Interview mit Jörg Bueroße vom 31.7.2000
Jörg Bueroße, Focus-online Jörg Bueroße
geb. 29.6.1961. Ausbildung als Hotelkaufmann. 1984 Jura-Studium und Gründung Unternehmens- und EDV-Beratung. 1987 Redakteur bei "Computer persönlich", 1990 stellvertretender Chefredakteur "LANline". Ab 1992 Produkt Marketing Manager bei CompuServe Bereich Central Europe. Im Anschluß Cheflektorat Verlag Markt & Technik.1995 Chefredakteur bei FOCUS Online. Seit 1998 Geschäftsführer FOCUS Online und Interactive Content Production (ICP) sowie Ende 1999 beim Interactive Advertising Center (IAC). Seit Mai 2000 ist Jörg Bueroße Vorstandsvorsitzender der FOCUS Digital AG.

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...hinsichtlich der Aktualität sehe ich klare Vorteile beim Internet gegenüber einem Magazin

sagmal.de:
Herr Bueroße, FOCUS und FOCUS-online, wo liegen die gravierenden Unterschiede?

FOCUS-online Jörg Bueroße:
Kurz gesagt, bietet FOCUS Online einen erweiterten Nutzen zum FOCUS Magazin. Wir recyceln also keine Magazin-Artikel, sondern bieten mediengerechte Informationen, zum Beispiel in der Form von Datenbanken an, die einen persönlichen Nutzwert bieten: Handytarife, Versicherungsvergleiche, Kreditkarten, Automobile, Reisen, etc. Diese Datenbanken sind ständig aktuell und nutzbar: ein wesentlicher Vorteil des Mediums Internet.

sagmal.de:
Wie muss ein Beitrag aussehn, was muss er enthalten, um gut genug für FOCUS-online zu sein?

Jörg Bueroße:
Grundsätzlich gilt, dass unsere Geschichten aktueller sein müssen, als in einem Wochenmagazin. Außerdem überlegen wir uns bei jeder Geschichte: "Könnte sie so auch im FOCUS Magazin stehen?" Dann machen wir sie nämlich nicht, weil wir kein Magazin im klassischen Sinn im Internet machen wollen. Die meisten User wollen keine langen Artikel am Bildschirm lesen, unsere Geschichten haben daher immer eine interaktive Komponente (Renten- oder BAFÖG-Rechner, Datenbanken, etc.) Erst dann nutzen wir wirklich die Stärken des Mediums Internet.

sagmal.de:
Online Beiträge sind in der Regel ja wesentlich schneller als die Beiträge der Print Ausgabe. Wird es irgendwann Informationen nur noch online geben? Oder was spricht noch für die gedruckte Ausgabe?

Jörg Bueroße:
Aus dem oben gesagten wird klar, dass Print und Internet eigene Stärken haben und sich gegenseitig ergänzen. Ich bin nicht der Ansicht, dass diese beiden Medien einander ablösen werden. Die Nutzung einer Zeitschrift unterscheidet sich sehr deutlich von der Internet-Nutzung: sie bietet auf bequeme und optisch ansprechende Weise sehr tiefgehende Informationen, die ich nicht an einem PC-Bildschirm konsumieren will, sondern lieber in meinem Gartensessel. Lediglich hinsichtlich der Aktualität sehe ich klare Vorteile beim Internet gegenüber einem Magazin.

sagmal.de:
Schreiben Sie schwarze Zahlen, oder ist FOCUS-online nur das Schmankerl für die Leser?

Jörg Bueroße:
Wir schreiben schwarze Zahlen, da wir mit unserem Service- und Nutzwertkonzept eine Zielgruppe ansprechen, die auch für Werbetreibende interessant ist. Wir haben von Anfang an in eine Marketing-Ressourcen investiert, was sich bereits ausgezahlt hat. Die FOCUS Online GmbH beschäftigt heute über 20 festangestellte Redakteure und viele freie Journalisten. Manches Print-Magazin hat nicht so viele Mitarbeiter. Wir haben ein eigenständiges Konzept unter der Marke FOCUS entwickelt und wirtschaften unabhängig vom Magazin.

sagmal.de:
FOCUS-online führt ja auch Interviews durch. Welche Person des Internet wäre denn als Interviewpartner interessant für Sie?

Jörg Bueroße:
Wir haben in der Tat schon viele Personen aus diesem Umfeld interviewed, ich selbst beispielsweise den CEO von Yahoo, Tim Koogle. Lediglich Steve Jobs von Apple hat sich bei mir nicht sonderlich beliebt gemacht, als ich einmal extra nach Paris flog um ein exklusives Interview zu machen, hat er kurzfristig ein Masseninterview daraus machen wollen. Da habe ich ihm leider absagen müssen und bin zurück geflogen. Ein Mitarbeiter von uns hat das dann später in Kalifornien nachgeholt. Es gibt leider zu wenig kompetente Leute, die unabhängig sind und wirklich substantiell neues zum Thema sagen können: Esther Dyson zum Beispiel.


sagmal.de:
Nutzen Sie das Internet auch zur Recherche?

Jörg Bueroße:
Zu über 70 Prozent meiner Recherchen nutze ich das Internet, weitere Quellen sind Zeitungen und Zeitschriften aus dem In- und Ausland.

sagmal.de:
Greifen Sie auf Beiträge der Printredaktion zurück oder fabrizieren Sie alles selbst? Oder bedient sich die Printredaktion gar bei Ihnen?

FOCUS Digital AG Jörg Bueroße:
Wir haben eine eigene Redaktion und die ICP GmbH ist unsere Webagentur, die unseren Internetauftritt realisiert. In der Tat ist es so, das wir für das FOCUS Magazin eine Seite pro Woche produzieren und neue Themen auf FOCUS Online vorstellen. Bei entsprechenden Artikeln im Magazin wird dann oft auch auf weitergehende Infos oder Datenbanken bei FOCUS Online verwiesen.

sagmal.de:
Gilt auch im Internet der Spruch von Helmut Markwort: Fakten, Fakten, Fakten und an die Leser denken?

Jörg Bueroße:
Das gilt im Internet genauso wie im Magazin.

sagmal.de:
Hat sich Journalismus in den letzten Jahren gewandelt? Gibt es Erfahrungswerte, die helfen, die Beiträge oder die Art der Präsentation zu verbessern?

Jörg Bueroße:
Ich denke, das sich die Qualität des Journalismus durch das Internet nur verbessert hat. Im Internet bin ich jedoch noch mehr dazu gezwungen, komplexe Sachverhalte kurz, prägnant und anschaulich darzustellen. Ich habe zwar technisch gesehen viel Platz, die User wollen sich allerdings schnell informieren. Die Qualität der Recherche und auch der Redakteure ist bei Print und im Internet identisch.

sagmal.de:
Wird sich das Medium Internet aus journalistischer Sicht noch mehr ändern?

Jörg Bueroße:
Redakteure können Informationen im Internet wesentlich vertiefen, in dem sie auf weiterführende Quellen verweisen , die der Nutzer einfach per Mausklick erreichen kann. Auch die Geschwindigkeit der Aktualisierung ist ein wesentlicher Vorteil des Internets. Durch die mögliche Interaktivität kann ich den Nutzer wirklich persönlich ansprechen und er bekommt eine Information, die für ihn massgeschneidert ist. Das ist das wirklich neue am Medium Internet.

sagmal.de:
Focus-online,Stern-online,Spiegel-online. Warum soll sich der interessierte Leser gerade für FOCUS-online entscheiden?


FOCUS Money online Jörg Bueroße:
Wir recyceln keine Informationen aus anderen Medien, sondern publizieren neue Themen mediengerecht oder Internet-gerecht. Unsere Nutzer kommen speziell wegen des Nutzwertes und der Serviceangebote zu uns; und die gibts in der bekannt guten FOCUS-Qualtität. Bei uns bekommt der User Informationen, die ihm im beruflichen und privaten Leben weiterhelfen. Seine Online-Zeit und Geld sind bei FOCUS Online gut investiert.

sagmal.de:
Angenommen, wir sitzen vor Ihrem Rechner und Sie haben eine Stunde Zeit und Muße privat zu surfen. Was bekommen wir zu sehen?

Jörg Bueroße:
Ich interessiere mich privat für neue Technologien, die im Internet, PC-Bereich oder der Telekommunikation eingesetzt werden. Dazu steuere ich häufig amerikanische Websites an. Außerdem sind die Naturwissenschaften, insbesondere die Astronomie ein Hobby, dem ich leider zu wenig nachgehen kann. Auch hier gibt es in den USA ausgezeichnete Websites zum Thema, bei denen man endlos Zeit verbringen kann.

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Jörg Bueroße:
Das Internet wird unser aller Leben verändern, im Positiven wie im Negativen. Im Internet werden sich langfristig alle gesellschaftlichen Gruppen und Rassen wiederspiegeln mit dem besonderen Vorteil, einander noch besser kennenzulernen und öfters mal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

Freundliche Grüße,
   Jörg Bueroße


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Das Interview wurde am 31.7.2000 per E-Mail geführt . Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Joerg Büroße für die Beantwortung unserer Fragen.

Die bei diesem Interview verwendeten Bilder unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den jeweiligen Homepages entnommen.


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