Interview mit Karlheinz Böhm vom 30.8.2000
Karlheinz BöhmKarlheinz Böhm,
geb. 16.3.1928, wurde in den von 1955 bis 1957 gedrehten "Sissi"-Filme als Kaiser Franz-Joseph an der Seite von Romy Schneider zum Weltstar. 1981 wettete Karlheinz Böhm in der ZDF-Sendung "Wetten, dass..?", daß "nicht jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Franken oder sieben Schilling für Menschen in der Sahelzone spendet". Mit 1,4 Mio. DM flog er nach dieser Sendung im Oktober 1981 erstmals nach Äthiopien und gründete am 13. November 1981 in Deutschland die Hilfsorganisation MENSCHEN FÜR MENSCHEN

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Ich war und bin mir der Verantwortung voll bewusst, die aus dem Vertrauen entstanden ist, das mir Menschen bis zum heutigen Tag ca. 305 Millionen DM anvertraut haben

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sagmal.de:
Herr Böhm, vom Kaiser Franz Joseph zum Initiator und Leiter der Organisation "MENSCHEN FÜR MENSCHEN". Ein weiter Weg?

Karlheinz Böhm:
Der Weg zur Gründung von "MENSCHEN FÜR MENSCHEN" hat genau 53 Jahre und 21 Tage gedauert. Ohne mein gesamtes Leben, seien es die Erlebnisse des zweiten Weltkriegs oder die Rückkehr nach Österreich danach (ich verbrachte den Krieg bekanntlich in der Schweiz), seien es meine beruflichen Entwicklungen der 50er Jahre, in denen ich mir eine hohe Popolarität beim Kinopublikum erarbeitet habe, seien es die unvergesslichen Eindrücke der 68er- Revolution, bei der eine junge Generation reicher Leute Kinder auf die Strasse ging und gegen die materialistische Entwicklung des Wirtschaftswunders protestierte, seien es meine weiteren beruflichen Entwicklungen auf der Bühne und meine ersten drei beruflichen Begegnungen mit dem Leben in Afrika 1976, 77 und 78----all das hat letztlich zu dem Entschluss geführt, ungeachtet meines Alters, aber im Rückblick auf meine Leben und im Ausblick auf die Zukunft MENSCHEN FÜR MENSCHEN zu gründen, um etwas zu verändern, was wir alle als Menschen der reichen Industriegesellschaft so nicht akzeptieren dürfen.

sagmal.de:
Ich kann mich noch an den Beginn der Aktion erinnern. Ihr Aufruf zur 1.-DM Spende hat ja seit damals ein unglaubliches Eigenleben entwickelt. Hätten Sie je damit gerechnet ?

Wetten dass! Sendung von 1981 Karlheinz Böhm:
Ich würde es nicht Eigenleben nennen, was aus dieser ersten D-Mark geworden ist. Ich war und bin mir der Verantwortung voll bewusst, die aus dem Vertrauen entstanden ist, das mir Menschen bis zum heutigen Tag ca. 305 Millionen DM anvertraut haben. Mit diesen Dimensionen hatte ich damals weder gerechnet noch irgendwelche Planungen gemacht. Alles, was ich getan habe, basiert auf dem sokratischen Lehrsatz:"Ich weiss, dass ich nichts weiss". Es war und ist ein Lernprozess, der schon sehr viel in Bewegung gesetzt hat.

sagmal.de:
Gab es am Anfang Kritik aus der Presse, nach dem Motto:"Wieder ein Promi, der eine Aktion ins Leben ruft, um im Gespräch zu bleiben"?

Karlheinz Böhm:
Falsche Unterstellungen dieser Art, die es immer wieder gegeben hat (auch, wenn es sie heute weniger und weniger gibt), haben mich deshalb nie berührt, weil ich meiner Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit immer bewusst war.

sagmal.de:
Wie groß ist die Organisation "MENSCHEN FÜR MENSCHEN" mittlerweile?

Karlheinz Böhm:
MENSCHEN FÜR MENSCHEN hat drei Büros in München, Wien und St. Gallen mit 15 fest angestellten Mitarbeitern in allen drei Länder. In Ähiopien haben wir ein Verteilungszentrum in Addis Abeba und fünf verschiedene Projektgebiete mit 632 Angestellten, wovon 4 Europäer sind.

sagmal.de:
Sie arbeiten ja ehrenamtlich für "MENSCHEN FÜR MENSCHEN". Ist diese Arbeit ein Fulltimejob, wenn man den Begriff Job nicht überbewertet? Denn es ist sicher mehr als nur ein Job.

Karlheinz Böhm in Äthiopien Karlheinz Böhm:
Meine Arbeit für MENSCHEN FÜR MENSCHEN ist neben der idealistischen Grundlage und riesigen Verantwortung gegenüber den Spendern fast mehr als das, was man einen Generalmanager nennen würde. Es gibt mir neben meinem nomadischen Hin- und Herfahren manchmal leider allzu wenig Zeit für meine Familie.

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sagmal.de:
Was versprechen Sie sich konkret von Ihrem Auftritt im Internet?

Karlheinz Böhm:
Ich persönlich benutze keinen Computer, kenne daher unsere Identifikation in dieser modernen Technologie nicht. Ich höre aber viel Gutes...

sagmal.de:
In Äthiopien verhungern und verdursten Männer, Frauen und Kinder. Im Internet werden innerhalb von Monaten, Wochen, Tagen sogar, Milliarden gemacht. Stimmt da die Relation noch?

Karlheinz Böhm:
Ganz klar und deutlich: NEIN!

sagmal.de:
Wie nutzen Sie die Möglichkeiten, die das Internet bietet, privat und für "MENSCHEN FÜR MENSCHEN"?
Was finden Sie positiv am Medium Internet?
Und was negativ?

Karlheinz Böhm:
Dass ich damit nicht viel anfangen kann, das hat wohl zum einen mit meinem Alter zu tun, zum anderen, dass meine Mitarbeiterinnen so gut damit auskommen.

sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?

Karlheinz Böhm, Gründer und Betreiber von MENSCHEN FÜR MENSCHEN Karlheinz Böhm:
Ich würde mir wünschen, dass die Menschheit nicht von der Technologie geschluckt wird, sondern wieder zu sich selber findet als MENSCHEN FÜR MENSCHEN
Mit freundlichen Grüssen
Ihr Karlheinz Böhm
 
Stichwort Stiftung MENSCHEN FÜR MENSCHEN e.V. -
Karlheinz Böhm
Land Deutschland Österreich Schweiz
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BLZ 701 500 00
PSK Postkonto
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18180018
Konto:
7.199.000
Konto:
PC 85-175-2
Auf der Homepage von MENSCHEN FÜR MENSCHEN kann
auch online gespendet werden.

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Das Interview wurde am 30.8.2000 per Mail und Fax geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de.
Wir danken Karlheinz Böhm für die Beantwortung unserer Fragen.


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