Interview mit Alexandra Mader vom 12.2.2000
Alexandra Mader Alexandra
Mader
ist Leiterin des Magazins
Ceiber Weiber

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Ceiber Weiber ist nur auf den ersten Blick und beim Nachhall des Titels ein Frauenmagazin das bewusst auf Konfrontation aus ist. Was erwartet man denn, wenn man(n) von einem Magazin namens Ceiber Weiber hört ? Mitarbeiterinnen in selbstgestrickten Norwegerpullovern, Maté Tee in eigenhändig getöpferten Tassen neben dem Computer ?
Weit gefehlt. Ceiber Weiber ist nicht nur ein bemerkenswertes und inhaltlich sehr aufwendiges Magazin für Frauen, sondern auch ein Projekt, das mehr ist, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

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sagmal.de:
Da ich mich für für diese Reihe auch nach Frauenthemen umgesehen habe, bin ich zwangsläufig auch bei eurem Magazin Ceiberweiber gelandet. Beim Durchstöbern stellte ich dann fest, es handelt sich nicht ja nur um ein Magazin, sondern vielmehr um ein Projekt mit staatlicher Unterstützung und sogar die EU spielt mit eine Rolle. Vielleicht erklärst du unseren Lesern zunächst mal den Hintergrund und den Sinn von Ceiberweiber und den damit verbundenen Projekten?

Logo Ceiber WeiberAlexandra:
Hintergrund: Die CeiberWeiber sind als Teil des Projektes Online NOW 1996 als Frauen-Internetplattform ans Netz gegangen. Dieses Projekt ist im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative NOW zur Förderung der Chancengleichheit von der EU konfinanziert worden. Dabei gab es neben der CeiberWeiber-Webseite auch selbstentwickelte Frauen-Internetkurse unter dem Namen "Power Up!", bei denen Grundkenntnisse im Umgang mit den neuen Medien vermittelt wurden. Die CeiberWeiber-Seite wurde dann in ein Frauen-Onlinemagazin umgewandelt und so nach Auslaufen der EU-Förderung weitergeführt (eben mit Unterstützung von Ministerien und Frauenreferaten). Unter anderem deshalb, weil der Bedarf nach vielfältigen frauenspezifischen Informationen groß ist und im Medium Internet rasch und effizient publiziert werden kann.

sagmal.de:
Könnte man dann nicht sagen, Ihr seid finanziell teilweise abhängig und ein verlängerter Arm der jeweiligen Ministerien ?

Alexandra:
Nein, wir sind niemandes verlängerter Arm, sondern werden wie andere Fraueneinrichtungen gefördert (die übrigens nach Zusagen vom Bundeskanzler in Zukunft eine Basisfinanzierung, d.h. die Abdeckung des laufenden Betriebes erhalten sollen). Ceiber Weiber hat seinen Sitz in Wien. Gemeint ist daher der österreichische Bundeskanzler.

sagmal.de :
Gibt es deiner Meinung nach eine oder mehrere Frauen, die das Internet nachhaltig beeinflusst haben ? Wenn ja, warum ? Das Team Ceiberweiber natürlich ausgenommen :o)

Alexandra:
Ob best. Frauen das Internet beeinflußt haben: Sicherlich kam den Webgrrls eine gewisse Vorreiterinnen-Rolle zu, weil sie deutlich machten, daß Frauen eben nicht vielleicht mal das Netz zum Shoppen nutzen, sondern es auch professionell (mit-) gestalten. Ansonsten gibt es viele Frauen, die in einzelnen Themenbereichen das Internet nutzen und für andere wichtige Angebote erstellen. Beispielsweise tolle Seiten zur Frauengeschichte, oder auch solche, auf denen Frau sich über Machos amüsiert...

sagmal.de :
Meinst du damit Webgirls, wenn ja, allgemein, oder spezielle ? Wenn speziell, gibts da eine URL ? (Man sieht, es gibt auch blonde Männer!)

Alexandra:
Ich meine die US-Webgrrls und sicherlich auch die in de - www.webgrrls.com und www.webgrrls.de ...

 

Chrissagmal.de :
Wer legt die Themen für Ceiber Weiber fest ? Habt Ihr die freie Entscheidung oder sind euch gewisse Grenzen gesetzt ? Wenn ja, welche und durch wen?

Alexandra:
Unsere Themenstellungen ergeben sich einerseits aus einer Servicefunktion, was die Veröffentlichung von Terminen, Ausschreibungen etc. ebenso bedingt wie Berichte von interessanten Veranstaltungen. Andererseits aus dem, was uns wichtig erscheint, daraus, was aktuell gesellschaftspolitisch passiert, und daraus, was aus dem Feedback der UserInnen als Wunsch ersichtlich ist. Grenzen sind uns eigentlich keine gesetzt, da wir auch bspw. im politischen Bereich zwischen Bericht oder Interview und Kommentar unterscheiden, und, da es im Internet ja im Gegensatz zu Printmedien relativ viel Platz gibt, wir ohne weiteres Kontroverses veröffentlichen können. Das sieht in der Praxis dann so aus, daß wir, im Gegensatz zu "herkömmlichen" Medien, nicht nur die Frauenministerin interviewen, sondern auch die Fraueneinrichtungen zu Wort kommen lassen, die mitunter heftige Kritik an ihr üben. Da Politikerinnen aber, was sich auch bei den Wahlen letzten Herbst gezeigt hat, in Medien nur spärlich Platz finden, können sie bei uns ihre Standpunkte differenziert darlegen, egal, wie wir nun persönlich dazu stehen. Und das bewährt sich und kommt ganz gut an bei den UserInnen...

 

sagmal.de :
Beisst Ihr damit nicht die Hand, die euch füttert ? Gibt es keine Gewissenskonflikte, ähnlich manchen Interviews der herkömmlichen Medien mit Interviewpartnern, deren Firmen oder Parteien ja auch Anzeigen schalten ?

Alexandra:
Die CeiberWeiber bilden ja auch inhaltlich einen Kontrast zur anzeigen-orientierten Berichterstattung anderer Medien, wo eben das als erstes, zweites, drittes etc. kommt, was Inserate bringt. Und berichtet wird über das, was "frauenrelevant" ist.

sagmal.de :
Der Anteil der Frauen im Internet nimmt langsam zu. Trotzdem ist er noch wesentlich kleiner als der der Männer. Wie macht man das Internet auf Dauer frauenfreundlicher ?

Alexandra:
Sonderlich ansprechend wirkt es ja wirklich nicht, wenn das Internet immer als Medium verkauft wird, in dem man(n) Börsenberichte liest oder sich das neue Auto ansieht bzw. natürlich massenweise Pornos reinzieht. Und viele Frauen sind auch empört, wenn ihnen nahegeliegt wird, halt mal kurz einzusteigen, um virtuell Designermode einzukaufen, aber von einer ernsthaften und regelmäßigen Nutzung in den Klischeevorstellungen nicht die Rede ist. Ich bin etwas skeptisch, wenn da als Maßnahme dann versucht wird, das Internet als eigentlich eh kinderleicht zu handhabendes Medium anzupreisen, weil das Frauen ja erst recht in eine Schublade steckt. So in der Art, alles muß verniedlicht werden, damit Frauen keine "Scheu" mehr davor haben, sich nicht mehr fürchten (so wurde tatsächlich im Rahmen einer Regierungskampagne hierzulande von der beauftragten Agentur geworben!). Sicherlich wurde das Web erstmal von Männern und unter militärischen Gesichtspunkten erfunden und entwickelt, aber deshalb muß es nicht für "den Mann" zugänglicher und leichter verständlich sein als für "die Frau". BenützerInnenfreundliche Software und entsprechendes Design von Webseiten (übersichtlich und ohne allzuviel Schnickschnack) sollte eine allgemeine Erfordernis sein. Frauen freuen sich natürlich auch, wenn sie erfahren, wie viele verschiedene Angebote von Frauen ins Netz gestellt werden....

sagmal.de :
Wie surfen die Ceiber Weiber ? Einfach Frau in eine Suchmaschine eingeben und Enter drücken ?

Aktion online-now Alexandra:
Erstmal haben wir eine Menge an Links recherchiert, die wir dann meist als Absprungbasis verwenden, wenn wir sehen wollen, was es so alles an Neuem gibt. Und sonst ergeben sich meist Anlässe, wie etwa, Biografisches über historische Frauen zu erfahren, und da findet Frau nicht nur das, was sie sucht, sondern viele andere interessante Seiten.

sagmal.de :
Es geht bei euren Themen ja im Tenor um die Gleichstellung zwischen Mann und Frau. Gleiche Chancen bei gleicher Qualifikation. Da ist doch die Frage angebracht: Wieviele Mitarbeiter hat euer Team und wieviele davon sind Männer ?

Alexandra:
Bei uns arbeiten nur Frauen, da wir Frauen ermutigen wollen, sich das Internet zu eigen zu machen - als Userin und als Gestalterin
:-)

sagmal.de :
Wenn du die freie Auswahl hättest, wer stünde als Interviewpartner ganz oben auf deiner Liste und warum ?

Alexandra: Eigentlich kann ich mir die InterviewpartnerInnen eh aussuchen, da alle recht nett und bereitwillig sind, mit denen ich bisher gesprochen habe. Aber bspw. an Hillary Clinton hab' ich noch nicht gedacht
:-)

sagmal.de : Ich habe mir euer Logo, das online now Logo, das Bild von dir, von Christiana und Elisabeth heruntergeladen, nur Praktikantinnen hab ich dabei keine gefunden
:o)) Woran das wohl liegt ?

EliAlexandra:
Erstens: Elisabeth Wetsch lieferte das Design, als Auftragsarbeit wie das Design für die Webseite bspw. einer Bank, beteiligt sich aber aktuell nicht an der Arbeit der CeiberWeiber. Zweitens: Praktikantinnen arbeiten nach ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen mit und lernen was bei uns, was meist eher kurzfristig ist, da sie bspw. aus Bundesländern kommen, wo arbeitssuchenden Frauen keine Ausbildungen im Bereich Internet ermöglicht werden.

sagmal.de :
Es gibt jetzt auch Mädchen und Männerseiten bei euch. Das mit den Mädchen kann man ja nachvollziehen, da wird die neue Generation schon langsam an die höheren Aufgaben herangeführt. Aber die Seiten mit den Männern ? Haben die nur Alibifunktion ?

Alexandra:
Viele User meinten, sie hätten auch gerne etwas für sie selbst. Da dachten wir, na gut, dann nennen wir euch eben bspw. Vorbildmänner aus der Geschichte, bspw. die Begleiter der Karrieren von Bertha von Suttner oder Clara Zetkin. Außerdem haben wir festgestellt, daß es zumindest im deutschsprachigen Netz wenig "Männerbewegtes" gibt und deshalb auch was dazu kreiert (das ändert sich ja nun u.a. durch Compadre :-).

sagmal.de :
Ceiber Weiber ist eindeutig ein Frauenmagazin. Warum findet man auf euren Seiten keine Schminktipps oder Kochrezepte ?

Alexandra:
Es gibt massenhaft all das klischeemäßig "Frauliche", also wozu da noch etwas dazufügen, was von anderen Angeboten kaum zu unterscheiden ist?! Frauen interessieren sich eben auch für Gesellschaftspolitisches, für ihre Geschichte, für Psychologisches, für das, was andere Frauen tun und sagen. Und diese Infobedürfnisse versuchen wir abzudecken.

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz ?

Alexandra:Das wärs :-)
Liebe Grüße
Alexandra

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Das Interview wurde im Februar 2000 in Form eines E-Mail Interviews geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de
Wir danken Alexandra Mader für die Beantwortung unserer Fragen.
Die bei diesem Interview verwendeten Bilder unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von der Ceiber Weiber Homepage entnommen.

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