Angelika
Teichert geboren 1955 in Baden Württemberg. Nach Beendigung der Realschule Ausbildung zur Kauffrau. Seit 20 Jahren selbstständig. Zuerst im Bereich Nahrungsergänzungen wurde ein fliessender Übergang geschaffen zur Entwicklung von kosmetischen Produkten. Sie führt zusammen mit ihrem "Dauerverlobten" Andreas Grell eine kleine Kosmetikfirma.
*** In manchen Urlaubsgebieten wird sogar aus "Mitleid" Gift am Saisonende ausgelegt. Die armen Tiere müssten sonst ja verhungern, wenn Müllberge weg sind, keine Essensreste aus den Tavernen mehr zu finden sind.
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sagmal.de:
Angelika, was genau muss man sich unter dem Begriff Animalpardnet
vorstellen? |
Angelika Teichert:
Tja, das ist ein kleiner Stolperer. Animal, klar, nahezu weltweit verständlich, der Begriff für Tiere. Pard, hier kommt eine englische Bezeichnung mit ins Spiel, die in etwa aus Königs Arthurs Zeiten stammt - sie ist umgangssprachlich, also eher Slang und bedeutet soviel wie Partner. Aber, im guten Langenscheidt haben wir es doch noch gefunden. Net - das ist ein Teil unserer Vision. Abkürzung für Network - Netzwerk. Umspannend für einen größeren Teil, als "nur" die schöne Halbinsel
Chalkidiki, im Norden Griechenlands. Denn, leider, leider, ist die Situation für die Tiere in ganz Griechenland (und allen anderen südlichen und osteuropäischen Ländern) ähnlich - an manchen Orten noch dramatischer. Nur, irgendwo muß man anfangen und sich dann mit der Zeit - und mit dem dafür
notwendigen Geld - durcharbeiten, zäh dran bleiben, um irgendwann wie eine Krake das Land, das Leid im Griff zu haben. Wie gesagt, eine Vision.
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sagmal.de:
Gibt es denn in Deutschland nicht genügend Tiere, die Probleme haben? |
Angelika Teichert:
Hier möchte ich gerne die Situation um unsere Nutztiere ausklammern. Für
ein
so "zivilisiertes" Land, wie Deutschland, ist es nicht nachvollziehbar,
warum
die Haltung, die Tötung, die Transporte etc. noch immer auf so quälende,
unsagbar erbarmungswürdige Art erfolgt. Reinhard Mey besingt das Elend auf
seiner letzten CD - das Lied Erbarmen lässt einem das Blut in den Adern
gefrieren.
Um bei den Haustieren zu bleiben - ja, natürlich. Uns ist durchaus bewußt,
dass manche Tierheime am Überquellen sind und nicht mehr wissen, wohin mit
den Tieren. Auch in Deutschland passiert es, dass Tiere über Nacht einfach
an
der Pforte angebunden werden. Entweder, weil der Besitzer in Urlaub
möchte - oder, weil das Tier doch zu groß geworden ist, oder eine mögliche
anstehende Arztrechnung nicht beglichen werden könnte. Die Gründe hierfür
sind sicherlich vielfältig, oft aber leider nur feige und sehr oft
gedankenlos. Ein Tier hat eine Seele - hier kann man sich streiten oder
nicht. In jedem Fall leistet das Tier in einem solchen Fall Trauerarbeit
der schlimmsten Art. Sich ein Tier "anzuschaffen" (es ist die Umgangssprache!!)
bedeutet, man bekommt Familienzuwachs auf vier Pfoten. Ein Kind wird
irgendwann erwachsen, geht aus dem Haus. Unsere Vierbeiner sind bis zur
letzten Stunde auf uns angewiesen. Das ist vielen nicht bewußt, wenn sie
den Gang zum Züchter o.ä. unternehmen. Auch hier werden manche Tiere, wenn die
anfängliche Spiel- und Schmusephase vorüber ist, wenn man merkt, der kackt
ja auf den neuen Teppichboden - der will sogar bei schlimmstem Wetter nach
draußen, er will ständig Aufmerksamkeit und Liebe - ja, das ist dann doch
zu anstrengend, also werden auch in Deutschland Tiere ausgesetzt.
Aber - natürlich nicht in dem Maße, wie es in den südlichen Ländern
passiert. Dort ist es die Regel, dass die Tiere unkastriert sind, die
Weibchen also nahezu zwei Mal jährlich werden, ein Kleines darf bei der
Mutter bleiben, weil die Besitzer nicht wissen, wie das Tier sonst
beruhigen, wenn die Zitzen voller Milch sind. Der Rest - dafür gibt es
Mülleimer oder ein paar Gramm Gift.
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sagmal.de:
Viele werden sagen, es gibt wichtigere Themen als Hunde in
Griechenland. Kinder in Krisengebieten zum Beispiel, Kranke, Kriegsopfer. Trifft euch so ein Vorwurf?
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Angelika Teichert:
Ja und Nein. Auch uns bewegen die Ungerechtigkeiten, die leidvollen
Schicksale auf dieser Welt. Wir machten und machen auch nicht die Augen
zu, wenn in manchen Ländern schon Kinder sich der Prostitution hingeben, um
die Familie ernähren zu können. Wenn sie sich bettelnd und schnüffelnd durch
ihr Leben kämpfen müssen. Wenn der Hunger nagt, kein Regen fällt, um die Ernte
zu bewässern. Hier gibt es zum einen aber schon teilweise große Institutionen, die sich dieses Themas annehmen. Es sind im Grunde alles weltpolitische Entscheidungen. Ich bin überzeugt, dass es genügend Geld auf der Welt gibt, um allen gerecht werden zu können. Es ist nur irgendwie zu
schief verteilt. Aber eines ist uns noch nie begegnet - daß bei einem uns
solch erreichten Vorwurf der andere sich genau für das einsetzt, was er
bei uns bemängelt. Das wäre dann doch schon wieder ein Stückchen mehr heile
Welt. Ich denke, es gibt "Schlüsselmomente" in einem Leben, die lenken
einen dorthin, wo die Emotionen am größten sind. -Allerdings - die Klebespur,
die man hiermit betreten hat, lässt einen nicht mehr los.
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sagmal.de:
Ist das Ganze nicht eher ein Problem der griechischen Behörden? Wie gehen die denn mit den Hunden um? |
Angelika Teichert:
Wenn wir das Problem den Behörden alleine überliessen - wäre es unter
Umständen zu schnell, dafür aber nur sehr kurzfristig gelöst. Mit großen
Vergiftungscampagnen, wie man sie z.B. aus der Türkei kennt. Aber, selbst
die größte angelegte Aktion dieser Art kann das Problem an der Wurzel nicht lösen. Es wird den Tierschutz nicht nachhaltig stärken. Denn: ein
Weibchen
kann in drei Jahren für rund 200 Tiere (eigene Nachkömmlinge und deren
wieder) sorgen. So ist die Population sehr schnell wieder dort und
darüber,
wo man schon angekommen war. Es geht nur über Kastrations- und
Aufklärungsaktionen - in Verbindung mit den Einheimischen. Mit
Kirchenvorständen, mit Bürgermeistern, mit Schulen, Kindergärten etc. In
manchen Urlaubsgebieten wird sogar aus "Mitleid" Gift am Saisonende
ausgelegt. Die armen Tiere müssten sonst ja verhungern, wenn Müllberge weg
sind, keine Essensreste aus den Tavernen mehr zu finden sind. VORHER
kastrieren!! Nicht HINTERHER vergiften. Hier wird noch eine zähe
Überzeugungsarbeit anstehen, um jahrhunderte altes Verhalten dem Tier
gegenüber zu verändern. Mit allzu viel Druck erreichen wir aber auch
nichts.
So deutsch, so gründlich, so missionarisch.
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sagmal.de:
Gibt es den Fall einer Hunderettung, der dir besonders ans Herz
gewachsen ist? |
Angelika Teichert:
Ach je, also, ohne jetzt gleich eine Klinikpackung Taschentücher für mich
parat legen zu müssen - was ich in den letzten 18 Monaten gesehen, erlebt,
gehört habe, war viel. Jedes Tier, welches durch unsere Hände ging, wird
einen ganz besonderen Status behalten - lebenslang. Aber wir könnten hier
unsere Nike nennen. Nike ist der Name der griechischen Siegesgöttin - und
Nike hat letztlich doch noch gesiegt. Eine kleine Hundedame, ca. ein Jahr
alt - ihr wurde das linke Vorderbein zerschossen - unsere Tierschützer
fanden das Häufchen Elend nach Tagen und ihnen war sofort klar. Sie muß
zum Tierarzt. Das Vorderbein mußte amputiert werden.
Nike erzählt ihre Geschichte
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sagmal.de:
Habt Ihr Hilfe vor Ort?
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Angelika Teichert:
Ja - und es geht auch nur mit Hilfe vor Ort. Samira und Hubert Tieß
Abou-Hamdan, zwei Deutsche, vor einigen Jahren ausgewandert. Eigentlich
sollte es nur ein schöner, langer Urlaub werden. Jetzt machen sie 24
Stunden Tierschutz täglich, ehrenamtlich, wir unterstützen sie finanziell für
Kastrationsaktionen, Tierärzte, Medikamente, Therapien etc.
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sagmal.de:
Das Ganze ist doch sicher auch sehr kostenaufwändig?
Wie finanziert Ihr euch?
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Angelika Teichert:
Allein über Mitgliederbeiträge und Spenden. Was mit 90 Mitgliedern zur
Zeit sicherlich noch viel zu spärlich ist - aber, wir müssen durchhalten, um
nicht ins Stocken zu geraten. Jeder Monat, in dem nicht kastriert wird,
wirft unser Ziel unglaublich wieder nach hinten. Wohin mit dem Welpen? Wir
möchten keine Welpenverschickung auf Dauer vornehmen. Das sollen
Einzelfälle und Notfälle bleiben. Wir dürfen das Problem nicht verlagern.
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sagmal.de:
Inwieweit soll das Internet euch helfen bei eurer Arbeit?
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Angelika Teichert:
Für mich ist Internet noch so etwas wie das erste Auto. Als das erste
tatsächlich auf vier Reifen und einem Motor zum Laufen kam, dachte
sicherlich die halbe Welt, das wird sich nie durchsetzen und setzte
weiterhin aufs Pferd. So ähnlich geht es mir. Bin mit meinen 46 Jahren
erst seit zwei Wochen in der Lage, ein Mail zu schreiben. Nicht, weil ich so
lange gebraucht habe, um das Tippen zu lernen - das Programm war vorher
nicht auf meinem Rechner und ich hatte auch kein Bedürfnis. Aber es wird
wohl DER Kommunikationsweg der Zukunft sein. Und, wenn es denn so ist,
hoffen wir, auf diesem Wege zum einen das Thema in der Öffentlichkeit
präsent machen können und zum anderen auch Menschen zu finden, die sich
unseren Ideen anschliessen können.
Ein schöner Füllfederhalter, ein edles Schreibpapier, um dann mit Hand
einen richtigen Brief zu schreiben - vielleicht wird das auch bald eine Vision
sein. |
sagmal.de:
Wie kommt jemand, der interessiert ist, an eure Hunde?
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Angelika Teichert:
Am allerbesten nimmt er direkt Kontakt zu unseren griechischen
Tierschützern auf. Sie sind ja beides Deutsche, deshalb gibt es keine
Verständigungsprobleme. Und sie können am ehesten immer wissen, wo ist
eine kleine Hündin, wo ein großer Rüde, wo ein Welpchen oder darf es auch ein
älteres Tier sein. Deren Telefon-Nummer ist 0030 - 375 - 23592. Es kostet
abends gar nicht so viel, seinen Vier-Pfoten-Wunsch zu übermitteln. Via
e-mail sind sie zu erreichen unter animalhs@otenet.gr
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sagmal.de:
Wie ist deine eigene Beziehung zum Internet?
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Angelika Teichert:
Siehe oben - bin am üben. Bei meiner ganzen Überei war ich mal in Indien -
bin fast erschrocken.
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sagmal.de:
Hast du bereits ein paar Lieblingsseiten? |
Angelika Teichert:
Ja, unsere Home-Page. Und viel mehr kenne ich auch noch nicht. Mir fehlt
aber schlichtweg auch die Zeit, um eine gemütliche Surf-Runde zu starten.
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sagmal.de:
Hast du bei meinen Fragen eine Frage vermisst? |
Angelika Teichert:
Ja, die der Vision. Deshalb habe ich sie gleich zu Anfang mit beantwortet.
Liegt mir immer sehr am Herzen.
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sagmal.de:
Noch einen Schlusssatz?
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Angelika Teichert:
Gerne - vielleicht finden wir auf diesem Wege Menschen, die nicht nur
davon träumen, dass man die Welt verändern sollte. Mit Engagement, Enthusiasmus,
Hartnäckigkeit aber auch Verständnis und Geduld lässt sich etwas bewegen.
Sicherlich nicht die Anden von Peru nach Kanada zu versetzen. Aber, volle
Hundemägen, glückliche, gesunde vier Pfoten, keine ausgemergelten Körper,
keine Gebärmaschinen, die nach wenigen Jahren völlig ausgezehrt und
ausgelaugt sind . . . das muß nicht nur ein Traum bleiben . .
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Das Interview wurde am 17.6.2001 per Mail geführt. Die Fragen stellte Robert Herbig, Webmaster von sagmal.de. Wir danken Angelika Teichert für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen |
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