Interview mit Markus Mettler vom 15.2.2001
Markus Mettler Markus Mettler
Mit 0 Jahren geboren 1966. Mit 5 Jahren Steine verkauft an den Boss einer Konservenfabrik. Mit 9 Jahren Spacefood aus den USA importiert (genügend Gewinn, um mich sattzuessen). Mit 12 Jahren Gemüse und Bier aus Griechenland importiert (erste Werbetexte, viel Spass, keine Kunden). Mit 19 Matur in Trogen (Appenzell). Mit 19.5 am Broadway in N.Y in einem kleinen Büro Café geholt und Post verteilt. Mit 20 an der Uni in Genf Betriebswirtschaft angefangen. Mit 21 an der Uni in Genf Betriebswirtschaft erfolgreich abgebrochen und mit Kollegen die Dactis gegründet. Mit 30 bei der Entwicklung des ersten BrainStores mitgemacht. Und zur Zeit immer noch bei BrainStore.com. Weil es so interessant ist.

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Jugendliche sind nicht zwingend kreativer. Sie haben aber den Vorteil, dass sie noch kein "Gepäck" mit sich rumschleppen, das sie beim Kreativsein behindert. Jugendliche denken nicht darüber nach, ob etwas möglich, realisierbar, zu teuer ist. Die Ideen sprudeln einfach.

sagmal.de:
Markus, man macht ja nicht einfach so eine Firma auf, die Ideen verkauft. Wie kommt man auf die Idee mit den Ideen und vor allem, wie setzt man sowas um?

Brainstore Logo Markus Mettler:
Bei der Gründung der Firma 1989 war unsere Grundidee, zwischen Jugendlichen, die Ideen haben, und Firmen, die Ideen brauchen, Brücken zu schlagen. Wir brachen die beiden Gruppen an einen Tisch. Und so starteten wir das Ideenbusiness ganz langsam und bauten es laufend aus, bis wir bei unserer heutigen Struktur der Ideenfabrik angelangt waren.

sagmal.de:
Welche Ausbildung braucht man, um bei Brainstore Ideen zu verkaufen?

Markus Mettler:
Den Beruf des Ideenfabrikanten gibt es ja noch nicht. Daher setzt sich unser Team aus ganz unterschiedlichen Disziplinen zusammen. Wichtig ist die Freude an Methodik, unermüdliche Schaffenskraft, logisches Denken und vor allem, dass alle "Brains" völlige Individuen sind Wir haben Betriebswirtschafter, Hoteliers, Konditorinnen, Theaterpädagogen, Psychologen, Marktforscherinnen, Journalisten, Spinner, Querdenker und Grafiker im Team und noch viele mehr. Die 35 Personen die bei uns arbeiten weden ergänzt durch ein internationales Netzwerk von über 2500 Menschen, vom Jugendlichen über die Studentin bis zur Industriedesgnerin und dem Schokoladespezialisten, je nach Fragestellung.

sagmal.de:
Wer kauft eigentlich Ideen? Nur Grosskonzerne?

Markus Mettler:
BrainStores Motto ist: Frische Ideen, egal wofür, jetzt. Bei uns kaufen nicht nur Grosskonzerne und Firmen ein, sondern ebenso kleine Betriebe und Privatpersonen. Wer in den Laden kommt und schnell eine Lösung braucht, wird gleich bedient und verlässt unsere Fabrik schon nach kurzer Zeit mit einer Lösung. Die Methodik ist aber die gleiche wie bei einem grossen Projekt.

sagmal.de:
Wie kommt Ihr an eure Kunden?

Markus Mettler:
Wir sprechen jene Firmen an, für die es uns interessiert, Ideen zu entwickeln oder von denen wir wissen, dass Sie Ideen brauchen. Und rund ein Viertel der Aufträge wird an uns herangetragen. Natürlich machen wir auch Werbung.

sagmal.de:
Musstet Ihr schon einmal einen Auftrag ablehnen, weil euch einfach nichts eingefallen ist?

Markus Mettler:
Nein. Die BrainStore-Methodik ist nicht auf Einfälle ausgelegt, sondern auf einen klaren Prozess, und in diesem entstehen immer Ideen. Was wir anbieten, ist eine gute Idee, die verblüffend, positiv, themenbezogen und einfach ist. Dass es die beste oder einfallsreichste Idee ist, die man finden kann, garantieren wir nicht, weil wir in einer vorgegebenen Zeit produzieren.

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sagmal.de:
Erklär uns doch mal, wie man sich eure Vorgehensweise vorstellen muss. Da kommt eine Firma, sagen wir eine Aktiengesellschaft, die eine zündende Idee braucht. Wie geht es dann weiter?

Markus Mettler:
Der erste Schritt ist ein intensives Gespräch mit unserem Kunden. Als Ideenfabrik müsen wir ganz genau verstehen, was der Kunde sucht, was seine heutige Ausgangslage ist und wie seine Zielsetzungen lauten. Nachdem wir dieses Briefing erstellt haben, bekommt der Kunde ein Angebot für unser Vorgehen und unsere Kosten. Stimmt er dem Auftrag zu, startet die Ideenproduktion.

Der BrainStore Wir arbeiten in drei Etappen. in der VISION werden erste Ansätze für die Idee gemeinsam mit dem Kunden, Experten und Jugendlichen unter der Anleitung von BrainStore entwickelt. BrainStore analysiert dann diesen innert rund einem Tag entstandenen Ideentopf, filtert interessante Schienen raus, fügt diese zu Kurzkonzepten zusammen und "verpackt" sie so, dass sie dem Kunden präsentiert werden können (siehe auch "Produktion" unter www.brainstore.com). Zum Schluss dieser Etappe führen wir mit dem Kunden den Ideentest durch, um zu einer Entscheidung zu gelangen, welche Idee weiterverfolgt werden soll.

In der zweiten Phase, der PROJEKTIERUNG, wird die Favoritenidee des Kunden in ein Detailkonzept weiterentwickelt. Dazu benutzen wir unsere Tools CreativeTeam, TrendScouting und InputSearch (eine Art Marktforschung). Recherchen finden statt, Machbarkeitsabklärungen werden getroffen. Wiederum schliesst eine Visualisierung und ein Ideentest diese Etappe ab.

Wünscht der Kunde, dass wir seine Idee gleich in die Tat umsetzen, bieten wir die dritte Phase, das PRODUKT, an. Dank unseres weltweiten Netzwerks von über 2500 Spezialisten können wir jede Idee umsetzen. BrainStore koordiniert, plant und kontrolliert die Schritte.

sagmal.de:
Ihr arbeitet sehr viel mit Jugendlichen zusammen. Sind Jugendliche kreativer als "ältere" Semester?

Markus Mettler:
Jugendliche sind nicht zwingend kreativer. Sie haben aber den Vorteil, dass sie noch kein "Gepäck" mit sich rumschleppen, das sie beim Kreativsein behindert. Jugendliche denken nicht darüber nach, ob etwas möglich, realisierbar, zu teuer ist. Die Ideen sprudeln einfach. In Kombination mit dem Kunden und Experten entsteht so an unseren Workshops eine Atmosphäre, in der es um die Aufgabe geht, und nicht um Prestige, Hierarchien, und in der nicht jede Idee gleich zerredet wird.

sagmal.de:
Was war Deiner Meinung nach die ausgefallendste Idee, die Ihr je verkauft habt?

Markus Mettler:
Eine sehr ausgefallene Anfrage war die eines Angestellten eines Museums, der von seinem Chef einfach nicht wahrgenommen und geschätzt wurde. Er wollte wissen, wie er daran was ändern kann. Auch lustig war die Anfrage eines Mannes, welcher der Gynälologin seiner Frau nach der Geburt ihres Kindes etwas schenken wollte und uns sagte: "Ein Handy hat sie schon". Im Businessbereich sind die spannendsten Anfragen jene, wo wir die Möglichkeit haben, ein völlig neues Produkt zu entwickeln. Zum Beispiel "Ocléa", ein Frühstücksgetränk, das dabei hilft, sich schön, wach und glücklich zu fühlen.

Das Team hirnt sagmal.de:
Beim Studium Eurer Seiten fand ich den Begriff "hirnen". Zitat:In den Frühlingsferien 1996 "hirnten" dann drei Teenager am Produkt. Zitat Ende.
Was bitte ist "hirnen"?

Markus Mettler:
Ein Helvetismus für "intensiv nachdenken".

sagmal.de:
Sieht man "Mr. Brain" Markus Mettler auch ab und zu selbst "hirnen", oder kümmerst Du dich nur noch um administrative Aufgaben?

Markus Mettler:
Nein, ich bin sehr stark in die Produktion involviert, allerdings mehr als Coach. Nach 11 Jahren Ideenentwicklung hat man ein Gespür dafür, was funktioniert und was nicht. Ich sitze mit den Leuten aus der Produktion zusammen und wir entscheiden gemeinsam, wie in den Projekten vorgegangen wird. Die Substanz der Ideen beurteile ich immer, bevor die Idee dem Kunden gezeigt wird.

sagmal.de:
Was fällt Dir zum Thema Badewannen ein? Wenn ich recht informiert bin, so habt Ihr in euren Räumen eine ganze Sammlung davon? Wozu?

Die Badewannen bei BrainStore! Markus Mettler:
Einfach, sie gefallen uns und inspirieren uns. Eine Badewanne hat Goldfische drin, eine andere hat Räder und ein eingebautes GPS. Die Badewannen zeigen uns, dass das Absurde manchmal in der Ideenfindung das Naheliegende ist.

sagmal.de:
Wo treibt sich ein kreativer Mensch wie du herum, wenn er im Web unterwegs ist? Ich will mindestens drei Deiner Anlaufstellen wissen!

Markus Mettler:
www.brainstore.com natürlich.
www.mycity.com, eine geniale, ideenreiche Seite, die 46 Städte aus aller Welt als Kunstprojekt präsentiert,
www.fastcompany.com.
Die Seite der "new economy"-Bibel Amerikas.

sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst?

Markus Mettler:
Nein

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz

Markus Mettler:
Nein

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Das Interview wurde am 15.2.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Markus Mettler für die Beantwortung unserer Fragen.

Dank auch an Annette Kelter, die Markus Kettler als Interviewpartner für das obige Interview vorschlug.


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