagmal.de:
Und der Onlinejournalist der Zukunft? |
Horst Ohligschläger:
Der Online-Journalist muss gar nicht neu erfunden werden. Journalisten, die ihr
Geschäft bei Nachrichtenagenturen erlernt haben, verfügen bereits über die meisten
handwerklichen Fähigkeiten, die gute Online-Journalisten brauchen: Saubere und
präzise Recherche, schnelle Auffassungsgabe, Neugierde und einen gewissen Hang zum
sportlichen Wettstreit, immer der Erste sein zu wollen, der die News
liefert. Ansonsten gilt: A story is a story is a story. Egal in welchen Medium. |
sagmal.de:
Glauben Sie an eine technische Konvergenz in naher Zukunft? |
Horst Ohligschläger:
Wenn Sie unter "nah" die kommenden zwölf Monate verstehen: Nein. |
sagmal.de:
Wird sich dadurch das Angebot weiter verändern? |
Horst Ohligschläger:
Ja. Erst die Konvergenz von Fernsehen und Internet wird das Internet zu einem
wirklichen Massenmedium machen - mit allen dazugehörenden Folgen. |
sagmal.de:
Wird das auch Auswirkungen auf die Werbung in den Medien haben? |
Horst Ohligschläger:
Sicher. Die Bannerwerbung im Internet, die derzeit noch mehr schlecht als recht
läuft, wird völlig neue Dimensionen erreichen, wenn es nicht mehr "nur" 18 Millionen
Surfer als potentielle Kunden gibt, sondern 60 Millionen, die zwischen Fernseher und
Internet hin- und herpendeln |
sagmal.de:
Gibt es im Internet Personen, die Sie persönlich gerne mal interviewen würden? |
Horst Ohligschläger:
Jede Menge. |
sagmal.de:
Auf welchen Seiten surfen Sie, wenn Sie privat im Netz unterwegs sind? |
Horst Ohligschläger:
Ich bin der klassische Info-Junkie und surfe alles ab, was Neuigkeiten bringt. |
sagmal.de:
Was ist für Sie das Medium Internet? Arbeitsplatz? Ein weltweiter Markt?
Oder nur eine Kommunikationsplattform? |
Horst Ohligschläger:
Genau das, nur in umgekehrter Reihenfolge! |
sagmal.de:
Haben Sie bei meinen Fragen eine Frage vermisst? |
Horst Ohligschläger:
Nee, es waren doch genug.
|
sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz? |
Horst Ohligschläger:
Vielen Dank für dieses Gespräch.
Das Wetter.
|
Das Interview wurde am 6.10 2000 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Horst Ohligschläger für die Beantwortung unserer Fragen. |
Wollen sie diesen Beitrag kommentieren?
Bisherige Kommentare |
Sagmal.de ist ein Angebot von Compuexe deSign Webdesign
|